Die vorliegende Bachelorarbeit entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung „2013S 230108-1 Soziale Ungleichheit - Theorien, Konzepte, Diagnosen“ und versucht die Faktoren soziale Herkunft, Sprachkenntnisse, Migrationsstatus und Geschlecht bezüglich deren Einfluss auf den höchsten Bildungsabschluss in Österreich zu analysieren.
Die Arbeit beginnt mit einem historischen Überblick über die Entwicklung des österreichischen Schulsystems bis zur Gegenwart. Danach wird der derzeitige Forschungsstand bezüglich dieser Faktoren erläutert und dargestellt.
Den dritten Block bildet die Forschungsfrage mitsamt den Hypothesen und im letzten Block werden diese Hypothese anhand des Gender and Generations Survey 2008/9 der ersten Welle für Österreich überprüft.
Diese Arbeit fußt auf dem Erkenntnisinteresse der Situation bezüglich des Bildungssystems in Österreich, da es sehr viel Datenmaterial für Deutschland und größere Länder gibt. Es scheint, als wäre Österreich für Studien zu unbedeutend klein. Es wurden zahlreiche qualitative Studien im Bereich von Diplomarbeiten über einzelne Schulen in Österreich im Zusammenhang mit Bildung durchgeführt, aber größer angelegte Studien gibt es nur vereinzelt von den verschiedenen Ministerien.
Aus diesem Grund war es interessant, die Faktoren auf das Bildungssystem zu prüfen und zu deuten, wie sie sich auf die höchste abgeschlossene Bildung der Personen, die in Österreich leben, auswirken.
Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Christian Dörr, ein Student der Soziologie.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Bildungssystem von Österreich auf den Punkt gebracht
2.1 Die historische Entwicklung des Bildungswesens
2.1.1 Mittelalter
2.1.2 Beginn der Neuzeit – Renaissance & Humanismus
2.1.3 16. bis 17. Jahrhundert
2.1.4 Kaiserin Maria Theresia: „Das Schulwesen ist und bleibt allzeit ein Politikum“
2.1.5 Das Revolutionsjahr 1848 bringt eine Reorganisation des Schulsystems
2.1.6 Das Ende des 1. Weltkrieges brachte eine weitere Wende im Schulsystem
2.1.7 Die Zweite Republik schaffte den Grundstein des heutigen Schulsystems
2.1.8 Die Regierungsprogramme 2007 und 2008 stellen den Status quo aufseiten der Bildung dar.
2.2 Die Gliederung des derzeitigen Bildungssystems in Österreich
2.2.1 Die Primarstufe des österreichischen Bildungssystems
2.2.2 Die Sekundarstufe 1
2.2.3 Die Sekundarstufe II
2.2.4 Postsekundar- & Tertiärstufe
3 Der Stand der Dinge: Faktoren, die die Bildung in Österreich beeinflussen
3.1 Soziale Herkunft
3.1.1 Geschlecht
3.1.2 Bildungsabschlüsse der Eltern
3.2 Deutschkenntnisse
3.3 Migrationsstatus
4 Forschungsfrage und Hypothesen
4.1 Je höher die soziale Herkunft, desto höher ist der Bildungsabschluss
4.2 Frauen erzielen höhere Bildungsabschlüsse als Männer
4.3 Je höher die Bildung der Eltern, desto höher ist der Bildungsabschluss ihres Kindes
4.4 Die Alltagssprache Deutsch beeinflusst den höchsten Bildungsabschluss in Österreich
4.5 Personen mit Migrationshintergrund erzielen niedrigere Bildungsabschlüsse als ÖsterreicherInnen ohne Migrationshintergrund
5 Methodisches Vorgehen und verwendetes Datenmaterial
5.1 Analyse der genannten Hypothesen erfolgte mithilfe des GGS-Datensatzes
5.2 Vorstellung des Gender and Generation Survey Datensatzes
