Kommunale Altenhilfeplanung für stationäre Pflegeeinrichtungen am Beispiel einer mittleren Großstadt

Konzeption des Planungsvorhabens


Hausarbeit, 2010

50 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Einleitung der Hausarbeit

Vorwort an den Sozialausschuss des Stadtrates Musterstadt

1 Rahmenbedingungen für die kommunale Pflegeplanung
1.1 Zielsetzung für die kommunale Pflegeplanung
1.2 Rechtliche Grundlagen für die Pflegeplanung
1.2.1 Kompetenzen des Bundes
1.2.2 Kompetenzen des Landes
1.3 Demographische Entwicklung in Sachsen und Musterstadt
1.3.1 Bevölkerungsentwicklung in Sachsen
1.3.2 Bevölkerungsentwicklung in Musterstadt
1.3.3 Entwicklung der älteren Bevölkerung in Musterstadt

2 Instrumente und Verfahren der kommunalen Pflegeplanung
2.1 Analyse der Versorgungsstruktur von stationären Einrichtungen
2.1.1 Methoden der Bestandserhebung
2.1.2 Informations- und Datenbereiche
2.2 Bedarfsanalyse der stationären Einrichtungen
2.2.1 Methoden der Bedarfsermittlung
2.2.2 Informations- und Datenbereiche
2.3 Entwicklung von Maßnahmenprogrammen
2.3.1 Methoden der Maßnahmenplanung
2.3.2 Informations- und Datenbereiche

Zusammenfassung der Hausarbeit

Literaturverzeichnis

Einführung

Einleitung der Hausarbeit

„Dem alten Mensch geht’s wunderlich: Hat viel gelernt, muss viel verlernen, Ihm ist, als wollt sein eigen Ich sich leis aus ihm entfernen.“ R.A. Schröder (zit. n. Mattheis, 2009, S. 367)

Die vorliegende Arbeit befasst sich im Rahmen des Seminars Sozialplanung mit dem Anfertigen eines Exposés, dass die Fortschreibung des kommunalen Altenhilfeplans für stationäre Pflegeeinrichtungen einer mittleren Großstadt (im folgenden Musterstadt ge- nannt) mit ca. 500.000 Einwohner/innen beinhaltet. Der Sozialausschuss des Stadtrates soll dadurch Informationen über Grundlagen, Inhalte und Schritte der Planung dargelegt bekommen, um darüber entscheiden zu können. Dabei muss ich an dieser Stelle auf die Darstellung von Planungszeitraum sowie Kosten und Finanzierung verzichten. Muster- stadt befindet sich im Bundesland Sachsen. Ich möchte in dieser Arbeit aufzeigen, wie ich persönlich als Sozialplanerin mit der Aufgabe, eine Altenhilfeplanung zu erstellen, umgehen würde.

Sozialplanung ist in politisches Handeln eingebunden und muss über den gesamten Pla- nungsprozess bestimmte Faktoren berücksichtigen. Dazu gehören: Integration der unter- schiedlichen Fachsozialpläne, Interdisziplinarität, Beteiligungsverfahren (zu beteili- gende Stellen und Betroffenenbeteiligung) sowie Flächen und Standorte. (vgl. Großhans, 1993, S 27 f) Die Umsetzung des Auftrages zur kommunalen Altenhilfepla- nung enthält die systematische Analyse von Lebensverhältnissen, das Aufzeigen von Angebotsdefiziten und das anschließende Erarbeiten von Vorschlägen zu deren Ver- meidung und Beseitigung, wobei die Anpassung der Pflegeinfrastruktur an die Wünsche der Betroffenen erfolgen sollte. (vgl. Berthold, 1986, S.20) Zu Beginn werden die wichtigsten Rechtsgrundlagen und die demographische Entwicklung vorgestellt. Aus den aufgezeigten Gesetzen auf Bundes- und Landesebene ergeben sich zusammenfas- sende Konsequenzen für den Prozess der Altenhilfeplanung der stationären Pflegeein- richtungen. Im zweiten Teil werden die einzelnen Planungselemente aufgezeigt. Die Instrumente und Verfahren, um die Entwicklung von demografischen und sozial-kultu- rellen Veränderungen zu analysieren sind dabei zentral. Der Bestand, also Einrichtun- gen der stationären Altenhilfe, wird erhoben. Auf die Bedarfsermittlung folgt eine Ge- genüberstellung von Bestand und Bedarf, aus der sich Handlungsempfehlungen für Maßnahmenprogramme ergeben. Im gesamten Planungsprozess werden Indikatoren zur Beschreibung von Lebens- und Bedarfslagen aufgestellt, beschrieben welche Daten auf- bereitet, interpretiert und daraus für die kommunale Planung relevante Schlüsse gezo- gen werden können.

