„Die Bevölkerung erfährt über die Ergebnisse der Meinungsforschung in der Regel über
Massenmedien. Es ist daher anzunehmen, dass die Art und Weise, in der Umfrageergebnisse in den Medien dargestellt werden, eine wichtige Rolle im Meinungsbildungsprozess spielt.“ (Raupp 2007: 14)
In der Rubrik Zeitgeschehen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung werden in regelmäßigen Abständen die aufbereiteten Ergebnisse repräsentativer Bevölkerungsumfragen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen veröffentlicht. Die publizierten Beiträge decken ein breites Themenspektrum ab - von Fragen aus der Wirtschafts- oder Sozialpolitik bis hin zum Abbild der aktuellen Stimmungslage der Bevölkerung gegenüber den Parteien. Unabhängig von rasanten tagespolitischen Entwicklungen bietet dieses Format somit eine Möglichkeit, Öffentlichkeit für bestimmte Themenkomplexe zu generieren und der Meinungsforschung in Deutschland ein Forum zu bieten.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld der öffentlichen Meinung zwischen Individuum und Masse. Ziel dieser Arbeit ist es, die Probleme der Interpretation und Rezeption der Ergebnisse der Meinungsforschung in der breiten Öffentlichkeit und des einzelnen Individuums genauer zu analysieren. Konkret soll auf die Differenz zwischen der Mehrzahl als das Aggregat der singulären Meinungen und dem Singular, der Einstellung eines einzelnen Individuums, eingegangen werden. Anhand von Bevölkerungsumfragen zum deutsch-russischen Verhältnis wird versucht die Argumentationslinie zu unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
1 Demoskopie in der Öffentlichkeit
2 Das Spannungsfeld der öffentlichen Meinung
3 Empirischer Unterbau - Alle versus jeder
4 Ergebnis und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen bei der Interpretation und Rezeption von Umfrageergebnissen in den Massenmedien. Dabei steht insbesondere der Spannungszustand zwischen individuellen Einstellungen und der als aggregierte Masse dargestellten „öffentlichen Meinung“ am Beispiel des Russlandbildes der deutschen Bevölkerung im Fokus.
- Methodische Grundlagen der Demoskopie und deren mediale Aufbereitung
- Differenzierung zwischen individueller Meinung und Massenmeinung
- Kritische Analyse der Interpretation statistischer Daten in Zeitungsberichten
- Spannungsfeld zwischen Journalismus und sozialwissenschaftlicher Forschung
Auszug aus dem Buch
1 Demoskopie in der Öffentlichkeit
„Die Bevölkerung erfährt über die Ergebnisse der Meinungsforschung in der Regel über Massenmedien. Es ist daher anzunehmen, dass die Art und Weise, in der Umfrageergebnisse in den Medien dargestellt werden, eine wichtige Rolle im Meinungsbildungsprozess spielt.“ (Raupp 2007: 14)
In der Rubrik Zeitgeschehen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung werden in regelmäßigen Abständen die aufbereiteten Ergebnisse repräsentativer Bevölkerungsumfragen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen veröffentlicht. Die publizierten Beiträge decken ein breites Themenspektrum ab - von Fragen aus der Wirtschafts- oder Sozialpolitik bis hin zum Abbild der aktuellen Stimmungslage der Bevölkerung gegenüber den Parteien. Unabhängig von rasanten tagespolitischen Entwicklungen bietet dieses Format somit eine Möglichkeit, Öffentlichkeit für bestimmte Themenkomplexe zu generieren und der Meinungsforschung in Deutschland ein Forum zu bieten.
Die Grundlage dieser Beiträge liefern die vom Institut für Demoskopie Allensbach (IfD Allensbach) erhobenen Daten aus Bevölkerungsumfragen. Anhand dieser werden in Kooperation mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sogenannte FAZ-Monatsberichte erstellt und veröffentlicht. In diesen werden von den Experten des IfD Allensbach aktuelle Umfrageergebnisse und politische Trends genauer beleuchtet und mit den Daten früherer Erhebungen zusammengeführt. Aus aktuellem Anlass greift das IfD Allensbach zielgerichtet den die Medien im Frühjahr 2014 dominierenden Krisenherd auf: Der Konflikt zwischen den ehemaligen GUS-Staaten Ukraine und Russland auf der Halbinsel Krim. Aufgrund dieser Unruhen wird der Status-quo und die Entwicklung des Verhältnisses der Deutschen Bevölkerung gegenüber Russland aus gesellschaftspolitischer Perspektive analysiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Demoskopie in der Öffentlichkeit: Einführung in die Rolle der Meinungsforschung im medialen Kontext sowie die Vorstellung der FAZ-Monatsberichte als Fallbeispiel für die Vermittlung demoskopischer Daten.
2 Das Spannungsfeld der öffentlichen Meinung: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der öffentlichen Meinung und der methodischen sowie psychologischen Distanz zwischen dem Individuum und der Masse.
3 Empirischer Unterbau - Alle versus jeder: Empirische Untersuchung anhand des Russlandbildes, die aufzeigt, wie Umfragedaten erhoben, interpretiert und durch mediale Berichterstattung in ihrer Bedeutung transformiert werden können.
4 Ergebnis und Diskussion: Kritische Reflexion der Rolle der Demoskopie als Instrument der Information und Manipulation sowie Diskussion der Medialisierung des Politischen im Hinblick auf Umfrageergebnisse.
Schlüsselwörter
Demoskopie, Öffentliche Meinung, Umfrageforschung, Massenmedien, Russlandbild, Institut für Demoskopie Allensbach, Repräsentativität, Merkmalsebene, Individualebene, Medialisierung, Dateninterpretation, Politische Kommunikation, Stichprobe, Meinungsbildung, Sozialforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die problematische Vermittlung von sozialwissenschaftlichen Umfrageergebnissen an die breite Öffentlichkeit durch Massenmedien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die methodischen Grundlagen der Demoskopie, die mediale Aufbereitung von Daten sowie das Spannungsverhältnis zwischen individuellen Einstellungen und der aggregierten öffentlichen Meinung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der Interpretation und Rezeption demoskopischer Daten, insbesondere der Differenz zwischen der Einstellung des einzelnen Individuums und der als „Masse“ dargestellten Meinungsmehrheit.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse mit einem empirischen Fallbeispiel, das auf Daten des IfD Allensbach (Russlandbild 2014) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition der öffentlichen Meinung, der psychologischen Sperre gegenüber Statistiken und der konkreten medialen Darstellung des Russlandbildes der Deutschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Demoskopie, öffentliche Meinung, Medialisierung, Repräsentativität und die Unterscheidung zwischen dem Individuum und der Masse.
Inwiefern beeinflusst die Wortwahl die Interpretation von Umfragen?
Durch die Interpretation von Prozentzahlen in journalistische Phrasen wie „knapp jeder Zweite“ wird Genauigkeit zugunsten einer einfacheren, aber potenziell irreführenden Darstellung der „Mehrheit“ aufgegeben.
Warum wird das Russlandbild 2014 als Beispiel gewählt?
Das Beispiel dient der Veranschaulichung, wie ein durch tagespolitische Ereignisse (Ukrainekrise) aufgeladenes Thema durch ein Meinungsforschungsinstitut und die Medien in ein emotionales Bild übersetzt wird.
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- Thomas Widenka (Autor), 2014, Öffentliche Meinung zwischen Individuum und Masse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294718