5.3 Methodisches Vorgehen und Grundsatzentscheidung
6 Datenauswertung und Überprüfung der Hypothesen
6.1 Vorstellung der Prüfvariablen „Höchste abgeschlossene Bildung“
6.2 Je höher die soziale Herkunft, desto höher ist der Bildungsabschluss
6.3 Frauen erzielen höhere Bildungsabschlüsse als Männer
6.4 Je höher die Bildung der Eltern, desto höher ist der Bildungsabschluss ihres Kindes
6.5 Die Alltagssprache Deutsch beeinflusst den höchsten Bildungsabschluss in Österreich
6.6 Personen mit Migrationshintergrund erzielen niedrigere Bildungsabschlüsse als Personen ohne Migrationshintergrund in Österreich
7 Zusammenfassung der Ergebnisse
8 Fazit und Kritik
10 Anhang
10.1 Rekodierungen
10.1.1 Alltagsprache Deutsch Ja/Nein
10.1.2 Migrationshintergrund Ja/Nein
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss sozioökonomischer und kultureller Faktoren – namentlich soziale Herkunft, Geschlecht, Bildung der Eltern, Alltagssprache und Migrationsstatus – auf den höchsten Bildungsabschluss von Personen in Österreich. Ziel ist es, die Hypothese der Chancengleichheit im österreichischen Bildungssystem anhand einer quantitativen Analyse zu überprüfen.
- Analyse historischer Entwicklungen des österreichischen Schulwesens.
- Untersuchung der Bedeutung der sozialen Herkunft für den Bildungserfolg.
- Evaluation geschlechtsspezifischer Unterschiede bei Bildungsabschlüssen.
- Einfluss von Alltagssprache und Migrationsstatus auf Schullaufbahnen.
- Empirische Überprüfung von Hypothesen mittels GGS-Datensatz.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Geschlecht
Jungen schneiden im Vergleich zu Mädchen im Bildungssystem auf die breite Masse ausgelegt deutlich schlechter ab. Ebenso werden Mädchen häufiger als Jungen vorzeitig eingeschult und weniger häufig verspätet eingeschult. Diese Tatsache allein wirkt sich auf den Bildungsabschluss von Jungen aus, da Kinder, welche bei der Einschulung ein Jahr zurückgestellt werden, statistisch gesehen geringere Chancen haben, in das Gymnasium überzuwechseln. Diese Tatsache gilt ebenso für SchülerInnen, die in der Grundschule eine Klasse wiederholen mussten. Zudem ist die Gruppe der WiederholerInnen bei Schülern deutlich höher als bei Schülerinnen. Schüler bleiben als deutlich häufiger „sitzen“ als Schülerinnen und dürfen eine Ehrenrunde drehen. (vgl. Benedik 2014, S.54) Mädchen erhalten ebenso auf die Gesamtzahl der SchülerInnen gesehen eher eine Empfehlung für den Besuch einer höheren Schullaufbahn als Jungen und besuchen dementsprechend deutlich häufiger ein Gymnasium. Diese Aussagen wurden im deutschen Bildungssystem erforscht und belegt. (vgl. Diefenbach 2010b, S.248f)
Gezeigt wurde auch anhand der PISA-Studie für Deutschland, dass bei Mädchen und Jungen in der Beurteilung des Leistungsniveaus im Fach Mathematik unterschiedliche Maßstäbe herangezogen werden. Jungen wurden deutlich häufiger unterbewertet in der Notengebung und Mädchen deutlich häufiger überbewertet im Vergleich zu ihrer Note im Fach Mathematik. Dies erklärt auch, dass Jungen deutlich häufiger Klassen wiederholen müssen als Mädchen laut Diefenbach. (vgl. Diefenbach 2010b, S.249f)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit stellt die Forschungsfrage nach den Einflussfaktoren auf den Bildungsabschluss in Österreich und skizziert das methodische Vorgehen.
