Diese Studienarbeit wird auf der Basis des 4C/ID-Modells van Merriënboers den Entwurf eines Blueprint (Lehrplanentwurf) für einen Bildungswissenschaftler aufzeigen, der mit der Aufgabe betraut ist, Leiter von Bildungseinrichtungen in der Zielkompetenz „Eine neue Mitarbeiterstelle besetzen“ zu schulen. Dies ist nur als eine exemplarische Anwendung des Modells zu verstehen, welche methodisch in der Durchführung gleichermaßen auf andere Zielkompetenzen zuträfe. [...]
Einleitend werden im theoretischen Exkurs die Ansätze der Allgemeinen Didaktik und des Instruktionsdesigns bezüglich ihrer Entwicklung in Deutschland und ihrer markanten Unterschiede gegenüber gestellt. Darüber hinaus wird die Theorie der „Zone der nächsten Entwicklung“ von Lew S. Vygotskij als bedeutsame Bezugstheorie des 4C/ID-Modells identifiziert, bevor Merriënboers Modell in der hierarchischen Kompetenzanalyse und der Erstellung von Aufgabenklassen exemplarische Anwendung findet. Darauf aufbauend folgen eingefasst in Lernszenarien dessen vier Komponenten: die Entwicklung einer Sequenz aus Lernaufgaben, konkrete unterstützende und prozeduale Informationen sowie Part-task practice. Anschließend sollen Möglichkeiten der Umsetzung von Lernaufgaben im Rahmen der didaktischen Szenarien Fallmethode und „Famulatur“ diskutiert und Aussagen zum Grad der „Fidelity“ getroffen werden. Im Fazit beschäftigt sich die Studienarbeit mit der Verortung der Elemente des dargestellten 4C/ID-Entwurfes im ADDIE-Phasenmodell sowie einer Stärken-Schwächen-Abschätzung dieses Blueprints.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 4C/ID-Modell
1.3 Szenario
1.4 Überblick
2 Theoretischer Exkurs
2.1 Pfadabhängigkeit
2.2 Unterschied zwischen Didaktik und Instruktionsdesign
2.3 Bezugstheorie des 4C/ID-Modells
3 Hierarchische Kompetenzanalyse
3.1 Hierarchiefunktion
3.2 Hierarchieerstellung
3.3 (Non-)Rekurrente Fertigkeiten
4 Bildung von Aufgabenklassen
4.1 Funktion
4.2 Vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen
5 Entwicklung von Lernaufgaben
5.1 Lernaufgaben
5.2 Variabilität
5.3 Mediale Umsetzung
6 Prozedurale und unterstützende Informationen
6.1 Unterstützende Informationen
6.2 Prozedurale Informationen:
7 Part-task practice
8 Didaktische Szenarien
8.1 Fallmethode und “Famulatur”
8.2 Fidelity
9 Fazit
9.1 Verortung im ADDIE-Phasenmodell
9.2 Stärken-Schwächen-Abschätzung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, basierend auf dem 4C/ID-Modell von van Merriënboer einen Lehrplanentwurf (Blueprint) zu erstellen, der Leiter von Bildungseinrichtungen in der komplexen Zielkompetenz „Eine neue Mitarbeiterstelle besetzen“ schult. Dabei steht die Anwendung kompetenzbasierten Lernens in authentischen Kontexten im Vordergrund, um die Professionalisierung des Personalauswahlprozesses unter Berücksichtigung verschiedener Rahmenbedingungen zu ermöglichen.
- Anwendung des 4C/ID-Modells zur Gestaltung komplexer Lernumgebungen.
- Hierarchische Kompetenzanalyse für den Prozess der Personalrekrutierung.
- Sequenzierung von Lernaufgaben durch Aufgabenklassen und Scaffolding.
- Vergleich didaktischer Szenarien wie Fallmethode und „Famulatur“.
- Evaluation der Praxistauglichkeit des Entwurfs im ADDIE-Phasenmodell.
Auszug aus dem Buch
1.2 4C/ID-Modell
Eines der am häufigsten in der Ausbildung von Bildungswissenschaftlern eingesetzten Instrumente ist das Four-Components Instructional Design System, welches 1997 von Jeroen J.G. van Merriënboer vorgestellt und von ihm speziell für das Training von komplexen kognitiven Fertigkeiten entwickelt wurde. Kern des 4C/ID-Modells ist das situative Lernen über umfassende, authentische Problemstellungen, so dass Lerninhalte möglichst realistisch widergegeben werden. Instructional Design (ID) bezeichnet hierbei „die systematische Vorgehensweise zur Gestaltung und Entwicklung von Lernumgebungen. Ziel ist es, absichtsvolles Lernen im Unterschied zum beiläufigen (inzidentellem) Lernen zu fördern.“ (Bastiaens, Deimann, Schrader, & Orth, 2013, S. 31). Laut diesem Modell benötigt das Lernen komplexer Fähigkeiten vier in Wechselwirkung stehende Komponenten: Lernaufgaben, Unterstützende Informationen, Just-in-Time-Information und Part-Task practice. Durch umfangreiche Analysetätigkeiten sowie Strukturierungen umfasst die Erarbeitung dieser Komponenten zehn Schritte, wobei in dieser Arbeit aufgrund der Vorgaben nicht alle Schritte aufgezeigt werden. Der Transfer der eingeübten Fertigkeiten auf andere Situationen ist eine der Stärken des Modells (van Merriënboer et al., 2002, S. 40 f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Zielsetzung der Arbeit dar, das 4C/ID-Modell kurz vor und beschreibt das gewählte Szenario sowie den inhaltlichen Aufbau der Ausarbeitung.
