Unterrichtsentwurf zum Thema Ernährung "Sag mir, was du isst und ich sage dir, woran du glaubst!"


Unterrichtsentwurf, 2014

16 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1 Einbettung der Sequenz in die Planungseinheit

2 Lerngruppe

3 Sachanalyse

4 Didaktische Analyse
4.1 Didaktische Intention
4.2 Sinn- und Sachzusammenhang und exemplarische Bedeutung
4.3 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
4.4 Methodische Überlegungen

5 Stundenziel
5.1 Stundenziel
5.2 Teilziele

6 Verlaufsplanung/Strukturskizze
6.1 Verlaufsplanung
6.2 Strukturskizze

7 Literatur

8 Medien und Material

Anhang

1 Einbettung der Sequenz in die Planungseinheit

Die vorliegende Unterrichtsstunde ist in die Planungseinheit „Welche Faktoren beeinflussen unseren Fleischkonsum? “einzubetten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

2 Lerngruppe

Laut des Kernlehrplans für Nordrhein-Westfalen setzen sich die Schüler und Schülerinnen (SuS) der siebten Jahrgangsstufe der Gesamtschulen im Fach Hauswirtschaft mit Ernährung und Esskultur unter dem inhaltlichen Schwerpunkt der Einflussfaktoren auf das Ernährungsverhalten (vgl. KLP, 2011) auseinander. Die Gesamtschule kennzeichnet sich durch die kulturelle Vielfalt, weshalb dies in der Unterrichtsstunde besonders berücksichtigt wird.

Mit den Sozialformen wie Einzelarbeit und Kleingruppenarbeit sowie mit der Unterrichtsmethode Rollenspiel sind die SuS vertraut. In der Phase des Austausches innerhalb der Kleingruppe und auch bei der Vorbereitung des Rollenspiels ist als Rahmenbedingung darauf zu achten, die Tische so zusammenzustellen, dass die SuS, die in einer Gruppe zusammenarbeiten, sich ansehen können und dass sie sich so verständigen können, dass die anderen Gruppen dadurch nicht gestört werden. Darum sollte genügend Abstand zwischen den einzelnen Gruppentischen bleiben. Bei der Bildung von Kleingruppen wird von eins bis drei abgezählt, um SuS zusammenzubringen, die sonst nie zusammenarbeiten.

3 Sachanalyse

Der Mensch, der sich - neben dem Schwein - omnivor ernährt, also alles-fressend ist (vgl. Barlösius, 2011, S. 105), unterscheidet sich von anderen biologischen Spezies durch die Nahrungsmittelauswahl, die ihm bereitgestellt wird (vgl. Methfessel, 2005, S. 7). Im Gegensatz zu den Karnivoren (fleischfressende Tiere) und Herbiovren (pflanzenfressende Tiere) (vgl. Salim, 2010, S. 8) sind die Menschen „ nicht instinktgeleitet“ (Methfessel, 2005, S. 7). Ihr Essverhalten ist durch unterschiedliche Einflussfaktoren determiniert, wie z. B. Kultur, Erziehung, Familie oder Etikettierung von Produkten (vgl. Kreißl und Widhalm, 2010, S. 3)

Jean- Pierre Poulain stellt Kategorien für die Auswahl an Lebensmitteln nach essbar und nicht essbar vor. Demnach ist der Verzehr giftiger und verdorbener Pflanzen und Tiere nicht essbar und Nahrungsmittel, welche essbar sind, werden jedoch kulturell tabuisiert. Letzteres sind Bestimmungen, um eine Gruppenzugehörigkeit zu bewirken und damit eine Abgrenzung gegenüber anderen Kulturen zu bewirken (vgl. Barlösius, 2011, S. 94).

Barlösius (vgl. 2011, S. 100 ff.) liefert vier Erklärungen für Nahrungstabus am Beispiel des Schweinefleischtabus. Die rationalistische Theorie erklärt, dass ökonomische Gründe eine Begrenzung der Nahrungsvielfalt bewirken. Eine Antwort auf die Frage, warum es im Judentum verboten ist, Schweinefleisch zu essen, wird damit erklärt, dass das Schwein im Vergleich zu Rindern, Schafen und Ziegen zwar Fleisch liefert, aber „keine Milch, kein Leder, keine Wolle, und es kann nicht einmal als Zugtier eingesetzt werden“ (Barlösius, 2011, S. 101), weshalb die Züchtung von Schweinen keinen ökonomischen Vorteil hat.

