Biografiearbeit mit Kindern hat ihre Wurzeln Anfang der 80er Jahre in den USA, Großbritannien und den Niederlanden. In Deutschland ist es seit Ende der 80er Jahre bekannt.
Um Biografiearbeit mit Kindern durchzuführen, ist es notwendig, die Rechte von Kindern und die Bedürfnisse der Kinder anzusehen. Darauf aufbauend erfordert Biografiearbeit mit Kindern das Betrachten der Lebenswelt von Kindern, um anschließend Biografiearbeit mit unterschiedlichen Altersstufen näher zu erläutern und schließlich die für die Biografiearbeit relevanten Besonderheiten der kindlichen Entwicklung herauszustellen.
Rechte von Kindern sind in verschiedenen Gesetzen verankert: In Deutschland sind Kinderrechte im Grundgesetz, im Bürgerlichen Gesetzbuch, im Kindschaftsrecht und im achten Sozialgesetzbuch geregelt. Auf internationaler und transnationaler Ebene sind Kinderrechte in der UN- Kinderrechtskonvention, in der Europäischen Charta über die Rechte des Kindes und in dem Haager Minderjährigen Schutzabkommen festgeschrieben. Für die Darlegung der Rechte sollen nur für dieses Thema relevante Gesichtspunkte erläutert werden; zunächst nach der UN- Kinderrechtskonvention und anschließend aus dem achten Sozialgesetzbuch.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rechte von Kindern
2.1 Rechte nach der UN-Kinderrechtskonvention
2.2 Rechte nach dem SGB VIII
3. Bedürfnisse von Kindern
3.1 Bedürfnispyramide nach Maslow
3.2 Grundbedürfnisse von Kindern
4. Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen
4.1 Ökonomisch- räumliche und soziale Lebenswelt
4.2 Geistige Lebenswelt
5. Biografiearbeit in unterschiedlichen Altersstufen
6. Für die Biografiearbeit relevante Besonderheiten in der kindlichen Entwicklung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen und praktischen Grundlagen der Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dabei wird analysiert, wie gesetzliche Rahmenbedingungen, grundlegende kindliche Bedürfnisse sowie die spezifische Lebenswelt der jungen Menschen die methodische Gestaltung der Biografiearbeit beeinflussen.
- Rechtliche Grundlagen der Kinderrechte
- Bedürfnisanalysen nach Maslow und anderen Ansätzen
- Einfluss von Lebenswelten auf die Biografieentwicklung
- Altersgerechte Methoden der Biografiearbeit
- Entwicklungspsychologische Besonderheiten und deren Bedeutung
Auszug aus dem Buch
6 Für die Biografiearbeit relevante Besonderheiten in der kindlichen Entwicklung
Aufgrund des egozentrischen und magisch- animistischen Denkens werden in der frühen Kindheit Gegenstände, Menschen und Orte gefühlsmäßig positiv oder negative besetzt. Diese Konditionierungen können sehr lange anhalten und oft ein ganzes Leben wirken. Ebenso bekommen Ereignisse, wie z.B. die Trennung der Eltern, aufgrund des egozentrischen Denkens eine besondere Bedeutung. Kinder fühlen sich hierfür sehr schnell schuldig. Lügen sind ein weiterer wichtiger Aspekt, der bei der Biografiearbeit zu beachten ist. In emotional besonders belastenden Ereignissen können Kinder jederzeit wieder in das magische Denken eintauchen und somit an ihre Fantasien glauben (Weinberger, 2001, 72f). In Hinsicht auf das Gedächtnis von Kindern gilt folgendes zu sagen: Ein bewusstes Erinnern vor dem dritten Lebensjahr ist schwierig (ebd, 60), wenngleich sich Kinder zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr schon bewusst merken können, wenn ihnen physisch oder psychisch etwas angetan wird (Knoblich/ Schmid-Isringhausen, 2002, 109). In der Zeit zwischen drei und sechs Jahren können sich Kinder erinnern, jedoch ist das Wiedererkennungsgedächtnis wesentlich besser als das Erinnerungsvermögen (Weinberger, 2001, 60f). Der Lebenslauf von Kindern ist bisher nicht fest verankert, oft sind nur einzelne Situationen und Momente präsent. Ihnen fehlen Kontinuität und Jahre (Rath, 2009, 96). Vorschulkinder können lediglich Zeiträume von vorgestern bis übermorgen erfassen (Weinberger, 2001, 60). Kindern unter acht Jahren fehlt oft die Unterscheidung von wirklichen und fiktiven Ereignissen, hinzu kommt ihre große Suggestibilität, die sie oft dazu verführt, das zu sagen, was Erwachsenen gerne hören möchten (Rath, 2009, 96ff). Zudem sind Kinder besonders anfällig für „… Kryptomnesien, also Erinnerungen an Ereignisse, die gar nicht stattgefunden haben.