Zum Text „Die emotive Bedeutung ethischer Ausdrücke“ von Charles L. Stevenson


Essay, 2013

4 Seiten


Leseprobe

Zum Text „Die emotive Bedeutung ethischer Ausdrücke“ von Charles L. Stevenson

Zu aller erst werde ich auf Stevensons Essay eingehen, um einen Überblick darüber zu verschaffen, um was es inhaltlich in diesem Text überhaupt geht, welche Intention der Autor verfolgt und welche Gedankengänge er im Verlauf des Textes verknüpft. Im Folgenden gehe ich spezifisch auf Stevenson Unterteilung von Meinungsverschiedenheiten ein und werde seine Thesen diesbezüglich erläutern und eigene Stellung dazu beziehen.

1. Inhaltliche Schwerpunkte im Text

Das Thema in Stevensons Essay behandelt, grob gesprochen, die Untersuchung ethischer Fragestellungen. Er versucht diese aufzuschlüsseln, indem er grundlegende Ausdrücke definiert und die ethische Fragen substituiert. Dabei muss die substituierte Frage nicht identisch mit der ursprünglichen Fragestellung sein, so Stevenson. Großen Wert legt er vor allem auf die Relevanz in der die substituierte Fragestellung zur Ursprünglichen steht. Die gesamte Menge definiter Bedeutungen wird „relevant“ genannt und jede von ihnen benennt der Autor als „partiell relevant“.

Die Frage die sich zunächst stellt, lautet: Wieso muss eine Fragestellung überhaupt substituiert werden? Stevensons Antwort lautet: Wörter werden häufig konfus und mehrdeutig gebraucht, dass ihnen mehrere definite Bedeutungen gegeben werden müssen. Durch eine substituierte Fragestellung werden Ausdrücke und der Gebrauch dieser, klarer (S. 116-117).

Nachdem Stevenson sein grundlegendes Anliegen an den Text erläutert hat, erfährt der Leser wie Stevenson vorgeht um eine Definition zu entschlüsseln. Das Wort „gut“ beispielsweise, versucht er zunächst zu analysieren, indem er die Definitionsversuche seiner Vorgänger miteinander vergleicht (Hobbes: „gut“ bedeutet „von mir begehrt“, Humes: „gut“ bedeutet „von den meisten Menschen wertgeschätzt“). Sorgfältiges Augenmerk legt Stevenson letztlich auf die Frage, ob es noch andere Bedeutungen des Wortes „gut“ gibt (nicht nur Definitionsansätze, die auf Einstellungen Bezug nehmen), deren relevante Definition nicht so aussieht wie bei Humes oder Hobbes (S.118). Stevenson widerlegt Humes und Hobbes einseitige Definitionsversuche von „gut“ (S.118 ff.) und weist darauf hin, dass sich von der Interesse-Theorie und anderen implizierten Allmacht der empirischen Methode als nicht hinnehmbar erweisen lässt (S. 120). Vielmehr muss es so sein, dass wir einen Sinn von „gut“ gebrauchen, der nicht mit Rückgriff auf etwas wissenschaftlich Erkennbares relevant definierbar ist (S.121). Der typische Sinn von „gut“ ist daher für Stevenson an drei Bedingungen geknüpft. Erstens, die Eigenschaft gut zu sein, muss Gegenstand vernünftiger Meinungsverschiedenheit sein können. Zweitens, sie muss „magnetisch“ sein. Und drittens, die darf nicht allein durch die wissenschaftliche Methode feststellbar sein (S. 121). Im zweiten Abschnitt widmet sich Stevenson der Analyse moralischer Urteile. Traditionelle Interessen unterstellen, dass moralische Urteile deskriptive Urteile sind, welche beschreiben welche Einstellungen bestehen (S. 121). Die wesentliche Verwendung von Moralurteilen besteht hingegen nicht darin, auf Tatsachen zu verweisen, sondern darin, jemanden zu beeinflussen. Das Moralurteil hat eine imperative Kraft zur Beeinflussung und Modifikation einer bestimmten Einstellung (S. 122). Ethische Ausdrücke sind also laut Stevenson „Instrumente“, die in dem Wechselspiel und der Wiederanpassung menschlicher Einstellungen benutzt werden (S. 123). Moralische Systeme sind unterschiedlich konstruiert, je nach sozialen Einflüssen und Einflüssen die beispielsweise Redner oder Schrifsteller auf die jeweilige Gemeinschaft ausüben. Stevenson sagt dazu: „Moralurteile pflanzen sich selbst fort“ (S. 124).

Im dritten Abschnitt kommt Stevenson auf die Frage zu sprechen: Welchen Zweck hat der Gebrauch der Sprache überhaupt? Hierbei unterscheidet er den dynamischen (um Gefühle auszudrücken) und den deskriptiven (um Meinungen zu kommunizieren) Gebrauch (S.125). Beide schließen sich gegenseitig nicht immer aus. Um herauszufinden ob eine Person ein Wort dynamisch oder deskriptiv benutzt, müssen wir den Unterton und die Umstände der Aussage betrachten. Die Frage, welche sich nun stellt lautet: Was hat der dynamische Gebrauch von Wörtern mit dieser Bedeutung zu tun (S.126)? Ein Beispiel verdeutlich die Antwort: „The emotive meaning of a word is a tendency of a word, arising through the history of its usage, to produce (result from) affective responses in people.“

Beispiel: old maid (alte Jungfer) und elderly spinster (ältere unverheiratete Frau)

Der erste Term hat selbst in einem Perfekt deskriptiven Gebrauch die Tendenz Mitgefühl in den Zuhörern zu wecken, letzterer nicht. Beide unterscheiden sich nur in ihrer emotiven Bedeutung. Je ausgeprägter die emotive Bedeutung eines Wortes ist, desto unwahrscheinlicher ist sein rein deskriptiver Gebrauch (S. 127).

[...]

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Zum Text „Die emotive Bedeutung ethischer Ausdrücke“ von Charles L. Stevenson
Hochschule
Universität Potsdam  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Einführung in die Metaethik
Autor
Jahr
2013
Seiten
4
Katalognummer
V294324
ISBN (eBook)
9783656933274
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
text, bedeutung, ausdrücke, charles, stevenson
Arbeit zitieren
Julia Göthling (Autor), 2013, Zum Text „Die emotive Bedeutung ethischer Ausdrücke“ von Charles L. Stevenson, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294324

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