In vielen Ganztagsschulen ist es üblich, dass neben den regulären Lehrkräften und Erziehern auch Personen ohne pädagogische Ausbildung tätig sind, wie beispielsweise Eltern oder Angehörige nichtpädagogischer Berufe. Diese Personen, die als pädagogischen Laien bezeichnet werden, können den Schulalltag beispielsweise durch Kurse oder Projekte bereichern. Aufgrund ihrer Erfahrungen und ihrer Expertise können sie das Wissen und die Kompetenzen der Schüler fördern. Dies entspricht einem breiten bzw. ganzheitlichen Bildungsverständnis, das für Ganztagsschulen kennzeichnend ist. Gerade in Ganztagesschulen wird häufig Wert auf die Erweiterung des Erfahrungshorizontes an außerschulischen Lernorten sowie auf komplexe, praxisnahe Projekte gelegt. Im Zuge des Engagements der pädagogischen Laien kommt es zu einer multiprofessionellen Zusammenarbeit mit den Erziehern und Lehrkräften. Diese Kooperation kann aus Perspektive der pädagogischen Fachkräfte mit Problemen behaftet sein. So können zum Beispiel Meinungsverschiedenheiten oder Streitigkeiten auftreten, die ihren Hintergrund darin haben, dass die pädagogischen Laien zwar Experten auf ihrem beruflichen Gebiet sind, aber keine Kompetenz darin haben, das Wissen den Schülern sinnvoll zu vermitteln.
In der vorliegenden Arbeit soll nun untersucht werden, wie die Zusammenarbeit zwischen Erziehern und pädagogischen Laien an Ganztagsschulen gestaltet ist. Konkret soll erörtert werden, welche spezifischen Kommunikations- und Kooperationsformen und -probleme zwischen diesen beiden Gruppen bestehen. Zur Bearbeitung des Untersuchungsziels erfolgt neben der Behandlung der theoretischen Ansätze auch die Durchführung einer empirischen Erhebung, in deren Rahmen Erzieher einer Ganztagsschule interviewt werden. Eine weitere Zielsetzung besteht darin, Handlungsoptionen aufzuzeigen bzw. zu entwickeln, die auf Verbesserung der Zusammenarbeit von Erziehern und pädagogischen Laien ausgerichtet sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Untersuchungsziel
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Charakteristik von Ganztagesschulen
2.2 Identifikation der pädagogischen Laien
2.3 Rechtlicher Status und Beschäftigungsverhältnisse der pädagogischen Laien
2.4 Funktion und Aufgaben der pädagogischen Laien im Alltag von Ganztagesschulen
2.5 Funktion und Aufgaben der Erzieher im Alltag von Ganztagesschulen
2.6 Ausmaß der Einbindung pädagogischer Laien in Ganztagesschulen
2.7 Pädagogische Kompetenz der pädagogischen Laien
2.8 Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Erziehern und pädagogischen Laien
2.8.1 Gegenseitige Wahrnehmung
2.8.2 Kommunikationsstrukturen
2.8.2.1 Institutionalisierte, formelle Kommunikation
2.8.2.2 Informelle Kommunikation
2.8.3 Problemfelder zwischen Erziehern und pädagogischen Laien
2.8.3.1 Unklare Rollen- und Kompetenzabgrenzung
2.8.3.2 Beeinflussung der Unterrichtskonzeption und Lernentwicklung
3. Empirisches Forschungsvorhaben
3.1 Stand der Forschung
3.2 Hypothesen
3.3 Untersuchungsmethodik
3.4 Beschreibung der Untersuchungsstichprobe
3.5 Inhalte des Leitfadens
3.6 Auswertung der Interviews
3.6.1 Darstellung des beruflichen Hintergrundes der pädagogischen Laien
3.6.2 Einschätzung der pädagogischen Kompetenz der Laien
3.6.3 Pädagogisch-didaktischer Einfluss der pädagogischen Laien auf die Entwicklung der Schüler
3.6.4 Institutionalisierte Kommunikation
3.6.5 Kooperation im pädagogischen Arbeitsalltag
3.6.6 Kompetenz- und Rollenkonflikte
3.6.7 Strukturelle Bedingungen in der Organisation
3.6.8 Ideen der Erzieherinnen zur Verbesserung der Zusammenarbeit
3.6.9 Analyse des Interviewverlaufs
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen Erziehern und pädagogischen Laien an Ganztagsschulen, um spezifische Kommunikationsformen sowie Kooperationsprobleme zu identifizieren und verbessernde Handlungsoptionen zu entwickeln.
