Pädagogischer Humor. Ist die Erziehung eines werdenden Menschen nur durch einen reifen Erwachsenen möglich?


Hausarbeit, 2014
18 Seiten, Note: 1,00
Anonym

Leseprobe

Gliederung

1. Hinführung zum Thema

2. Forschungsüberblick

3. Erziehung des Zöglings durch einen reifen Erwachsenen
3.1. Der pädagogische Bezug
3.1.1. Verhältnis von Zögling und Erzieher
3.1.2. Die Antinomien
3.1.3. Liebe, Autorität und Gehorsam
3.2. Die Tugenden des Erziehers
3.2.1. Grundzüge eines reifen Erziehers
3.2.2. Der pädagogische Takt
3.2.3. Der pädagogische Humor nach Nohl und März

4. Fazit
4.1. Überlegenheit des Erziehers
4.2. Erziehung nur im dialogischen Verhältnis?

Literaturverzeichnis

I. Hinführung zum Thema

Albert Bandura ist bekannt als Begründer der sozial-kognitiven Theorie des Modelllernens. Hierbei wird beschrieben wie der Mensch durch „kognitive Prozesse der Informationsverarbeitung und -speicherung" (Edelmann 2012, S. 163) fähig ist zu lernen (vgl. Edelmann 2012, S. 163). Dies soll ausdrücken, dass Menschen auch lernen können, indem sie Verhalten von anderen Individuen beobachten und daraufhin nachahmen können. Deshalb wird das Lernen am Modell auch „Beobachtungslernen, Nachahmungslernen, Imitationslernen oder Modellieren" (Krapp 2001, S. 158) genannt (vgl. Krapp 2001, S. 158). Dabei ist die Anwesenheit des als Modell dienenden Menschen keine Voraussetzung, denn das Beobachtungslernen kann auch über Medien, wie den Film, erfolgen (vgl. Mietzel 2001, S. 159f.). „[Das Modelllernen, S.W.] stellt eine besonders schnelle und effiziente Art der Übernahme von Verhaltensweisen dar, besonders bei der Übernahme komplexer Verhaltensformen im Bereich des sozialen und sprachlichen Verhaltens" (Tausch & Tausch, zit. nach Edelmann 2012, S. 164). Diese Form des Lernens wird von Bandura in zwei Phasen eingeteilt, die Aneignungsphase und die Ausführungsphase. Die erste Phase wird wiederum unterteilt in Aufmerksamkeitsprozesse und Gedächtnisprozesse. Das meint, dass der Beobachter zuerst einmal das Modell mit seiner gesamten Aufmerksamkeit fokussieren muss. Dabei spielen sowohl Eigenschaften des Modells, als auch des Lernenden selbst eine entscheidende Rolle. In den Gedächtnisprozessen werden nun die beobachteten Verhaltensweisen im Gedächtnis gespeichert. Dies erfolgt nach Bandura entweder bildlich oder in sprachlicher, aber vereinfachter Form (vgl. Edelmann 2012, S. 166). Durch mehrfache Wiederholung des Handlungsablaufes im Gedächtnis wird das Gesehene besser gespeichert, sodass der Beobachter nun in den motorischen Reproduktionsprozessen, welche Teil der Ausführungsphase sind, fähig ist, diese Handlung nachzuahmen. Ob er dies tatsächlich durchführt, hängt von seiner Motivation ab, welche durch unterschiedliche Verstärkungen beeinflusst wird (vgl. Mietzel 2001, S. 167f.). „Nach Bandura können beim Modelllernen stellvertretende Verstärkung, äußere Verstärkung und Selbstverstärkung auftreten." (Edelmann 2012, S. 167) Stellvertretend wird verstärkt, wenn der Lernende beim Modell positive Konsequenzen auf sein Handeln beobachten kann. Wenn er nun selbst diese Handlung erfolgreich durchführt, ist von einer Selbstverstärkung zu sprechen. Auch Belohnungen in jeglicher Form, welche von außen auf ihn wirken, verstärken seine Motivation (vgl. Krapp 2001, S. 159).

Mit der Ausführung dieser Form des Lernens soll verdeutlicht werden, dass hier der Mensch selbst entscheidet was er lernt und von wem. Somit kann auch von einer Art Selbsterziehung gesprochen werden. Dies wiederum würde aber der Auffassung Herman Nohls von Erziehung widersprechen, welche in dieser Arbeit kritisch hinterfragt werden soll. Laut Nohl ist „die Grundlage der Erziehung [...] das leidenschaftliche Verhältnis eines reifen Menschen zu einem werdenden Menschen, und zwar um seiner selbst willen, daß [sic!] er zu seinem Leben und seiner Form komme" (Nohl 1957, S. 134).

