Allgemeine Psychopathologie. John Nash aus dem Film "A Beautiful Mind". Befund und Diagnosestellung zur Filmfigur


Hausarbeit, 2014
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

2
Vorwort
Die vorliegende Arbeit beurteilt den Protagonisten des Films ,,A Beautiful Mind"
hinsichtlich klinisch psychologischer Störungsmuster.
Während der Befunderhebung und anschließenden Diagnosestellung hat sich
herauskristallisiert, die vielfältigen und sich im Laufe des dargestellten Lebens erheblich
wandelnden Symptome nicht exklusiv unter einem Störungsbild subsumieren zu können.
Die psychopathologische Analyse musste daher in zwei Teile gegliedert werden, die
jeweils einen gesonderten zeitlichen Abschnitt bearbeiten. Der erste Teil befasst sich mit
seinem Aufenthalt an der Princeton University und der zweite ab dem Wirken am
Massachusetts Institute of Technology [MIT].
Durch die strikte Ausrichtung am Filmmaterial, welches keine biografische und
psychiatrische Exaktheit verfolgt, sind Befund und Diagnose nicht nur erschwert,
sondern wahrscheinlich auch unterschieden von den Feststellungen der behandelnden
Ärzte des realen John F. Nash.
An geeigneten Stellen wird zur besseren Nachvollziehbarkeit mit Zeitindizes
gearbeitet, die das schnelle Auffinden der relevanten Filmstellen ermöglichen. Diese sind
in eckige Klammern gesetzt und beziehen sich auf die deutsche Auflage des Films.
Die Produktion umreißt in besonders eindrücklicher Weise das große persönliche Leid
chronisch psychisch Kranker und ihrer Angehörigen und war für den Autor neben dem
generellen Interesse an psychotischen Störungsbildern ein wesentlicher Grund für die
Auswahl dieses Titels.
Verwendetes Filmmaterial:
A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn (2001). Copyright: DreamWorks L.L.C. (2002).
DVD, 130 Min, FSK-12. Drehbuch: Akiva Goldsman, nach der Biografie von Sylvia
Nasar. Regie: Ron Howard. Produktion: Brian Grazer & Ron Howard. Protagonist:
Russel Crowe (als Figur John Nash). DVD 688 361 2
18 (deutsche Version).
Auf eine Differenzierung der Geschlechter in den Formulierungen wird zugunsten der
besseren Lesbarkeit verzichtet. Natürlich gelten die Ausführungen im Sinne der Gleich-
behandlung für alle Geschlechter gleichermaßen.

3
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ... 3
1
Psychische Störungen im Spielfilm ... 4
2
Anamnese, Befunderhebung und Diagnose (A) ... 5
2.1
Besonderheiten der Erhebung ... 5
2.2
Methode ... 5
2.3
Anamnese (A) | Zeit in Princeton ... 5
2.4
Psychopathologischer Befund (A) | Zeit in Princeton ... 8
2.4.1
Symptomliste für den Befund (A) ... 8
2.4.2
Schriftlicher psychopathologischer Befund (A) ... 9
2.5
Diagnosestellung (A) ... 10
2.5.1
Vorläufige Diagnose (A) ... 10
2.5.2
Differentialdiagnose (A) ... 10
2.5.3
Endgültige Diagnose (A) ... 11
3
Anamnese, Befunderhebung und Diagnose (B) ... 11
3.1
Anamnese (B) | Zeit in Massachusetts ... 11
3.2
Psychopathologischer Befund (B) | Zeit in Massachusetts ... 14
3.2.1
Symptomliste für den Befund (B) ... 14
3.2.2
Schriftlicher psychopathologischer Befund (B) ... 15
3.3
Diagnosestellung (B) ... 17
3.3.1
Vorläufige Diagnose (B) ... 17
3.3.2
Differentialdiagnose (B) ... 17
3.3.3
Endgültige Diagnose (B) ... 18
4
Kritische Anmerkungen zum Film ... 18
5
Resümee ... 19
Literaturverzeichnis ... 20
Anhang ... 21
Kurze Erläuterung zu den Schizophrenien ... 21
I.
Prävalenz ... 21
II.
Ätiologie ... 21
III.
Kategorisierung ... 22
IV.
Behandlung ... 22
V.
Verlauf und Prognose ... 22