Um meinem Auftrag als Sozialplanerin ordnungsgemäß durchführen zu können, hat für mich die nähere Bestimmung meines konkreten und aktuellen Aufgabenbereiches zu- nächst oberste Priorität. Kommunale Altenhilfeplanung für stationäre Einrichtungen zielt für mich auf die Entwicklung angemessener Strategien um Ursachen bzw. Folgen sozialer Benachteiligung durch vorliegende oder drohende Pflegebedürftigkeit und Un- terschiede in einzelnen Stadtteilen von Musterstadt abzubauen. Dabei ermittle und be- schreibe ich die Bedürfnisse und Lebenslagen von pflegebedürftigen oder von Pflege- bedürftigkeit bedrohten Menschen.

Die Entwicklung der methodischen und theoretischen Herangehensweise an die Planung beginnt mit der Erstellung eines Arbeitsplans. Dieser soll Klarheit und Übersicht über das eigene Vorgehen, Ziele, Problemgegenstand, Methoden und die geplanten einzelnen Untersuchungsschritte geben. Dabei muss der Forschungsstand, also bereits existierende Untersuchungen, Handlungsempfehlungen und die Bibliografie des Gegenstandes Altenhilfe/Altenhilfeplanung behandelt werden. Auch der Zugang zum Material und die Methodik müssen als Vorüberlegungen aufgenommen werden.

Die Fortschreibung der Pflegeplanung von Musterstadt umfasst zusammenfassend die Anpassung und die Weiterentwicklung des Planes aufgrund der Vorlage eines Konzeptes zur Ermittlung der erforderlichen Maßnahmen. (vgl. Großhans, 1993, S. 107)

Vorwort an den Sozialausschuss des Stadtrates Musterstadt

Das vorliegende Konzept zur stationären pflegerischen Versorgung älterer Menschen in Musterstadt wurde im Rahmen der Beschlussfassung zur Pflegeplanung am 08.02.2010 des Sozialausschusses beauftragt. Unter Mitwirkung der Facharbeitsgruppe „Stationäre Einrichtungen Musterstadt“, nach § 8 Abs. SGB XI und § 95 BSHG, behandelt diese Vorlage die Darlegung der notwendigen Grundlagen und Arbeitsstruktur unter Einbe- ziehung der fachlichen Veränderungen zur Erhebung des mittleren Bedarfes an stationä- ren Plätzen bis zum Jahr 2015. Es wird die Vorbereitung der Fortschreibung zur Alten- hilfeplanung in Bezug auf die stationäre Versorgung älterer pflegebedürftiger Menschen in Musterstadt, die notwendigen Kooperationen und Beteiligungsverfahren sowie wei- tere Schritte zur Umsetzung vorgestellt.

Die im Rahmen des landesgesetzlichen Auftrages umzusetzende Planung soll im Sinne des vorliegenden Arbeitsplanes erfolgen. Die Bedarfsermittlung notwendiger Plätze der stationären Dauer- und Kurzzeitpflege erfolgt unter Einbeziehung des qualitativen, quantitativen und sozialräumlichen Bestandes an stationären Einrichtungen. Es folgt ein Ist-Soll-Vergleich, bei dem die derzeitige Bedarfsdeckung der Versorgungsregionen analysiert wird. Die Grundlage der Bedarfsprognose bildet die demographische Ent- wicklung der älteren Menschen und daraus resultierend die Prognose der pflegebedürf- tigen älteren Menschen. (vgl. http://www.landratsamt- roth.de/Portaldata/1/Resources/www.landratsamt_roth.de/landratsamt_online/behoerden wegweiser/dokumente/31/AHP-LK-Roth-Endbericht-komplett.pdf)

