Die Gestalt des Terroristen wurde schon oft mit der eines modernen Partisanen verglichen. Wie aber steht es um den Sezessionisten? Gleicht seine Figur nicht viel eher dem typischen Partisanen, wie Carl Schmitt ihn beschrieben hat? Zahlreiche Sezessionskonflikte haben immer wieder die internationale Ordnung erschüttert und vermögen auch heute noch Spannungen und Unsicherheit in der Staatengemeinschaft hervorzurufen.
Um die Frage zu beantworten, soll zunächst ein kurzer historischer Abriss des Partisanentums erfolgen. Anschließend widmen wir uns dem echten Partisanen, wie Carl Schmitt ihn in seiner ‚Theorie des Partisanen‘ im Jahr 1963 beschrieben hat. Die Partisanenkämpfer der Viet Minh beziehungsweise des Viet Cong, die während des Vietnamkrieges ihre Heimat verteidigten, sollen dafür zur Veranschaulichung dienen. Das darauffolgende Kapitel beginnt mit einer Abhandlung zum Konfliktverlauf der Sezession in Mali vom Jahr 2012 bis 2014. Anschließend werden sowohl die Sezessionisten als auch die Terroristen des Fallbeispiels mit dem echten Partisanen nach Carl Schmitt verglichen, um die Frage beantworten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Partisan
2.1 Die Geschichte des Partisanen
2.2 Der Partisan nach Carl Schmitt
2.3 Der Partisan in Vietnam
3. Der moderne Partisan
3.1 Der Sezessionskonflikt Malis
3.2 Der Sezessionist als moderner Partisan – Fallbeispiel MNLA
3.3 Der Terrorist als moderner Partisan – Fallbeispiel Ansar Dine, MUJAO & AQIM
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der „Theorie des Partisanen“ von Carl Schmitt, ob zeitgenössische Sezessionisten oder Terroristen als moderne Partisanen klassifiziert werden können, wobei der Konflikt in Mali als zentrales Fallbeispiel dient.
- Analyse der Kriterien des „echten Partisanen“ nach Carl Schmitt
- Historische Einordnung des Partisanentums am Beispiel Vietnams
- Untersuchung des Sezessionskonflikts in Mali (MNLA)
- Vergleich der Rollen von Sezessionisten und Terroristen im modernen Konflikt
- Erörterung der Transformation vom autochthonen Verteidiger zum revolutionären Aktivisten
Auszug aus dem Buch
2.2 Der Partisan nach Carl Schmitt
Was aber macht den „echten Partisanen“ nach Carl Schmitts ‚Theorie des Partisanen‘ aus? Der Begriff ‚Partisan‘ – aus dem Französischen entlehnt - bedeutet zu Deutsch ‚Parteigänger‘. Bei Schmitt ist der Partisan einer, „der mit einer Partei geht, und was das konkret bedeutet, ist zu verschiedenen Zeiten sehr verschieden […]“. Heutzutage verstehen wir unter einem Partisanen einen Kämpfer, der nicht zu den regulären Armeen eines Staates gehört. Der Partisan kämpft in einem Gebiet, in dem eine reguläre Gewalt offiziell ihren Herrschaftsanspruch verkündet hat. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine fremde, besetzende Armee handeln, es kann durchaus die Polizei oder das Militär des eigenen Staates sein. Partisanen können damit entweder Teil eines innerstaatlichen Konfliktes sein oder aber einer Widerstandsbewegung angehören, die sich gegen fremde Eroberer zur Wehr setzt.
Nichtsdestotrotz bleibt der Begriff des Partisanen sehr uneindeutig, was auch von seinem innersten Wesenszug herrührt. Carl Schmitt weist dem echten Partisanen in seiner Abhandlung vier Kriterien zu. So ist der Partisan erstens ein irregulärer Kämpfer. Die Völkerrechtsordnung der europäischen Neuzeit erkennt den Staat als einzig handelndes Subjekt an und mit ihm den Krieg als wichtigstes Mittel zur Fortsetzung der Politik. Die Völkerrechtsordnung schaffte eine Hegung des Krieges, die von der Irregularität des Partisanen aufgebrochen wurde. Dem Partisanen ist bewusst, dass er sich außerhalb dieser Hegung bewegt. Das wird auch deutlich an seinem äußeren Erscheinungsbild. Im Gegensatz zum regulären Soldaten besitzt er keine Uniform, sondern ist darum bemüht, unerkannt zu bleiben und in der Masse der Bevölkerung unterzutauchen. Aus diesem Grund trägt er auch seine Waffen nicht offen, wie es sich für einen völkerrechtlich anerkannten Kombattanten gehört. Je präziser das Reguläre, desto größer der Unterschied zum Irregulären. „Die Kraft und Bedeutung seiner Irregularität [wird] von der Kraft und Bedeutung des von ihm in Frage gestellten Regulären bestimmt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz von Partisanenkriegen anhand des Konflikts in der Ostukraine und führt in die Problematik globaler Sezessionsbewegungen ein.
2. Der Partisan: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Partisanentums und definiert die vier Kriterien des „echten Partisanen“ nach Carl Schmitt unter Einbeziehung des Vietnamkriegs.
3. Der moderne Partisan: Hier wird der Sezessionskonflikt in Mali analysiert, um zu prüfen, inwiefern MNLA-Sezessionisten oder islamistische Terrorgruppen das Wesen des modernen Partisanen repräsentieren.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Figur des Sezessionisten dem klassischen Schmittschen Partisanen näher steht als der Terrorist, da Letzterer einem absoluten Feindbild folgt.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Partisan, Sezession, Mali, MNLA, Terrorismus, Vietnamkrieg, Irregularität, Mobilität, tellurischer Charakter, politisches Engagement, echter Partisan, Feindschaft, Souveränität, Unabhängigkeitskampf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit der klassischen Partisanentheorie von Carl Schmitt auf moderne Konfliktakteure, speziell Sezessionisten und Terroristen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung des Partisanentums, die Definition des „echten Partisanen“ sowie die Anwendung dieser Kriterien auf aktuelle Beispiele wie Mali.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet, ob sich heutige Sezessionisten oder Terroristen als „moderne Partisanen“ nach den Kriterien von Carl Schmitt einordnen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Fallstudienarbeit, die theoretische Grundlagen aus der Literatur mit empirischen Beobachtungen des Konflikts in Mali vergleicht.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Partisanenkriterien, eine historische Veranschaulichung am Beispiel Vietnams und eine Untersuchung des Mali-Konflikts.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Begriffe wie Irregularität, tellurischer Charakter, politische Feindschaft und Sezessionsbewegung stehen im Zentrum der begrifflichen Analyse.
Inwiefern unterscheidet sich der Sezessionist vom Terroristen laut der Analyse?
Während der Sezessionist eher dem defensiven, heimatgebundenen Partisanen entspricht, agiert der Terrorist ideologisch motiviert, offensiv und grenzüberschreitend.
Welche Rolle spielt Carl Schmitts Theorie für das Ergebnis?
Sie dient als normativer Maßstab: Während die MNLA viele Merkmale eines echten Partisanen teilt, sprengen Terrorgruppen durch ihr absolutes Feindbild und ihre offensive Vorgehensweise diesen Rahmen.
- Citation du texte
- Ulrike Leupold (Auteur), 2014, Der Partisan von heute. Eine Betrachtung nach Carl Schmitt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293724