Das Testament des Johann Ehrendorf. Analyse und Interpretation


Hausarbeit, 2012
9 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Quellenbeschreibung

3. Welcher Quellengattung gehört die Quelle an?
3.1. Das Testament
3.2. Die Rente

4. Einordnung der Geldwerte

5. Welche Intention hatte Ehrendorf?

6. Quellen-/ Literaturangaben

1. Einleitung

Der Alltag eines mittelalterlichen Klosters hatte vielerlei Facetten: Von den ganz alltäglichen Problemen der Nonnen über das Verhältnis zu den in der Umgebung lebenden Anwohnern bis zum Verhältnis zu den großen Kirchen bzw. Orden gibt es eine Vielzahl sehr interessanter Bereiche.

In der folgenden Arbeit wird eine ganz alltägliche Quelle aus dem Kloster Harvestehude behandelt: das Testament des Johann Ehrendorf. Dabei wird diese Quelle genauestens untersucht. Alltäglich ist diese Quelle in dem Sinne, dass sie ein Beispiel für die Bedeutung des Hamburger Rentenmarktes für die Klöster ist, und in dem Sinne, dass sie den Glauben der Hamburger des Spätmittelalters widerspiegelt.

Zum einen wird es dabei um die Frage gehen, um welche Quellengattung es sich überhaupt handelt (denn dies ist keinesfalls so eindeutig, wie es der Titel Testamen t vermuten lässt) und welche Besonderheiten sich dahinter verbergen. Zum anderen wird eine Einordnung der Quelle in die Lebenswelt des 15. Jahrhunderts vorgenommen. Dabei wird ein besonderer Fokus auf die Religiosität der Menschen, im Speziellen Ehrendorfs, gelegt.

Die beiden Leitthesen der Untersuchung sollen wie folgt lauten:

1) Bei dem Testament des Johann Ehrendorf handelt es sich nicht um ein Testament.
2) Ehrendorf hatte sich sehr um das Wohl seiner Seele nach seinem Tode gesorgt.

2. Quellenbeschreibung

Die zu behandelnde Quelle ist das Testament von Johann Ehrendorf aus dem Jahr 1420. Das Original ist im gotischen Kursiv auf Pergament verfasst und trägt die Siegel des Doms, des Klosterprobstes und des Klosters Harvestehude. Bei dem Testament handelt es sich um die bisher einzige bekannte Quelle, in der Johann Ehrendorf erwähnt wird.[1]

Der Inhalt der Quelle besagt, dass der Probst Luder, die Äbtissin Wommele und die Priorin Lucia[2] vom Vikar am Hamburger Dom Johann Ehrendorf 200 Mark Hamburger Pfennige erhalten. Als Gegenleistung bekommt Ehrendorf jährlich jeweils zu Ostern und an St. Johannis (24.06.) eine Rente von fünf Gulden ausgezahlt. Nach Ehrendorfs Tod fällt das Geld, also die Rente von insgesamt 10 Gulden, an das Kloster Harvestehude. Dafür soll jeden Donnerstag eine Hochmesse zu Ehrendorfs Ehren gesungen werden. Falls ein Feiertag auf den Donnerstag fällt, soll die Messe an einem anderen Wochentag nachgeholt werden und „[…] in jenen Zeiten, wo man nicht alle Arten von Liedern singt[3] […], da sollen wir keine Messe […] lesen, aber „von der Rolle“ einen schönen antiphonen […] singen.“[4]

Nun enthält diese Quelle zunächst einige Informationen über die Ausstattung des Klosters Harvestehude. So ist erst einmal eindeutig, dass für eine wöchentliche Orgelbegleitung der Messe zu Ehren von Ehrendorf auch eine Orgel vorhanden gewesen sein muss. Ebenso offensichtlich ist, dass mehrere, wohl gut ausgebildete Sängerinnen, sowie eine Chorleiterin vorhanden gewesen sein müssen, da für einen solchen antiphonen Gesang, oder auch Gegengesang, mehrere Stimmen erforderlich sind, die genau harmonieren müssen.

3. Welcher Quellengattung gehört die Quelle an?

Die Frage nach der Quellengattung lässt sich nicht eindeutig beantworten. Obwohl der Titel „Testament des Johann Ehrendorf“ lautet, würde ich der Bezeichnung dieser Quelle als Testament nicht in Gänze zustimmen, weil es ebenfalls deutliche Charakteristika einer Rente aufweist. In den folgenden beiden Unterkapiteln werden die Quellengattungen Testament sowie Rente genauer beleuchtet und es wird erläutert, welche Eigenschaften dieser Quellengattungen auf die vorliegende Quelle zutreffen.

3.1. Das Testament

Ein mittelalterliches Testament hatte in aller Regel einen festen Aufbau mit immer wiederkehrenden Formulierungen. So lautete eine typische Invokatio meist: In nomine domini (dei) amen. In der Zeit zwischen 1310 bis 1400 gab es lediglich elf Ausnahmen von dieser Regel.[5] Ehrendorfs Testament würde ebenfalls eine solche Ausnahme bilden, obwohl es nicht im selben Zeitraum erschienen ist. In Ehrendorfs Testament fehlt die Invokatio komplett. Auch ein konkreter Grund für das Testament, wie zum Beispiel eine schwere Krankheit oder eine Wallfahrt, fehlt, was aber auf etwa 45% der Testamente aus den Jahren zwischen 1310 und 1400 zutrifft.[6] Die überwältigende Mehrzahl der Testamente wurde in der ersten Person verfasst. Auch dies trifft bei Ehrendorf nicht zu. Hier sind die Verfasser augenscheinlich Probst Luder, Äbtissin Wommele und Priorin Lucia. Ehrendorf selbst scheint mit seinem eigenen Testament wenig zu tun gehabt zu haben. Ebenfalls fehlen Angaben zur Begleichung von Schulden oder die Erwähnung irgendwelcher Verwandter. Dies alles ist zwar bereits in anderen Testamenten vorgekommen, wenn man aber die Häufung betrachtet, ist es naheliegend, dass es sich bei dem Testament des Johann Ehrendorf, zumindest was die Form und den Aufbau angeht, um kein Testament handelt.

[...]


[1] Im Verlauf dieser Arbeit wird die Quelle, als Quelle, oder als Ehrendorfs Testament bezeichnet. Auch wenn die Quellengattung Testament in Frage gestellt wird, bleibt die Bezeichnung bestehen, um eine gewisse Einheitlichkeit zu erhalten.

[2] Dabei handelt es sich vermutlich um die Äbtissin Wommele Wulfhagen (Lappenberg, Cistercienserinnen-Abtei, S. 559) und um die Priorin Lucia Bretinges (Lappenberg, Cistercienserinnen-Abtei, S. 560). Über Probst Luder ist weiter nichts bekannt.

[3] Hier sind beispielsweise Fastenzeiten gemeint.

[4] StaHH 61 1-1 St. Johanniskloster Urkunde Nr. 2.

[5] Vgl. Riethmüller, Marianne: to troste miner sele – Aspekte spätmittelalterlicher Frömmigkeit im Spiegel Hamburger Testamente (1310 – 1400). Hamburg, 1994; S. 28.

[6] Vgl. Ebd. S. 31.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Testament des Johann Ehrendorf. Analyse und Interpretation
Hochschule
Universität Hamburg  (Historisches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
9
Katalognummer
V294458
ISBN (eBook)
9783656921349
ISBN (Buch)
9783656921356
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
testament, johann, ehrendorf, analyse, interpretation
Arbeit zitieren
David Kühlcke (Autor), 2012, Das Testament des Johann Ehrendorf. Analyse und Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294458

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