Im Laufe meines Studiums in Spanisch und Englisch wurde mir viel über die geschichtlichen Bezüge, Zusammenhänge und europäische Aspekte zu den Weltanschauungen der Frühen Neuzeit gelehrt. Erst die Beschäftigung mit der globalen Welt und die verschiedenen Sichtweisen der Menschen haben dazu geführt, kritisch die eigene Betrachtungsweise der Welt zu hinterfragen, gerade in Bezug auf den sogenannten „Eurozentrismus“, die Beurteilung inner- und außereuropäischer Ideologien. Gerade sich mit den Fragen der europäischen Übersee-Erforschungen, der Kolonialzeit und der Versklavung zu beschäftigen, waren faszinierend. Mit größter Aktualität führte dieses Interesse an globalgeschichtlichen Themen und Aspekten zum Nachdenken, vor allem über „die Überheblichkeit des weißen Mannes“.
Mit dem Hintergrundwissen der Geschichte der Ureinwohner in Nordamerika, befasste ich mich mit der europäischen Ausdehnung des 15. Jahrhunderts, mit dem europäischen Expansionismus der spanischen Conquista in Mittel- und Südamerika. Dabei stößt man auf die berühmteste Persönlichkeit und Eroberer jener Zeit namens Cristóbal Colón (Christopher Kolumbus). Auf dem Weg nach „Indien“ entdeckte er die Neue Welt. Hätte er gewusst, welche Folgen dieses Ereignis für die damalige indigene Bevölkerung bedeuten würden, vielleicht hätte er von seinen Plänen, den Atlantischen Ozean zu überqueren, abgelassen.
In der Geschichtsschreibung wird dieses Volk oft als Barbaren, Götzenanbeter oder Kannibalen angesehen (León-Portilla 1981: 4). Bisher gibt es nur wenige bekannte Sichtweisen der Eingeborenen. Jedoch ist es anzunehmen, dass es auch für sie eine Ankunft aus einer fremden Welt war. Was beobachteten sie, als die Menschen der Neuen Welt als die Eroberer und Entdecker an ihren Küsten, Dörfern und Städten eintrafen? Was dachten sie dabei? Wie verhielten sie sich ihnen gegenüber? Alle Fragen können sicherlich nicht beantwortet werden, aber es ist festzustellen, dass es zwei verschiedene Sichtweisen gibt: die Sicht der Sieger (der Eroberer) und die Sicht der Besiegten (die indigene Bevölkerung).
Dementsprechend wird sich diese Modularbeit mit diesen beiden Sichtweisen beschäftigen und diese kurz darstellen. Dabei dient einerseits das Bordbuch von Cristóbal Colón auf Seiten der spanischen Konquistadoren und anderseits die Zusammenstellung der mexikanischen Zeugenaussagen von Miguel León-Portilla als dienliche Quelle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Hintergrund
3. Die Version der Sieger
3.1. Cristobal Colón
3.2. Das Bordbuch des Cristóbal Colóns und seine vier Reisen
3.2.1 Die Vorzeichen
3.2.2 Die Natur
3.2.3 Die Anderen
4. Die Version der Besiegten
4.1. Vorzeichen
4.2. Ankunft der Spanier
4.3. Rückzug und Belagerungsbeginn von México-Tenochtitlan
5. Zusammenfassung der beiden Sichtweisen und Folgen der spanischen Conquista
6. Schlussbemerkung
7. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die europäische Eroberungsgeschichte Amerikas kritisch zu beleuchten, indem sie die Perspektive der Sieger (vertreten durch das Bordbuch von Cristóbal Colón) der Perspektive der Besiegten (indigene Zeugenaussagen gesammelt von Miguel León-Portilla) gegenüberstellt und analysiert.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Eurozentrismus und der Kolonialzeit.
- Analyse des Bordbuchs von Cristóbal Colón als subjektive Quelle der Eroberer.
- Untersuchung indigener Zeugnisse zum Verständnis der Wahrnehmung der Spanier.
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen kulturellen Weltanschauungen und Glaubenssysteme.
- Darstellung der fatalen Folgen der spanischen Conquista für die indigene Bevölkerung.
