Minoritäteneinfluss auf Gruppen


Hausarbeit, 2003

19 Seiten, Note: ohne


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Konsistenz
2.2. Attributionen und ihr Zusammenhang mit der Konsistenz
2.3. Die Konversionstheorie
2.4. Alternative Theorien
2.4.1. Theorie der idiosynkratischen Kredite
2.4.2. Die Theorie zum sozialen Einfluss (social impact theory)
2.4.3. Modell der sozialen Einflussnahme (social impact model)
2.4.4. Der sleeper-Effekt
2.4.5. Das Elaborations-Wahrscheinlichkeitsmodell
2.5. Warum sind Minoritäten so besonders?
2.5.1. Effektivität/Erfolg vs. schlechte Aktionsbedingungen

3. Minderheiteneinfluss und Konformität (Studie von Maas & Clark)
3.1. Untersuchungsgegenstand und Hypothesen
3.2. Experiment I
3.2.1. Methode und Fragestellung
3.2.2. Durchführung
3.2.3. Ergebnisse
3.3. Experiment II
3.3.1. Methode und Fragestellung
3.3.2. Durchführung
3.3.3. Ergebnisse
3.4. Ergebnisdiskussion und Schlussfolgerungen

4. Schlusswort

5. Literatur

1. Einleitung

Minderheiten üben sozialen Einfluss auf Gruppen aus. Aber warum kann das überhaupt geschehen? Welche Bedingungen sind dafür von Nöten und warum sind Minoritäten etwas besonderes? Gibt es feste Regeln oder Prozesse, nach denen solch eine Einflussnahme von statten geht oder ge­schieht so etwas zufällig?

Diese Hausarbeit soll dazu beitragen, die oben stehenden Fragen zumin­dest im Ansatz zu beantworten. Eine erschöpfende Ausarbeitung zu diesem Thema kann und soll hier nicht geleistet werden, da dies den Rahmen sprengen würde. Hier soll es darum gehen, einen Überblick zur Thematik zu geben.

Dazu stütze ich mich auf drei Texte aus der gängigen Literatur zur Sozial­psychologie. Zwei der Texte sind Grundlagentexte, die gleichermaßen Überblick und Einführung in die Minoritätenforschung und damit verbun­dene Fragen geben. Bei dem dritten Text handelt es sich um eine Studie, die sich spezieller mit der Thematik beschäftigt und hier als konkretes Bei­spiel herangezogen wird.

Im Anschluss an die Einleitung folgt ein Überblick zu den theoretischen Grundlagen. Dort soll vor allem gezeigt werden, welche Begrifflichkeiten in Bezug auf das Thema eine Rolle spielen und welche Theorien es im Einzelnen gibt. Danach soll der Frage nachgegangen werden, warum Minoritäten etwas Besonderes sind. Diesem theoretischen Überblick folgt dann die Vorstellung einer Studie von Anne Maass (Universität Kiel) und Russell D. Clark (Florida State University at Tallahassee), die sich mit der Frage auseinander setzten, ob der Einfluss von Minderheiten und Konfor­mität auf unterschiedlichen oder auf denselben Prozessen beruhen. Ein Abschluss der Arbeit soll damit gefunden werden, diese spezielle Studie in Zusammenhang mit den vorab beschriebenen Theorien und Grundlagen zu bringen und nach eventuellen Unterscheiden oder Gemeinsamkeiten zu schauen.

2. Theoretische Grundlagen

In diesem Kapitel soll geklärt werden, welche Rolle Konsistenz und Attributionen bei Einflussnahme durch Minoritäten spielen und welche Theorien zur Thematik existieren, was sie beinhalten und wovon sie ausgehen.

2.1. Konsistenz

Konsistent zu sein bedeutet soviel wie widerspruchsfrei oder wider­spruchslos zu sein. Im Zusammenhang mit der Beobachtung von Minder­heiten und deren Einflüsse auf Gruppen ist die Konsistenz zu einem ent­scheidenden Kriterium geworden. Was bedeutet das aber im engeren Sinne?

Konsistenz wird als wichtiges Verhaltenselement betrachtet, damit Minder­heiten Einfluss nehmen können. Stroebe, Hewstone und Stephenson unterscheiden dabei zwei Aspekte von Konsistenz und reden von „... der intraindividuellen Konsistenz oder Stabilität über die Zeit (diachrone Konsistenz) und der interindividuellen Konsistenz innerhalb der Minorität (synchrone Konsistenz).“[1] Das bedeutet, dass eine Minderheit nur dann einflussreich sein kann, wenn die Beteiligten einer Meinung sind und diese gemeinsame Meinung auch über eine bestimmte Zeit hinweg vertreten können. Wenn schon innerhalb der Minderheit Meinungsverschieden­hei­ten auftreten, was man dann als gruppeninterne Widersprüche bezeich­nen könnte, um die Wortbedeutung noch einmal aufzugreifen, kann ihre Einflussnahme nicht von Erfolg gekrönt sein. Aber auch die Stabilität der Meinung über einen nicht definierten Zeitraum hinweg ist wichtig, um als Minderheit erfolgreich zu sein.

