„Das internationale Umfeld, in dem die deutsche Wirtschaft agiert, hat sich in den letzten Jahren verändert. Der internationale Wettbewerb ist schärfer geworden.“
Mit diesen Worten machte der damalige Bundespräsident Johannes Rau 2002 in seiner Rede „Globalisierung - Chance nicht Schicksal“ auf die fortschreitende Internationalisierung der Märkte und die damit verbundenen Veränderungen aufmerksam. Dabei stellt er neben den Chancen auch Risiken für deutsche Unternehmen dar. Das globale Geschäft bringt Kurs-, Zins- und Währungsrisiken mit sich. Der internationale Wettbewerb führt dazu, dass diese Risiken durch derivative Sicherungsinstrumente (SI) kontrolliert werden müssen.
Bewertungseinheiten aus eben diesen SI und einem Grundgeschäft (GG) wurden in der Vergangenheit aus den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Buchführung (GoB) hergeleitet. Mit dem Inkrafttreten des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) am 29. Mai 2009 regelt § 254 HGB n.F. erstmals die Bildung von Bewertungseinheiten (BWE).
Das Hauptziel dieser Seminararbeit ist es, die Bilanzierung von BWE nach BilMoG umfassend darzustellen und die wesentlichen Veränderungen zu der Herleitung aus den GoB herauszuarbeiten. Zusätzlich werden Besonderheiten in der Handhabung von BWE in der Bankbilanzierung dargestellt.
Zunächst werden der Begriff und die Grundidee der Bildung von BWE sowie die Voraussetzungen für die Bildung genau erläutert. Anschließend wird eine Abgrenzung zur Herleitung aus den GoB vorgenommen. Darauf wird ein Vergleich der beiden, vom Gesetzgeber vorgeschriebenen, Methoden zur Bilanzierung von BWE folgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Vorgehensweise
2. Grundidee der Bildung von Bewertungseinheiten
2.1. Grundgeschäfte
2.2. Sicherungsgeschäfte
2.3. Bestandteile von Bewertungseinheiten
2.4. Arten von Bewertungseinheiten
2.4.1. Micro-Hedge
2.4.2. Portfolio-Hedge
2.4.3. Macro-Hedge
3. Bildung von Bewertungseinheiten nach HGB a.F.
4. Bildung von Bewertungseinheiten nach BilMoG
4.1. Sicherungsabsicht
4.2. Sicherungseignung
4.3. Sicherungswirksamkeit
4.4. Dokumentation
4.5. Steuerliche Konsequenzen
5. Bilanzielle Abbildung von Bewertungseinheiten
5.1. Einfrierungsmethode
5.2. Durchbuchungsmethode
5.3. Vergleich der Methoden
6. Bewertungseinheiten in der Bankbilanzierung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Bilanzierung von Bewertungseinheiten (BWE) gemäß dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) umfassend darzustellen, die wesentlichen Änderungen gegenüber der vorherigen Praxis auf Basis der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) herauszuarbeiten und Besonderheiten in der Bankbilanzierung aufzuzeigen.
- Bilanzierung von BWE nach BilMoG im Vergleich zu HGB a.F.
- Arten von BWE: Micro-, Portfolio- und Macro-Hedges
- Voraussetzungen für die Bildung von BWE (Sicherungsabsicht, Sicherungseignung, Wirksamkeit, Dokumentation)
- Bilanzielle Abbildungsmethoden (Einfrierungs- vs. Durchbuchungsmethode)
- Besonderheiten und Spielräume für Kreditinstitute
Auszug aus dem Buch
5.1. Einfrierungsmethode
Bei dieser Bilanzierungsmethode wird der effektive Teil der Sicherungsbeziehung in einer Nebenrechnung erfasst. Es gibt keine bilanzielle Auswirkung. Die gegenläufigen Wertentwicklungen werden in dieser Nebenrechnung miteinander verrechnet. Nur der Wertänderungssaldo wird nach dem Imparitätsprinzip erfasst. Somit räumt das Gesetz dem Bilanzierenden eine Ausnahme bezüglich der handelsrechtlichen Vorschriften für den effektiven Teil der BWE ein.