1 Rahmenbedingungen für die kommunale Pflegeplanung

1.1 Zielsetzung für die kommunale Pflegeplanung

Die Zielgruppe des Altenhilfeplanes besteht aus den älteren (über 60jährigen) Menschen und den Heimbewohnern der stationären Einrichtungen von Musterstadt. Im Rahmen der Vorgaben der §§ 1 Abs. 4a, 2, 3 und 5 SGB XI sollen Kriterien für die bedürfnisge- rechte Umsetzung gemeinsam mit den unterschiedlichen Interessenvertretern, den Be- troffenen, Akteuren und sonstigen Beteiligten erarbeitet und umgesetzt werden. Dieses Konzept zielt darauf ab, Pflegeplanung so zu gestalten, dass Lebenswelten von pflege- bedürftigen oder von Pflegebedürftigkeit bedrohten älteren Menschen und die sich dar- aus ergebenden Bedarfe und Rechte (Aufklärung, Religion, Wunsch-und Wahlrecht) intensiv berücksichtigt werden. Die stationären Hilfen sind darauf auszurichten die kör- perlichen, geistigen und seelischen Fähigkeiten zurückzugewinnen oder zu erhalten. Die Vorrangigkeit der Prävention von Pflegebedürftigkeit sowie häuslicher bzw. ambulanter oder teilstationärer Pflege gilt es entsprechend zu beachten. Schwerpunkt werden die Empfehlungen zum ortsnahen Aufbau und der Weiterentwicklung von bedürfnisorien- tierten vollstationären Pflegeeinrichtungen sein. Die inhaltlichen Ziele der stationären pflegerischen Versorgung sind durch §§ 28 und 29 SGB XI geregelt.

„Die Pflege soll auch die Aktivierung des Pflegebedürftigen zum Ziel haben, um vorhandene Fähigkeiten zu erhalten und, soweit dies möglich ist, verlorene Fähigkeiten zurückzugewinnen. Um der Gefahr einer Vereinsamung des Pflegebedürftigen entgegenzuwirken, sollen bei der Leistungserbringung auch die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen nach Kommunikation berücksichtigt werden. (§ 28 Abs. 4 SGB XI)“

Primäres Ziel der Pflege ist der Erhalt, Förderung oder die Wiederherstellung der Selbstbestimmung in der alltäglichen Lebensführung. Pflege bezieht die körperlichen, emotionalen und sozialen Seiten des Pflegebedürftigen in derselben Weise ein. (vgl. Röttger-Liepmann, 2007, S. 6 ff)

„Die Leistungen müssen wirksam und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht übersteigen. Leistungen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, können Pflegebedürftige nicht beanspruchen, dürfen die Pflegekassen nicht bewilligen und dürfen die Leistungserbringer nicht zu Lasten der sozialen Pflegeversicherung bewirken.“ (§ 29 Abs. 1 SGB XI)

Die einzelnen Angebote der stationären Einrichtungen müssen für die Betroffenen eine bezahlbare sowie emotional und sozial-kognitiv positiv bewertete Versorgung darstel- len, damit eine breite Akzeptanz und ein hohes Maß an Deckung erzielt werden kann. Für die Planung der stationären Einrichtungen gilt es weiter angemessene Rahmenbe- dingungen zu schaffen, um die Teilnahme und Mitgestaltung von älteren pflegebedürf- tigen Menschen zu sichern und zu fördern. Soziale Angebote müssen sich an der Le- benswelt und den Anliegen der Betroffenen orientieren und ihre Chancen der Teilhabe nutzen. Dabei sollen familiäre, nachbarschaftliche und ehrenamtliche Unterstützung sowie fortschrittliche technische Entwicklungen berücksichtigt werden. Uneinge- schränkte Wertschätzung von älteren insbesondere pflegebedürftigen Menschen soll gefördert werden. (vgl. http://www.uni-kassel.de/fb4/issl/mitg/karl/pdf/SoSe07/

