Einsatzmöglichkeiten von Wikis für kooperative Lehr-/Lernprozesse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Sammlung von Wissen

2 Wikis
2.1 Definition von Wikis
2.2 Das Wiki-Prinzip
2.3 Gründe für die Beteiligung an Wikis
2.4 Wikis als Social Software

3 Lernen
3.1 Kooperatives Lernen
3.2 Blended Learning
3.2.1 Definition Blended Learning
3.2.2 Nutzung eines Wikis im Bereich des Blended Learnings

4 Lernen mit Wikis
4.1 Vorgehensweise bei der Durchführung eines Wiki-Projekts
4.2 Beispiele für den erfolgreichen Einsatz von Wikis in der Praxis
4.2.1 Einsatz eines Wikis als Brainstormingwerkzeug
4.2.2 Einsatz eines Wikis zum kollaborativen Schreiben
4.2.3 Einsatz eines Wikis bei dem Projekt „Konzepte in der Jugendarbeit“
4.3 Nutzen aus der Beteiligung an Wikis

5 Fazit

1 Sammlung von Wissen

Mit der fortschreitenden Entwicklung des Internets hat sich auch die Vorgehensweise bei der Beschaffung von Informationen enorm gewandelt. Mittlerweile ist nicht mehr das Buch das Medium, das als erstes genutzt wird, um Auskünfte zu erhalten, sondern das Internet. Während es vor einigen Jahren noch erforderlich war͕ Bibliotheken aufzusuchen, gelangt man heute im Internet durch wenige Mausklicks zum Wissen der Welt. In unserer modernen Gesellschaft, aus der das Internet nicht wegzudenken ist, ist diese Form der Informationsbeschaffung schon zur Gewohnheit geworden. Unbekannte Begriffe werden gegoogelt oder in OnlineeŶzyklopädien nachgeschlagen. Damit gewinnen Wikis zuneh- mend an Bedeutung. Die Vorstellung, dass Wikis nur im Bereich der Freizeit genutzt wer- den können, greift zu kurz. Auch im beruflichen Bereich und im Feld der Bildung bieten sie einige Vorteile, so dass sie einer genaueren Betrachtung wert sind.

In dieser Arbeit soll darauf eingegangen werden, wie Wikis im Bereich des kooperativen Lernens eingesetzt werden können. Zunächst müssen allerdings einige Fragen geklärt werden. Was versteht man allgemein unter Wikis und worum handelt es sich bei dem Wiki-Prinzip? Was motiviert die Nutzer sich unentgeltlich daran zu beteiligen und wieso lassen sich Wikis der Social Software zuordnen? Was versteht man unter Blended Lear- ning und kooperativem Lernen? Diesen und weiteren Fragen soll nachgegangen werden, bevor anhand konkreter Beispiele verdeutlicht wird, wie Wikis sinnvoll in einem Bildungs- kontext verwendet werden können.

2 Wikis

Das erste Wiki wurde im Jahr 1995 als einfaches Werkzeug zum Wissensmanagement entwickelt und von seinem Erfinder Ward Cunningham in Anspielung auf das World Wide Web und die hawaiianische Bezeichnung „wiki wiki“ für schnell das WikiWikiWeb genannt (Vgl. Danowski, Jansson & Voß, 2007, S. 18). Da Wikis sehr einfach zu nutzen sind, sind sie ein geeignetes Werkzeug zur Unterstützung kooperativer Arbeit (Vgl. Oeltjen, 2005, S. 139).

2.1 Definition von Wikis

Allgemein sind Wikis Webseiten, die nicht zwischen Schreib- und Lesezugriff diffe- renzieren: Wer sie lesen kann, der darf auch Seiten bearbeiten und anlegen. […] Alle Bearbeitungsschritte werden gespeichert, so dass jede Änderung nachvollzogen werden kann. Anstatt Änderungen und Neueinträge zunächst von einem Herausge- ber oder Experten begutachten zu lassen, findet die Kontrolle in Form von Kommentaren und weiteren Änderungen im Nachhinein statt. (Danowski, Jansson & Voss, 2007, S. 18).