2 Das Bildungssystem von Österreich auf den Punkt gebracht: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss des Schulwesens und beschreibt die aktuelle Gliederung und Struktur des österreichischen Bildungssystems.
3 Der Stand der Dinge: Faktoren, die die Bildung in Österreich beeinflussen: Es werden theoretische Grundlagen und der Forschungsstand zu den Faktoren soziale Herkunft, Geschlecht, Elternbildung, Deutschkenntnisse und Migrationsstatus dargelegt.
4 Forschungsfrage und Hypothesen: Basierend auf den vorherigen Erkenntnissen werden die spezifischen Hypothesen für die quantitative Untersuchung formuliert.
5 Methodisches Vorgehen und verwendetes Datenmaterial: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl und Nutzung des GGS-Datensatzes sowie die angewandten bivariaten Analysemethoden.
6 Datenauswertung und Überprüfung der Hypothesen: Die empirischen Ergebnisse werden präsentiert, um die aufgestellten Hypothesen statistisch zu prüfen und zu interpretieren.
7 Zusammenfassung der Ergebnisse: Die zentralen Erkenntnisse der Arbeit werden zusammengefasst und die Chancengleichheit als widerlegt bewertet.
8 Fazit und Kritik: Das Kapitel bietet ein abschließendes Resümee sowie eine kritische Reflexion des quantitativen Forschungsdesigns und der Datenbasis.
Schlüsselwörter
Bildungssystem Österreich, Soziale Herkunft, Bildungsabschluss, Geschlecht, Migration, Alltagssprache, GGS-Datensatz, Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit, Schullaufbahn, Elternbildung, Quantitative Analyse, Bildungsungleichheit, Schulsystem, Statistik Austria.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht die Einflussfaktoren auf den höchsten Bildungsabschluss von Menschen in Österreich und hinterfragt dabei kritisch die Realität der Chancengleichheit im Bildungssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Einfluss von sozialer Herkunft, dem Geschlecht, der Bildung der Eltern, der Alltagssprache sowie dem Migrationsstatus auf den individuellen Bildungserfolg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, welche Faktoren abseits der persönlichen Begabung maßgeblich den Bildungsabschluss bestimmen und ob diese statistisch signifikant nachweisbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein quantitatives Design und wertet den "Gender and Generation Survey" (GGS) 2008/9 durch bivariate Analysen wie Korrelationen und Kreuztabellen aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse des Bildungssystems, die theoretische Darstellung relevanter Faktoren und die anschließende empirische Überprüfung der Hypothesen mit den GGS-Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind soziale Ungleichheit, Bildungsbeteiligung, Migrationshintergrund, Schichtzugehörigkeit, Bildungsabschluss und das österreichische Bildungssystem.
Wie wirkt sich laut der Arbeit das Geschlecht auf den Bildungserfolg aus?
Die Analyse zeigt, dass Frauen im Durchschnitt höhere Bildungsabschlüsse erzielen als Männer und bei tertiären Abschlüssen dominieren, während Männer häufiger in Bildungsschienen ohne Matura verbleiben.
Welche Bedeutung hat die Alltagssprache für den Bildungserfolg?
Die Arbeit identifiziert die Alltagssprache als signifikanten Faktor; Personen mit nicht-deutscher Alltagssprache weisen ein deutlich höheres Risiko auf, die Ausbildung mit einem niedrigeren Bildungsabschluss zu beenden.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der Chancengleichheit?
Die Chancengleichheit im österreichischen Bildungssystem wird aufgrund der nachgewiesenen starken Korrelationen zwischen sozioökonomischen Faktoren und Bildungsabschlüssen als widerlegt angesehen.
Welche Rolle spielt das Elternhaus?
Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen der Bildung der Eltern und dem Bildungserfolg ihrer Kinder, was auf eine generationenübergreifende Verfestigung des Bildungsstatus hindeutet.
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- Christian Dörr (Author), 2014, Wovon hängt die höchste abgeschlossene Bildung in Österreich ab?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294610