Altenhilfeplanung+Kassel.pdf) Die Hauptziele der Planung stationärer Pflegeinrichtun- gen sind die Entwicklung einer menschlichen und bedarfsgerechten Pflege, die Förde- rung der Zufriedenheit der Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen sowie die Einfüh- rung von neuen Versorgungsstrukturen und Förderung der Kooperation. Vor allem sol- len ältere hilfs- und pflegebedürftige Menschen zielgenauere stationäre Leistungen er- halten.

1.2 Rechtliche Grundlagen für die Pflegeplanung

1.2.1 Kompetenzen des Bundes

Aufgabe des Sozialgesetzbuchs ist entsprechend des § 1 Abs. 2 SGB I, dass die erforderlichen sozialen Einrichtungen rechtzeitig und ausreichend zur Verfügung gestellt werden. (vgl. § 1 Abs.2 SGB XI) Die Gestaltungsoptionen des Landes Sachsen ergeben sich aus den Grundsatznormen §§ 8, 9 SGB XI.

Aus § 8 Abs. 2 SGB XI ergibt sich die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Sicherstellung von pflegerischer Versorgung.

„Die Länder, die Kommunen, die Pflegeeinrichtungen und die Pflegekassen wirken unter Beteiligung des Medizinischen Dienstes eng zusammen, um eine leistungsfähige, regional gegliederte, ortsnahe und aufeinander abgestimmte ambulante und stationäre pflegerische Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

Sie tragen zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der notwendigen pflegerischen Versorgungsstrukturen bei; das gilt insbesondere für die Ergänzung des Angebots an häuslicher und stationärer Pflege durch neue Formen der teilstationären Pflege und Kurzzeitpflege sowie für die Vorhaltung eines Angebots von die Pflege ergänzenden Leistungen zur medizinischen Rehabilitation.

Sie unterstützen und fördern darüber hinaus die Bereitschaft zu einer humanen Pflege und Betreuung durch hauptberufliche und ehrenamtliche Pflegekräfte sowie durch Angehörige, Nachbarn und Selbsthilfegruppen und wirken so auf eine neue Kultur des Helfens und der mitmenschlichen Zuwendung hin.“ (§ 8 Abs. 2 SGB XI)

Die Aufgaben der Länder werden in § 9 SGB XI näher beschrieben

„Die Länder sind verantwortlich für die Vorhaltung einer leistungsfähigen, zahlenmäßig ausreichenden und wirtschaftlichen pflegerischen Versorgungsstruktur.“ (§ 9 Satz 1 SGB XI)

Planung und Förderung der Pflegeeinrichtungen wird gemäß § 9 Satz 2 SGB XI durch Landesrecht bestimmt. Infrastrukturverantwortung ist nach § 12 Abs. 1 SGBX I nicht alleinige Kompetenz des Landes.

„Die Pflegekassen sind für die Sicherstellung der pflegerischen Versorgung ihrer Versicherten verantwortlich. Sie arbeiten dabei mit allen an der pflegerischen, gesundheitlichen und sozialen Versorgung Beteiligten eng zusammen und wirken darauf hin, daß Mängel der pflegerischen Versorgungsstruktur beseitigt werden. Die Pflegekassen sollen zur Durchführung der ihnen gesetzlich übertragenen Aufgaben örtliche und regionale Arbeitsgemeinschaften bilden. § 94 Abs. 2 bis 4 des Zehnten Buches gilt entsprechend.“ (§ 12 Abs. 1 SGB XI)