2.2 Das Wiki-Prinzip

Moskaliuk (2008a) beschreibt sechzehn Prinzipien, die für den Einsatz von Wikis charakte- ristisch sind, wobei er zwischen funktionalen, psychosozialen und allgemein für moderne Werkzeuge zur computergestützten Kollaboration geltenden Prinzipien unterscheidet (Vgl. S. 18-24). Aus Platzgründen gehe ich in meiner Arbeit nur auf die funktionalen und psychosozialen Prinzipien ein, da aus ihnen die Besonderheiten der Wikis am deutlichsten hervorgehen.

Die funktionalen Prinzipien lassen sich direkt auf das Werkzeug Wiki zurückführen (Vgl. Moskaliuk, 2008a, S. 20). Das schnelle und einfache Editieren bildet das erste dieser Prin- zipien. Für die Bearbeitung eines Wikis wird keine spezielle Software benötigt und die technischen Anforderungen sind so gering, dass die Nutzer Wikis ohne große Schwierig- keiten bedienen können. Es wird nicht zwischen Leser, Autor, Produzent und Rezipient unterschieden. Zwei weitere Prinzipien sind, dass jede einzelne Seite in einem Wiki über Links mit anderen Seiten verbunden ist und dass diese Verknüpfung über Querverweise erfolgt. Dadurch ist sie Hyperlinkstruktur nicht starr festgelegt. Seiten, die neu angelegt werden, werden automatisch in die bereits vorhandene Struktur eingegliedert. Das vierte Prinzip bezieht sich auf die Versionierung und Aktualität des Textes. Wird eine Seite ver- ändert, so wird automatisch eine neue Version angelegt und die alte Variante gespei- chert. Dadurch ist es möglich, dass jede Änderung nachvollzogen und wenn nötig wieder- hergestellt werden kann. Das letzte funktionale Prinzip besagt, dass bei einem Wiki der Schwerpunkt auf einem kollaborativen Produkt liegt, so dass es möglich ist fremde Text- stellen zu ergänzen und zu verändern (Ebd. S. 18-20).

Die psychosozialen Prinzipien beziehen sich auf die Rahmenbedingungen der Gemein- schaft, in denen das Wiki eingesetzt wird und können auch bei Einsatz anderer Werkzeu- ge von Bedeutung sein (Ebd. S. 20). Der Zugang zu den Inhalten eines Wikis ist offen zu- gänglich und die Informationen werden ohne Lizenzgebühren zur Verfügung gestellt. Bei dem zweiten psychosozialen Prinzip stehen flache Hierarchien im Zentrum. Es wird auf formale Regeln verzichtet und jeder Nutzer besitzt die gleichen Rechte, Pflichten und Möglichkeiten. Das Prinzip der Freiwilligkeit und Selbstbestimmung besagt, dass die User selbst entscheiden, ob sie einen Beitrag leisten möchten und dass die Beendigung der Mitgliedschaft ohne Folgen bleibt. Die Nutzer können sich ihre Zeit frei einteilen und sind bei der Mitarbeit an einem Artikel nicht an Arbeitszeiten oder Abgabefristen gebunden. Entsprechend des vierten psychosozialen Prinzips besitzen die Themen der Artikel eine Relevanz für das berufliche oder private Leben der Verfasser. Dadurch sind die Nutzer daran interessiert, dass die bereitgestellten Informationen vollständig und richtig sind. Das letzte Prinzip ist das der Unterschiedlichkeit. Alle User haben sehr unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit Wikis gemacht und haben unterschiedliche Fachbereiche, in denen sie sich besonders gut auskennen (Ebd. S. 20-21).

