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Politische Häftlinge in der DDR

Title: Politische Häftlinge in der DDR

Seminar Paper , 2012 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Lana Körner (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Summary Excerpt Details

Bis zum Mauerfall 1989, versuchten insgesamt ca. 370.000 Flüchtlinge der SED-Diktatur zu entkommen. Die Gründe hierfür waren vielschichtig, jedoch basierten sie fast alle auf der Unzufriedenheit mit der Herrschaftsweise des SED-Regimes. Doch nicht allen Flüchtlingen gelang ein erfolgreicher Weg in den Westen. Trotz der scharfen Kontrollen der Machthaber schafften wenige Menschen unter glücklichen Umständen die Flucht in die Freiheit, viele hingegen wurden erschossen, zahlreiche gefasst und gefangen genommen.

Es stellt sich die Frage: Was passierte mit denjenigen, welchen die Flucht misslang? Das Schicksal dieser Menschen war im DDR-System nicht sichtbar, da nach offiziellen Angaben der Regierung politische Flüchtlinge nicht existierten .

Umso schockierender erscheint die heute geschätzte Anzahl von ca 200.000 Bürgern, welche aufgrund ihrer Gegnerschaft zum SED-Regime inhaftiert und im Zeitraum von 1949 bis 1989 in den Untersuchungshaftanstalten der DDR gefangen gehalten wurden.

Unter ihnen waren nicht nur Fluchtwillige, sondern auch Fluchthelfer, und selbst einige Personen, die einen Antrag zur Ausbürgerung stellten, konnten mithilfe der undurchsichtigen Gesetzgebung der DDR mit bis zu 5 Jahren Haft verurteilt werden.

Ab 1962 gab es für die Gefangenen einen Lichtblick. Mithilfe der Bundesrepublik Deutsch-land wurden durch die Zahlung von über drei Milliarden West-Mark bis zum Mauerfall 1989 ungefähr 34.000 Häftlinge befreit und in die Bundesrepublik übergesiedelt.

Doch bis dahin hatten die Inhaftierten in den Untersuchungshaftanstalten der DDR unter einem perfiden System psychischer Druckmittel zu leiden, mit dessen Auswirkungen viele der Häftlinge auch heute noch zu kämpfen haben. Um gegen den sog. „Klassenfeind“, dessen Bedeutung im ersten Kapitel erläutert wird, vorzugehen, setzte das Ministerium für Staatssi-cherheit in- und außerhalb seiner Untersuchungshaftanstalten verschiedene Mittel ein.

In dieser Arbeit werden diese angewandten Maßnahmen aufgezeigt und im Hinblick auf ihre Wirksamkeit zur Unterdrückung und Bekämpfung des sog. „Klassenfeindes“ untersucht und bewertet. Eine besondere Rolle kommt hierbei auch dem System der Untersuchungshaft in der DDR zu, welches auf der Rechtsgrundlage der Strafprozessordnung (StPO) basierte, sie wird analysiert und auf ihre korrekte Anwendung hin überprüft. Ferner wird aufgezeigt, welche Auswirkungen und Intentionen die Arbeit des MfS im Bereich der Untersuchungshaft auf die Inhaftierten hatte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriff des „Klassenfeindes“

2. Untersuchungshaft

2.1 Die gesetzlichen Voraussetzungen

2.2 Die Linie IX – das Untersuchungsorgan

2.3 Ermittlungsverfahren

2.4 Verhaftung

2.5 Vollzug und Zweck der Untersuchungshaft

2.6 Einsatz psychischer Zwangsmittel

2.6.1 Isolation

2.6.2 Desorientierung

2.6.3 Totale Überwachung

2.7 Die Vernehmungen

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktionsweise und die Auswirkungen des Systems der Untersuchungshaft des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in der DDR. Dabei wird insbesondere analysiert, wie durch den Einsatz psychischer Zwangsmittel versucht wurde, den sogenannten „Klassenfeind“ zu bekämpfen, Geständnisse zu erzwingen und die Widerstandskraft der Inhaftierten systematisch zu brechen.

