Betrugsdelikte kosten Unternehmen jedes Jahr schätzungsweise durchschnittlich 5 % ihres Umsatzes. Dies geht aus einer weltweit angelegten Studie der ACFE hervor, an welcher über 1.400 Anti-Fraud-Experten teilnahmen. Ausgehend von diesem Ergebnis wurde unter Berücksichtigung des Weltbruttosozialprodukts von 2013 eine potentielle Schadenssumme von 3,7 Billionen US-Dollar abgeleitet.
Derartige Wirtschaftsdelikte können gemäß der ACFE allgemein in drei Kategorien unterschieden werden. Vermögensschädigungen traten im Jahr 2014 mit über 85 % am häufigsten auf, während Manipulationen der Rechnungslegung mit lediglich 9 % einen sehr kleinen Anteil aller aufgedeckten Wirtschaftsstraftaten ausmachten. Korruption nahm mit knapp 37 % einen mittleren Stellenwert ein. Zusammenfassend lässt sich somit im Durchschnitt eine leicht steigende Tendenz seit 2010 beobachten.
Werden hingegen die durchschnittlichen Verluste für Unternehmen pro Jahr betrachtet, ergibt sich ein gänzlich anderes Bild. Während Vermögensschädigungen den letzten Platz belegten, verursachten Manipulationen der Rechnungslegung den mit Abstand höchsten Schaden.
Anhand dieser hohen Schadenssumme erscheint es kaum verwunderlich, dass das sog. Fraud Accounting in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt ist. Zusätzlich verstärkt wurde dieses Interesse durch Bekanntwerden einiger spektakulärer Bilanzskandale. Hierbei zu nennen sind besonders die Fälle Enron (2001) und WorldCom (2002) aus den USA sowie Flowtex (2000) und Comroad (2002) aus Deutschland. Ein Schuldiger war zumeist schnell in der Person des Abschlussprüfers gefunden. Dies lässt sich hauptsächlich durch die viel zu hohen Erwartungen der Öffentlichkeit an die Jahresabschlussprüfung begründen. Versuche, jene Erwartungslücke zu schließen, waren bisher nicht erfolgreich. Diese Umstände unterstreichen die enorme Wichtigkeit, welcher der Aufdeckung von Betrugsversuchen in der Rechnungslegung durch die Jahresabschlussprüfung zuteil wird.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
I. Relevanz
II. Zielsetzung
III. Gang der Argumentation
B. Unregelmäßigkeiten im Jahresabschluss
I. Der Begriff Fraud
1. Definition und Abgrenzung zu Error
2. Das Fraud Triangle
3. Kategorisierung von Fraud
a) Einteilung gemäß der Association of Certified Fraud Examiners
b) Einteilung gemäß dem Institut der Wirtschaftsprüfer
aa) Vermögensschädigungen und Gesetzesverstöße
bb) Täuschungen
II. Bilanzpolitik versus Bilanzmanipulation
1. Definition Bilanzpolitik und Abgrenzung
2. Möglichkeiten der Manipulation
C. Methoden eines Abschlussprüfers zur Aufdeckung von Fraud Accounting
I. Ziele der Abschlussprüfung
II. Der Einsatz von Prüfungssoftware im Rahmen der Abschlussprüfung
III. Verfahren im Überblick
1. Verfahren in der Phase der Prüfungsplanung
a) Red Flag Checklisten
b) Analytische Prüfungshandlungen
aa) Vorjahresvergleich
bb) Kennzahlenanalyse
cc) Zeitreihen- bzw. Trendanalyse
dd) Regressionsanalyse
ee) Künstliche neuronale Netze
2. Verfahren in der Phase der Prüfungsdurchführung
a) Ziffernanalyse
b) Regelbasierte Datenauswertung
aa) Duplikatsanalyse
bb) Lückenanalyse
c) Mining Verfahren
aa) Data Mining
bb) Text Mining
IV. Benford’s Law im Detail
1. Geschichtlicher Hintergrund
2. Mathematische Grundlagen und Definition
3. Voraussetzungen
4. Benford’s Law als Werkzeug des Abschlussprüfers
a) Anwendungsbereich
b) Anwendungsmöglichkeiten
c) Die Auffälligkeit manipulierter Daten
d) Messung der Abweichung mittels Chi-Quadrat-Anpassungstest
e) Möglichkeiten der Unterstützung durch Prüfungssoftware
f) Bewertung
D. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht Betrugsversuche in der Rechnungslegung (Fraud Accounting) aus der Perspektive des Abschlussprüfers. Das primäre Ziel ist es, die Grundlagen von Fraud zu beleuchten, eine präzise Abgrenzung zwischen legaler Bilanzpolitik und illegaler Bilanzmanipulation vorzunehmen sowie verschiedene Methoden zur Identifizierung und Aufdeckung von Fraud – mit besonderem Fokus auf der Ziffernanalyse und dem Gesetz von Benford – vorzustellen und kritisch zu bewerten.
