Rituale begleiten die Menschen durch ihr gesamtes Leben.
In ihnen spiegeln sich die Wertevorstellungen einer Gesellschaft wieder. Riten haben abhängig von ihrer Verwendungsweise verschiedene Funktionen. Ritualwissenschaftler, wie zum Beispiel Stanley Tambiah, haben differenzierte Komponenten und Funktionen als Merkmale für Rituale definiert: Das symbolische Handeln, Wiederholung, Tradition, Selbstpräsentation, Ausseralltäglichkeit, Sichtbarkeit von Wertevorstellungen, Motivation und Wirkung.
Luckmann vertritt die These, dass Rituale die Handlungsform von Symbolen sind. Sie verweisen somit auf etwas, das nicht anwesend ist und sie verbindet. Rituale stellen bewährte Handlungsmuster zur Verfügung und signalisieren somit Normalität. Weiter bewahrt die Teilnahme an Ritualen vor sozialen Sanktionen und Isolation.
Zum Beispiel bei einer verweigerten Initiation oder einer abgelehnten Hochzeitseinladung.
Desweiteren helfen Rituale über Unsicherheiten hinweg und bieten Schutz. Es ist nicht bekannt, was den Menschen nach dem Tod erwartet. Viele Totenriten sollen den Toten helfen ihren Weg ins Jenseits zu finden und stellen sicher, dass die Hinterbliebenen vor allfälligen Rachehandlungen des Verstorbenen geschützt sind. Rituale sind auch eng mit der Tradition verbunden und bestätigen sie somit als bestehende Richtlinie.
Einige Riten begleiten uns von einem Lebensabschnitt in den anderen. Diese Rituale bezeichnet Arnold van Gennep als Übergangsrituale. Mit ihnen treten wir von einem Status in den Nächsten. Nach van Gennep lösen wir uns zuerst mit Trennungsriten vom alten Status ab, dann folgen die Übergangriten und am Schluss die Angliederungsriten, die uns helfen an den neuen Status anzuknüpfen.
Victor Turner entwickelt die Theorie von van Gennep weiter und legt seinen Schwerpunkt auf die Übergangsphase.
Im Folgenden wird die jüdische Hochzeit und Beerdigung hinsichtlich der Theorien von Arnold van Gennep und Victor Turner analysiert.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1. Übergangsriten nach Arnold van Gennep
- 1.1. Heirat und Verlobung
- 1.2. Bestattung
- 2. Schwellenzustand nach Victor Turner
- 2.1. Communitas
- 2.2. Eigenschaften der Schwellenwesen
- 2.3. Gefahr und Macht der Schwachen
- 2.4. Millenarische Bewegungen
- 3. Jüdisches Brauchtum
- 3.1. Die jüdische Hochzeit
- 3.2. Die Bestattung
- 4. Auswertung
- 5. Bibliographie
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die jüdische Heirat und Bestattung unter Berücksichtigung der Theorien von Arnold van Gennep und Victor Turner. Sie zielt darauf ab, die rituellen Aspekte dieser Übergangsriten im jüdischen Kontext zu analysieren und die Bedeutung dieser Rituale für die Gesellschaft und das Individuum zu beleuchten.
- Übergangsriten im Judentum
- Rituelle Aspekte der Heirat und Bestattung
- Die Rolle von Arnold van Gennep und Victor Turner
- Soziale und individuelle Bedeutung der Rituale
- Verbindung von Ritualen und Tradition
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung bietet einen Überblick über die Bedeutung von Ritualen in verschiedenen Gesellschaften und stellt die zentralen Theorien von Arnold van Gennep und Victor Turner vor. Kapitel 1 beleuchtet die Übergangsriten nach Arnold van Gennep und differenziert zwischen Trennungs-, Schwellen- und Angliederungsriten. Dabei werden die Heirat und die Bestattung als Beispiele für Übergangsriten analysiert. Kapitel 2 widmet sich dem Schwellenzustand nach Victor Turner und untersucht die Eigenschaften von Schwellenwesen sowie deren Bedeutung für den gesellschaftlichen Wandel. Kapitel 3 untersucht das jüdische Brauchtum in Bezug auf Heirat und Bestattung und analysiert die spezifischen Rituale im Kontext der Theorien von van Gennep und Turner.
Schlüsselwörter
Jüdische Heirat, jüdische Bestattung, Übergangsriten, Arnold van Gennep, Victor Turner, Trennungsriten, Schwellenriten, Angliederungsriten, Communitas, Tradition, Gesellschaft, Individuum.
Häufig gestellte Fragen
Was sind Übergangsrituale nach Arnold van Gennep?
Es sind Rituale, die den Übergang eines Individuums von einem Lebensstadium in ein anderes begleiten, unterteilt in Trennungs-, Schwellen- und Angliederungsriten.
Welche Bedeutung hat der "Schwellenzustand" bei Victor Turner?
Turner fokussiert sich auf die Übergangsphase (Liminälität), in der das Individuum seinen alten Status verloren, den neuen aber noch nicht erreicht hat, was oft mit dem Begriff "Communitas" verbunden ist.
Wie wird die jüdische Hochzeit rituell eingeordnet?
Die Hochzeit wird als klassisches Übergangsritual analysiert, das die Brautleute aus ihrem bisherigen Stand löst und in den neuen Stand der Ehe eingliedert.
Welche Funktion haben jüdische Bestattungsriten?
Sie dienen der rituellen Trennung des Verstorbenen von den Lebenden, bieten den Hinterbliebenen Schutz und Struktur in der Trauer und sichern die Angliederung des Toten an das Jenseits.
Warum sind Rituale für die Gesellschaft wichtig?
Rituale spiegeln Werte wider, signalisieren Normalität, bewahren vor sozialer Isolation und bieten Schutz in Phasen existenzieller Unsicherheit.
Was versteht man unter "Communitas"?
Es beschreibt ein Gefühl intensiver Gemeinschaft und Gleichheit, das oft während der Schwellenphase eines Rituals zwischen den Teilnehmern entsteht.
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- Susanne Ilg (Author), 2013, Heirat und Bestattung im Judentum. Religionsanthropologische Untersuchung nach Arnold van Gennep und Victor Turner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294019