Lese- und Rechtschreibstörung


Seminararbeit, 2004

19 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichte der Lese- und Rechtschreibstörung

3. Definition

4. Erscheinungsbild und Symptome
4.1 Auffälligkeiten in der Lesefertigkeit
4.2 Auffälligkeiten in der Rechtschreibung

5. Erklärungsansätze
5.1 Die genetische Disposition
5.2 Neuropsychologische Erklärungsansätze
5.3 Weitere Erklärungsansätze

6. Diagnose

7. Therapiemöglichkeiten
7.1 Schulische Fördermaßnahmen
7.2 Leistungsbewertung in der Schule
7.3 Zusätzliche Förderung durch eine Therapie mit LARS

8. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen Gesellschaft ist es von enormer Bedeutung die Sprache in Schrift und Wort zu erlernen. Sowohl im beruflichen, wie auch im alltäglichen Leben werden die Fähigkeiten des Lesens und Schreibens als selbstverständlich vorausgesetzt. Die Schule ist dafür verantwortlich, Lese- und Schreibfertigkeit zu vermitteln und zu festigen. Und obwohl die Befähigung zum Lesen und Schreiben schon im Grundschulalter manifestiert sein sollte, gibt es doch einige Schüler und Schülerinnen in höheren Klassen und auch Erwachsene, die darin erhebliche Mängel aufweisen.

In der Literatur finden sich viele verschiedene Begriffe im Zusammenhang mit dem Phänomen Lese- und Rechtschreibstörung. Sehr häufig liest man Ausdrücke wie Legasthenie, Lese- und Rechtschreibschwäche oder einfach Schwierigkeiten in den Bereichen Lesen und Schreiben. Ich jedoch möchte mich im weiteren Verlauf meiner Ausarbeitung auf die Begrifflichkeiten des ICD-10 und des DSM-IV berufen.

Der ICD-10 ist eine internationale Klassifizierung psychischer Störungen, welche von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben wird. Darin findet sich im Kapitel V (F 81) die Klassifizierung „umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten“[1]. In dem Unterabschnitt F 81.0 des Kapitels V ist ein klinisch-diagnostischer Leitfaden speziell für „Lese- und Rechtschreibstörungen“[2] aufgeführt. Der DSM-IV ist ebenfalls eine Systematisierung psychischer Störungen. Dem Abschnitt F 81.0 aus ICD -10 entspricht im DSM-IV die Klassifizierung „Lernstörungen“[3] mit dem Unterabschnitt 315.00 „Lesestörungen“[4]. Beide Schemata ordnen Lese- und Rechtschreibstörungen diagnostizierbaren Entwicklungsstörungen zu. Denn bei Schülern und Schülerinnen mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten ist der gereifte und regelgerechte Umgang mit den Kulturtechniken gestört.

Im Bereich der Lesestörung gibt es nicht nur im Hinblick auf Begrifflichkeiten Unterschiede, sondern auch im Bereich der Definition. Oft wird die Störung mit der Lese- und Rechtschreibschwäche verwechselt. Die Diskrepanz ist so festgelegt, dass diese Störungen entwicklungs- und neurobiologisch veranlagt sind und nicht durch vorübergehende Probleme, wie Schulwechsel oder Erkrankung, begründet werden können.

In dieser Hausarbeit werde ich mich ausschließlich auf die Lese- und Rechtschreibstörung nach ICD-10 (F 81.0) beziehen und mich mit den folgenden Fragen beschäftigen:

Seit wann kennen die Menschen das Problem der Lese- und Rechtschreibstörung? Welche Ursachen gibt es und wie wirken sie sich auf die Schrift und das Wort der Kinder aus? Wie reagiert man, wenn man erkennt, dass ein/e Schüler/in Lesestörungen hat? Wie kann man als Eltern oder Lehrer/in helfen?

2. Geschichte der Lese- und Rechtschreibstörung

Seit vielen Jahren stellt man sich die Frage nach den Symptomen, Ursachen und der Förderdiagnostik bei lese- und rechtschreibgestörten Schülern/innen. Die Wissenschaft kommt immer wieder zu neuen Erkenntnissen und die Forschungsarbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen. Zu Beginn der Forschung beschäftigten sich vorwiegend Mediziner mit den Schwierigkeiten beim Erlernen von Sprache in Schrift und Wort und man nannte dieses Phänomen damals „Wortblindheit“.

