Adam Smith. Die Bedeutung der Bildung in der vorindustriellen Klassengesellschaft


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen bei Smith
2.1 Die Arbeitsteilung
2.2 Die Freiheit des Marktes
2.3 Die Aufgaben des Staates

3 Die Funktionen der Bildung
3.1 Grundbildung
3.2 Höhere Bildung
3.3 Berufliche Bildung

4 Smiths Beitrag in der heutigen Welt

5 Fazit

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

In modernen Industrienationen ist die schulische Bildung heute ebenso selbstverständlich wie die spätere berufliche oder akademische Ausbildung. Ohne einen Schulabschluss ist es kaum möglich, eine Berufsausbildung oder ein Studium aufzunehmen. Diese sind wiederum Voraussetzung für den Eintritt in einen Beruf, der einem den Lebensunterhalt sichert und die Familiengründung ermöglicht. Im gesellschaftlichen Zusammenleben spielt zudem eine grundlegende Allgemeinbildung eine große Rolle, welche vor allem während der Schulzeit erworben wird.

Schon in der Antike war die Bildung von großer Bedeutung, beschränkte sich jedoch zunächst auf wohlhabendere Bürger. Die Idee der Bildung für das ganze Volk entstand erst später. Noch im 18. Jahrhundert war der Besuch einer Schule keine Selbstverständlichkeit. Besonders im Zuge der einsetzenden Industrialisierung wurde es wichtig, dass auch die Kinder in Fabriken arbeiteten, um den Lebensunterhalt der Familie mit zu sichern. Für viele junge Menschen blieb daher keine Zeit, die Schule zu besuchen. So waren es gerade die Massen an ärmeren Menschen, die keine oder nur eine unzureichende Schulbildung erhielten.

Adam Smiths Theorie der Arbeitsteilung und des freien Marktes legte zu dieser Zeit den Grundstein der modernen Volkswirtschaftslehre. Noch heute wird er zudem von einigen Autoren als Advokat des „laissez-faire“ bezeichnet (Winch 1998: 369). Trotz des Hinweises, dass der Staat sich in Fragen der Wirtschaftspolitik zurückhalten sollte, hat auch Smith klare Vorstellungen darüber gehabt, welche Aufgaben der Staat übernehmen sollte. Zu diesen Aufgaben gehört zum Beispiel auch die Bereitstellung jener Güter und Dienstleistungen, welche nicht auf eine Weise ertragreich sind, dass Privatpersonen sie bereitstellen können (Smith/Recktenwald 1996: 668). Dazu zählte er auch Teile der Bildung. Smith erhoffte sich von einem Volk, das in seiner Gänze zumindest grundlegend gebildet ist, positive Effekte für die Gesellschaft insgesamt.

In dieser Arbeit soll es darum gehen zu analysieren, welche Rolle bei Smith die Bildung in der vorindustriellen Klassengesellschaft spielt.

Dazu stelle ich in einem ersten Teil die theoretischen Grundlagen der Arbeitsteilung, des freien Marktes sowie der Staatsaufgaben bei Smith dar. Diese Aspekte sind wichtig, um Smiths Bemühungen für eine möglichst breite Bildung vollständig verstehen zu können. In einem nächsten Schritt kläre ich die Funktion der Bildung bei Smith unter Berücksichtigung der verschiedenen Klassen. Gleichzeitig gehe ich in diesem Kapitel auch auf moralische Aspekte der Bildung ein. Abschließend gebe ich einen Ausblick, inwieweit Smiths Analysen noch heute als Ratschläge taugen. Hierbei beziehe ich mich vor allem auf Andreas Ortmann, der bereits 1997 Überlegungen zu dieser Frage angestellt hat.

2 Theoretische Grundlagen bei Smith

Obwohl Adam Smith die Arbeitsteilung und der damit zusammenhängenden Neigung des Menschen zum Tausch als etwas Natürliches ansieht (Smith/Recktenwald 1996: 16), weist er auch auf damit verbundene Gefahren für die Stabilität eines Staates hin. Als ein Mittel dagegen nennt er die Bildung. Bevor ich mich in Kapitel 3 damit beschäftige, welche Funktionen Smith der Bildung zuspricht, ist es daher notwendig, seine theoretischen Überlegungen zur Arbeitsteilung und der Freiheit des Marktes darzustellen. So wird später deutlich, an welcher Stelle Probleme auftreten können und wie Smith diese zu lösen versucht.