2. Forschungsüberblick

Schon vor Nohl beschäftigten sich Autoren mit der Beziehung zwischen Erzieher und Zögling. Einige dieser Überlegungen greift Herman Nohl in seinen Arbeiten wieder auf. Einer der ersten Pädagogen, der sich näher mit dem Verhältnis von Erzieher und Schüler auseinandersetzte, war Johann Friedrich Herbart. Mit seinen Überlegungen zum pädagogischen Takt wird deutlich, dass er diesem Erziehungsverhältnis eine gewichtige Rolle zuspricht. Hierbei betont er aber, dass dieses Verhältnis kein gezwungenes sein darf, sondern dass der Lehrer nur ein „Lenker von ferne" (Herbart 1887, S. 287) ist und so den jungen Menschen in seiner Entwicklung unterstützt (vgl. Herbart 1887, S. 287f.).

Auch Wilhelm Dilthey, welcher großen Einfluss auf Nohl hatte, veröffentlichte Arbeiten über das Verhältnis von Erzieher und Zögling. Der Schwerpunkt seiner Pädagogik war, herauszufinden, wie sich das pädagogische Geschehen auf das seelische Leben eines Menschen auswirkt (vgl. Winkler 2013, S. 214).

Auch nach Nohls Abhandlungen wurde dieses Thema noch aufgegriffen, wie von seinem Schüler Otto Friedrich Bollnow. Er thematisiert mit seiner pädagogischen Atmosphäre die Voraussetzungen für die Erziehung. Damit meint er eine gewisse Einstellung seitens des Erziehers, wie auch des Kindes (vgl. Bollnow 1964, S. 11f.).

Ebenfalls zu nennen ist Fritz März, welcher sich vor allem mit dem pädagogischen Humor als Grundhaltung des Erziehers beschäftigte. Für ihn ist dieser Humor „die Haltung des reifen, mit sich selbst ins Reine gekommenen Erziehers angesichts prekärer Momente im pädagogischen Bezug; [...] ein Verhalten zur Meisterung von pädagogischen Krisensituationen“ (März 1967, S. 95, Hervorhebung im Original). Hier wird deutlich, dass auch März sich auf den pädagogischen Bezug von Herman Nohl bezieht.

Desweiteren sollen nun einige Autoren aufgeführt werden, welche sich direkt mit den Theorien Nohls auseinandersetzten. Zum einen ist hier Friedrich W. Kron anzuführen. Er beschreibt in seinen Arbeiten den pädagogischen Bezug Nohls als „eine pädagogische Gemeinschaft zwischen Erzieher und Heranwachsendem (vgl. Kron 1971, S. 55). Große Bedeutung misst er auch der Liebe, der Autorität und dem Gehorsam in dieser Beziehung von Erwachsenem und Heranwachsendem zu (vgl. Kron 1971, S. 62).

Ähnlich wie Kron sieht Norbert Kluge in diesem Verhältnis die pädagogische Liebe auf Seiten des Erziehers und das Vertrauen seitens des Kindes als fundamental (vgl. Kluge 1972, S. 7).

Zuletzt ist noch auf Giesecke hinzuweisen. Er betont die Unterschiede zwischen Erzieher und Zögling, die in ihrem Grad der Reife und der Selbstständigkeit liegen und von ihm als grundlegend für die Erziehung gesehen werden (vgl. Giesecke 1997, S. 222). Außerdem setzt er sich, wie auch einige der anderen Autoren, mit der pädagogischen Liebe auseinander (vgl. Giesecke 1997, S. 224).

3. Erziehung des Zöglings durch einen reifen Erwachsenen

Dieses Kapitel befasst sich mit der Frage, ob Erziehung nur durch eine spezielle Beziehung von Erzieher und Heranwachsendem erfolgen kann oder ob Nohl auch andere Erziehungsformen in seine Theorie miteinschließt. Außerdem soll geklärt werden, ob Erziehung nur durch einen reifen Erwachsenen vollzogen werden kann und was genau eine solche Reife auszeichnet. Hierzu wird auch darauf eingegangen, ob durch das Reifegefälle eine Machtüberlegenheit des Erziehers gegenüber dem Zögling droht.

Durch das genauere Eingehen auf den pädagogischen Bezug und die Tugenden eines Erziehers sollen diese Punkte geklärt und in einem abschließenden Fazit überschaubar gemacht werden.

