Exkursionsbericht GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft)


Hausarbeit, 2003
16 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hintergrund zur Frage der Professionalisierung in der EB
II.a Hauptamtliche Erwerbstätigkeit
II.b Existenz eines eindeutigen Berufsbildes
II.c Eindeutige Regelung des Zugangs und der Qualifikationsanforderungen
II.d Soziales Prestige als Experte
II.e Berufsverband als Interessensvertretung
II.f Planmäßige wissenschaftliche Berufsausbildung – Berufsethos
II.g Autonomie des Berufshandelns

III. Die GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft )
III.a Strukturen der GEW
III.b Tätigkeiten der GEW im Weiterbildungssektor

IV. Subjektive Eindrücke der Exkursion

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Im Studium der Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung ist es unerlässlich, sich mit den Institutionen zu beschäftigen, die sich in diesem Bereich etabliert haben. Dazu werden von der Johannes Gutenberg – Universität Exkursionen in entsprechende Einrichtungen angeboten, an denen die Studierenden teilnehmen können. Neben der reinen Existenz dieser Institutionen und der Möglichkeit als spätere Arbeitgeber sind jedoch für den Erwachsenenbildner, bzw. die Erwachsenenbildung insgesamt, noch andere Aspekte der Institutionen von zentraler Bedeutung.

Dieser Exkursionsbericht soll die GEW, die Gewerkschaft für Wissenschaft und Erziehung, welche vom Verfasser im Rahmen des Exkursionsseminars „Institutionen der Erwachsenenbildung“ in ihrem Hauptsitz in Frankfurt am Main besucht wurde, vorstellen und ihre Bedeutung speziell für den Bereich der Erwachsenenbildung hervorheben. Eine besondere Rolle der GEW ist hierbei im Bereich der Professionalisierung in der Erwachsenenbildung zu sehen. Dieser soll im Vorfeld näher erläutert werden, bevor die Institution an sich mit ihrem Aufbau dargestellt wird.

II. Hintergrund zur Frage der Professionalisierung in der EB

In der Wirtschaft kommt dem Bereich der Weiterbildung, die hier synonym für Erwachsenenbildung stehen soll, eine immer wichtigere Bedeutung zu. Neben politischer Bildung und Seminaren, die sich um Freizeitaktivitäten drehen (Töpferkurse, Hobby-Astronomie, etc.) wird man sich in den Betrieben und Unternehmen zunehmend der zentralen Bedeutung des sogenannten Humankapitals für die Effizienz und den wirtschaftlichen Erfolg bewusst. Unter Humankapital ist hierbei die Summe der Fähigkeiten der Angestellten im Betrieb zu verstehen.

So spricht Horst Siebert davon, dass sich zukünftig die Weiterbildungsangebote in den Großbetrieben nicht mehr nur auf den Erwerb von „Schlüsselqualifikationen“ (vgl. Siebert, Horst: 1999, S.71 ff.) beschränken werden, sondern dass es ebenfalls innerbetriebliche Angebote zur allgemeinen Weiterbildung geben werde (vgl. Siebert, Horst: 1999, S.74).

In der modernen Dienstleistungsgesellschaft gibt es ständige Neuentwicklungen in den einzelnen Arbeitsbereichen, die nach entsprechenden Fortbildungen der in den entsprechenden Bereichen arbeitenden Personen verlangen.

Dies führt zu einem ständigen Ausbau des Weiterbildungssektors in der Wirtschaft.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „… haben die Arbeitgeber und Betriebe nach Teilnahmefällen gerechnet mit 48% die größte Bedeutung als Anbieter von Weiterbildung…“ (http://www.bmbf.de/pub/gesamtstudie_weiterbildungsmarkt.pdf, S. 61).

Durch solche Fortbildungen entstehen für den Arbeitgeber und/oder den Arbeitnehmer jedoch auch Kosten, für die eine entsprechend qualitativ hochwertige Gegenleistung erwartet wird. Es werden didaktisch und rethorisch geschulte Spezialisten erwartet, die sich in dem entsprechenden Fachgebieten hervorragend auskennen.