In § 69 SGB XI wird die Sicherstellungsverantwortung der Pflegekassen noch einmal konkretisiert. Der nach § 92 SGB XI gebildete Landespflegeausschuss des Freistaates Sachsen veröffentlicht fachliche Empfehlungen, die es ebenso zu berücksichtigen gilt. Daneben regelt das Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI) und das Bundessozialhilfege- setz (BSHG) die individuellen Leistungsansprüche. Weitere Bedeutung für die Planung stationärer Einrichtungen hat das Pflege-Qualitätssicherungsgesetz (PQsG), das Pflege- Weiterentwicklungsgesetz und die Verordnung zur Durchführung einer Bundesstatistik über Pflegeeinrichtungen sowie über die häusliche Pflege (Pflegestatistik-Verordnung PflegeStatV). Über die gesetzlichen Grundlagen auf Bundesebene hinaus gilt der Bun- desaltenplan (1992) als wesentliches Förderinstrument zur Weiterentwicklung der Al- tenhilfe und Altenplanung. Der örtlichen Planung vollstationäre Pflegeeinrichtungen folgend, ergibt sich der weitere Flächenbedarf, der ordnungsrechtlich geregelt ist.

Gemeindebedarfsflächen für die stationären Einrichtungen müssen an den richtigen, dem Bedarf entsprechenden Stellen, geplant werden. (Großhans, 1993, S 11 ff) Dabei sind nach § 1 Abs. 1,2 Baugesetzbuch (BauGB) Bauleitpläne, bestehend aus Fläche- nnutzungsplan (vorbereitender Bauleitplan) und dem Bebauungsplan (verbindlicher Bauleitplan) zu beachten. Ebenso Beachtung finden §§ 2 ff, 8 ff, 136 f, 141, 171e, 172, 180 BauGB sowie §§ 1,2 Raumordnungsgesetz (ROG).

1.2.2 Kompetenzen des Landes

Die Gesamtverantwortung der Kommunen, die sich aus dem Grundgesetz Art. 28 be- gründet, wird in dem Pflegegesetz des Bundeslandes Sachsen (SächsPflegeG) nicht konkretisiert, das es nicht mehr gültig ist und vorerst auch kein neues Gesetz auf den Weg gebracht wird (Telefonat mit Thomas Köhler, Referent des Sächsischen Staatsmi- nisterium für Soziales und Verbraucherschutz, Referat 44/Altenhilfe vom 18.03.2010). Der sächsische Altenhilfe Rahmenplan von 2007 bietet durch Orientierungsdaten für stationäre Pflegeeinrichtungen eine Ausrichtung der Altenhilfeplanung von Musterstadt. Für alle im Freistaat Sachsen zugelassenen Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste gibt es die Empfehlung des Landespflegeausschusses Freistaat Sachsen (Orientierungshilfe zur Pflegeplanung und Pflegedokumentation vom 04.03.2009). Die zu beachtenden ordnungsrechtlichen Regelungen finden sich in der Sächsischen Gemeindeordnung (SächsGemO), im Landesentwicklungsplan Sachsen 2003 (LEP) und im Gesetz zur Raumordnung und Landesplanung des Freistaates Sachsen (Landesplanungsgesetz SächsLPlG).