In dem Beispiel wird die Forderung zu einem festgelegten Terminkurs von 1,31 $/€ abgesichert und muss mit diesem Kurs bilanziert werden. Die Differenz zwischen dem eingefrorenen Terminkurs und den entstandenen Umsatzerlösen wird als sonstiger betrieblicher Aufwand erfasst, da die Forderung zu dem Zeitpunkt bei einem Kurs von 1,2887 $/€ zu bilanzieren wäre. Am 31.01.2013 zahlt der Kunde 1 Mio. US-$. Zudem werden die Zahlungsströme aus dem Termingeschäft getauscht. Durch das SI werden dem Unternehmen 763.389 € gezahlt. Somit ergeben sich für den Bilanzierenden mit der Einfrierungsmethode folgende Buchungssätze:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung der Risikokontrolle durch derivative Finanzinstrumente und skizziert die Zielsetzung sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Grundidee der Bildung von Bewertungseinheiten: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe der Bewertungseinheit, insbesondere die Rollen von Grund- und Sicherungsgeschäften sowie deren verschiedene Hedge-Arten.
3. Bildung von Bewertungseinheiten nach HGB a.F.: Hier wird erläutert, wie Bewertungseinheiten trotz restriktiver Grundsätze wie dem Einzelbewertungs- und Realisationsprinzip bereits vor dem BilMoG in der Praxis gebildet wurden.
4. Bildung von Bewertungseinheiten nach BilMoG: Dieses Kapitel behandelt die gesetzliche Kodifizierung der Bewertungseinheiten sowie die Anforderungen an Sicherungsabsicht, Eignung, Wirksamkeit und Dokumentation.
5. Bilanzielle Abbildung von Bewertungseinheiten: Es werden die zwei zentralen Methoden – Einfrierungs- und Durchbuchungsmethode – detailliert anhand eines Praxisbeispiels zur Wechselkursabsicherung erläutert und verglichen.
6. Bewertungseinheiten in der Bankbilanzierung: Dieses Kapitel erläutert die spezifischen Vorteile und Wahlrechte, die das BilMoG Kreditinstituten bei der Aggregation von Risiken und der Abbildung von Bewertungseinheiten bietet.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und betont die Rolle von Bewertungseinheiten als Instrument der Bilanzpolitik unter Beibehaltung des Stetigkeitsgrundsatzes.
Schlüsselwörter
Bewertungseinheiten, BilMoG, HGB, Sicherungsgeschäft, Grundgeschäft, Micro-Hedge, Portfolio-Hedge, Macro-Hedge, Einfrierungsmethode, Durchbuchungsmethode, Bilanzpolitik, Risikomanagement, derivative Finanzinstrumente, Bankbilanzierung, Bilanzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die bilanzielle Behandlung von Bewertungseinheiten unter Berücksichtigung der Neuregelungen durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die gesetzliche Verankerung von Bewertungseinheiten, die Unterscheidung verschiedener Sicherungsinstrumente sowie die Methoden zur bilanziellen Erfassung von Risikokompensationen.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt nach der bilanziellen Auswirkung von Bewertungseinheiten nach BilMoG und arbeitet die Veränderungen gegenüber der bisherigen Praxis heraus.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive Analyse der gesetzlichen Bestimmungen vorgenommen, ergänzt durch einen rechnerischen Vergleich der Einfrierungs- und Durchbuchungsmethode anhand eines praxisnahen Beispiels.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Bewertungseinheiten, deren historische Herleitung, die spezifischen Anforderungen des § 254 HGB n.F. und die detaillierte Darstellung der Bilanzierungsmethoden.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Bewertungseinheiten, BilMoG, Hedge-Beziehungen (Micro, Portfolio, Macro), sowie die Einfrierungs- und Durchbuchungsmethode.
Worin liegt der Unterschied zwischen der Einfrierungs- und Durchbuchungsmethode?
Bei der Einfrierungsmethode wird der effektive Teil in einer Nebenrechnung erfasst, während bei der Durchbuchungsmethode alle Wertänderungen in der Bilanz und GuV direkt dargestellt werden.
Welche Rolle spielt das Risikomanagementsystem für die Bildung einer BWE?
Unternehmen können Risikomanagementsysteme nutzen, um die Wirksamkeit der Sicherungsbeziehung zu beurteilen und somit die Voraussetzungen für die Bildung einer Bewertungseinheit zu erfüllen.
Gibt es für Banken eine Pflicht zur Bildung von Bewertungseinheiten?
Nein, auch für Banken stellt die Regelung des BilMoG lediglich eine Option und kein Zwang dar, um Risiken aggregiert abzubilden.
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- Lisa Marie Schmidt (Author), 2014, Bewertungseinheiten. Status quo nach BilMoG in der Bankbilanzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294633