Neben dem nötigen Handwerkszeug in Form von Faktenwissen und Methodik sind es jedoch auch andere Kennzeichen, die Professionalität ausmachen. Rolf Arnold nennt sieben Kennzeichen, die eine Professionalität eines Berufszweiges signalisieren:

1. Hauptamtliche Erwerbstätigkeit
2. Existenz eines eindeutigen Berufsbildes
3. eindeutige Regelung des Zugangs und der Qualifikationsanforderungen
4. soziales Prestige als Experte
5. Berufsverband als Interessensvertretung
6. planmäßige wissenschaftliche Berufsausbildung - Berufsethos
7. Autonomie des Berufshandelns

(vgl. Arnold, Rolf: 2001, S. 204).

Diese Punkte sollen nun näher erläutert werden, wobei besonders das fünfte Kennzeichen für die Darstellung der GEW von zentraler Bedeutung sein wird.

II.a Hauptamtliche Erwerbstätigkeit

Auf dem Prinzip der Arbeitsteilung aufbauend, ist es entscheidend, sich durch Spezialisierung auf einem Gebiet die Möglichkeit zu geben, ein entsprechend spezialisiertes Wissen anzuhäufen und dadurch besonders hohe Fachkompetenz auf einem Gebiet zu erreichen. Dieses Fachwissen entsteht durch eine selektive, konzentrierte Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Fachgebiet, wodurch andere Bereiche vernachlässigt werden. Im Gegenzug muss die arbeitsteilige Gesellschaft dem Spezialisten jedoch auch die Möglichkeit geben, dass sich dieser durch eine hauptamtliche Tätigkeit seinen Lebensunterhalt verdienen kann, um die lebensnotwendigen Dienstleistungen anderer Spezialisten in Anspruch nehmen zu können. Adam Smith beschreibt einen solchen idealtypischen Ausgleich in einer arbeitsteiligen Gesellschaft folgendermaßen: „Er versorgt die anderen reichlich mit dem, was sie brauchen, und erhält von ihnen ebenso reichlich, was er selbst benötigt, so daß sich von selbst allgemeiner Wohlstand in allen Schichten der Bevölkerung ausbreitet.“ (Smith, Adam: 1978, S.14) Zur Hauptamtlichkeit zählen hierbei neben einem entsprechenden Gehalt in der BRD auch z.B. Sozialversicherung und Rentenversicherung. Obgleich sich der Umfang der hauptamtlichen Stellen im Weiterbildungssektor verbessert, arbeitet der Großteil der Erwachsenenbildner lediglich auf Honorarbasis. Sie müssen also die kompletten Sozialabgaben alleine tragen und genießen beispielsweise auch nicht denselben Kündigungsschutz wie hautberuflich Tätige. Nach Arnold (s.o.) lag 1980 die Zahl der hauptberuflich Tätigen im VHS-Bereich deutlich unter 2000, während die Zahl der nebenberuflich Tätigen weit über 100 000 lag. Diesbezüglich kann von Professionalisierung also nur bedingt die Rede sein. Allerdings müsste sich die Statistik bis heute verbessert haben, da die Anzahl hauptberuflicher Stellen ansteigen. Diese sind meist eher im Bereich der betrieblichen Weiterbildung zu vermuten, da hier auch der größte Teil an Weiterbildungsangeboten zu finden ist (s.o.). Aktuelle Zahlen sind den Verfassern im Moment jedoch nicht bekannt. Es finden sich meist einzelne Daten hierzu im Internet, jedoch meist auf einzelne Einrichtungen reduziert. Auch beim Bundesministerium für Bildung und Forschung waren keine aktuellen Daten zu bekommen. Dies ist durch den enorm verzweigten Weiterbildungsmarkt zu erklären, über den es in seiner Gesamtheit kaum Datenerhebungen gibt. So schreibt Dieter Gnahs über die Weiterbildungsstatistik: „Sie ist bruchstückhaft und unvollständig. Ein Gesamtbild lässt sich aus den vorliegenden Teilstatistiken kaum erstellen“ (Gnahs, Dieter: 1999, S.360).

