Das Bruttoinlandsprodukt. Ist das BIP ein geeigneter Indikator für den Wohlstand einer Gesellschaft?


Hausarbeit, 2015
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Gliederung

2 Einleitung

3 Der Begriff Bruttoinlandsprodukt

4 Bedeutung des BIP
4.1 Wozu Wachstum?
4.2 Kurze Erläuterung zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
4.2.1 Verwendung von Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
4.3 Wichtige Kennzahlen in Zusammenhang mit dem BIP
4.3.1 Nettoinlandsprodukt
4.3.2 Nettonationaleinkommen
4.4 Zusammenfassung

5 Wie und wann wird das BIP berechnet
5.1 Woher stammen die Daten ?
5.2 Entstehungsrechnung
5.3 Verwendungsrechnung
5.4 Verteilungsrechnung
5.5 Wann werden die Berechnungen veröffentlicht?
5.6 Zusammenfassung

6 Bruttoinlandsprodukt als Wohlstandsindikator
6.1 Kritik am BIP als Wohlstandsindikator
6.1.1 Keine Berücksichtigung von Bildung, Kultur und Gesundheit
6.1.2 BIP als wesentlicher Bestandteil eines umweltbelastenden Wirtschaftssystems
6.1.3 Unbezahlte Arbeit wird nicht berücksichtigt
6.2 Zusammenfassung
6.3 Warum das BIP als Wohlstandsindikator geeignet ist
6.3.1 BIP impliziert die Nachhaltigkeit des Wirtschaftens
6.3.2 Miteinbeziehung von Bildung und Kultur ist gegeben.
6.3.3 Materieller Wohlstand steht im Fokus
6.4 Zusammenfassung

7 Alternative Wohlstandsindikatoren
7.1 Human Development Index
7.2 Nationaler Wohlfahrtsindex
7.3 Zusammenfassung

8 Entwicklung des BIP in Deutschland
8.1 BIP historisch
8.2 BIP aktuell
8.3 Zusammenfassung

9 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Gliederung

Zu Beginn dieser Arbeit möchte ich auf den Begriff des Bruttoinlandsproduktes (BIP) eingehen. Um weiter an die Thematik heranzuführen, werde ich dessen drei üblichen Berechnungsmethoden anhand von Beispielen darlegen. Im Anschluss daran möchte ich auf die Bedeutung des BIP im Bereich der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung eingehen. Hierbei soll der Fokus kurz auf die Gründe für Wirtschaftswachstum legen, um den hohen Stellenwert, welchen das BIP in diesem Zusammenhang einnimmt zu verdeutlichen. Weiterhin wird eine kritische Betrachtung des BIP als Wohlstandsindikator stattfinden. Hierbei sollen jeweils drei Gründe für und drei gegen ebendiesen diskutiert werden. Darauffolgend führe ich einige Alternativen zur Bemessung des Erfolges einer Volkswirtschaft auf. Hierunter fällt zum einen der sogenannte Human Development Index (HDI), sowie der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI). Abschließend wird eine Betrachtung des aktuellen BIP der Volkswirtschaft der Bundesrepublik stattfinden.

2 Einleitung

Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit steht die Frage, ob das Bruttoinlandsprodukt ein geeigneter Indikator für den Wohlstand einer Gesellschaft ist. Um kurz auf die Zusammenhänge zwischen BIP, Wachstum und Wohlstand einzugehen, schließt sich an dieser Stelle eine entsprechende Ausführung an:

Für das Funktionieren einer jeden Volkswirtschaft werden Statistiken über die Entwicklung ebendieser benötigt. Insbesondere bedarf es dieser Zahlen für strukturpolitische Entscheidungen. Um diesen Anforderungen zu entsprechen, wurde die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung entwickelt. Diese enthält wiederum als eine der wichtigsten Größen das Bruttoinlandsprodukt. Jenes dient vorrangig als Indikator für das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft, als Grundlage zur Berechnung weiterer Kennzahlen und vermehrt auch als Indikator für den Wohlstand einer Gesellschaft. Ob letzteres angemessen ist, soll den Diskussionsmittelpunkt dieser Hausarbeit darstellen.