1.3 Die demographische Entwicklung in Sachsen und Musterstadt

1.3.1 Bevölkerungsentwicklung in Sachsen

Allgemeines

Der zu ermittelnde Bedarf, bezogen auf die notwendigen Pflegekräfte und Plätze in den stationären Einrichtungen, wird maßgeblich durch Zahl und Struktur der älteren Bevöl- kerung beeinflusst. Die ausführliche Beschreibung der Bevölkerungsentwicklung stellt die erforderliche Grundlage für die Bedarfsprognose dar. Die Analyse der Bevölkerung bezieht sich im Bereich Altenhilfeplanung auf die Struktur der Altenbevölkerung und deren weitere Entwicklung. (vgl. http://www.landratsamt- roth.de/Portaldata/1/Resources/www.landratsamt_roth.de/landratsamt_online/behoerden wegweiser/dokumente/31/AHP-LK-Roth-Endbericht-komplett.pdf) Die Bevölkerungswissenschaft bezieht sich auf drei Faktoren: die Fertilität (Entwick- lung der Geburtenrate, Zahl der Frauen mit den altersspezifischen Fruchtbarkeit und der Geburtenhäufigkeit), die Mortalität (geschlechtsspezifische Entwicklung der Sterblich- keit in den Geburtsjahrgängen, Entwicklung der Lebenserwartung) und die Migration (Wanderungsverhalten, Zuwanderung, Abwanderung, Binnenwanderung). (vgl. Rüßler, 2007, S. 11 ff) Auch Sozio-kulturelle Daten und qualitative Veränderungen der Gesell- schaft beeinflussen die Prognose der notwendigen Pflegeheimplätze. Im Ganzen schließt die Vielfalt des Alters eine ansteigende Hochaltrigkeit, das Über- wiegen des Frauenanteils, häufigeres Alleinleben älterer Menschen und die steigende Zahl älterer Menschen mit Migrationshintergrund ein. (vgl. http://www.sozialplanung- senioren.de/service/download-center/index.html) Die Absicherung der Pflegeversor- gung muss dabei das sich verändernde häusliches Pflegepotenzial beachten, da die tra- dierten familiären Versorgungsnetzwerke sich zum Alleinleben oder Verkleinern der Familie entwickeln. Dies bedeutet einen Verlust an Selbsthilfepotenzialen. (vgl. Röttger-Liepmann, 2007, S. 6 ff) Ebenso existieren verschiedene Einflussgrößen, die auf den Eintritt in eine stationäre Einrichtung einwirken. (Schulz-Nieswand, 1990, S. 68) Wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die Verteilung von Heimbewohnern sind: fast 80% der Heimbewohner sind weiblich, ca. 82 % über 70 Jahre alt, ca. 87 % verwitwet, ledig oder geschieden, ca. 15 % haben kein Kind, 42 % nur ein Kind, fast 62 % waren allein lebend (vgl. Schulz-Nieswand, 1990, S. 69)

Daten bezogen auf die ältere Bevölkerung

Nach Angaben des statistischen Bundesamtes von 2009 wird „Im Jahr 2060…bereits jeder Dritte (34%) mindestens 65 Lebensjahre durchlebt haben und es werden doppelt so viele 70-Jährige leben, wie Kinder geboren werden. Die Alterung schlägt sich insbe- sondere in den Zahlen der Hochbetagten nieder. Im Jahr 2008 lebten etwa 4 Millionen 80-Jährige und Ältere in Deutschland, dies entsprach 5% der Bevölkerung.“ (http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2009/B evoelkerung/pressebroschuere__bevoelkerungsentwicklung2009,property=file.pdf) Die Demografische Entwicklung in Sachsen bis 2020 ist gekennzeichnet durch eine sin- kende Einwohnerzahl, Alterung und regionale Differenzierung. Dabei bestimmen fol- gende Faktoren die demografische Alterung: Rückgang der Geborenen, Zunahme der Lebenserwartung, Wanderungsgewinne und -verluste in den Altersgruppen. (vgl. www.landwirtschaft.sachsen.de/umwelt/wasser/download/4_Demografieentwicklung_n eu.pps).

Tabellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Quelle: 4. Regionalisierte Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen bis 2020, Variante 3

(www.landwirtschaft.sachsen.de/umwelt/wasser/download/4_Demografieentwicklung_neu.pps.)

Bevölkerung in Sachsen 2008 und 2020 nach Alter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Quelle: 2020: 4. Regionalisierte Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen bis 2020, Variante 3

(www.landwirtschaft.sachsen.de/umwelt/wasser/download/4_Demografieentwicklung_neu.pps)

Daten zur Pflegebedürftigkeit

Die Pflegestatistik erfasst ausschließlich den Leistungsbereich des SGB XI. Um Leis- tungen der Pflegeversicherung beanspruchen zu können, muss der Versicherte pflege- bedürftig im Sinne der §§ 14 und 15 SGB XI sein. Der Begriff der Pflegebedürftigkeit bezieht sich auf physische und/oder psychische Defizite von (meist) älteren Menschen. Der Pflegebedarf ergibt sich u.a. aus diesen Defiziten, die die Selbstständigkeit und all- tägliche Lebensführung einschränken und Menschen diese Nachteile nicht selbst aus- gleichen können. (vgl. Hasseler, 2005, S. 17) Das allgemeine Lebensrisiko Pflegebe- dürftigkeit steigt mit höherem Alter, aber grundsätzlich kann jeder betroffen sein. (vgl. Röttger-Liepmann, 2007, S. 6 ff)