  • Rechtliche Grundlagen der Untersuchungshaft in der DDR
  • Strukturen und Arbeitsweisen der „Linie IX“ als Untersuchungsorgan
  • Anwendung psychischer Druckmittel wie Isolation und Desorientierung
  • Die Rolle und Gestaltung der Vernehmungen im MfS-System
  • Wirkung der Haftbedingungen auf das Individuum und die SED-Politik

Auszug aus dem Buch

2.6.1 Isolation

Um den Häftling psychisch wie auch physisch zu schwächen, sorgte das MfS dafür, dass dieser gezielt isoliert wurde. Im Regelfall verbrachten die Häftlinge die ersten Wochen nach ihrer Inhaftierung in Einzelhaft, bevor sie teilweise mit anderen Inhaftierten in einer Zelle untergebracht werden konnten. Jedoch wurde dafür gesorgt, dass sie während ihrer Haft niemals ungeplant andere Insassen als ihre Zellengenossen sahen. Dafür nutzte das MfS unter anderem Signallampen auf den Gängen der Haftanstalt. Hiermit wurden zufällige Begegnungen der Häftlinge, beispielsweise bei der Führung zu den Vernehmungsräumen, ausgeschlossen.

Um darüber hinaus bei einer Doppelbelegung der Zelle die Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls zu unterbinden, setzte das MfS Spitzel ein. Das Resultat war die permanente Angst vor einem möglichen Eindringling, welche oft Misstrauen unter den Häftlingen schuf. Auch bei der sogenannten „Freistunde“ wurde das Prinzip der Isolation durchgesetzt, indem die Häftlinge zellenweise in einen durch Maschendraht gesicherten, zwei mal drei Meter breiten Verschlag gebracht wurden. Dieser erinnerte in seiner Form und Funktion an einen Käfig, wie man ihn zur Bändigung wilder Tiere nutzt. Unter den Häftlingen war er deswegen auch teilweise als der „Tigerkäfig“ bekannt.

Eine weitere Taktik war die Substitution des Namens. Während ihrer Haftzeit erhielten die Häftlinge anstelle ihres Namens nur noch eine Nummer. Nur bei den Verhören wurden sie mit ihrem korrekten Namen angesprochen. Durch die Nummerierung sollte den Häftlingen das Gefühl von Individualität entzogen und ihnen stattdessen das Gefühl gegeben werden, nur noch auf eine bloße Zahl reduziert worden zu sein, welche an eine Maschinerie ohne Lebendigkeit und Emotionen erinnert. Auf diese Weise wurde auch dem möglichen Aufbau einer Beziehung zwischen Wärter und Häftling entgegengearbeitet, welche einerseits gegen die Einsamkeit des Häftlings gewirkt hätte und andererseits zu Mitgefühl vonseiten der Wärter hätte führen können.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Thema Flucht aus der DDR und die daraus resultierenden Inhaftierungen durch das SED-Regime sowie Vorstellung der zentralen Fragestellung.

1. Begriff des „Klassenfeindes“: Definition der Zielgruppe politischer Verfolgung, die aufgrund ihrer Gesinnung als „Klassenfeind“ stigmatisiert und bekämpft wurde.

2. Untersuchungshaft: Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen und der kritischen Analyse ihrer Anwendung durch das MfS.

2.1 Die gesetzlichen Voraussetzungen: Erläuterung der formalen Rechtsgrundlagen (StPO/StGB) und deren Instrumentalisierung durch die DDR-Behörden.

2.2 Die Linie IX – das Untersuchungsorgan: Analyse der Rolle und der dualen Funktion der „Linie IX“ als Ermittlungs- und Geheimdienstabteilung.

2.3 Ermittlungsverfahren: Beschreibung des Ablaufs von Ermittlungen und wie das MfS diese zur Legalisierung vorab gesammelter Informationen nutzte.

