Jedem sind wohl die nackten Damen, die in keiner Ausgabe der BILD-Zeitung fehlen, bekannt. Bare Haut und spärliche Bekleidung sind aus dem beliebten Boulevardblatt nicht wegzudenken.
Lange Zeit zierte ein täglich wechselndes „Seite-1-Girl“ und ein kurzer Artikel zu dieser Person die Titelseite jeder Ausgabe der Straßenverkaufszeitung. Doch nicht nur an dieser zentralen Position, sondern beinahe in allen Rubriken mangelte es nicht an entblößter Haut. Inzwischen wurden die Mädchen von der ersten Seite verbannt, doch trotzdem spielen Erotik, Sexualität und Nacktheit weiterhin eine zentrale Rolle in der BILD-Zeitung.
Nicht nur durch die optische Darstellung in Form von Bildern wird Erotik erzeugt, sondern auch durch die Sprache, die in diesem Zusammenhang zum Einsatz kommt. Allgemein weist die Sprache der BILD einige Besonderheiten auf, die sie von anderen Blättern unterscheidet.
Im Folgenden soll geklärt werden, welche Merkmale die Sprache der BILD besitzt. In diesem Zusammenhang werden das syntaktische Inventar, die Lexik und die rhetorischen Figuren der Bild genauer betrachtet.
Anschließend wird anhand der Ergebnisse einer Inhaltsanalyse die sexualisierte Darstellung der Frau in der BILD behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1 Nackte Haut als Kennzeichen der BILD
2 Welche Rolle spielt die Sprache bei der Darstellung von Erotik in der BILD?
2.1 Sprache der BILD
2.1.1 Syntaktisches Inventar
2.1.1.1 Satzlänge
2.1.1.2 Satztypen
2.1.1.3 Modus
2.1.1.4 Genus Verbi
2.1.1.5 Interpunktion
2.1.2 Lexik in der BILD
2.1.2.1 Wortfelder
2.1.2.2 Umgangssprache
2.1.2.3 Wortbildung
2.1.2.4 Superlativ
2.1.3 Rhetorische Figuren
2.2 Sexualisierte Darstellung von Frauen
2.3 Beispielsartikel
2.3.1 Echte Supermodels werden nicht älter
2.3.2 Klitschko-Ex Hayden spielt Bikini Tennis
2.3.3 Bei Langeweile geht sie fremd
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, welche spezifischen sprachlichen Mittel die Boulevardzeitung BILD einsetzt, um im Kontext erotischer Darstellungen Interesse zu wecken und die Aufmerksamkeit der Leserschaft gezielt zu lenken. Dabei wird analysiert, inwiefern theoretische Charakteristika der Boulevardsprache – wie Vereinfachung, Emotionalisierung und der Einsatz rhetorischer Figuren – auf aktuelle redaktionelle Beiträge übertragbar sind.
- Analyse des syntaktischen und lexikalischen Inventars der BILD
- Untersuchung rhetorischer Stilmittel zur Erzeugung von Spannung
- Betrachtung der sexualisierten Inszenierung weiblicher Körper
- Empirische Anwendung der Theorie auf drei aktuelle Presseartikel
Auszug aus dem Buch
2.1.1.1 Satzlänge
In der BILD lassen sich vorwiegend kurze Sätze finden, die sich durch einen simplen Satzbau auszeichnen. Dadurch ist es für den Leser möglich die Artikel schnell und leicht zu überfliegen und zu erfassen. Im Staccato-Stil wird ohne Konjunktionen und Verbindungspartikel telegrafisch knapp informiert. Dabei entsteht beim Leser der Eindruck, als erfahre er die Geschehnisse live und unmittelbar. Das Satztempo wird beschleunigt, indem häufig Wörter weggelassen und leicht verständliche, grammatikalisch unvollständige Aussagesätze verwendet werden. Bei dem Rezipienten weckt dies eine innere Unruhe und Neugierde und vermittelt den Eindruck einer steigenden Spannung und dramatischen Aufregung. Oftmals werden komplexe Sätze in dreiteilige Wortgruppen zerlegt und somit eine Intensivierung der Darstellung des Ereignisses erzielt und ein leichtes Textverständnis ermöglicht.
Der Leser wird nach und nach mit Informationen versorgt und behält sein Verlangen nach weiteren Details, das er dank des zügigen Satzbaus und des beschleunigten Satzrythmuses, rasch zu befriedigen vermag. Dass dabei Verben verschluckt und einige Sätze zu Satzrudimenten werden, wird in Kauf genommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Nackte Haut als Kennzeichen der BILD: Einleitende Darstellung der Bedeutung von Erotik und Nacktheit im Boulevardjournalismus sowie die Problemstellung dieser Arbeit.
2 Welche Rolle spielt die Sprache bei der Darstellung von Erotik in der BILD?: Theoretische Einführung in die sprachlichen Besonderheiten der BILD-Zeitung.
2.1 Sprache der BILD: Detaillierte Untersuchung der Syntax, Lexik und rhetorischen Mittel als konstitutive Merkmale des Boulevardstils.
2.2 Sexualisierte Darstellung von Frauen: Diskussion der medialen Inszenierung des weiblichen Körpers und der Tendenz zur Sexualisierung in der Boulevardpresse.
2.3 Beispielsartikel: Praktische Anwendung der theoretischen Erkenntnisse anhand der Analyse von drei ausgewählten Beiträgen.
3 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Bestätigung, dass die untersuchten Sprachmuster gezielt zur Leserbindung eingesetzt werden.
Schlüsselwörter
Boulevardpresse, BILD, Sprache, Erotik, Syntax, Lexik, Rhetorik, Sexualisierung, Staccato-Stil, Boulevardjournalismus, Medienanalyse, Emotionalisierung, Schlagzeilen, Textgestaltung, Frauenbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wechselspiel zwischen sprachlicher Gestaltung und der erotischen Darstellung von Frauen in der BILD-Zeitung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die syntaktischen Besonderheiten, der spezifische Wortschatz (Lexik) sowie der Einsatz rhetorischer Figuren, die den typischen Boulevardstil prägen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie die Sprache der BILD gezielt genutzt wird, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Wahrnehmung erotischer Inhalte beim Leser zu steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung der linguistischen Grundlagen des Boulevardstils in Kombination mit einer Inhaltsanalyse von drei ausgewählten Zeitungsartikeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse der sprachlichen Merkmale sowie die anschließende Anwendung dieser Erkenntnisse auf drei konkrete Praxisbeispiele aus dem Jahr 2012.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Boulevardjournalismus, Sprache, Erotik, Emotionalisierung und Medienanalyse definieren.
Wie bewertet die Autorin den "Staccato-Stil" der Zeitung?
Sie wertet ihn als ein bewusst eingesetztes Mittel, um beim Leser Unruhe, Neugierde und den Eindruck von unmittelbarem Geschehen zu erzeugen.
Welche Rolle spielt die Interpunktion in der BILD?
Zeichen wie Doppelpunkte, Ausrufezeichen und Auslassungspunkte werden strategisch genutzt, um Spannung aufzubauen, Sachverhalte zu raffen und die Phantasie des Lesers anzuregen.
Gab es eine Veränderung in der Darstellung der "Seite-1-Girls"?
Ja, die Arbeit verweist auf den Wandel im März 2012, als die BILD die nackten Damen von der Titelseite nahm, um ein Zeichen für Frauenrechte zu setzen.
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- Anna-Maria Lehre (Author), 2012, Die Rolle der Sprache bei der Darstellung von Erotik in der BILD-Zeitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293574