4
1 Psychische Störungen im Spielfilm
Die Darstellung psychisch auffälliger bis deutlich abnormer Charaktere ist in Filmen ein
häufig genutztes Stilmittel, um dramaturgisch bedeutsame Kontraste zwischen Opfer-
und Tätertypus herzustellen. Etwas pathetischer ausgedrückt wird das ,,Gute" und das
,,Böse" auf psychologischer Ebene anhand prototypischer Merkmale voneinander
abgegrenzt. Von der Norm abweichende Erlebens- und Verhaltensweisen eignen sich
ganz besonders als erklärende und bestimmende Dimension für ethisch-moralische
Verwerflichkeit und damit gesellschaftliche Ächtung.
Die negativen Assoziationen mit psychischen Erkrankungen und eine psycho-
analytisch begründbare Projektion als Abwehr der Angst vor eigener Erkrankung, führen
zu Stigmatisierung und Ausgrenzung des Inakzeptablen, Unverständlichen oder gar
,,Bösen". Möller, Laux & Deister (2013) merken in dem Zusammenhang an:
,,Obendrein besteht in der Bevölkerung das Problem der Stigmatisierung psychi-
scher Erkrankungen verbunden mit einer Stigmatisierung der Inanspruchnahme
psychiatrischer Versorgungsinstitutionen. Psychische Erkrankungen und alles was
damit assoziiert ist werden als etwas ,,Ungutes", ,,Rufschädigendes", ,,Diskrimi-
nierendes" aufgefasst, das man vermeiden bzw. verheimlichen muss." (S. 18).
Die Bereitschaft sich mit psychischen Erkrankungen auseinanderzusetzen ist also in brei-
ten Bevölkerungsschichten eher begrenzt. Umso wichtiger können neben anderen
Medien auch Filme sein, die sich nicht darauf beschränken, die Inszenierung psychischer
Störungen lediglich als Stilmittel einzusetzen, sondern versuchen dem Zuschauer die
persönliche Erlebniswelt Betroffener in künstlerischer Weise nahezubringen. Im Ideal-
falle kann dies dazu beitragen, die Stigmatisierung, Diskriminierung und Meidungs-
tendenzen innerhalb der Gesellschaft zu reduzieren. Der Film A Beautiful Mind (2001)
versucht genau dies einzulösen. Der Zuschauer wird hierzu völlig in die psychotische
Erlebniswelt des Hauptdarstellers einbezogen und sieht sie durch dessen ,,pathologische
Brille". Er erfährt erst an späterer Stelle von der fundamentalen Wahnhaftigkeit dieser
Perspektive. Dieser intelligente Kunstgriff ist dazu geeignet, die unkorrigierbar falsche
Beurteilung der Realität eines Psychotikers (vgl. Möller et al., 2013) dem Zuschauer
nicht nur vorzuführen, sondern sie ihn ein Stück weit selbst erfahren zu lassen.
Es wäre unter gesamtgesellschaftlicher Perspektive wünschenswert, zukünftig noch
deutlich mehr solcher tiefgründigen Filmthemen zu entwickeln, um auf diesem Wege
einen aufgeklärteren Umgang mit verschiedenen Störungsbildern (den Erkrankten)
anzuregen. Aufgrund einer Lebenszeitprävalenz von über 50 Prozent für die Entwicklung
einer psychischen Störung (Wittchen & Hoyer, 2011, S.78), scheint dies auf jeden Fall
geboten.