In diesem Kapitel wird es demgemäß zunächst darum gehen, die Theorie der Arbeitsteilung bei Smith zu umreißen. Anschließend gehe ich auf seine Überlegungen zum freien Markt ein, um abschließend zu erläutern, welche Aufgaben Smith dem Staat zuspricht.

2.1 Die Arbeitsteilung

Smith ist bekannt geworden durch die Entdeckung, dass die Prinzipien der Arbeitsteilung der Motor des wirtschaftlichen Wachstums sind (vgl. Winch 1998: 365). In seinem berühmten Beispiel über die Herstellung von Stecknadeln erklärt Smith, wie die Aufteilung der Arbeit auf mehrere Personen, die jeweils nur einen Arbeitsschritt ausführen, zu einer Erhöhung der Produktivität führt.

Diese Steigerung der Produktivität hängt von drei Faktoren ab (vgl. Smith/Recktenwald 1996: 12): Zum einen nennt Smith die größere Geschicklichkeit, die ein Arbeiter bei seinem Handwerk erlange, wenn er stets nur einen Produktionsschritt ausführt. Des Weiteren spare man innerhalb des ganzen Produktionsablaufes Zeit, da die Arbeiter nicht von einem Arbeitsschritt zu einem anderen wechseln müssen, sondern jeder immer bei einer Arbeit bleibt. Als letzten Punkt nennt er schließlich die Erfindung von Maschinen:

„Jemand, der ausschließlich mit einem einzelnen Gegenstand befaßt ist, wird wahrscheinlich eher einfachere und geeignetere Methoden entdecken, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, als wenn seine Aufmerksamkeit auf viele Dinge gerichtet ist.“ (Smith/Recktenwald 1996.: 13)

Neben den Arbeitern, welche so fortlaufend ihre Arbeitsgeräte weiter entwickeln, seien es aber auch Maschinenbauer, Philosophen und Theoretiker, die zum Fortschritt beitrügen. Auf diese Weise werden „mit der Entwicklung der Gesellschaft […] auch Wissenschaft und Forschung […] zum Hauptberuf […] einer bestimmten Schicht von Bürgern“ (Smith/Recktenwald 1996.: 14).

Da jeder Mensch in einer solchen Gesellschaft damit beschäftigt ist, an der Erstellung nur eines Produktes mitzuwirken, und daher jeder Einzelne viel mehr von diesem einen Produkt herstellt als er selbst benötigt, wird Überschuss produziert. Was der Einzelne so an Überschuss herstellt, kann er nutzen, um damit jene Güter, die er selbst nicht produziert, durch Tausch zu erlangen. So hat auch der ärmste Arbeiter die Möglichkeit, an die Waren des täglichen Bedarfs zu kommen. Die Produktivitätssteigerung führt somit zu Wohlstand in allen Schichten (vgl. Smith/Recktenwald 1996: 14).

Dass die Arbeitsteilung sich überhaupt entwickeln kann, sieht Smith in der Natur des Menschen begründet. Im Gegensatz zu anderen Lebewesen gehört die Neigung zum Tausch zu den natürlichen Eigenschaften eines jeden Menschen (vgl. Smith/Recktenwald 1996.: 16). Durch die Gewissheit, dass man durch ein Tauschgeschäft Waren erhalten kann, die man selbst nicht herstellt, wird der Mensch dazu ermutigt, sich für eine Arbeit oder einen Arbeitsprozess zu spezialisieren. So sind auch die unterschiedlichen Talente und Fähigkeiten eher Folge denn Ursache der Arbeitsteilung (vgl. Smith/Recktenwald 1996: 18).

