Grin logo
de en es fr
Boutique
GRIN Website
Publier des textes, profitez du service complet
Aller à la page d’accueil de la boutique › Philologie Allemande - Littérature Comparée

Der Sündenbock als literarisches Motiv

Eine Untersuchung zu Werken von Friedrich Schiller, Marie von Ebner-Eschenbach und Max Frisch

Titre: Der Sündenbock als literarisches Motiv

Thèse de Bachelor , 2012 , 35 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Laura Marie Ehlert (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Comparée
Extrait & Résumé des informations   Lire l'ebook
Résumé Extrait Résumé des informations

In unserer Gesellschaft kommt es immer wieder zu Ausgrenzungen von Menschen auf Grund ihrer Andersartigkeit, sei es ihre Abstammung, ihr Aussehen oder weitere Faktoren, die sie von anderen Personen unterscheiden. Diese Stigmatisierung von Menschen anhand bestimmter Merkmale ist ein Phänomen, das sich durch die Geschichte verschiedener Kulturen zieht. Die ausgegrenzten Menschen werden häufig als Sündenböcke der Gesellschaft bezeichnet. Da dieses Phänomen kulturübergreifend weit verbreitet ist, gibt es auch in der Literatur zahlreiche Autoren, die sich mit der Ausgrenzung von Personen in ihren Werke befassen, indem sie Protagonisten integrieren, die auf Grund verschiedener Merkmale zum Sündenbock stigmatisiert werden. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob es sich bei dem beschriebenen Phänomen der Stigmatisierung eines Protagonisten als Sündenbock um ein literarisches Motiv handelt und welche Facetten dieses Motiv haben kann. Hierbei wird besonders auf die Entwicklung der Person geachtet, die von der Gemeinschaft ausgestoßen wird.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arbeitsdefinition Motiv

3. Der ‚Sündenbock‘ in interdisziplinärer Perspektive

3.1 Religionsgeschichtlicher Hintergrund

3.2 Soziologische Perspektive

4. Reflexion zur Textauswahl

5. Textanalyse

5.1 Friedrich Schiller: Der Verbrecher aus verlorener Ehre – „Ich wollte Böses tun. […] Ich wollte mein Schicksal verdienen.“

5.2 Marie von Ebner-Eschenbach: Das Gemeindekind – „Ich bleib der einsame Mensch, zu dem ihr mich gemacht habt.“

5.3 Max Frisch: Andorra – „Seit ich höre, hat man mir gesagt, ich sei anders […]. Und es ist so, Hochwürden: Ich bin anders.“

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Sündenbock-Motiv als literarisches Phänomen, um zu klären, ob und auf welche Weise Protagonisten in ausgewählten Werken als Sündenböcke stigmatisiert werden und wie diese auf ihre Rolle reagieren. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei sowohl auf die soziologischen Hintergründe der Ausgrenzung als auch auf die psychologischen Entwicklungsschritte der betroffenen Individuen.

  • Interdisziplinäre Analyse des Sündenbockmechanismus nach René Girard.
  • Untersuchung der Motivgestaltung in Werken von Friedrich Schiller, Marie von Ebner-Eschenbach und Max Frisch.
  • Analyse von Stigmatisierungsprozessen und der Dynamik von kollektiver Gewalt.
  • Betrachtung individueller Reaktionen der Protagonisten auf ihre Außenseiterrolle.
  • Vergleichende literaturwissenschaftliche Motivforschung über verschiedene Epochen hinweg.

Auszug aus dem Buch

3.1 Religionsgeschichtlicher Hintergrund

Das Phänomen des Sündenbocks gibt es in verschiedenen Kulturkreisen. In der folgenden Darstellung des religionsgeschichtlichen Hintergrundes des Sündenbock-Begriffes konzentriere ich mich ausschließlich auf das Alte Testament, da es von Christen und Juden als „Offenbarungsurkunde“20 betrachtet wird und für den Ursprung des Sündenbockmotivs von besonderer Bedeutung ist.

Seinen Ursprung findet das Motiv in dem Buch Levitikus 16,1-34, einem der fünf Bücher des Mose, in dem es als Ritual für den Versöhnungstag beschrieben wird:

Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier für ein Sündopfer und einem Widder für ein Brandopfer. […] Von der Gemeinde der Israeliten soll er zwei Sündopfer und einen Widder für ein Brandopfer erhalten. […] Für die beiden Böcke soll er Lose kennzeichnen, ein Los „für den Herrn“ und ein Los „für Asasel“. Aaron soll den Bock, für den das Los „für den Herrn“ herauskommt, herbeiführen und ihn als Sündopfer darbringen. Der Bock, für den das Los „für Asasel“ herauskommt, soll lebend vor den Herrn gestellt werden, um für die Sühne zu dienen und zu Asasel in die Wüste geschickt zu werden. […] Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden Bockes legen und über ihm alle Sünden der Israeliten, alle ihre Frevel und alle ihre Fehler bekennen. Nachdem er sie so auf den Kopf des Bockes geladen hat, soll er ihn durch einen bereitstehenden Mann in die Wüste treiben lassen und der Bock soll alle ihre Sünden mit sich in die Einöde tragen.21