II.b Existenz eines eindeutigen Berufsbildes

Zum Thema Berufsbild ist zu nächst zwischen dem Selbstverständnis der Weiterbildner und dem Berufsbild in der Öffentlichkeit zu unterscheiden. Im beruflichen Selbstverständnis der in der Weiterbildung tätigen sind sehr unterschiedliche Berufsbilder vertreten, die stark von gesellschaftspolitischen Strömungen abhängig sind. Unter dem Berufsbild ist hier ein Leitbild zum Aufgabenverständnis zu verstehen. Siebert unterteilt die veränderten Leitbilder nach zeitlichen Abständen und damit einhergehenden gesellschaftspolitischen Veränderungen in der Bundesrepublik Deutschland und der ehemaligen DDR: „Wiederaufbau nach 1945“, „Die 50er Jahre: Pluralismus und wirtschaftlicher Aufschwung“, „Die 60er Jahre: realistische Wende und Planungseuphorie“, „Die 70er Jahre: Verrechtlichung und Zielgruppenorientierung“, „Die 80er Jahre: Modernisierung und Krisenstimmung“ und „Die 90er Jahre: Internationalisierung und Postmoderne“ (Siebert, Horst: 1999, S.54ff.). Zu jedem dieser Zeiträume stellt er das jeweilige Aufgabenverständnis in der Weiterbildung in Abhängigkeit der gesellschaftspolitischen Strömung dar. Diese sind sehr unterschiedlich und zeigen kaum ein eindeutiges Berufsbild auf. Bezieht man nun noch die Zeit des Nationalsozialismus mit ein, findet sich hier keinerlei Gemeinsamkeiten in Berufsbild oder Berufsethos mehr. Auf den Berufsethos soll jedoch später noch eingegangen werden. Insgesamt lässt sich neben der Funktion als Mittler von Wissen (vgl. Meueler, Erhard: 2001) kaum eine dauerhafte Gemeinsamkeit finden. Dies ist schon anhand der Vermittlungs-Aneignungs-Debatte in der Pädagogik zu erklären. Das Verständnis von Lehrendem und Lernenden ist hierbei einem Wandel unterzogen. Zu diesem Thema existieren viele weitere Publikationen, die dies deutlich machen, z.B. von Niklas Luhmann oder Wolfgang Klafki, auf die hier nur hingewiesen werden soll. Meueler beispielsweise fordert eine Aufgabe der Vorstellung, man könne Wissen vermitteln, wie es in der „Alltags-Schul-Sprache“ noch immer gedacht werde (vgl. Meueler, Erhard: 2001, S.9). Dies zeigt einen nicht abgeschlossenen Prozess der begrifflichen Definition von pädagogischem Handeln und einem damit verbundenen Berufsbild deutlich auf.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Exkursionsbericht GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft)
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Pädagogisches Institut)
Veranstaltung
Institutionen der Erwachsenenbildung
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V29378
ISBN (eBook)
9783638308991
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit ist ein Exkursionsbericht in Form einer wissenschaftlichen Hausarbeit, die nach einer wissenschaftlichen Einführung in die Debatte um die Professionalisierung des Berufs "Erwachsenenbildung : Erwachsenenbildner/in" versucht, den Beitrag der GEW für diese Professionalisierung hervorzuheben und herauszustellen. Besonders im Blickpunkt steht hierbei die Rolle der Einrichtung GEW in diesem Zusammenhang.
Schlagworte
Exkursionsbericht, Erziehung, Wissenschaft), Institutionen, Erwachsenenbildung
Arbeit zitieren
Dipl.-Päd. Frank Stula (Autor), 2003, Exkursionsbericht GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29378

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