Entsprechende Recherchearbeiten begrenzten sich im Wesentlichen auf die Datenbank des Statistischen Bundesamtes, sowie das Internet, da dies einen Zugriff auf aktuelle Studien und Berichte ermöglicht. Um eine gewisse Aktualität zu gewährleisten, lag die Fokussierung auf solchen Quellen, welche nach Möglichkeit nicht älter als fünf Jahre sind.

3 Der Begriff Bruttoinlandsprodukt

„Eine zentrale Größe der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Es ist ein Maß für die in einem bestimmten Zeitraum in einer Volkswirtschaft erbrachte gesamtwirtschaftliche Leistung.“ (Mucha, 13, S. 1)

Diese Größe entsteht durch die Addition des Geldwertes aller Dienstleistungen und Waren, welche im Zeitraum eines Jahres innerhalb einer Volkswirtschaft, genauer innerhalb der Landesgrenzen selbiger, produziert wurden (Vgl. Stubenrecht, 2011, S. 353). Daher also die Bezeichnung „Inlandsprodukt“. Aufgrund der Tatsache, dass Wertminderungen von Anlagegütern zunächst nicht subtrahiert werden, spricht man hier von einer „Brutto“-Größe. Die Bewertung der Güter1 erfolgt grundsätzlich zu Marktpreisen. Sofern diese jedoch nicht gegeben sind, findet die Bewertung zu Herstellungskosten2 statt. (Vgl. Suntum, 2012, S. 21) Ohne bereits an dieser Stelle genauer auf die Berechnungsweise des BIP einzugehen, lässt sich jedoch grundsätzlich festhalten, dass hierbei die monetäre Betrachtungsweise der Leistung einer Volkswirtschaft innerhalb eines Jahres im Mittelpunkt steht.

4 Bedeutung des BIP

Um die Rolle des BIP zu verdeutlichen, ist eine Einordnung dessen in die VGR erforderlich. Hierzu soll diese kurz in ihren wesentlichen Grundzügen dargestellt werden. Weiterhin sollten zwei wichtige verwandte Größen des BIP, das Nettonationaleinkommen sowie das Nettoinlandsprodukt, Erläuterung finden. Zunächst soll jedoch zur gedanklichen Auseinandersetzung in einigen Sätzen auf die Frage eingegangen werden, wozu wir überhaupt Wachstum brauchen, schließlich steht der Wachstumsbegriff in engem Zusammenhang mit dem des BIP und trägt so zur Klärung der Bedeutung Letzterem einen wesentlichen Anteil bei.

4.1 Wozu Wachstum?

Das Wachstum unserer Wirtschaft wird immer wieder als Begründung politischer Maßnahmen und Entscheidungen verwendet. Auf der Suche nach den Argumenten, zu welchem Zweck wir Wachstum überhaupt brauchen, stößt man im Wesentlichen auf die folgenden vier Argumente:

- Wirtschaftswachstum ermögliche eine Angleichung des Einkommensniveaus, ohne den Wohlhabenderen unseres Landes etwas von ihrem Vermögen entziehen zu müssen;
- Ohne Wachstum finde ein Rückgang unseres Lebensstandards statt;
- Nur durch mehr Wachstum seien wir in der Lage, die steigenden Kosten der sozialen Sicherungssysteme finanzieren zu können;
- Mehr Wachstum führe zu einer besseren Beschäftigungssituation;
- Sowie: Wirtschaftswachstum sei wesentliche Stütze der machtpolitischen Stellung unseres Staates. (Vgl. Prof. Dr. Hirata, 2012, S. 14-22)

Die Auseinandersetzung mit der Frage, ob diese Begründungen nun konsistent sind oder widerlegbar, soll an dieser Stelle nicht stattfinden. Sie sollen lediglich als Hilfe zur gedanklichen Einordung der Priorität des Wirtschaftswachstums und einhergehend damit des BIP als Wachstumsindikator dienlich sein.