5
2 Anamnese, Befunderhebung und Diagnose (A)
2.1 Besonderheiten der Erhebung
Bei der nachfolgenden Anamnese und dem Befund sind einige Besonderheiten zu
beachten. Jegliche Selbstbeurteilung durch den Patienten entfällt Prinzip bedingt genauso
wie das psychiatrische Erstgespräch und die weitere Informationsgewinnung im
Interview. Die Erhebung ist daher in einschränkender Weise nur durch eine
Fremdbeurteilung anhand des Filmmaterials möglich.
Wie bereits angedeutet, ist eine einzige Anamnese und Befunderstellung nicht
ausreichend, um das über einen langen Lebenszeitraum dargestellte Erleben und
Verhalten einzuordnen. Der gesamte Prozess wird daher in einen ersten (A) und zweiten
Schritt (B) unterteilt. Ein anderes Vorgehen ist mit den anknüpfenden Diagnosen nicht
vereinbar, da sie sich im Sinne einer Komorbidität zu einem gemeinsamen Zeitpunkt
gegenseitig ausschließen würden. Das Ziel einer möglichst vollständigen und präzisen
psychopathologischen Einordnung der Hauptfigur ist nur auf diesem Wege erreichbar.
2.2 Methode
Die Methode der Informationsgewinnung entspricht psychologisch-diagnostisch der
reduktiven Deskription einer vermittelten Beobachtung unter einem Zeichensystem (vgl.
Renner, 2013, S. 14 f.). Die Analyse wurde sowohl nach dem Top-Down-, als auch
Bottom-Up-Prinzip durchgeführt. Bottom-Up bedeutet, von einzelnen Verhaltenszeichen
auf Symptome zu schließen, Top-Down heißt, das Material gezielt nach Anhaltspunkten
zu durchsuchen, die ein bestimmtes Symptom bestätigen oder auch widerlegen. Auch
differenzialdiagnostisch ist dies relevant, da mit dem Top-Down-Vorgehen abzuklärende
Differentialdiagnosen gezielt entkräftet oder fokussiert werden können.
2.3 Anamnese (A) | Zeit in Princeton
Nachfolgende Abbildung 2-1 zeigt die Erstanamnese (fremd) des Patienten John Nash für
die Zeit während des Aufenthaltes an der Princeton University.
Soziodemographische Daten
Titel, Name, Geschlecht, Geburtsdatum & -ort, Familienstand
John Nash (Filmfigur) ; männlich ; * 00.00.1928, West Virginia ; ledig
Erreichbarkeit Angehörige
k. A.
Berufliche Situation
Student
Schulischer Werdegang, Ausbildung, Studium
Masterabsolvent Mathematik, Promotionsstudent der Mathematik an der Princeton University, New Jersey.

6
Aktuelle Krankheitsanamnese
Entwicklung aktueller Beschwerden/Symptome
Seit der Kindheit auffällige emotionale Defizite: ,,Meine Lehrerin in der ersten Klasse sagte, ich hätte bei
der Geburt zwei Portionen Gehirn mitbekommen aber nur eine halbe Portion Herz"
[07`52``].
Sozialer
Rückzug, mangelnde Bindungsfähigkeit, schizoide Persönlichkeitszüge: ,,Die Wahrheit ist, ich mag
Menschen nicht besonders und sie mögen mich nicht besonders"
[08`01``]
. Narzisstische bis
größenwahnhafte Tendenzen (rücksichtslose Herabwürdigung Anderer, über den ,,elend Sterblichen"
stehend). Feindseligkeit, Insuffizienzgefühle Zuspitzung des Leistungsdrucks, emotionale Entladung
(Autoaggression, Hinauswerfen des Schreibtisches)
[18`34``]
. Teils bizarre, situationsinadäquate
Interaktionen.
Subjektive Gewichtung
Vermutlich eher gering fehlendes Krankheitsgefühl
Auslösefaktoren
Privilegierte Kinderstube ; herausragender Intellekt, der möglicherweise zur Distanzierung von normal-
intelligenten Gleichaltrigen geführt hat. Defiziente Bindungserfahrungen in der Kindheit. Genetische und
anderweitig begründete Diathese in Verbindung mit auslösenden Stressoren. Wahrscheinlich ist eine
multifaktorielle Genese.
Persönliche Bindungen, Beziehungen, Familienleben
Keine engen Bindungen ; Unsicherheit und Distanziertheit gegenüber potentiellen Sexualpartnern,
geringes Interesse an sexuellen Aktivitäten. Wichtigster ,,Freund" ist Charles, ansonsten lediglich
gelockerte und unverbindliche Interaktionen.
Herkunftsfamilie
Nicht feststellbar
Berufsprobleme, Arbeitsstörungen, Lernschwierigkeiten
Konzentrationsstörungen, im Vergleich zu Kommilitonen (als relevante Bezugsgruppe) keine wissen-
schaftlichen Veröffentlichungen, wird für seine Minderleistung und Ignoranz gegenüber dem Wissen-
schaftsbetrieb kritisiert (z.B. Boykott der Vorlesungen). Seine realen Leistungen bleiben zunächst
deutlich hinter seinen anmaßenden Ansprüchen zurück
[15`25``]
. Später bessert sich die Situation jedoch,
was der narzisstisch - labilen Selbstwertschätzung einen gewissen Auftrieb verleiht.
Besitzerleben und ­verhalten
Keine höherwertigen Besitzgüter erkennbar ; Materialismus, Besitzstreben oder Geiz sind nicht
festzustellen.
Soziokultureller Rahmen
Geborener US-Amerikaner, keine von den Erwartungen abweichende Prägung ; westlich-patriotische
Einstellung, was u.a. an der Bestrebung für das geheim forschende ,,Wheeler-Labor" des Verteidigungs-
ministeriums arbeiten zu wollen, erkennbar wird.
Art und Erfolg bisheriger Behandlungsversuche
Nicht feststellbar
Therapiemotivation, Erwartungen an die Behandlung
vermutlich gering
Komplikationen (Delinquenz, Substanzgebrauch, Selbstverletzendes Verhalten, Suizidalität)
vermutlich fehlendes Krankheitsgefühl
Psychische und somatische Vorgeschichte
Entwicklung und Art von Erkrankungen, Diagnosen
Nicht feststellbar
Ambulante und stationäre Vorbehandlungen
Nicht feststellbar
Dauer, Verlauf, psychosoziale Konsequenzen
Nicht feststellbar
Körperliche Anamnese
Umfangreiche allgemeine und fachärztliche Untersuchungen
Nicht feststellbar, aber dringend geboten
Differenzialdiagnostische somatische Abklärung nach psychopathologischem Befund
Nachtrag: Eigene oder konsiliarische somatische Abklärung einer körperlich begründbaren Halluzinose
ist unbedingt erforderlich.