3.1 Der pädagogische Bezug

Der pädagogische Bezug beschreibt nach Nohl „das Verhältnis zwischen Erzieher und Zögling" (Klika 2000, S. 42, Hervorhebung im Original). Bereits der Begriff „Bezug" macht deutlich, dass dieses Verhältnis auf Wechselseitigkeit beruht (vgl. Klika 2000, S. 42). Nohl vergleicht diese Beziehung mit der eines Arztes zu seinem Patienten. Dabei will er verdeutlichen, dass auf der einen Seite das Vertrauen des Zöglings zu seinem Erzieher von grundlegender Bedeutung ist, wie auch von anderer Seite die Affirmation der Persönlichkeit des Heranwachsenden (vgl. Lee 1989, S. 21). Dabei hebt er aber hervor, dass der Zögling das Subjekt dieser Beziehung darstellt und diese somit besonders auf ihn ausgerichtet ist (vgl. Giesecke 1997, S. 225). Er betont auch die individuellen Ausprägungen des pädagogischen Bezuges gegenüber unterschiedlichen Menschen, wobei dieser aber immer das Fundament wirksamer erzieherischer Arbeit ist. Ebenfalls anzumerken, ist die lebenslange Dauer eines solchen Bezuges (vgl. Lee 1989, S. 21). Daraus ist auch erschließbar, dass die Erziehung niemals abgeschlossen ist, aber auch, dass sie bereits in der Familie beginnt. Die Beziehungen innerhalb der Familie sieht Nohl als die Grundform des pädagogischen Bezuges. Auch diese Verhältnisse sind jeweils unterschiedlich ausgeprägt und verfolgen differente Ziele (vgl. Nohl 1957,S. 134). Nohl vertritt dabei die Ansicht, dass die „mütterliche Haltung [...] die Grundlage aller pädagogischen Arbeit" (Nohl 1957, S. 129) ist. Hier verweist er auf „alle großen pädagogischen Genies" (Nohl 1957, S. 129), welche seiner Meinung nach feminine Wesensmerkmale besaßen. Anzuführen ist aber auch, dass nicht nur die mütterliche Seite in die Erziehung mit einfließt, sondern auch die des Vaters. „Er verteidigt und führt das Kind, aber fordert auch von ihm und vertritt ihm gegenüber Ordnung und Gesetz und die Macht der Durchsetzung“ (Nohl 1957, S. 129). Jedoch lässt Nohl verlauten, dass das erzieherische Verhältnis von Erzieher und Zögling über diese familiäre Grundhaltung hinausgeht (vgl. Nohl 1957, S. 134), „nämlich [als, S.W.] ein geistiges Verhalten selbstständiger Art, das sich auf den werdenden Menschen richtet um seiner höheren Form willen“ (Nohl 1957, S. 134, Hervorhebung im Original). Nohls pädagogischer Bezug ist darauf ausgelegt sich auf Seiten des Erziehers und des Zöglings aufzulösen (vgl. Nohl 1957, S. 132). Allerdings besteht auch die Möglichkeit eines Scheiterns des Bezuges, wenn der Erzieher beispielsweise die Person des Zöglings nicht bekräftigt oder der Heranwachsende die erzieherischen Vorhaben nicht achtet. In diesem Fall muss die Bindung mit einem anderen Erzieher eingegangen werden (vgl. Brozio 1995, S. 46). Für eine erfolgreiche Beziehung muss das Verhältnis von Lehrer und Schüler einige fundamentale Merkmale aufzeigen, welche im nachfolgenden Abschnitt erarbeitet werden sollen.

3.1.1 Verhältnis von Zögling und Erzieher

Um das Verhältnis von Zögling und Erzieher beschreiben zu können, muss zunächst einmal darauf hingewiesen werden, dass für den Pädagogen Herman Nohl für die Erziehung die Hingabe an einen anderen Menschen grundlegend war. Dabei sah er weniger im Erziehungsprozess per se das entscheidende erzieherische Moment, als mehr noch in der Art der Vertretung dieses Vorganges durch den Erzieher. Erwähnenswert ist dabei auch, dass durch Erziehung das Leben des Heranwachsenden homogen gestaltet werden soll. Dies gelingt nach Nohl nur durch ein ebenfalls bereits einheitliches Leben (Nohl 1957, S. 132f.). Damit ist gemeint, dass nur die ältere Generation zu Erziehung fähig ist, dabei aber nur so weit eingreifen darf, wie der Heranwachsende Hilfe bei der Entwicklung seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten benötigt. Ziel ist also den Zögling hin zu Selbstständigkeit zu erziehen und zu leiten (vgl. Brozio 1995, S. 42). „Diesen Prozess zu fördern, ist Aufgabe der 'ältere[n] Generation'“ (Brozio 1995, S. 42). Daraus ist zu vernehmen, dass nach Nohls Vorstellung Erziehung nur in einem Generationenverhältnis, welche als Bildungsgemeinschaft erfahren wird, geschehen kann (vgl. Lee 1989, S. 84). Auch das Erläutern des Verhältnisses eines Erziehers zu einem Zögling lässt verlauten, dass dieser Prozess nur in einer Zweierbeziehung von statten gehen kann (vgl. Brozio 1995, S. 46, eigene Hervorhebung, S.W.). Daraus ist erschließbar, dass er Selbsterziehung oder gemeinschaftliche Erziehung ausschließt. Darauf soll allerdings im Abschnitt 4.2 genauer eingegangen werden.

Außerdem beschreibt Nohl dieses Erziehungsverhältnis als „schöpferische[s, S.W.] Verhältnis“ (Nohl, zit. nach Lee 1989, S. 22). Auf Seiten des Erziehers sind dabei Eigenschaften wie Liebe und ein gewisser Habitus fundamental, auf Seiten des Zöglings

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Pädagogischer Humor. Ist die Erziehung eines werdenden Menschen nur durch einen reifen Erwachsenen möglich?
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,00
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V294038
ISBN (eBook)
9783656917496
ISBN (Buch)
9783656917502
Dateigröße
692 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogischer Humor, Erziehung, Modellernen, Albert Bandura, Pädagogik
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Pädagogischer Humor. Ist die Erziehung eines werdenden Menschen nur durch einen reifen Erwachsenen möglich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294038

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