4.2 Kurze Erläuterung zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ist Teil der Makroökonomie3 und vereinnahmt eine enorm wichtige Rolle bei der Beobachtung der Wirtschaftsaktivitäten eines Landes. Wesentliche Bestandteile der VGR sind Inlandsproduktberechnung, Input- Output- Rechnung, Vermögensrechnung, Erwerbstätigenrechnung, Arbeitsvolumenrechnung, sowie die Finanzierungsrechnung. (Vgl. Statistisches Bundesamt, 2014, S. 3)

4.2.1 Verwendung von Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

Unter anderem stellt die Aufbereitung volkswirtschaftlicher Daten zu dispositiven Zwecken eine der Aufgaben der VGR dar. Verwendet werden die Ergebnisse der VGR besonders in der Politik. Hierbei insbesondere in den Bereichen Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik, sowie Sozialpolitik. Aber auch für Verwaltung und Wirtschaft stellt die VGR wichtiges Zahlenmaterial als Grundlagen für wichtige Entscheidungen bereit. Darüber hinaus sind aber auch Medien, Universitäten, sowie internationale Organisationen wie die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) an den Veröffentlichungen der VGR interessiert (Vgl. Statistisches Bundesamt, 2014, S. 4). Ein praktisches Beispiel für die Verwendung der Informationen, welche im Rahmen der VGR gewonnen werden, ist der Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt. Hierbei tragen diese zur Kontrolle und Umsetzung des EU-Stabilitätspaktes bei.

4.3 Wichtige Kennzahlen in Zusammenhang mit dem BIP

Um die Bedeutung des BIP zu erläutern, besonders im Hinblick auf die Frage, ob dieses geeigneter Indikator für Prosperität sein kann, sollten folgende Kennzahlen Erwähnung finden. Insbesondere aus dem Grund, da durch deren Betrachtung deutlich wird, dass das BIP sehr wohl in gewisser Hinsicht wichtiger Indikator ist.

4.3.1 Nettoinlandsprodukt

Bei der Berechnung des BIP werden Wertminderungen durch die Abnutzung von Anlagegütern nicht mitberücksichtigt. Diese Aufgabe erfüllt das Nettoinlandsprodukt, wobei hierbei die Höhe des Wertverlustes an Anlagegütern geschätzt wird. Das Nettoinlandsprodukt spielt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle, da es die Grundlage des Nettonationaleinkommens darstellt und letzteres gemäß Suntum die Kennzahl darstellt, welche bevorzugt als Indikator für Prosperität zur Hilfe genommen werden kann (Vgl. Suntum, 2012, S. 19).

4.3.2 Nettonationaleinkommen

Das Nationaleinkommen wird sowohl als Brutto-, als auch als Netto-Wert errechnet. Im Kontext von Wohlstandsindikatoren scheint es jedoch sinnvoll, sich an dieser Stelle auf das Nettonationaleinkommen zu konzentrieren, da der Nettobetrag als sinnvollere Größe erscheint, sofern die Betrachtung der finanziellen Situation von Bürgern eines Landes handelt, also der Staatshaushalt hierbei unbeachtet bleiben soll. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Nettoinlandsprodukt und Nettonationaleinkommen besteht darin, dass bei ersterem die Auslandseinkommen von Inländern nicht berücksichtigt werden. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass zur Errechnung des Nettonationaleinkommens die Einkommen, welche Firmen oder Personen zugehörig sind, welche ihren Wohnsitz nicht in Deutschland haben, abgezogen werden. Durch diese ergänzenden Rechenoperationen wird aus dem BIP eine relativ verlässliche Wohlstandskennzahl. Werden nun beide Kennzahlen über einen längeren Zeitraum miteinander verglichen, stellt sich heraus, dass der Unterschied verhältnismäßig gering ausfällt. Somit wird hierdurch deutlich, dass das BIP sehr wohl der Aufgabe als Messgröße für Wohlstand gerecht wird (Vgl. Suntum, 2012, S. 19-20).

4.4 Zusammenfassung

In diesem Kapitel wurde zu Beginn die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung grundlegend eingeordnet. Im Anschluss daran wurden Nettoinlandsprodukt und Nettonationaleinkommen als verwandte Größen des BIP erläutert.