Nach der funktionalistischen Erklärung wird Schweinefleisch historisch betrachtet verboten, weil die jüdische Gesellschaft gegenüber anderen Gesellschaften eine Abgrenzung fördert, um eine „kollektive Identität“ (Barlösius, 2011, S. 102) zu bilden und aufrechtzuerhalten. Demgegenüber besagt die strukturalistische Erklärung, dass die Tiere in gut oder schlecht klassifiziert werden, um somit eine soziale Ordnung der Gesellschaft widerspiegeln zu können (vgl. Barlösius, 2011, S. 102 f.). Daher zählen nur die paarzehigen und wiederkäuenden Tiere, die auf dem Land leben, als reine Tiere, die verzehrt werden können. Da aber das Schwein kein Wiederkäuer ist, obwohl es zu der Kategorie der paarzehigen Landtiere zählt, gilt es als unrein und damit als nicht essbar (vgl. Barlösius, 2011, S. 104).

Nach der kommunikationstheoretischen Erklärung werden Tiere in essbar und nicht essbar klassifiziert, um eine „moralische Ordnung“ (Barlösius, 2011, S. 104) der Gesellschaft zu konstruieren. Das Schwein als Nahrung wird tabuiert, weil es nicht nur Pflanzen frisst, sondern auch Tiere, weshalb es indirekt am Töten von Tieren beteiligt ist. Dadurch bestimmt die Gesellschaft nun nur pflanzenfressende Tiere zu essen (vgl. Barlösius, 2011, S. 105).

Das Nahrungstabu ist ein rigides, religiös begründetes Verbot, das die Person stark verinnerlicht, um sich einerseits an Traditionen und Werten zu orientieren, andererseits eine gesellschaftliche Ordnung zu garantieren (vgl. Pahl und Setzwein, 1999, S. 92 ff.).

Nach aktuellen Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz leben über vier Millionen Muslime in Deutschland (vgl. BAMF, 2014). Auch in einem nicht muslimischen Land halten sich die Muslime bei der Auswahl an Lebensmitteln an ihre religiösen Speisegesetze. Deshalb wählen die Muslime ihre Lebensmittel nach Kategorien wie halal und haram aus. Der Begriff halal stammt aus dem Arabischen und bezeichnet Lebensmittel, die den islamischen Vorschriften entsprechen und damit zum Verzehr erlaubt sind, wohingegen haram als verboten bezeichnet wird und daher nicht essbar ist (vgl. Bednarszky und Schlich, 2004, S. 182). Das Schwein als Lebensmittel sowie seine Bestandteile, wie etwa auch in Gelatine enthalten, gehört zu den vier Speiseverboten des Islams (vgl. Bednarszky und Schlich, 2004, S. 183).

4 Didaktische Analyse

Die Unterrichtsstunde „ Sag mir, was du isst und ich sage dir, woran du glaubst!“ orientiert sich am biographischen Lernen mit interkultureller Bildung. Die Zunahme an SuS mit Migrationshintergrund in deutschen Klassen löst das Aufeinandertreffen unterschiedlicher kultureller Biographien aus. Bezogen auf die Ernährung ist ihre Lebensmittelauswahl kulturell beziehungsweise religiös bestimmt. Religion bedeutet für diese Schüler und Schülerinnen ein Schutzfaktor in ihrer Lebensgestaltung (vgl. Ringeisen et al., 2008, S. 57). Die Thematisierung Religion im Zusammenhang mit Ernährung fördert das interkulturelle Lernen durch die Auseinandersetzung mit esskulturellen Biographien.

4.1 Didaktische Intention

1. Die SuS reflektieren die Wirkung und Bedeutung der Religion als Einflussfaktor auf das Essverhalten.
2. Die SuS sollen andere bzw. fremde Essverhalten akzeptieren, um eine sozialverträgliche Kultur in der Gemeinschaft beziehungsweise Gesellschaft zu fördern.

