Darstellung der Natur in der Funktion der Heldengestaltung in Goethes "Die Leiden des jungen Werther"


Seminararbeit, 2010

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINFÜHRUNG

ANALYSE

SCHLUSSWORT

LITERATURVERZEICHNIS

DARSTELLUNG DER NATUR IN DER FUNKTION DER HELDENGESTALTUNG IM GOETHES WERK DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER”

EINFÜHRUNG

Es ist schon bekannt, dass es gegenseitige Ähnlichkeit zwischen der bildenden - und literarischen Kunst gibt. Die beiden indizieren eine bedeutende ideenreiche Übereinstimmung und Neigungen zur Darstellung der Wirklichkeit in einzelnen Zeitabschnitten. Die Landschaft in der bildenden Kunst stellt ein geheutes Abbild und Graphik von der bestimmten Gegend dar. Man kann diese Landschaft gelegentlich reliefartig darstellen. Als für sich bestehendes künstlerisches Thema ist die Landschaft nicht in allen Zeiträumen der bildenden Kunst bekannt, im Mittelalter hält man sie sogar für weniger geschätzte malerische Gattung. Sie wurde in der Epoche der Renaissance in Italien und noch in anderen Ländern aufs Neue aktualisiert. Wenn man über Deutschland redet, zeigt Dürer im 16. Jahrhundert eine außergewöhnliche Begabung für die Wahrnehmung der Natur und demnächst macht er die ersten unabhängigen Landstriche in der Technik mit Aquarellfarben. Etwas später pflegt diese Landschaft in Deutschland die sogenannte Donauschule, deren Vertreter A. Altdorfer und W. Hüber sind. Die Darstellung der Natur verzichtet auf Subjektivität und Emotionalität in der Epoche des Klassizismus, diese Stilform besteht auf Klarheit und Strenge der Gliederung, Geradlinigkeit. Man weiß schon, dass die Landschaft erst mit der Epoche der Romantik in die neue Entwicklungsphase hineinkommt. Die Antike ist das Vorbild den klassizistischen Künstlern und in der Romantik kann sich der Maler ungebunden mit Gefühl der Unendlichkeit ausdrücken. Dieser Gefühlseindruck verbindet den Menschen mit der Natur, sodass sie der Bestandteil seiner Weltanschauung wird. In der Romantik begreift man subjektiv die Landschaft und sie demonstriert verschiedenartigste Gemütszustände. Kunsthistoriker weisen darauf hin, dass die deutschen Maler und Romantiker wie C.D. Friedrich und K. Blechen in die Landschaft eine Neuigkeit hineintragen: die menschliche Gestalt ist dem Zuschauer mit dem Rücken gekehrt und sie betrachtet tiefversonnen die Natur. Die Natur ist keine Kulisse mehr und die menschliche Gestalt wird der Leere der Landschaft nicht hinzugefügt, sondern sie ist in ihrer Wirklichkeit bemalt und in der geistigen Seele des Zuschauers reflektiert.[1]

Die romantischen Dichter betrachteten oft malerisch die Natur. Viele interessierten sich sehr für die Kunsttheorie- und Kritik. Einige, besonders Goethe und Victor Hugo, waren begabte Zeichner. Goethe verfasste:” Farbentheorie”, er erklärt darin zum Beispiel, dass die gelbe Farbe lustig, ein bisschen erregend auf die Menschen wirkt, während die Orangenrote Wärme und Freude andeutet.[2] In Deutschland wie auch in England ist die Landschaft die beste Verwirklichung der romantischen Malerei. Die Maler aus den beiden Ländern vertreten die gleiche Ideenlehre. Der englische Maler John Constable brachte vielleicht am besten die Grundsätze der malerischen Dichterkunst und Landschaft zum Ausdruck: Die Landschaft muss in der Natur in der Tatsache, die man wahrnehmen kann, begründet werden. Ihr Ziel sollte die Darstellung des reinen Naturgefühls sein. Dieser Maier arbeitete ohne Pause in der Natur und ihn interessierten die ungreifbaren Wesenszüge, wie zum Beispiel: Himmelszustand, Licht und Atmosphäre, er interessierte sich weniger für die konkreten Einzelheiten der Landschaft (siehe z.B. sein Gemälde: Hampsteads Wüste). Die Landschaft ist in diesem Bild nur der Hintergrund, der das wechselhafte Drama des Windes und Sonnenlichtes betont. Der Himmel war für ihn der Grundton, ein musterhafter Tritt und Hauptorgan des Gefühls. Constable erforschte den Himmel mit meteorologischer Genauigkeit, um so gut wie möglich seine unendliche Verschiedenheit zu erfassen, die als Spiegelbild unwiderstehlicher Kräfte, die der romantischen Naturerfassung lieb sind, existiert. Auf den späteren Gemälden von diesem Maler, sehen der Himmel und die Erde so aus, als würden sie Gefühlsorgane, die im Rhythmus der künstlerischen Gemütsbewegung flimmern. Der andere englische Maler William Turner machte viele Experimente in der Natur und seinen Stil beschreibt man als: „airy visions painted with tinted steam.”[3] Er bemalte Gebirge und Orte, mit historischen Ereignissen erfüllt, und viele seine Landschaften hängen von den literarischen Themen ab.

