In dieser Arbeit werde ich mich mit dem Thema der Codierung von Weiblichkeit in den Filmen der Nouvelle Vague, am Beispiel von je einem Film Truffauts und Godards, auseinandersetzen, da dieses in der Sachliteratur immer wieder auftaucht, jedoch selten angemessen erläutert wird. Da im Umfang einer Bachelorarbeit keine allumfassende Betrachtung des Gegenstandes möglich ist, beschränke ich mich auf die aus meiner Sicht wichtigsten Fragestellungen. Primär werde ich die Codierungsformen der Weiblichkeit anhand der kinematographischen Darstellung der Geschlechterrollen zur Zeit der Nouvelle Vague an zwei filmischen Beispielen analysieren.
Zuerst gebe ich daher einen Einblick in die Thematik der Gender-Studien. Im Folgenden gehe ich auf das Phänomen „Nouvelle Vague“ ein. Dazu sollen kurz die Gründe der Entstehung dieser Richtung im französischen Kino sowie die Darstellung und Wertung von Frauen durch Godard und Truffaut in Filmen beleuchtet werden. Dies dient zum besseren Verständnis der später folgenden Analyse der Filmprotokolle.
Aufbauend auf die Begriffsklärung Gender Studien und Nouvelle Vague, behandle ich im nächsten Schritt die Filme „Jules et Jim“ von Truffaut (1962) sowie „À bout de souffle“ von Godard (1960). Hierbei habe ich mich an der Arbeit „Die Abkehr vom traditionellen Kino in den Filmen der Nouvelle Vague unter Berücksichtigung der Darstellung der Frau“ von Claudia Lux orientiert, die die Basis für meine Analyse darstellt. Ebenfalls spielte die Tatsache, dass sowohl Godard als auch Truffaut als wesentliche Mitbegründer der Nouvelle Vague gelten, eine Rolle für meine Wahl der Filmbeispiele. In den beiden von mir ausgesuchten Schwarzweißfilmen wird ein sehr vordergründiges Auftreten der weiblichen Figuren gezeigt, was eine Analyse begünstigt. Hier soll nun, auf der Basis von Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Filmen und Auswertung der Filmprotokolle, abschließend auf die Intentionen Godards und Truffauts eingegangen werden.
Abschließend werde ich meine Ergebnisse und die daraus gezogenen Schlüsse noch einmal zusammenfassen und auswerten sowie die Bedeutung der beiden Filme in Bezug auf die Gender-Studien erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gender-Studien
3. Nouvelle Vague
3.1 Die Entstehung der Nouvelle Vague
3.2 Das Phänomen Nouvelle Vague
3.3 Godard, Truffaut und die Frauen
4. Die Darstellung der Frau
4.1 Die Darstellung der Frau vor der Nouvelle Vague (ab 1945)
4.2 Die Darstellung der Frau während der Nouvelle Vague
5. Filmbeispiele
5.1 Jules et Jim
5.1.1 Ausgangspunkt und Umstände
5.1.2 Handlung
5.1.3 Jules und Jim
5.1.4 Cathérine
5.1.5 Jeanne Moreau
5.1.6 Auswertung des Filmprotokolls
5.2 À bout de souffle
5.2.1 Ausgangspunkt und Umstände
5.2.2 Handlung
5.2.3 Michel
5.2.4 Patricia
5.2.5 Jean Seberg
5.2.6 Auswertung des Filmprotokolls
5.3 Intentionen Truffauts und Godards
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Codierung von Weiblichkeit im französischen Kino der Nouvelle Vague anhand der Filme "Jules et Jim" von François Truffaut und "À bout de souffle" von Jean-Luc Godard. Ziel ist es, die kinematographischen Darstellungsformen von Geschlechterrollen zu analysieren und zu hinterfragen, inwiefern diese Filme mit traditionellen Konventionen brechen oder neue Idealbilder konstruieren.
- Grundlagen der Gender-Studien in Verbindung mit der Filmtheorie.
- Historischer Kontext und ästhetische Merkmale der Nouvelle Vague.
- Die Figur der Frau als "Femme Fatale" und deren Mystifizierung.
- Analyse der weiblichen Hauptcharaktere (Cathérine und Patricia) mittels Filmprotokollen.
- Das Spannungsfeld zwischen Authentizität und medialer Konstruktion.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Entstehung der Nouvelle Vague
Um das Phänomen Nouvelle Vague beschreiben zu können, ist es erforderlich, die Entstehungsgeschichte zu kennen.