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Die Anderen
[...] Subjekte wie ich, die nur mein Blickwinkel, aus dem alle dort sind und ich allein hier bin, tatsächlich von mir trennt und unterscheidet. Ich kann diese anderen als Abstraktion, jeweils als Moment der psychischen Gestalt jedes Individuums auffassen, als das Andere, den anderen oder die anderen im Bezug auf das Ich oder aber als eine konkrete gesellschaftliche Gruppe, der wir nicht angehören. Diese Gruppe kann sich wiederum innerhalb unserer Gesellschaft befinden [...] (Todorov 1985: 11)
Demzufolge sind die Anderen, die anderen Individuen, die uns ähneln, aber trotzdem unterscheiden wir uns von ihnen. Das kann sich auf das Aussehen, Kultur aber auch auf die Psyche beziehen. Zufolge Cristóbal Colón beziehen sich die Anderen auf das Fremdartige, was er auf seinen Reisen vorfindet. Dazu zählen die Pflanzen- und Tierwelt sowie besonders die indigene Bevölkerung. Gerade bezüglich der Ureinwohner kann von zwei Betrachtungsweisen gesprochen werden. Zum einen sieht Colón sie als wilde Individuen an, die mithilfe der Missionierung „zivilisiert“ werden können, und zum anderen als Objekte sowie später als Sklaven.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Motivation der Autorin, sich kritisch mit dem Eurozentrismus und der Conquista auseinanderzusetzen, und führt in die zwei zentralen Sichtweisen der Arbeit ein.
2. Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel umreißt die europäischen Entdeckungsfahrten des 15. Jahrhunderts sowie die politische Situation in Spanien, die zur Conquista führte.
3. Die Version der Sieger: Hier wird das Leben von Colón beleuchtet, sein Bordbuch analysiert und seine subjektive, durch eurozentrische Vorurteile geprägte Wahrnehmung der Natur und der indigenen Bevölkerung dargelegt.
4. Die Version der Besiegten: Anhand indigener Zeugnisse wird die Ankunft der Spanier aus Sicht der Nahua-Indianer geschildert, die zunächst in den Europäern göttliche Wesen sahen.
5. Zusammenfassung der beiden Sichtweisen und Folgen der spanischen Conquista: Dieses Kapitel führt beide Perspektiven zusammen, analysiert die Rolle des Glaubens sowie die destruktiven sozialen und wirtschaftlichen Folgen für die indigene Bevölkerung.
6. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass trotz unterschiedlicher Weltanschauungen und Motive die Conquista eine Zerstörung der indigenen Lebenswelten und eine dauerhafte europäische Dominanz zur Folge hatte.
7. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Cristóbal Colón, Conquista, spanische Krone, indigene Bevölkerung, Eurozentrismus, Bordbuch, Nahua-Indianer, Missionierung, Kolonialismus, Miguel León-Portilla, Tzvetan Todorov, Wahrnehmung, Unterwerfung, Kultur, Goldgier.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die spanische Eroberung Amerikas und stellt die europäische Sichtweise der Eroberer der Perspektive der indigenen Bevölkerung gegenüber.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Eurozentrismus, die Wahrnehmung des „Anderen“, die Rolle des Glaubens in der Kolonialisierung und die sozioökonomischen Folgen für die Ureinwohner.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, durch den Vergleich zweier konträrer Sichtweisen ein differenziertes Bild der Conquista zu zeichnen und die Mechanismen der Fremdwahrnehmung sowie deren zerstörerische Konsequenzen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse von historischen Quellen (Bordbuch des Colón) und ethnohistorischen Zeugenaussagen (León-Portilla), ergänzt durch theoretische Ansätze zur Fremdwahrnehmung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Colóns Beobachtungen zu Natur und Ureinwohnern, stellt dem die erschütternden Zeugnisse der Besiegten über die Ankunft der Spanier gegenüber und bewertet die Folgen der Kolonialisierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Conquista, Eurozentrismus, indigene Bevölkerung, Wahrnehmung, Missionierung und Unterwerfung fassen den Kern der Arbeit prägnant zusammen.
Wie nimmt Colón die indigene Bevölkerung wahr?
Colón betrachtet sie anfangs als naive, friedliche Lebewesen, die "zivilisiert" und missioniert werden müssen, degradiert sie jedoch bei Widerstand oder mangelnder Nützlichkeit schnell zu Objekten oder Sklaven.
Wie interpretierten die Ureinwohner das Erscheinen der Spanier?
Die indigene Bevölkerung war verwirrt und sah in den fremden, technologisch überlegenen Europäern zunächst göttliche Wesen oder Götterboten, bis sich deren zerstörerische Absichten offenbarten.
Was war die Rolle der Religion in diesem Prozess?
Die Religion diente einerseits als Rechtfertigung für die Unterwerfung und Sklavenhaltung der Indigenen durch die Spanier, bot aber andererseits den betroffenen Ureinwohnern einen psychologischen Halt angesichts der Zerstörung ihrer Welt.
- Citar trabajo
- Carmen Keyser (Autor), 2015, Das Bordbuch von Cristóbal Colón und die Kolonialisierung Amerikas. Die Sicht der Sieger versus die Sicht der Besiegten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293875