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Das Problem der Willensschwäche in der antiken und modernen Philosophie

Spielen Handlungsfreiheit, Rationalisierung, Status-Änderung und Handlungskonflikt eine Rolle?

Title: Das Problem der Willensschwäche  in der  antiken und modernen Philosophie

Essay , 2014 , 17 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Julia Göthling (Author)

Philosophy - General Essays, Eras
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Wer kennt sie nicht, die guten Vorsätze, welche sich bekanntlich gehäuft zum Jahreswechsel in die Köpfe der Menschen schleichen. Weniger rauchen, weniger trinken, pünktlicher sein, mindestens zehn Kilo Hüftspeck verlieren. Und ist ein weiteres Jahr ins Land gezogen, werden die nicht eingehaltenen Vorsätze ganz einsichtig mit der folgenschweren Willensschwäche gerechtfertigt. „Meine Frau kocht zu gut“, sagt der Pfundskerl. „Ich hatte so viel Stress im vergangenen Jahr“, sagt der Zigaretten-Liebhaber. „Mein Wecker klingelt zu leise“, so witzelt der Unpünktliche.

Das alltägliche Phänomen der Willensschwäche ist allgegenwärtig, so schient es auf den ersten Blick. Jedoch ist es umso überraschender, dass die Existenz und sogar die Möglichkeit von Willensschwäche aus der philosophischen Perspektive außerordentlich umstritten ist. Reichen die Meinungen dazu weit auseinander oder sind gegebenenfalls sogar Parallelen zu dieser Problematik auffindbar?

In dieser Arbeit möchte ich gerne näher auf die Problematik des Phänomens der Willens-schwäche eingehen. Zum einen geht es darum, den Ursprung und die Bedeutung von Willensschwäche abzugrenzen. Dazu werde ich mithilfe eines chronologischen Verlaufs die differenzierten Ansichten verschiedener bedeutsamer Philosophen einblenden. Zum einen werde ich Gedankengänge der antiken Philosophen Sokrates und Aristoteles mit in diese Arbeit einbeziehen, bevor ich einen zeitlichen Sprung in das 13. Jahrhundert mache, um mir die Überlegungen des Philosophen Thomas von Aquin zur Willensschwäche-Problematik anzuschauen.

Ganz besonders stark werde ich dabei den Text von Ursula Wolf „Zum Problem der Willensschwäche“ in meine individuell gebildeten Überlegungen mit einbeziehen und ihre Kommentare zu den Ansichten der verschiedenen Perspektiven, die sich über die Jahrhunderte gebildet haben, einblenden. Diese drei zeitlichen Abrisse stellen lediglich punktuell eingeflossene Meinungen zu einer breit gefächerten und noch immer andauernden Debatte dar. Demnach ist weder die Richtigkeit noch die Falschheit des Phänomens der Willensschwäche der Fokus dieser Arbeit. Wichtig ist mir, Kenntnis zu erlangen, das dieses Phänomen zum einen in Frage gestellt wird und zum anderen ist es mir ein Anliegen auf anregende Diskussionspunkte Stellung zu nehmen. Werden wir beispielsweise bei einigen Handlungen von einer „Blindheit“ gesteuert, so wie es Aristoteles beschreibt? Ändern wir unseren Wunsch-Status nach Belieben, wie es Aquin andeutet?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Der Ursprung der Willensschwäche

2.1.Sokrates und Aristoteles Position zur Willensschwäche

2.2.Thomas von Aquins Position zur Willensschwäche

2.3.Davidsons und Kennys Position zur Willensschwäche

3.Abschließender Vergleich

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das philosophische Phänomen der Willensschwäche (Akrasia) unter Einbeziehung antiker und moderner Ansätze, um zu klären, wie sich dieses Handeln wider besseres Wissen begründen lässt und welche Rolle dabei Handlungsfreiheit sowie rationales Abwägen spielen.

  • Phänomenologische Abgrenzung der Willensschwäche
  • Die antike Sichtweise von Sokrates und Aristoteles
  • Die Perspektive von Thomas von Aquin zum Wunsch-Status
  • Analysen von Donald Davidson und Anthony Kenny zur Irrationalität
  • Vergleich der Konzepte von Handlungsfreiheit und Handlungskonflikten

Auszug aus dem Buch

2. Der Ursprung der Willensschwäche

Menschen hantieren mit dem Begriff der „Willensschwäche“ in alltäglichen Situationen ganz unterschiedlich. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, so treiben wir uns beispielsweise in allen möglichen Situationen des Alltags zu erfolgreichen Leistungen an.

Ebenso bekannt lautet die Aussage „Wer nicht will, der hat schon“. Das wird uns nämlich nach zu langer Grübelei ungeduldig mitgeteilt. Jeder kennt das Wort „Willensschwäche“ und recht Viele denken wahrscheinlich ebenfalls die Bedeutung des Wortes zu über-blicken. Dabei könnten die Erklärungen jedoch recht unterschiedlich ausfallen, weil eben das Phänomen der Willensschwäche komplexer ist als es vielleicht vorerst erscheint. Daher ist es vorab unumgänglich zu klären, welche Bedeutung das Wort Willensschwäche im Bereich der Philosophie generell einnimmt um Missverständnisse zu meiden, weil dem Wort eine falsche Bedeutung beigemessen wird.