2 Theoretischer Exkurs: Hier werden Grundlagen wie die Pfadabhängigkeit, Unterschiede zwischen Didaktik und Instruktionsdesign sowie die Bezugstheorie der „Zone der nächsten Entwicklung“ erörtert.
3 Hierarchische Kompetenzanalyse: Das Kapitel erläutert die Zerlegung der Zielkompetenz in Teilfertigkeiten und die methodische Erstellung der Fertigkeitshierarchie sowie die Differenzierung in rekurrente und non-rekurrente Fertigkeiten.
4 Bildung von Aufgabenklassen: Es wird erklärt, wie Lernaufgaben zur Vermeidung von Überforderung in Aufgabenklassen sequenziert werden und welche instruktionalen Parameter dabei eine Rolle spielen.
5 Entwicklung von Lernaufgaben: Dieses Kapitel fokussiert auf die Gestaltung von Lernaufgaben unter Anwendung von Scaffolding-Prinzipien und die Variabilität der Problemstellungen für den Lerntransfer.
6 Prozedurale und unterstützende Informationen: Es wird beschrieben, wie supportive Informationen für non-rekurrente Fertigkeiten und Job-Aids (Prozedurale Informationen) für rekurrente Fertigkeiten konzipiert werden.
7 Part-task practice: Hier liegt der Schwerpunkt auf der Automatisierung wiederkehrender Teilfertigkeiten durch gezielte, repetierende Übungen.
8 Didaktische Szenarien: Die Fallmethode und die „Famulatur“ werden als Umsetzungsszenarien diskutiert und hinsichtlich ihres Grads an „Fidelity“ bewertet.
9 Fazit: Das letzte Kapitel verortet den Entwurf im ADDIE-Phasenmodell und schließt mit einer Stärken-Schwächen-Abschätzung des entwickelten Blueprints ab.
Schlüsselwörter
4C/ID-Modell, Instructional Design, Bildungswissenschaft, Kompetenzanalyse, Personalauswahl, Lernaufgaben, Aufgabenklassen, Scaffolding, Didaktische Szenarien, Fallmethode, Famulatur, Fidelity, ADDIE-Modell, Personalrekrutierung, Lehrplanentwurf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des 4C/ID-Modells von van Merriënboer zur Erstellung eines Lehrplanentwurfs für Bildungswissenschaftler, um Leiter von Bildungseinrichtungen in der Personalauswahl zu schulen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Instructional Designs, die hierarchische Analyse von Kompetenzen, die Strukturierung von Lernaufgaben und die Auswahl geeigneter didaktischer Szenarien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, einen praxisorientierten Blueprint zu entwickeln, der Leitern von Bildungseinrichtungen ermöglicht, Mitarbeiter professionell und kompetenzbasiert auszuwählen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die theoretischen Konzepte des 4C/ID-Modells und nutzt Methoden wie die hierarchische Kompetenzanalyse, die Bildung von Aufgabenklassen und die Konzeption von Lernumgebungen gemäß instruktionsdesign-theoretischer Prinzipien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Herleitung des Lehrplans, von der Kompetenzanalyse und Aufgabenklassifizierung über die Entwicklung der Lernaufgaben bis hin zur Diskussion didaktischer Umsetzungsformen wie der Fallmethode.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Begriffe sind 4C/ID-Modell, Instructional Design, Personalauswahl, Kompetenzbasierte Schulung, Scaffolding und Didaktische Szenarien.
Warum wurde das 4C/ID-Modell für diese spezifische Schulung gewählt?
Das Modell eignet sich besonders gut, da es komplexe, authentische Problemstellungen in den Fokus rückt und durch seine Komponentenstruktur (Lernaufgaben, unterstützende Informationen etc.) eine schrittweise Einübung der komplexen Kompetenz der Personalauswahl ermöglicht.
Inwieweit spielt das Szenario der "Famulatur" eine Rolle?
Die „Famulatur“ wird als ein High-Fidelity-Szenario diskutiert, das unter realen Bedingungen zur Perfektion von Kompetenzen führen kann, wobei die Arbeit kritisch prüft, ob eine solche intensive Praxisphase für diese spezifische, begrenzte Zielkompetenz ökonomisch sinnvoll ist.
- Citation du texte
- Annett Stelzer (Auteur), 2015, Das 4C/ID-Modell in der Anwendung. Bildungswissenschaftler schulen Leiter von Bildungseinrichtungen: „Eine neue Mitarbeiterstelle besetzen“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294678