Erstmals beschäftigte sich der Pädagoge Ranschburg im Jahre 1916 mit der Lese- und Rechtschreibstörung und „prägte den Begriff der Legasthenie“[5]. Nach Ranschburg gehörten Kinder mit diesen Schwierigkeiten auf Hilfsschulen, denn nur dort könne speziell auf ihre Probleme eingewirkt werden. Für ihn galt Legasthenie als „nachhaltige Rückständigkeit höheren Grades in der geistigen Entwicklung des Kindes“[6]. Diese Ansicht war lange Zeit maßgebend und führte dazu, dass Legasthenie-Schüler/Innen auf den Hilfsschulen unterfordert und erwachsene Analphabeten für unterdurchschnittlich intelligent gehalten wurden. Durch die Isolation des Zweiten Weltkrieges blieb der Standpunkt Ranschburgs lange Zeit unumstritten, bis dann 1951 die Psychologin M. Linder neue Forschungsergebnisse erzielte. Nach Linder waren Schüler/Innen mit Lese- und Rechtschreibdefiziten keineswegs Kinder, die nur geeignet waren für den Besuch von Hilfsschulen. Sondern sie entdeckten genau das Gegenteil. Kinder mit diesen Schwierigkeiten waren mindestens durchschnittlich, wenn nicht sogar überdurchschnittlich begabt. Zwischen den Leistungen im Lesen und Schreiben und allen anderen Fähigkeiten der Kinder stellte sie eine große Diskrepanz fest. Legastheniker konnten durch diese neuen Erkenntnisse aus der Isolierung der Hilfsschulen entkommen. Fast alle neueren Definitionen der Legasthenie z.B. durch Küspert bedienen sich Linders Vorgaben als Grundlagen. Küspert definierte Legasthenie als „eine ganz spezifische Schwäche beim Erlernen des Lesens und/oder Rechtschreibens bei (mindestens) durchschnittlicher Intelligenz“[7]. Der Begriff Legasthenie wurde Mitte der 70er Jahre erstmal angezweifelt. Denn mit ihm ging die Assoziation einher, dass Schüler mit Lese- und Rechtschreibstörungen und durchschnittlicher Intelligenz nicht besonders gefördert werden müssten. Heute spricht man oft von Teilleistungsstörungen und auch gelten die Begrifflichkeit des ICD-10 und DSM-IV.

Wie viele Menschen Probleme mit dem Lesen und der Rechtschreibung haben, kann man nur vermuten, da nur Schätzungen vorgenommen werden können und dadurch ergibt sich immer nur ein Mittelwert. Wie unterschiedlich die Ergebnisse von Schätzungen sein zeigen die Erhebungen von Biglmaier und Schenk-Danziger. Biglmaier geht 1965 von 2-5% Geschädigten aus und Schenk-Danziger 1971 schon von 18%.

Die Lesestörung ist keine Krankheit, welche selten auftritt, sondern man kann davon ausgehen, dass gerade Lehrerinnen und Lehrer sich immer wieder mit dem Thema auseinandersetzen werden müssen. Denn als Lehrerin oder Lehrer sollte man die Probleme der Schüler/innen mit dem Lesen und Schreiben erkennen können, um gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Zu Beginn wäre dazu zu klären, wie die Lese- und Rechtschreibstörung definiert ist.

3. Definition

Im Laufe der Forschungsjahre rund um Lesestörungen gab es sehr verschiedenartige Definitionen. Die Relevanteste in der heutigen Zeit ist die des ICD-10. Dieser definiert:

„Das Hauptmerkmal ist eine umschriebene und eindeutige Beeinträchtigung

in der Entwicklung der Lesefertigkeiten, die nicht allein durch das Entwicklungsalter, durch Visusprobleme oder unangemessene Beschulung erklärbar ist. Mit Lesestörungen gehen häufig Rechtschreibstörungen einher.“[8]

Die Entwicklung eines Schülers/einer Schülerin ist im Hinblick auf Lese- und Rechtschreibfertigkeiten gestört. Jedoch diese Störung darf nicht erworben sein durch Hirnschäden oder auftreten nach emotionalen Problemen. Ganz wichtig ist auch, dass die Störung nicht durch uneffektiven Unterricht hervorgerufen wurden. Lese- und Rechtschreibstörungen sind nie nur abhängig von äußeren Einflüssen, sondern sie sind zentral-nervös begründete Teilleistungsstörungen. Des Weiteren darf bei dem Schüler/ der Schülerin keine Intelligenzminderung vorliegen, welche die Lese- und Rechtschreibstörung erklären würde. Wenn der IQ in einem standardisierten Test unter 70 liegt, ist dies ein Ausschlusskriterium aus der Diagnose Lese- und Rechtschreibstörung. Auch müssen diese Schwierigkeiten von Beginn der Grundschule an bestehen und dürfen nicht erst in der weiteren Schullaufbahn auftreten. Und als letztes Kriterium ist zu nennen, dass die Lese- und Rechtschreibstörung nicht auf optische oder akustische Beeinträchtigungen zurückzuführen ist. Wenn all diese Unterscheidungsmerkmale nicht zutreffen, handelt es sich um die Lese- und Rechtschreibstörung, wie im ICD-10 (F 81.0) beschrieben.

[...]


[1] Baumann, U. ; Perrez,M.: Lehrbuch der klinischen Psychologie- Psychotherapie, S.456, Bern: Huber

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Baumann, U. ; Perrez,M.: Lehrbuch der klinischen Psychologie- Psychotherapie, S.456, Bern: Huber

[5] Sommer-Stumpenhorst, Norbert :Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten; Berlin 1991: Cornelsen

[6] Ebd.

[7] Möckel, Andreas. Lese-Schreibschwäche. Würzburg 2004: Edition Bentheim

[8] ICD-10 Kapitel V (F): F 81.0: Lese- und Rechtschreibstörung

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Lese- und Rechtschreibstörung
Hochschule
Universität zu Köln  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Seminar: Lern- und Leistungsstörungen
Note
1.3
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V29354
ISBN (eBook)
9783638308816
ISBN (Buch)
9783640388905
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lese-, Rechtschreibstörung, Seminar, Lern-, Leistungsstörungen
Arbeit zitieren
Susanne Berlingen (Autor), 2004, Lese- und Rechtschreibstörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29354

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Titel: Lese- und Rechtschreibstörung



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