- Multiprofessionelle Zusammenarbeit in Ganztagsschulen
- Kompetenzprofil und Rollenverständnis pädagogischer Laien
- Analyse von Kommunikationsstrukturen und Konfliktfeldern
- Bedeutung von Fortbildungen und Qualitätsmanagement
- Einfluss struktureller Rahmenbedingungen auf die Kooperationskultur
Auszug aus dem Buch
3.6.3 Pädagogisch-didaktischer Einfluss der pädagogischen Laien auf die Entwicklung der Schüler
Trotz der fehlenden pädagogischen Ausbildung übernehmen die Laien pädagogische Aufgaben in der Institution und haben damit Einfluss auf die Entwicklung der Schüler. Zumeist sind entsprechend ausgebildete Erzieher anwesend, doch es gibt auch Situationen, in denen die pädagogischen Laien alleine sind und die erzieherische Arbeit leisten müssen.
Die befragten Erzieherinnen berichten in den Interviews über verschiedene Situationen, in denen die Problematik der mangelnden pädagogischen Vorbildung zum Ausdruck kommt.
Ein solches Problem sei der konstruktive Umgang mit Kritik und Konflikten sowohl mit den Kindern als auch mit Erwachsenen. Die pädagogischen Laien reflektieren die Situation nicht und versuchen auch nicht ein Miteinander der Kinder zu forcieren und gemeinsam darüber nachzudenken, was gut war und was weniger und so an einer Lösung des Konflikts zu arbeiten. Stattdessen würden sie nur den Zeigefinger heben und sagen: „Das darfst du nicht! Das mach nie wieder!“
Aufgrund der mangelnden didaktischen Fähigkeiten gehen die pädagogischen Laien zudem nicht auf Fragen der Kinder ein. Die Kinder wollen immer wieder wissen, warum, wieso, weshalb etwas so ist und erhalten von den Laien nur die Antwort „Es ist halt so!“ ohne weitere Erläuterungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Problemstellung der Laieneinbindung in Ganztagsschulen und legt das Ziel fest, die Qualität der Zusammenarbeit zu untersuchen.
2. Theoretischer Hintergrund: Erläutert die Charakteristik von Ganztagsschulen sowie den rechtlichen und inhaltlichen Rahmen der Tätigkeit pädagogischer Laien im Abgleich mit Erzieheraufgaben.
3. Empirisches Forschungsvorhaben: Beschreibt die methodische Vorgehensweise mittels leitfadengestützter Experteninterviews und präsentiert die Analyseergebnisse zur Kooperation, Kompetenzeinschätzung und strukturellen Bedingungen.
4. Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen, bestätigt die Hypothesen zu Rollen- und Kompetenzkonflikten und plädiert für den Ausbau institutionalisierter Kommunikation sowie gezielter Fortbildungen.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, pädagogische Laien, Erzieher, Kooperation, Kommunikation, Rollenkonflikte, multiprofessionelle Teams, pädagogische Kompetenz, didaktische Planung, Schulentwicklung, Fortbildung, Konfliktmanagement, Arbeitsalltag, Qualitätsmanagement, Arbeitsverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Einbindung pädagogischer Laien, etwa Eltern oder Fachfremde, in den Schulalltag von Ganztagsschulen und der damit verbundenen Zusammenarbeit mit pädagogischem Fachpersonal wie Erziehern.
Welche Akteure stehen im Fokus der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Kooperationsbeziehungen zwischen ausgebildeten Erziehern und pädagogischen Laien im Rahmen der Ganztagsbetreuung.
Welche Forschungsfragen werden verfolgt?
Das Hauptziel ist es, die Qualität der Kommunikation und Kooperation zwischen den Gruppen zu erörtern, bestehende Konflikte zu identifizieren und Verbesserungsmöglichkeiten für die Zusammenarbeit abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird genutzt?
Die Autorin verwendet eine qualitative Herangehensweise durch leitfadengestützte Experteninterviews mit zwei erfahrenen Erzieherinnen einer Ganztagsschule, deren Ergebnisse inhaltlich analysiert werden.
Was sind die zentralen Ergebnisse im Hauptteil?
Die Analyse zeigt, dass mangelnde pädagogische Vorbildung der Laien und unklare Rollenverteilungen häufig zu Konflikten führen, während die Erzieher sich durch die Laien eher belastet als entlastet fühlen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ganztagsschule, pädagogische Laien, Kooperation, Kommunikation, Rollenkonflikte und multiprofessionelle Zusammenarbeit.
Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Arbeitgeber?
Da Erzieher bei der Stadt und pädagogische Laien beim Förderverein angestellt sind, entstehen strukturelle Differenzen und Machtkämpfe, die eine einheitliche Teamkultur erschweren.
Warum wird der Begriff "Vorpraktikanten" verwendet?
Eine der befragten Erzieherinnen nutzt diesen Begriff, um auszudrücken, dass Laien zwar Aufgaben übernehmen, aber aufgrund fehlender pädagogischer Theoriekenntnisse eine ständige Anleitung durch das Fachpersonal benötigen.
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- Julia Mahr (Autor), 2014, Die Einbindung pädagogischer Laien in den Alltag von Ganztagsschulen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294163