Die fünfziger Jahre im Französischen Kino waren vor allem durch eine Filmgattung geprägt – die qualité française oder auch tradition de qualité. Jacques Rivette äußerte sich zu dieser Gattung folgendermaßen: „[...] das Universum wird eingefangen und zerstört in einem Netz formaler Konventionen.“7. Was er damit meinte, waren hochwertige Technik, aufwändige Beleuchtung und kostspielige Ausstattung, die in Studios eingesetzt wurden und den Verfilmungen literarischer Werke mit berühmten Schauspielern, beides ein Markenzeichen der tradition de qualité, die nötige Popularität verleihen sollten. Diese Epoche der immer gleichen Szenarien wird auch als „l’âge d’or de studios“ bezeichnet, welches völlig im Kontrast zu den filmischen Mitteln der Nouvelle Vague steht. Godard kommentierte die Art und Weise, sowie die Inhalte der tradition de qualité folgendermaßen:
„Vos mouvement d’appareils sont laids parce que votre sujet est mauvais, vos acteurs jouent mals parce que vos dialogues sont nuls, en un mot, vous ne savez pas faire de cinéma parce que vous ne savez pas ce que c’est .“8
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Weiblichkeitscodierung und Darstellung der Forschungsabsicht anhand von zwei exemplarischen Filmen.
2. Gender-Studien: Theoretische Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Geschlecht und dessen Bedeutung im soziokulturellen und medialen Kontext.
3. Nouvelle Vague: Untersuchung der historischen Ursprünge, des ästhetischen Phänomens und der spezifischen Regieansätze von Truffaut und Godard.
4. Die Darstellung der Frau: Kontrastierung der Frauendarstellung im Nachkriegskino mit den neuen, komplexeren Frauenbildern der Nouvelle Vague.
5. Filmbeispiele: Detaillierte Analyse der Filme "Jules et Jim" und "À bout de souffle" sowie ihrer weiblichen Protagonistinnen mittels Auswertung von Filmprotokollen.
6. Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse und Reflexion über den Stellenwert der untersuchten Filme für den Genderdiskurs.
Schlüsselwörter
Nouvelle Vague, Weiblichkeit, Geschlechterrollen, François Truffaut, Jean-Luc Godard, Gender-Studien, Jules et Jim, À bout de souffle, Identitätskonstruktion, Maskerade, Filmtheorie, Filmanalyse, Femme Fatale, Authentizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das französische Kino der Nouvelle Vague weibliche Charaktere darstellt und welche filmischen Mittel dabei eingesetzt werden, um Weiblichkeit zu codieren.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Rolle der Frau, die Dekonstruktion traditioneller Geschlechterrollen, das Spannungsfeld zwischen Realität und Inszenierung sowie der ästhetische Bruch mit dem klassischen "Qualitätskino".
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Regisseure Truffaut und Godard durch spezifische filmische Mittel eine neue, komplexere Form der Weiblichkeit in ihren Filmen konstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Einführung in die Gender-Studien und die Nouvelle Vague mit einer praktischen Filmanalyse, gestützt durch die Auswertung detaillierter Filmprotokolle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von "Jules et Jim" und "À bout de souffle". Dabei werden Handlung, Charakteristika der Figuren (Cathérine und Patricia) und die Intentionen der Regisseure analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie "Femme Fatale", "Konstruktion", "Maskerade", "Nouvelle Vague" und "Geschlechteridentität" bilden das terminologische Rückgrat der Arbeit.
Welche besondere Bedeutung kommt der Figur der Cathérine in "Jules et Jim" zu?
Cathérine wird als komplexe, unberechenbare Figur analysiert, die gleichzeitig als "archaische Mutter" und "moderne Frau" interpretiert wird, die sich konventionellen Rollenzuschreibungen entzieht.
Warum wird Patricia aus "À bout de souffle" als widersprüchliche Persönlichkeit beschrieben?
Patricia oszilliert zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der Angst vor der emotionalen Abhängigkeit in einer Liebesbeziehung, was sie als typische Vertreterin einer verunsicherten Generation erscheinen lässt.
- Citar trabajo
- Lia Arturo (Autor), 2013, Die Codierung der Weiblichkeit in den Filmen der Nouvelle Vague, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293664