Das elfte Buch des Sozialgesetzbuches bestimmt Pflegebedürftigkeit wie folgt:

„Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§ 15) der Hilfe bedürfen.“(§ 14 Abs. 1 SGB XI)

Der individuelle Pflegebedarf wird nach § 15 SGB XI entsprechend des Pflegeaufwands durch Dauer und Häufigkeit des Pflegebedarfs einer Pflegestufe zugewiesen. Im sächsi- schen Seniorenbericht 2009 wird bezogen auf die Pflegestatistik 2007 folgendes festge- halten: „Am 15. Dezember 2007 waren im Freistaat Sachsen 127 064 Menschen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes pflegebedürftig. Dies ist gegenüber 2005 eine Zunahme um 7159 bzw. 6,0 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Senioren in Sachsen um 4,4 Prozent, die der Hochbetagten (80 Jahre und älter) um 6,8 Prozent. Von den Senioren ist jeder zehnte pflegebedürftig. Bei den Hochaltrigen ist es jeder dritte. Die Zahl hochaltriger Pflegebedürftiger hat seit 1999 deutlich zugenommen. Die Pflegewahrscheinlichkeit ist für Seniorinnen doppelt so hoch wie für Senioren. Knapp drei Prozent der Sachsen erhalten Leistungen der Pflegeversicherung, zwei von drei Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Bei der Zuordnung der Pflegestufen gibt es seit 1999 kaum Veränderungen. Es gibt einen Trend zur stationären Pflege, die Zahl an Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen sowie die Anzahl an Beschäftigten im Pfle- gebereich wächst. Der Anteil pflegebedürftiger Senioren an der Bevölkerung der jewei- ligen Altersgruppe (Pflegequote) sinkt kontinuierlich. Die Zahl der Pflegebedürftigen in der Altersgruppe über 80 Jahren wird bis 2020 stark zunehmen. Im Gegensatz dazu werden die dünn besetzten Jahrgänge der Altersgruppe von 65 bis unter 80 Jahren zu leicht rückläufigen Zahlen Pflegebedürftiger in dieser Altersgruppe führen. Aufgrund der starken regionalen Schwankungen in der Altersstruktur wird sich die Zahl der Pfle- gebedürftigen regional auch sehr unterschiedlich entwickeln.“ (http://www.familie.sachsen.de/download/Saechsischer_Seniorenbericht_2009.pdf)

Der steigende Altersquotient (Zahl der 60-Jährigen und älteren bezogen auf die Zahl der 18- bis unter 60-Jährigen) und sinkende Unterstützungskoeffizient (Größenverhältnisse zwischen der jüngeren und älteren Generation an) muss beachtet werden. (vgl. Sächsisches Staatsministerium für Soziales, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 2007, S. 11 ff) Das Risiko der pflegebedürftig zu werden steigt mit zunehmendem Al- ter. In Sachsen waren ca. sechs Prozent der Pflegebedürftigen jünger als 40 Jahre, knapp sieben Prozent waren zwischen 40 und 60 Jahren alt, 31 Prozent 60 bis unter 80 Jahre und 56 Prozent der Pflegebedürftigen in Sachsen waren 80 Jahre und älter. (vgl. www.statistik.sachsen.de/12/pressearchiv/archiv2009/pm05009.htm)

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Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Kommunale Altenhilfeplanung für stationäre Pflegeeinrichtungen am Beispiel einer mittleren Großstadt
Untertitel
Konzeption des Planungsvorhabens
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (Fachbereich Sozialwesen)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
50
Katalognummer
V294348
ISBN (eBook)
9783656920953
ISBN (Buch)
9783656920960
Dateigröße
777 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialplanung, Pflegeplanung, Kommune, Demografische Entwicklung
Arbeit zitieren
Maria Widera (Autor), 2010, Kommunale Altenhilfeplanung für stationäre Pflegeeinrichtungen am Beispiel einer mittleren Großstadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294348

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