“ (ebd, 97). Jüngere Kinder leben eher in der Gegenwart als in der Vergangenheit, ihre Identität bildet sich nicht durch das Nachsinnen, sondern in den unmittelbaren Lebensvollzügen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen kurzen Abriss über die historische Entwicklung der Biografiearbeit und legt die thematische Struktur der Arbeit dar.
2. Rechte von Kindern: Dieses Kapitel erläutert die gesetzliche Verankerung von Kinderrechten auf internationaler Ebene durch die UN-Kinderrechtskonvention sowie national im SGB VIII.
3. Bedürfnisse von Kindern: Hier werden zentrale Bedürfnisse von Kindern anhand der Bedürfnispyramide nach Maslow sowie ergänzender Fachmodelle dargestellt.
4. Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen: Das Kapitel betrachtet die sich wandelnden ökonomisch-räumlichen, sozialen und geistigen Lebensbedingungen von Kindern.
5. Biografiearbeit in unterschiedlichen Altersstufen: Es wird dargelegt, wie die methodische Herangehensweise an die Biografiearbeit an die jeweilige Altersphase des Kindes angepasst werden muss.
6. Für die Biografiearbeit relevante Besonderheiten in der kindlichen Entwicklung: Das Kapitel analysiert kognitive und psychologische Entwicklungsmerkmale wie das Gedächtnis und das magische Denken, die für die Biografiearbeit essenziell sind.
Schlüsselwörter
Biografiearbeit, Kinderrechte, UN-Kinderrechtskonvention, SGB VIII, Bedürfnispyramide, Maslow, Lebenswelt, Kindheit, Altersstufen, Entwicklungspsychologie, Identität, Erziehungshilfe, Partizipation, Biografiekompetenz, Kindliche Entwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen und pädagogischen Voraussetzungen, die notwendig sind, um eine fundierte Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen durchzuführen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Kinderrechte, die Analyse kindlicher Bedürfnisse, die heutige Lebenswelt von Kindern sowie entwicklungspsychologische Grundlagen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welches Wissen pädagogische Fachkräfte benötigen, um Biografiearbeit professionell und altersgerecht zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse relevanter Fachliteratur und gesetzlicher Grundlagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Grundlagen, Bedürfnisse, die Lebenswelt, altersspezifische Methoden und entwicklungspsychologische Besonderheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. Biografiearbeit, Kinderrechte, Lebenswelt, pädagogische Fachkräfte und kindliche Entwicklung.
Warum ist das magische Denken für die Biografiearbeit relevant?
Da Kinder in bestimmten Phasen Fantasie und Realität vermischen, muss der Pädagoge vorsichtig mit Erzählungen umgehen und darf diese nicht als rein faktische historische Dokumente missverstehen.
Welche Rolle spielt die Suggestibilität bei Kindern?
Da Kinder dazu neigen, Aussagen so zu formulieren, wie sie glauben, dass Erwachsene es erwarten, besteht bei Suggestivfragen die Gefahr der Verfälschung des subjektiven Erlebens.
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- Karin Baumgärtner (Author), 2010, Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zu Rechten und Bedürfnissen als wichtige Faktoren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293619