- Grundlagen und Kategorisierung von Fraud (Fraud Triangle)
- Differenzierung zwischen Bilanzpolitik und Bilanzmanipulation
- Analytische Prüfungshandlungen (Vorjahresvergleich, Kennzahlen, Trends, Regression)
- Methoden der digitalen Datenanalyse (Mining, Ziffernanalyse)
- Anwendung und kritische Würdigung des Gesetzes von Benford in der Abschlussprüfung
Auszug aus dem Buch
1. Definition und Abgrenzung zu Error
Der Begriff „Fraud“ stammt vom lateinischen Wort „fraus“ ab, welches mit Betrug, Täuschung oder Hinterlist übersetzt werden kann. Doch jene Übersetzungsmöglichkeiten decken bei weitem nicht die gesamte Bandbreite dieses Begriffes ab. Daher erscheint es auch logisch, dass sich bis heute noch keine einheitliche Definition durchsetzen konnte. Im Folgenden wird versucht, Fraud mittels des HGB sowie einer Definition des Instituts der Wirtschaftsprüfer näher zu präzisieren.
Das HGB schreibt hierzu lediglich in § 317 I 3, dass Unrichtigkeiten und Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften, Bestimmungen des Gesellschaftsvertrags oder gegen die Satzung, die sich auf die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens wesentlich auswirken, bei gewissenhafter Berufsausübung erkannt werden müssen. Jedoch wird aufgrund fehlender Definition nicht ersichtlich, was unter den Begriffen Unrichtigkeiten und Verstöße zu verstehen ist.
Das Institut der Wirtschaftsprüfer versucht, dieses Problem mit ihrem Prüfungsstandard 210 zu lösen. Diesem folgend können in Abschlüssen eines Unternehmens falsche Angaben enthalten sein, welche entweder auf Fraud oder Error zurückzuführen sind.
Verstöße müssen laut dem IDW beabsichtigt gewesen sein und gegen gesetzliche Vorschriften oder Rechnungslegungsgrundsätze verstoßen haben.
Bei einer Unrichtigkeit hingegen handelt es sich um unbeabsichtigt gemachte Falschangaben, wie z.B. Schreib- oder Rechenfehler, falsche Anwendung von Rechnungslegungsgrundsätzen oder das Übersehen bzw. Falscheinschätzen von Sachverhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Relevanz von Betrugsdelikten in Unternehmen und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie den Gang der Argumentation vor.
B. Unregelmäßigkeiten im Jahresabschluss: Dieses Kapitel definiert den Begriff Fraud, erläutert das Fraud Triangle und grenzt Fraud sowie Bilanzmanipulation von legaler Bilanzpolitik ab.
C. Methoden eines Abschlussprüfers zur Aufdeckung von Fraud Accounting: Der Hauptteil erläutert diverse Verfahren zur Betrugsaufdeckung, darunter analytische Prüfungshandlungen, Mining-Verfahren und das Gesetz von Benford.
D. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Softwareunterstützung sowie der Kombination verschiedener Prüfungsmethoden.
Schlüsselwörter
Fraud Accounting, Bilanzmanipulation, Jahresabschlussprüfung, Fraud Triangle, Ziffernanalyse, Gesetz von Benford, Abschlussprüfer, Wirtschaftsdelikte, Bilanzpolitik, Prüfungssoftware, Data Mining, Anomalie-Erkennung, Chi-Quadrat-Anpassungstest, Risikoeinschätzung, Unregelmäßigkeiten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Aufdeckung von Betrugsversuchen in der Rechnungslegung (Fraud Accounting) aus der Sicht eines Abschlussprüfers.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung von Fraud, die Abgrenzung zur legalen Bilanzpolitik sowie die Vorstellung und Bewertung verschiedener technischer Methoden zur Betrugsidentifizierung.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten zur Aufdeckung von Fraud Accounting zu verschaffen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Ziffernanalyse liegt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine fundierte Literaturanalyse durch, stellt theoretische Modelle (wie das Fraud Triangle) vor und analysiert praktisch anwendbare Verfahren der digitalen Datenanalyse und Statistik für Abschlussprüfer.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt ausführlich die Phasen der Prüfungsplanung und -durchführung, inklusive analytischer Prüfungshandlungen, regelbasierter Datenauswertung, Mining-Verfahren und detailliert das Gesetz von Benford.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Fraud Accounting, Bilanzmanipulation, Ziffernanalyse, Benford’s Law und die Rolle des Abschlussprüfers bei der Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten.
Wie unterscheidet sich Bilanzpolitik von Bilanzmanipulation?
Bilanzpolitik bewegt sich innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen (GoB), während Bilanzmanipulation einen bewussten Verstoß gegen diese Normen darstellt und illegal ist.
Warum ist das "Fraud Triangle" für die Arbeit bedeutsam?
Es bietet ein theoretisches Erklärungsmodell für die Entstehung von Betrug durch das Zusammenspiel von Anreiz, Gelegenheit und Einstellung.
Welche Rolle spielt das Gesetz von Benford bei der Prüfung?
Es dient als mathematisches Werkzeug, um anhand der Ziffernverteilung in Datensätzen auf mögliche Manipulationen hinzuweisen, da natürliche Daten oft einer spezifischen logarithmischen Verteilung folgen.
- Citation du texte
- Daniel Lukas (Auteur), 2015, Fraud Accounting. Betrugsversuche in der Rechnungslegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293603