2.3 Gründe für die Beteiligung an Wikis

Die Arbeit an einem Wiki erfolgt unentgeltlich und ohne eine weitere offensichtliche Be- lohnung. Daher stellt sich die Frage, was derart viele Menschen dazu veranlasst, sich an Wikis aktiv zu beteiligen (Vgl. Stegbauer, 2008, S. 173). Im Folgenden sollen anhand motivationaler und sozialer Erklärungsansätze gezeigt werden, welche möglichen Gründe es für eine freiwillige Beteiligung an einem Wiki gibt (Vgl. Kimmerle, 2008, S. 69). Die Ansätze aus der Motivationspsychologie gehen der Frage nach, welche Ziele Personen erreichen wollen und suchen damit nach Erklärungen für das menschliche Erleben und Verhalten. Für den Erfolg eines Wikis ist es wichtig, dass sich die Nutzer selbstbestimmt, freiwillig und ohne äußeren Zwang beteiligen. Das Streben nach einer persönlichen Ent- wicklung bestimmt das menschliche Handeln und sollte im Idealfall von innen motiviert sein. Das thematische Interesse liefert ebenfalls eine Begründung im Sinne der motivati- onspsychologischen Erklärungsansätze. Themen, die die Nutzer persönlich interessieren, steigern deren Motivation und wecken in ihnen den Wunsch, sich an einem bestimmten Artikel zu beteiligen. Manche User erleben die Arbeit an einem Wiki als Flow und sind völlig von ihrer Tätigkeit erfüllt. Sie nehmen die Arbeit nicht als anstrengend wahr, son- dern empfinden sie als spannend und interessant (Ebd. S. 70-74).

„Die sozialpsychologische Forschung geht der Frage nach, inwiefern das Erleben und Ver- halten von Menschen von anderen Menschen beeinflusst wird. Personen handeln nicht unabhängig von ihrer sozialen Umwelt, sondern nehmen Bezug auf ihre Mitmenschen und auf die Gruppen, denen sie sich zugehörig fühlen.“ (Ebd. S. 74). Bei der Kosten- Nutzen-Relation des Wissensaustauschs müssen die Nutzer überlegen, ob sie dazu bereit sind, ihr Wissen mit weiteren Personen zu teilen. Da der aktive Wissensaustausch Zeit und Mühe kostet, muss abgewogen werden, ob es für die Nutzer von Vorteil ist sich ko- operativ zu verhalten, ihre Kenntnisse zu teilen und damit die gesamte Gruppe zu unter- stützen oder das Wissen für sich zu behalten somit als Machtfaktor zu gebrauchen. Der zweite sozialpsychologische Erklärungsansatz besagt, dass bei der Arbeit an einem Wiki soziale Beziehungen ausgebaut werden können, bei denen sozialen und persönlichen Ei- genschaften eine wesentliche Bedeutung zukommt. Aus dem Verhalten eines Kooperati- onspartners in der virtuellen Welt wird auf dessen persönliche Eigenschaften geschlossen. Viele Nutzer legen großen Wert auf die eigene positive Reputation. Sie möchten in ihrer Community angesehen werden und einen bestimmten Status erreichen. Eine weitere Er- klärung liefert das Bedürfnis nach Selbstdarstellung. Durch die Anonymität des Internets können die Nutzer viel stärker als in der realen Welt kontrollieren, was sie von sich selbst preisgeben. Verfügen die Nutzer über ein erhöhtes Selbstdarstellungsbedürfnis, wirkt sich dies positiv auf die Partizipation an einem Wiki aus (Ebd. S. 74-80).

2.4 Wikis als Social Software

Wikis liegt das Programm der Social Software zu Grunde (Vgl. Oeltjen, 2005, S. 142). Eine genaue Definition des Begriffs Social Software existiert zwar nicht, doch „[…] wird [diese Bezeichnung] in der Regel für Systeme genutzt, mit denen Menschen kommunizieren, zusammenarbeiten oder auf eine andere Art interagieren können.“ (Alby, 2008, S. 89). Ein weiteres Kriterium für eine soziale Software ist, dass sie dazu beiträgt den Aufbau und das Selbstmanagement der Community zu fördern.