5 Wie und wann wird das BIP berechnet

Bezüglich des BIP lassen sich drei Berechnungen differenzieren: Die Entstehungsrechnung, Verwendungsrechnung, sowie die Verteilungsrechnung. Mit diesen drei Betrachtungsweisen des BIP sollen folgende Fragen beantwortet werden: Wie ist das BIP entstanden, wofür wurde es verwendet und wie lässt sich das Volkseinkommen auf Lohn und Gewinneinkommen aufteilen (Vgl. Wünsche, 2006, S. 90-92). Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass in Deutschland letztere Art der Berechnung bei der Ermittlung des BIP keine Anwendung findet, da laut statistischem Bundesamt die erforderlichen Basisdaten nicht vorhanden sind (Vgl. Statistisches Bundesamt, 2014, S. 8). Dennoch soll die Verteilungsrechnung im folgenden Abschnitt grob dargestellt werden. Zunächst jedoch soll sich kurz der Frage angenommen werden, woher die Daten zur BIP-Berechnung stammen.

5.1 Woher stammen die Daten ?

Gemäß Statistischem Bundesamt stammen die Daten der VGR unter Anderem von administrativen Institutionen. Als Beispiele seien hier die Bundesagentur für Arbeit und das Finanzamt genannt. Aber auch Jahresabschlüsse großer Unternehmen, deren Statistiken, sowie Haushaltsbefragungen stellen eine Quelle für die Daten der VGR dar (Vgl. Statistisches Bundesamt, 2014, S. 5). Es kann folglich konstatiert werden, dass eine diversifizierte Datenerhebung sichergestellt ist.

5.2 Entstehungsrechnung

Bei der Entstehungsrechnung steht, wie bereits zuvor genannt, die Frage im Mittelpunkt, wie die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft, also das BIP entstanden ist. (Vgl. Wünsche, 2006, S. 90). Hierfür werden zur Berechnung, vom akkumulierten Wert aller Waren und Dienstleistungen aller Wirtschaftseinheiten, alle sogenannten Vorleistungen4 subtrahiert. Weiterhin werden entrichtete Gütersteuern hinzugerechnet, sowie getätigte Subventionen subtrahiert (Vgl. Statistisches Bundesamt, 2014, S. 8). Es folgt als Beispiel die Berechnung des BIP nach der Entstehungsrechnung von 2005:

Abb. 1 (Statistisches Bundesamt, 2015, S. 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Bei Gütern handelt es sich in diesem Zusammenhang sowohl um Waren, als auch um Dienstleistungen.

2 Herstellungskosten sind solche Aufwendungen, welche bei der Herstellung, Erweiterung oder wesentlichen Verbesserung eines Vermögensgegenstandes entstehen(Vgl. Schneck, 2011, S.468).

3 Hierbei handelt es sich um einen Bereich der Wirtschaftstheorie, dessen Forschungsgebiet die Ermittlung gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge umfasst (Vgl. Stubenrecht, 2011, S. 1150).

4 Als Vorleistungen gelten unter anderem: Hilfs-, Roh-, sowie Betriebsstoffe.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Das Bruttoinlandsprodukt. Ist das BIP ein geeigneter Indikator für den Wohlstand einer Gesellschaft?
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V294605
ISBN (eBook)
9783656924005
ISBN (Buch)
9783656924012
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
BIP, Bruttoinlandsprodukt, VGR, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Nettoinlandsprodukt, Nettonationaleinkommen, Entstehungsrechnung, Verwendungsrechnung, Verteilungsrechnung, BIP als Wohlstandsindikator, Bruttoinlandsprodukt als Wolstandsindikator, Kritik am BIP, Kritik am Bruttoinlandsprokukt, alternative Wohlstandsindikatoren, Human Development Index, Nationaler Wohlfahrtsindex
Arbeit zitieren
Jonathan Bock (Autor), 2015, Das Bruttoinlandsprodukt. Ist das BIP ein geeigneter Indikator für den Wohlstand einer Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294605

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