2.4 Verhaftung: Schilderung der Festnahmepraxis, die darauf abzielte, den Beschuldigten durch eine gezielte Schocksituation zur Aussagebereitschaft zu bewegen.

2.5 Vollzug und Zweck der Untersuchungshaft: Einblick in die Praxis der Haftbedingungen und die faktische Kontrolle durch das MfS statt durch die Justiz.

2.6 Einsatz psychischer Zwangsmittel: Untersuchung der Methoden, die gezielt auf die psychische Zermürbung des Häftlings abzielten.

2.6.1 Isolation: Erläuterung, wie physische und soziale Isolation sowie die Entpersönlichung durch Nummern den Häftling brechen sollten.

2.6.2 Desorientierung: Beschreibung der Methoden wie Lichtentzug und räumliche Begrenzung zur Aufhebung des Zeitgefühls.

2.6.3 Totale Überwachung: Analyse der permanenten Kontrolle, die dem Häftling jegliche Privatsphäre raubte und die Überlegenheit des MfS demonstrierte.

2.7 Die Vernehmungen: Zusammenfassung der Verhörstrategien, die durch psychischen Druck und Übermüdung Geständnisse erzwingen sollten.

3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit dieser Haftmethoden und deren historische Einordnung im Kontext der DDR-Geschichte.

Schlüsselwörter

DDR, MfS, Untersuchungshaft, Klassenfeind, politische Häftlinge, SED-Regime, Strafprozessordnung, psychische Zwangsmittel, Isolation, Desorientierung, Überwachung, Vernehmung, Repression, politische Verfolgung, Freiheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert das System der Untersuchungshaft in der DDR, insbesondere die angewandten Methoden des MfS, um politische Inhaftierte zu kontrollieren und deren Widerstand zu brechen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten zählen die rechtlichen Rahmenbedingungen der Haft, die Rolle der „Linie IX“, die spezifischen psychologischen Zwangsmittel sowie die Verhörtechniken des MfS.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das MfS die Untersuchungshaft als Repressionsinstrument einsetzte und inwieweit diese Praktiken erfolgreich waren, um Geständnisse vom sogenannten „Klassenfeind“ zu erzwingen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, die Auswertung von Zeitzeugenberichten sowie die Analyse zeitgenössischer rechtlicher Vorschriften und Dienstanweisungen der DDR.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die rechtliche Analyse, die organisatorische Struktur des MfS im Haftvollzug und die detaillierte Darstellung der psychischen Druckmethoden wie Isolation und totale Überwachung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Untersuchungshaft, DDR, MfS, Klassenfeind, psychische Zwangsmittel und politische Haft.

Wie wirkte sich die „Namens-Substitution“ auf die Häftlinge aus?

Die Ersetzung des eigenen Namens durch eine Nummer diente der Entindividualisierung. Dies sollte den Häftling psychisch schwächen, indem er nur noch als „Objekt“ oder „Fallnummer“ behandelt wurde, was den Aufbau menschlicher Bindungen zum Wachpersonal unterband.

Welche Bedeutung hatte der „Freikauf“ für das System der Haft?

Der Freikauf politischer Häftlinge durch die Bundesrepublik ab 1962 wertete den abschreckenden Charakter der Untersuchungshaft langfristig ab, da das System für den SED-Staat zunehmend zu einer finanziellen Einnahmequelle statt zu einem reinen Instrument der politischen Unterdrückung wurde.

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Details

Title
Politische Häftlinge in der DDR
Course
Seminararbeit im Rahmen des Kurses "Das war die DDR"
Grade
1,0
Author
Lana Körner (Author)
Publication Year
2012
Pages
16
Catalog Number
V293829
ISBN (eBook)
9783656914709
ISBN (Book)
9783656914716
Language
German
Tags
DDR politische Gefangene politische Häftlinge SED Mauerfall Stasi Untersuchungshaft Klassenfeind StPO DDR MfS Freikauf politische Flüchtlinge
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lana Körner (Author), 2012, Politische Häftlinge in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293829
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