Es wird zwischen einer sozialen Software unterschieden, bei der die Kommunikation im Vordergrund steht und einer, bei der zwar kommuniziert wird, doch die von den Nutzern erstellten Inhalte und der Gemeinschaftsgedanke im Zentrum stehen. Wikis lassen sich eindeutig dem zweiten Typ zuordnen (Vgl. Alby, 2008, S. 89-91). Bei Wikis steht das Schreiben von Texten im Mittelpunkt und die Nutzer können die Seiten nicht nur lesen, sondern auch selbst zum Autor werden (Vgl. Himpsl, 2007, S. 42).

Wikis sind nützlich, wenn ein gemeinsames Ziel in kooperativer Zusammenarbeit verfolgt wird und seitens aller Beteiligten die Bereitschaft herrscht, dieses Medium zu nutzen. Die User müssen eine bestimmte Etikette einhalten und respektvoll mit den Beiträgen der anderen Beteiligten umgehen. Dennoch kommt es wie auch im realen Leben teilweise zu Problem beim sozialen Umgang und zu Vandalismus, so dass Seiten teilweise absichtlich inhaltlich zerstört werden (Vgl. Oeltjen, 2005, S. 142-143).

3 Lernen

„Lernen ist ein Prozess, der in einer relativ konsistenten Änderung des Verhaltens oder des Verhaltenspotenzials resultiert, und basiert auf Erfahrung.“ (Gerrig & Zimbardo, 2004, S. 243). Lernen hat stattgefunden, wenn der Lernende Ergebnisse vorweisen kann und in der Lage ist Dinge zu tun, zu denen ihm zuvor das Wissen gefehlt hat. Doch nicht immer lässt sich Lernen an der Leistung erkennen. Auch allgemeine Haltungen, die nicht unmit- telbar gemessen werden können, können erlernt werden. Damit etwas als gelernt gilt, muss sich das geänderte Verhalten in verschiedenen Situationen relativ beständig zeigen. Die Reaktionen eines Menschen, die die Umwelt beeinflussen und auf bestimmte Infor- mationen folgen werden durch im Gedächtnis abgespeicherte Erfahrungen beeinflusst (Vgl. Gerrig & Zimbardo, 2004, S. 243-244). Im Folgenden sollen das kooperative Lernen und das Blended Learning als besondere Formen des Lernens genauer betrachtet werden.

3.1 Kooperatives Lernen

Kooperatives Lernen bezeichnet einen sozialen Prozess der Wissenskonstruktion […] bei dem die Mitglieder einer Gruppe in wechselseitigem Austausch Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben. Dabei sind alle Gruppenmitglieder am Lerngeschehen beteiligt und tragen gemeinsam Verantwortung. […] Durch den Mechanismus des ‚grounding‘ […] bei dem sich die Teilnehmer durch verbales und non- bzw. para- verbales Verhalten wechselseitiges Verstehen signalisieren, etabliert sich ein ge- meinsamer Wissenshintergrund. (Hesse, Garsoffky & Hron, 2002, S. 283).

Das kooperative Lernen bietet einige Vorteile. Die Involviertheit der Nutzer ist sehr hoch, so dass das erworbene Wissen aktiv verarbeitet wird. Zudem sorgen die metakognitiven Aspekte der Lernplanung und die Motivation aufgrund der Gruppenzugehörigkeit für positive Wirkungen. Indem das sozial geteilte Wissen vergrößert wird, erhöht sich die Handlungskompetenz der Gruppe und die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Da sich diese Vorteile nicht von selbst einstellen, muss die Lernsituation strukturiert werden und die Beteiligten müssen über eine grundsätzliche Bereitschaft und Kooperationsfähigkeit verfügen (Vgl. Hesse, Garsoffsky, Hron, 2002, S. 283-284).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Einsatzmöglichkeiten von Wikis für kooperative Lehr-/Lernprozesse
Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V293572
ISBN (eBook)
9783656910220
ISBN (Buch)
9783656910237
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einsatzmöglichkeiten, wikis, lehr-/lernprozesse
Arbeit zitieren
Anna-Maria Lehre (Autor), 2012, Einsatzmöglichkeiten von Wikis für kooperative Lehr-/Lernprozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293572

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