ANALYSE

Die literarische Richtung der Vorromantik, Sturm und Drang, zu der auch Goethe gehört, begreift die Errungenschaft als Hindernis, von dem man sich nur durch die Rückkehr zur Natur befreien kann. Deswegen wird die Natur das häufige Thema in der Literatur.[4]

Ein neues, innig umfassendes und sich einfühlendes Verhältnis zur Natur, die im Gegensatz zur Aufklärung wieder vergöttlicht wird, vereint sich mit der tragischen Grundauffassung vom Genie, das als Naturverkörperung im Konflikt mit den Mächten des Zwanges, der Kultur und der Gesellschaft, zum Untergang bestimmt, ist. Kulturpessimismus und Naturoptimismus. Das Streben richtet sich daher auf eine natürliche, gesunde Gesellschaftsordnung, beschränkt sich jedoch, da ihm politische Auswirkung versagt ist, auf theoretischen und literarischen Tatendrang.[5].

Obwohl Sturm und Drang als reaktionäre Kraft und feindliche Antwort auf Rationalismus, der in der Epoche der Aufklärung und des Klassizismus dominiert, erscheint, nimmt Sturm und Drang viele seine Ideen und Vorstellungen. Diese literarische Richtung vertritt gemeinsame Poetik und Absätze wie literarische Richtungen: Sentimentalismus, Pietismus und Rousseismus, die dem Sturm und Drang unmittelbar vorausgingen. Sturm und Drang übernimmt vom Sentimentalismus die Verehrung zur Natur und zum Genie, Verherrlichung des Gefühls, der Leidenschaft und Freiheit. Vom Rousseismus übernimmt er die negative Stellungnahme zur Zivilisation und Einsatzfreudigkeit zur Rückkehr in die Natur. Jean-Jacques Rousseau, der geistige Vertreter des Rousseismus, kämpfte gegen gesellschaftliche Regeln und Störungen und setzte ihnen die Naturschönheit und die eingeborene Güte des menschlichen Herzens entgegen. Der wesentliche Widerspruch der zeitgenössischen Gesellschaft findet er in gegensätzlicher Einstellung zwischen Natur und Zivilisation. Dieser Gegensatz schafft im Menschen die Spaltung zwischen dem naturhaften und übereinstimmenden Gefühl und dem erfahrenen und rationalen Denken: Der Mensch, der wegen des Genießens und Vermögens verdorben ist, unterscheidet sich vom Wilden, der imstande ist, wegen des einfachen Lebens und Verhaltens im Einklang mit der Natur, sein reines Herz, die Güte und sittliche Richtigkeit zu bewahren. Rousseau meint, dass der zeitgenössische Mensch wegen der Progression der Gesellschaft falsch erzogen wird, aber ihm könnten die Wege geebnet werden. Man sollte ihn auf besondere Art und Weise erziehen und ihn so zum ursprünglichen Zustand zurückkehren, zur eigenständigen Arbeit und zur Natur, wo er das Wesen seines Herzens, seiner Liebe und Gefühle ausdrücken könnte. Rousseaus Ansichten akzeptierten viele Schriftsteller, wie Goethe, Hölderlin, Tolstoi, Puschkin usw.[6]