Im Zuge dessen, werde ich mich vor allem auf den Text „Zur Problem der Willensschwäche“ von Ursula Wolf aus dem Jahr 1985 stützen. Ursula Wolf hat sich in ihrem Aufsatz ebenfalls dazu entschlossen, den Begriff der Willensschwäche in der Philosophie ganz zu Beginn ihrer weiteren Argumentation zunächst abzugrenzen. Ihre Recherche dazu lautet: „Das Wort Willensschwäche“ ist zum einen ein Ausdruck unserer Umgangssprache, zum anderen fungiert es in der Philosophie als Übersetzung des griechischen Wortes „akrasia“. „Akrasia“ kann man ungefähr mit „Unbeherrschtheit“ übersetzen [...].“

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Einführung in die Thematik der Willensschwäche und Vorstellung der methodischen Vorgehensweise, die historische und moderne philosophische Positionen gegenüberstellt.

2.Der Ursprung der Willensschwäche: Untersuchung der Begriffsdefinitionen und der ersten theoretischen Fundierungen in der Antike bis hin zu den differenzierten Erklärungsansätzen des 13. Jahrhunderts und der Moderne.

2.1.Sokrates und Aristoteles Position zur Willensschwäche: Analyse der antiken Debatte, in der das Phänomen der „Blindheit“ und der Verlust der Handlungsfreiheit bei Triebüberwältigung im Zentrum stehen.

2.2.Thomas von Aquins Position zur Willensschwäche: Erläuterung der mittelalterlichen Perspektive, die das Phänomen über die Änderung des Status von Wünschen innerhalb eines Handlungskonflikts interpretiert.

2.3.Davidsons und Kennys Position zur Willensschwäche: Betrachtung moderner Ansätze, die den Fokus auf Irrationalität, das Meinung-Wunsch-Paar und die semi-autonome Struktur des Bewusstseins legen.

3.Abschließender Vergleich: Synthese der Ergebnisse durch eine vergleichende Darstellung, in der die unterschiedlichen Konzepte der Philosophen in Bezug auf Handlungsfreiheit und Rationalität gegenübergestellt werden.

Schlüsselwörter

Willensschwäche, Akrasia, Handlungsfreiheit, Rationalisierung, Handlungskonflikt, Aristoteles, Thomas von Aquin, Donald Davidson, Anthony Kenny, Wunsch-Status, Unbeherrschtheit, Irrationalität, Selbsttäuschung, Handlungstheorie, Blindheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Problematik der Willensschwäche, also dem Phänomen, dass Menschen entgegen ihrem besseren Wissen handeln.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die Abgrenzung des Begriffs, das Verhältnis von Wissen zu Handlungsfreiheit und der Konflikt zwischen unmittelbaren Begierden und überlegten Vorsätzen.

Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?

Ziel ist es, die Entwicklung der philosophischen Debatte von der Antike bis in die Moderne nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie verschiedene Denker das Phänomen und dessen Widersprüchlichkeit erklären.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit verfolgt einen chronologischen Ansatz und nutzt eine literaturgestützte Analyse, insbesondere unter Einbeziehung der Forschung von Ursula Wolf.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Mittelpunkt?

Der Hauptteil analysiert die spezifischen Positionen von Sokrates, Aristoteles, Thomas von Aquin, Donald Davidson und Anthony Kenny.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Zentrale Begriffe sind die Akrasia, die durch Handlungsfreiheit und bewusste sowie unbewusste Entscheidungsprozesse charakterisierte Willensschwäche.

Wie erklärt Aristoteles die Willensschwäche?

Er beschreibt sie als eine Art „Blindheit“, bei der ein starkes Verlangen den Akteur so übermannt, dass er sein Wissen über das eigentlich Richtige im Moment der Handlung verliert.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Thomas von Aquin?

Aquin sieht Willensschwäche eher als einen internen Prozess der Statusänderung höherstufiger Wünsche, wodurch Konflikte entstehen, die der Akteur bewusst oder unbewusst in seinem Selbstverständnis rationalisiert.

Welchen Ansatz verfolgt Davidson bei der Erklärung irrationals Handelns?

Davidson schlägt die Annahme von semi-autonomen Bewusstseinsabteilungen vor, um zu erklären, wie mentale Zustände Handlungen verursachen können, zu denen keine rein rationale Verbindung besteht.

Gibt es einen klaren Konsens über die Ursache der Willensschwäche?

Nein, die Arbeit zeigt auf, dass es ein breites Spektrum an Erklärungsmodellen gibt, die von antiken Überwältigungstheorien bis hin zu modernen kognitionspsychologischen Ansätzen der Selbsttäuschung reichen.

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Details

Title
Das Problem der Willensschwäche in der antiken und modernen Philosophie
Subtitle
Spielen Handlungsfreiheit, Rationalisierung, Status-Änderung und Handlungskonflikt eine Rolle?
College
University of Potsdam  (Philosophisches Institut)
Grade
2,7
Author
Julia Göthling (Author)
Publication Year
2014
Pages
17
Catalog Number
V294175
ISBN (eBook)
9783656918967
ISBN (Book)
9783656918974
Language
German
Tags
Willensschwäche Philosophie Vorsatz Aristoteles Thomas von Aquin Ursula Wolf
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Göthling (Author), 2014, Das Problem der Willensschwäche in der antiken und modernen Philosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294175
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