Aaron soll durch das Handauflegen auf den Bock die Sünden der Israeliten auf das Tier übertragen. Durch das anschließende Schicken in die Wüste sollen die Sünden vom Volk abgeleitet und das israelische Volk entsühnt werden. Laut Raymund Schwager verdeutlicht dieser Ritus, was sich auch bei anderen, unter anderem menschlichen Opfern ereignet:

Die Vorstellung, dass irgendeine Gottheit das Opfer annimmt und die opfernde Gemeinschaft segnet, ist der mythologische Ausdruck für die Tatsache, daß die Aggressivität einmal mehr nach außen abgeleitet und der Friede innerhalb der Gemeinschaft gesichert wird.22

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Phänomen der Stigmatisierung und führt in das Forschungsziel ein, den Sündenbock als literarisches Motiv in drei ausgewählten Werken zu untersuchen.

2. Arbeitsdefinition Motiv: Dieses Kapitel erarbeitet eine literaturwissenschaftliche Definition des Motivbegriffs und grenzt Motive gegenüber anderen Textelementen ab.

3. Der ‚Sündenbock‘ in interdisziplinärer Perspektive: Das Kapitel erläutert den religionsgeschichtlichen Ursprung des Sündenbocks im Alten Testament sowie den soziologischen Sündenbockmechanismus nach René Girard.

4. Reflexion zur Textauswahl: Die Autorin begründet die Auswahl der drei Primärtexte anhand der Kriterien Gattungsvielfalt und Epochenvielfalt.

5. Textanalyse: Hier findet die detaillierte Untersuchung der drei Erzählwerke statt, wobei besonders auf die Stigmatisierung der Protagonisten und deren Identitätsentwicklung eingegangen wird.

6. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass das Sündenbock-Motiv ein zentrales Element zur Gruppierung der Figuren und Darstellung kollektiver Gewalt in allen drei Werken ist.

Schlüsselwörter

Sündenbock, literarisches Motiv, Stigmatisierung, kollektive Gewalt, Sündenbockmechanismus, René Girard, Außenseiter, Identitätsentwicklung, Literaturanalyse, Religionsgeschichte, Soziologie, Vorurteil, Ausgrenzung, Textvergleich, Gruppendynamik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das Motiv des Sündenbocks in verschiedenen literarischen Werken gestaltet ist und welche Auswirkungen die Stigmatisierung auf die Entwicklung der Protagonisten hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die literarische Motivforschung, soziologische Theorien zur kollektiven Gewalt und psychologische Aspekte der Stigmatisierung und Identitätsbildung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Analyse, ob das Sündenbockmotiv als literarisches Konstrukt fungiert und wie dieses die Handlungsabläufe in den untersuchten Werken bestimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der religionsgeschichtliche und soziologische Theorien, insbesondere von René Girard, mit einer textzentrierten literaturwissenschaftlichen Analyse verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Werke "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" von Schiller, "Das Gemeindekind" von Ebner-Eschenbach und "Andorra" von Max Frisch hinsichtlich ihrer Motivik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern zählen Sündenbock, Stigmatisierung, kollektive Gewalt, Identitätsentwicklung und Außenseiter.

Inwiefern beeinflusst das Motiv die Entwicklung der Protagonisten in den drei Werken unterschiedlich?

Während Christian Wolf und Andri die ihnen zugeschriebene Rolle als Sündenbock letztlich annehmen, gelingt es Pavel Holub, sich durch Eigeninitiative aus dieser Stigmatisierung zu befreien und als Mitglied der Gemeinschaft anerkannt zu werden.

Welche Rolle spielt die Leugnung der Realität im Drama "Andorra"?

Die Leugnung offenkundiger Tatsachen durch die Andorraner dient dazu, die eigene Schuld an der Stigmatisierung Andris zu verdrängen und den gesellschaftlichen "Frieden" durch die Ausgrenzung eines Sündenbocks zu wahren.

Fin de l'extrait de 35 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Der Sündenbock als literarisches Motiv
Sous-titre
Eine Untersuchung zu Werken von Friedrich Schiller, Marie von Ebner-Eschenbach und Max Frisch
Université
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Institut für Germanistik)
Note
1,0
Auteur
Laura Marie Ehlert (Auteur)
Année de publication
2012
Pages
35
N° de catalogue
V294542
ISBN (ebook)
9783656927150
ISBN (Livre)
9783656927167
Langue
allemand
mots-clé
sündenbock motiv eine untersuchung werken friedrich schiller marie ebner-eschenbach frisch
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Laura Marie Ehlert (Auteur), 2012, Der Sündenbock als literarisches Motiv, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294542
Lire l'ebook
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
Extrait de  35  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Expédition
  • Contact
  • Prot. des données
  • CGV
  • Imprint