Wie Dirk Grathoff im Goethes Werk:” Die Leiden des jungen Werther” andeutet, das Thema der Natur erscheint mindestens in drei wichtigen Beziehungsfeldern: Neben dem Verhältnis zwischen der Natur und Gesellschaft, gibt es auch solches zwischen der Natur und Kunst und der Kunst und Liebe. Diesem sollte man auch das Verhältnis, zwischen der Natur, Religion und dem Mythos auf einer, und dieses zwischen der Natur, Wissenschaft und Aufklärung auf der anderen Seite, hinzufügen. „Werther hat die freie Natur durchstreift, die paradiesische Gegend” (4. Mai[7] ) um Wetzlar, er hat den gräflichen Garten kennengelernt, der ihm so englisch frei dünkt, er hat sich in dem bekannten Brief vom 10. Mai im Grase gewälzt, er hat, wie es ihm scheinen will, gewissermaßen Naturformen der Gesellschaft kennengelernt, bei den „Mägden” am Brunnen (12. Mai[8] ), den, „geringen Leuten des Orts” (15. Mai[9] ), der ,,recht guten Art Volks” (17. Mai[10] ), und er hat schließlich die Idylle von Wahlheim, gefunden, die in eben den Briefen vom 26. und 27. Mai beschrieben wird.[11]

Thomas Siepmann weist darauf hin, dass der Leitgedanke dieses Romans die Natur ist und dass es schon im ersten Brief Werthers, Brief vom 4. Mai, angedeutet wurde. Er warnte uns davor, dass, wenn man von der Rolle der Natur redet, wir diese Natur nicht nur auf die Darstellung der schönen Natur beschränken dürften, sondern dass sich der Mensch fragen sollte, was man alles in Verbindung mit dem Begriff der Natur bringen könnte. Im schon erwähnten Brief vom 4.Mai ist die Stadt der Natur entgegengesetzt, die Stadt wird hier zum Symbol der Gesellschaft und Zivilisation. Werther leidet, weil die Zivilisation aus Konventionen, Regeln und Gesetzen besteht, sodass sie auf solche Weise als ständige Störung und Gegensatz zur Natur ist und diese Zivilisation verhindert die freie Entwicklung der Natur. Die positiven Gegenbegriffe sind: Genie, Gefühl und Unmittelbarkeit. Siepmann betont auch den Brief vom 23. Mai, in dem sich das Idealbild der Natur den Regeln in der Kunst, gesellschaftlichen Verhaltensnormen, und positiven Vorschriften entgegensetzt. Im Rahmen der Kunst bedeutet die Natur: Genie. Siepmanns Erforschungen, dass die Gegensätze zwischen der Natur und Zivilisation immer in verschiedenen Variationen im Roman vorkommen, sind dem Menschen sehr interessant. Er erwähnt die Szene Werthers kindischen Spielens mit den Kindern. Diese Kinder sind wegen ihrer spontanen Lust und Naivität ein getreues Abbild der Natur. Werther betrachtet die Tochter vom Lehrer neben anderen Dorfburschen als naturhafte Existenz, deren Leben sich auf den Ablauf der Jahreszeiten orientiert. Sie wohnt in der harmonischen Übereinstimmung mit sich selbst und ihrer Umgebung. Die Natur im Roman stellt nicht nur den entgegengesetzten Begriff zur Zivilisation und Reflexion dar, sondern sie erscheint schon im zweiten Brief als schöne Natur, ganz Friedliche, die allumfassende Harmonie repräsentiert: ”die unzähligen, unergründlichen Gestalten der Würmchen, der Mückchen”[12]. In der Natur spiegelt sich das unendliche Leben und göttliche Wirkung und Schaffung. Werther möchte der Teil der Natur sein und noch tiefer sie untersuchen. Im ersten Teil des Romans wandert er hauptsächlich durch die bewundernswerte Natur, die sich für ihn in eine Landschaft verwandelt. Die Natur stellt kein Erzeugnis von der menschlichen Arbeit dar, sondern sie ist ein schönes Bild, ein sogenanntes ästhetisches Objekt. Interessant in solcher Hinsicht ist auch der Brief vom ersten Juli, in dem die Rede von der Walnuss ist. Die idyllische Darstellung von der Natur erscheint im Brief vom 26. Mai. Die Schilderung der Natur, wie Siepmann andeutet, verändert sich im Laufe der Abfolgen im Roman. Werthers unerfüllte Liebe hinterlässt auf seine Wahrnehmung der Natur einen starken Eindruck, sie ist nicht mehr eine schöne- sondern eine zerstörende Natur: ”ich sehe nichts als ein ewig verschlingendes wiederkäuendes Ungeheuer”[13]. Im zweiten Teil des Romans ist Werther nicht mehr derjenige, der spaziert, sondern er wird der gehetzte Werther, der durch die Wälder umkreist und für den die Bewegung der Natur nicht mehr der Ausdruck der Freiheit und Unabhängigkeit ist, sondern sie stellt die Bezeichnung des Drucks dar. Die Natur existiert als eine Art Werthers Projektierung der innerlichen, geistig-seelischen, Welt, die die Kunst und Literatur bis auf den Grund darstellt. Nach Werther hat die Literatur die Rolle wie in der Therapie. Im ersten Teil des Romans bedeutet Homer für ihn: ”Wiegengesang”. Der Brief vom 15. März ist charakteristisch, wenn Werther, da er von der adeligen Gesellschaft demütigt wurde, auf einem Hügel sitzt, den Sonnenuntergang genießt und einen Abschnitt aus der Homers „Odyssee“ liest, in der beschrieben wurde, wie der Schweinehirt Odyssee bewirtete.