Smith erkennt allerdings auch, dass die Teilung der Arbeit nicht nur Vorteile mit sich bringt: Da seiner Auffassung nach der Mensch wesentlich durch das geprägt wird, womit er sich täglich beschäftigt, sieht er die Gefahr der Abstumpfung einer großen Masse von Menschen (vgl. Smith/Recktenwald 1996: 662). Der Arbeiter hat jeden Tag denselben Handgriff zu erledigen, welcher in den meisten Fällen keine große geistige Anstrengung erfordert. Da er so dauerhaft nicht dazu gezwungen ist, seinen Verstand zu benutzen, verliert er mehr und mehr die Fähigkeit dazu. Dieser Verlust führt nach Smith auch dazu, dass der Arbeiter seine „gesunde Urteilsfähigkeit“ einbüßt und damit gleichzeitig auch seine „geistige, soziale und soldatische Tauglichkeit“ (Smith/Recktenwald 1996: 662f). Die Schlussfolgerungen, welche Smith aus dieser Erkenntnis zieht, werden in Kapitel 3 analysiert.

2.2 Die Freiheit des Marktes

Ein weiterer zentraler Aspekt in Smiths Arbeit über den Wohlstand der Nationen betrifft verschiedene Systeme politischer Ökonomie. In Abgrenzung zum herrschenden Merkantilismus bzw. der Physiokratie in Frankreich entwickelt er so seine eigenen Vorstellungen über die Funktionsweise des Marktes, auf welchem verschiedenste Güter getauscht werden können.

Kennzeichenend für merkantile Systeme war, dass die Herrscher durch direkte Eingriffe in die Wirtschaft versuchten, Exporte zu maximieren und Importe zu minimieren, um so den nationalen Reichtum zu fördern. Während auch die Physiokratie als Handlungsanweisung für die Fürsten gedacht wurde, damit diese die Wirtschaft möglichst gewinnbringend gestalten konnten, legte Smith in deinen Ausführungen dar, dass die Ökonomie sich selbst in einen ausgeglichenen Zustand bringen könne (vgl. Gretschmann 1984: 116). Laut Gretschmann darf Smiths Theorie daher auch nicht als Handlungsnorm begriffen werden, sie spiegele hingegen vielmehr die Realität wider, wie sie sich für Smith aus empirischen Erkenntnissen darstellte (vgl. Gretschmann 1984: 116).

Smith geht davon aus, dass der handelnde Mensch von Eigeninteressen getrieben wird. Im Gegensatz zu anderen Theoretikern verurteilt er das Eigeninteresse jedoch nicht, sondern betont vielmehr, dass es zentral für das Funktionieren des Marktes sei (Winch 1998: 366). Jeder Mensch strebe danach, seinen Gewinn zu maximieren. Er spezialisiere sich im Zuge der Arbeitsteilung auf einen Wirtschaftszweig und erlange somit höchste Kenntnis auf diesem Gebiet. Dadurch wisse er stets, welche Investitionen sinnvoll und gewinnbringend sind und werde dementsprechend auch nur für diese Geld aufwenden. So ziele das Handeln jedes Einzelnen darauf, das eigene Einkommen zu erhöhen. Smith stellt fest, dass „[…] das Volkseinkommen eines Landes immer genauso groß ist wie der Tauschwert des gesamten Jahresertrags […]“ (Smith/Recktenwald 1996: 370). Solange also jeder bemüht ist, seinen eigenen Reichtum zu steigern, fördere er damit wie „von einer unsichtbaren Hand geleitet“ das Allgemeinwohl (Smith/Recktenwald 1996: 371).

Im Gegensatz dazu ist es dem Staat nicht möglich, eine Kenntnis in den einzelnen Wirtschaftszweigen zu erwerben, die jener der einzelnen Menschen gleich kommt (vgl. Bharadwaj 1991: 19). Eine Regulierung oder Vorschrift, in welche Gebiete Geld zu investieren sei, könne demnach laut Smith niemals den gleichen Erfolg haben, wie wenn der Markt frei von Beschränkungen durch das Eigeninteresse der Individuen bestimmt wird (vgl. Smith/Recktenwald 1996: 371).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Adam Smith. Die Bedeutung der Bildung in der vorindustriellen Klassengesellschaft
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Politikwissenschaft und Japanologie)
Veranstaltung
Politische Theorien der Gegenwart
Note
3,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V294492
ISBN (eBook)
9783656921929
ISBN (Buch)
9783656921936
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
adam, smith, bedeutung, bildung, klassengesellschaft
Arbeit zitieren
Julia Müller (Autor), 2011, Adam Smith. Die Bedeutung der Bildung in der vorindustriellen Klassengesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294492

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