4.2 Sinn- und Sachzusammenhang und exemplarische Bedeutung

Die Unterrichtsstunde „ Sag mir, was du isst und ich sage dir, woran du glaubst!“ ist im Kernlehrplan für die Gesamtschule, in Nordrhein-Westfalen im Fach Hauswirtschaft, im Bereich des Inhaltsfeldes der Ernährung und Esskultur , unter dem inhaltlichen Schwerpunkt über Einflussfaktoren auf das Essverhalten zuzuordnen (vgl. Qualitäts- und Unterstützungsagentur- Landesinstitut für Schule, 2014, o. S.). Der Inhalt der Stunde findet seine Legitimierung ebenfalls in dem Fachkonzept REVIS im Bildungsziel 1: „ Die Schüler und Schülerinnen sind bereit und in der Lage, sich mit den Einflussfaktoren, Begrenzungen und Gestaltungsalternativen der individuellen Essweise auseinanderzusetzen“ (Heseker et. al., 2005, S. 27). Dazu gehört, dass sie: „soziokulturelle und historische Einflussfaktoren, ihre Wirkungen und Bedeutungen für das Essverhalten kennen, identifizieren und verstehen können“ (ebd.).

Nach dem Kernlehrplan sollen in der Unterrichtsstunde folgende Kompetenzen entwickelt werden: Die SuS…

„analysieren in einfacher Form Funktionen, Rollen und Handlungsmöglichkeiten ausgewählter Personen und Gruppen“ (Sachkompetenz).

„analysieren […] Fallbeispiele auch außerhalb des unmittelbaren eignen Erfahrungsbereichs“ (Methodenkompetenz).

„beurteilen in Ansätzen auch […] Situationen oder Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven “ (Urteils-und Entscheidungsperspektiven).

„beurteilen im Kontext eines Falles oder Beispiels mit Entscheidungscharakter Möglichkeiten, Grenzen und Folgen darauf bezogenen Handeln“ (Urteils- und Entscheidungskompetenz).

„nehmen andere Positionen ein und vertreten diese probeweise (Perspektivenwechsel)“ (Handlungskompetenz) (Qualitäts- und Unterstützungsagentur - Landesinstitut für Schule, 2014, o. S.).

Die Entwicklung der aufgeführten Kompetenzen soll dazu beitragen, dass einerseits die SuS zu „kritischer Selbstreflexion“ (Adorno, 1970) befähigt werden sollen, andererseits zur Selbstbestimmung, die zugleich als ein Prozess des lebenslangen Lernens gilt (vgl. Theunissen, 2010, S. 184). Mit dem Thema Esstabu am Beispiel des Schweinefleischtabus im Islam, lassen sich besonders gut die Auswirkungen von Tabus auf Gesellschaft beziehungsweise auf Kultur erfassen. Das exemplarische Lernen anhand eines Fallbeispiels ermöglicht den SuS die Erkenntnis, dass Esstabus einerseits Regeln des Verhaltens bestimmen können, andererseits auch das Verhalten bewerten (vgl. Fuchs - Heinritz, 2007, S. 460). Denn Personen die gegen Esstabus verstoßen, zeigen ein abweichendes Verhalten innerhalb einer Gesellschaft, Gruppe oder Kultur und laufen daher Gefahr stigmatisiert und feindselig ausgegrenzt zu werden. (vgl. Hohmeier, 2010, S. 170).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsentwurf zum Thema Ernährung "Sag mir, was du isst und ich sage dir, woran du glaubst!"
Hochschule
Universität Paderborn  (Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit)
Veranstaltung
Planung und Analyse von haushaltsbezogenem Unterricht
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V294408
ISBN (eBook)
9783656920250
ISBN (Buch)
9783656920267
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Essverhalten, Einflussfaktoren, Religion, Esskultur, Esstabus
Arbeit zitieren
Hülya Karadag (Autor), 2014, Unterrichtsentwurf zum Thema Ernährung "Sag mir, was du isst und ich sage dir, woran du glaubst!", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294408

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