[...]


[1] Pribic, Branka: „ Pejzaž”. Enciklopedija likovnih umetnosti, Buch 3, Inj-Portl, Zagreb, 1964 S. 644-646.

[2] Janson, H. W.: „ Istorija umetnosti. Pregled razvoja likovnih umetnosti od praistorije do danas”, übersetzt von Olga Šafarik. Jugoslavija, Beograd, 1979, S. 464 usw.

[3] a a. O.

[4] Popović, Tanja: ,,Sturm und Drang”. Im Buch: ,,Rečnik književnih termina”. Logos Art, Beograd, 2007, S.706-708.

[5] Von Wilpert, Gero:” Sturm und Drang”. Im Buch:” Sachwörterbuch der Literatur”, Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 1969, S. 747-751.

[6] Popović, Tanja:,, Rusoizam”. Im Buch: ,, Rečnik književnih termina”, Logos Art, Beograd, 2007, S.641- 642.

[7] bezieht sich auf Werthers Brief vom 4. Mai.

[8] bezieht sich auf Werthers Brief vom 12. Mai.

[9] bezieht sich auf Werthers Brief vom 15. Mai.

[10] bezieht sich auf Werthers Brief vom 17. Mai.

[11] Grathoff, Dirk:” Der Pflug, die Nußbäume und der Bauerbursche: Natur im thematischen Gefüge des Werther-Romans (1984).” Im Buch: ”Goethes Werther. Kritik und Forschung”. Herausgegeben von Hans Peter Herrmann, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1994, S. 382-403.

[12] Siepmann, Thomas:” Lektürehilfe J.W. von Goethe:” Die Leiden des jungen Werther”, 2. Auflage Stuttgart; Dresden Klett Verlag für Wissen und Bildung, 1992, S. 52.

[13] a.a.O., S. 53.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Darstellung der Natur in der Funktion der Heldengestaltung in Goethes "Die Leiden des jungen Werther"
Hochschule
Universität Belgrad  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V293785
ISBN (eBook)
9783656914297
ISBN (Buch)
9783656914303
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Die Leiden des jungen Werther, Heldengestaltung, Sturm und Drang, Empfindsamkeit, Natur, Kunst
Arbeit zitieren
B.A. Tatjana Georgievska (Autor), 2010, Darstellung der Natur in der Funktion der Heldengestaltung in Goethes "Die Leiden des jungen Werther", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293785

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