7
Drogen und Medikamentenanamnese
Medikament: Indikation, Häufigkeit, Dosis und Zeitraum der Einnahme
Nicht feststellbar
Schmerz-, Schlaf-, Abführmittel, Steroide?
Nicht feststellbar
OTC und illegal beschaffte Medikamente
Nicht feststellbar
Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit
Nein
Substanzgebrauch, -abhängigkeit
Nein
Familienanamnese
Psychosoziale Situation der Eltern/Großeltern (Alter, Beruf, Finanzen, Todesdaten, -ursachen)
Nicht feststellbar
Geschwister (Anzahl, Alter, Geschlecht, Familienstand, etc.)
Nicht feststellbar
Familienatmosphäre
Nicht feststellbar
Art der Beziehung zu primären Familienangehörigen, Erziehung, Sexualität, etc.
,,Gute Kinderstube" ; aufgrund der Symptomatik vermutlich keine sexuellen Erfahrungen zum Unter-
suchungszeitpunkt. Speziellere Angaben über die Erziehung und Beziehung zu Familienangehörigen
sind nicht möglich.
Familiäre Belastung mit psychischen und somatischen Erkrankungen (Diagnosen, Behandlungen, Suizid
und Suizidversuche)
Nicht feststellbar
Biographie und aktuelle soziale Situation
Schwangerschafts- und Geburtsumstände
Nicht feststellbar
Frühkindliche Entwicklung
Nicht feststellbar
Vorschulische und schulische Entwicklung
Emotionale Defizite, auffällig hohe kognitive Leistungsfähigkeit. Keine näheren Angaben zu den
sonstigen Lebensumständen möglich.
Pubertät, Adoleszenz
Herausragende schulische Leistungen, Erhalt eines angesehenen Stipendiums. Mathematisch geprägter
Karriereweg, keine näheren Angaben zu den sonstigen Lebensumständen möglich.
Berufliche Entwicklung
Verleihung des Doktortitels (Ph.D.), hervorragende Berufsaussichten.
Partnerschaften, Ehe
Keine
Familie und Kinder
Nein
Erlittene Traumata
Nicht feststellbar
Sozioökonomische Verhältnisse
Ausreichende finanzielle Mittel
Freizeit und Interessen
Interesse an Mathematik vereinnahmt auch weitgehend die Freizeit, kaum weitere Interessen feststellbar.
Lebensgewohnheiten
Durchgängiges Campusleben ; Verantwortung nur sich selbst gegenüber, egozentrische Lebensweise.
Religiosität und sonstige weltanschauliche Besonderheiten
Nicht feststellbar
Abb. 2-1
. Anamnese (A), modifizierte Systematik nach Brunnhuber, Frauenknecht & Lieb (2005)
Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Allgemeine Psychopathologie. John Nash aus dem Film "A Beautiful Mind". Befund und Diagnosestellung zur Filmfigur
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Psychologie)
Veranstaltung
Allgemeine Psychopathologie, Seminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V293965
ISBN (eBook)
9783668624047
ISBN (Buch)
9783668624054
Dateigröße
851 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde als besonders aufwändig und originell bewertet. Note 1,0 mit bestmöglicher Bewertung in allen Subkategorien.
Schlagworte
allgemeine, psychopathologie, john, nash, film, beautiful, mind, befund, diagnosestellung, filmfigur
Arbeit zitieren
Enrico Stirl (Autor), 2014, Allgemeine Psychopathologie. John Nash aus dem Film "A Beautiful Mind". Befund und Diagnosestellung zur Filmfigur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293965

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