Natürlich ist Konsistenz schon für die Minderheit an sich wichtig, denn wenn sie es nicht schaffen, ihre Meinung über einen Zeitraum hinweg aufrecht zu erhalten, werden ihre Bemühungen genauso wenig erfolgreich sein, als würden die Meinungen innerhalb der Gruppe irgendwann in unterschiedliche Richtungen gehen. Aber auch für die Wirkung auf die Außenstehenden ist eine konsistente Minderheit authentischer. Denn das führt bei der gegenüberstehenden Majorität zu bestimmten Effekten. So bewirkt Konsistenz in und zwischen den Mitgliedern der Majorität Prozesse, die eine Einflussnahme überhaupt erst ermöglichen. Allerdings entscheidet auch die Wahrnehmungsweise der Majorität darüber, ob die Konsistenz Wirkung zeigt oder nicht, denn „wenn eine Minorität in ihrem Verhalten keinerlei Flexibilität zeigt (wo der Kontext sie erlauben würde), hat sie trotz Konsistenz keinen Effekt, weil sie unter diesen Umständen wahrscheinlich als rigide und wirklichkeitsfern wahrgenommen wird.“[2]

Hier wird deutlich, dass Konsistenz zwar eine notwendige Bedingung für die erfolgreiche Einflussnahme einer Minorität auf eine Majorität ist, aber bei weitem kein Erfolgsrezept, sondern eher eine Kunst für sich zu sein scheint.

2.2. Attributionen und ihr Zusammenhang mit der Konsis­tenz

Minoritäten lösen durch ihr, im Vergleich zu Majoritäten oppositionelles Verhalten unweigerlich eine Suche nach Erklärungen aus. Die Anhänger der Majorität stehen nun vor Fragen wie: Warum haben die eine andere Meinung als wir? Warum reagieren sie so? Damit beginnt die Suche nach Ursachen als Erklärung für das Verhalten. Diese so genannten Attributionen können ganz unterschiedlicher Natur sein. So werden „konsistenten Minoritäten im allgemeinen Sicherheit und Überzeugung zuattribiuert.“[3]

Hier wird auch schnell deutlich, in welch engem Zusam­menhang Kon­sistenz und Attributionen stehen. Das von Kelley postulierte Prinzip von Auf- und Abwertung, nach denen Attributionen erfolgen lässt sich meines Erachtens nach logisch mit der Konsistenz in Verbindung bringen. Demnach müssten konsistent erscheinende Minderheiten positive Attributionen auslösen (Aufwertungsprinzip), während inkonsistente Minderheiten negative Attributionen (Aberwertungsprinzip) hervorrufen. Das Aufwertungsprinzip besagt, dass „die Position der Minorität [...] von den Mitgliedern der Majorität ernst genommen [wird]“[4] während nach dem Abwertungsprinzip die Majorität „die Position der Minorität [...] als typische Eigenheit der Minorität interpretiert“.[5] Das alles ist aber wieder nur unter Rücksichtnahme auf das konsistente bzw. inkonsistente Erscheinen einer Minorität möglich. Tritt eine Minderheit als konsistent auf und vertritt sie konsequent und stabil ihre Meinung, dann kann dies von der Majorität auch positiv attribuiert werden. Zeigt sich die Minderheit jedoch inkonsistent dadurch, dass sie beispielsweise intern ständig die Mei­nungen wechselt, so wird das mit Sicherheit negativ attribuiert werden.

Attributionen sind also in solchen Prozessen ein nicht wegzudenkender Bestandteil, der scheinbar automatisch in Existenz zu treten scheint, wenn sich eine Minorität und eine Majorität gegenübertreten.

Im Folgenden sollen werden einige der wichtigsten Theorien im Bereich der Minderheitenforschung vorgestellt werden. Die vorab behandelten Begrifflichkeiten sind dafür von großer Bedeutung und werden deshalb auch immer wieder zu Tage treten.

2.3. Die Konversionstheorie

Die Konversionstheorie von MOSCOVICI (1980) basiert auf theoretischen Vorüberlegungen, die von ihm bereits einige Jahre zuvor der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Somit ist diese neue Theorie quasi als Zusatz zu den Ursprungsgedanken zu verstehen.

In diesen Ursprungsgedanken heißt es, „dass Minderheiten dann sozialen Einfluss ausüben können, wenn sie einen Konflikt mit der Majorität auslösen und der dominanten Mehrheitsposition einen alternativen Standpunkt entgegensetzen.“[6] Für den Erfolg der Minderheit wird hier als ausschlaggebender Punkt wieder das Verhalten gesehen. Nur wenn die Minorität es schafft, ihre Meinung stabil aufrecht zu erhalten und sich gegen die dominante Meinung der Majorität zu behaupten, wird es ihr möglich sein, Erfolge zu verzeichnen.

[...]


[1] Stroebe, Hewstone & Stephenson, S. 515

[2] Stroebe, Hewstone & Stephenson, S. 518

[3] Maass, West & Clark, S. 68

[4] Stroebe, Hewstone & Stephenson, S. 519

[5] Stroebe, Hewstone & Stephenson, S. 519

[6] Maass, West & Clark, S. 66

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Minoritäteneinfluss auf Gruppen
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Vorlesung Sozialpsychologie 1
Note
ohne
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V29438
ISBN (eBook)
9783638309431
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Minoritäteneinfluss, Gruppen, Vorlesung, Sozialpsychologie
Arbeit zitieren
Stefanie Liebig (Autor:in), 2003, Minoritäteneinfluss auf Gruppen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29438

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