Anleihen als Finanzierungsoption für den Mittelstand?


Akademische Arbeit, 2012

36 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

1 Einordnung von Anleihen als Finanzierungsoption

2 Mittelstandsbörsen
2.1 Entstehung
2.2 Kapitalmarktfähigkeit und platzierte Anleihen

3 Emission von Mittelstandsanleihen
3.1 Rechtliche Grundlagen und Anleihebedingungen
3.2 Emissionsverfahren
3.3 Investoren

4 Risiken von Mittelstandsanleihen
4.1 Definition von Risiken
4.2 Anleihenspezifische Risiken

5 Rating von Mittelstandsanleihen
5.1 Grundlagen des Ratings
5.2 Ratingagenturen und Methodik
5.3 Kritische Würdigung des Ratings

6 Beurteilung der Anleihenfinanzierung als dauerhafte Finanzierungsoption für den Mittelstand

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

In dieser Arbeit geht es um Anleihen-Finanzierung als Finanzierungsoption für den Mittelstand. Es findet z. B. eine Einordung von Anleihen als Finanzierungsoption statt, Emission und Rating von Mittelstandsanleihen werden erläutert, auf Mittelstandsbörsen wird eingegangen und die Anleihenfinanzierung als dauerhafte Finanzierungsoption für den Mittelstand wird beurteilt.

1 Einordnung von Anleihen als Finanzierungsoption

Bei Anleihen handelt es sich um Schuldverschreibungen, mit denen sich Unternehmen des privaten Sektors langfristiges Fremdkapital beschaffen können. Dabei besichert primär die Substanz und die Ertragskraft des emittierenden Unternehmens die Anleihe.[1] Unternehmensanleihen unterliegen somit einem Ausfallrisiko. Bei der Bewertung von Anleihen muss dieses berücksichtigt werden. Für die Übernahme der Ausfallrisiken fordern Investoren und Anleger als Kapitalgeber, je nach Bonität, eine risikoadäquate Rendite.[2] Da es von den Grundcharakteristika zwischen Anleihen, Unternehmensanleihen und Mittelstandsanleihen keine Abgrenzung gibt, werden die Begrifflichkeiten im fortlaufenden Text gleichgesetzt.

Anleihen sind klassische Kapitalmarktinstrumente, die von einem Unternehmen emittiert und bei einer Vielzahl von Investoren platziert werden. Sie werden als Wertpapier, welche eine Schuldverschreibung des betreffenden privaten Unternehmens verbriefen, klassifiziert. Die Emission erfolgt durch die gewerbliche Wirtschaft. Die Schuldtitel beinhalten eine mittel- bis langfristige Laufzeit.[3] Der Gläubiger investiert einen Geldbetrag und erhält für die Überlassung des Geldwertes in der Regel eine vertraglich geregelte Kuponzahlung (Zinszahlungen) vom Emittenten, sowie einen Anspruch auf Rückzahlung des investierten Geldbetrages nach Ablauf der Laufzeit.[4] Den Kapitalmärkten wird eine hohe Bedeutung beigemessen, da diese börsentäglich Angebot und Nachfrage zusammenführen und die Kurse für die gehandelten Wertpapiere bestimmen. Durch die Notierung an der Börse ist eine Handelbarkeit der Wertpapiere möglich und sorgt bei etablierten Segmenten für einen liquiden Handel, so dass die Kapitalgeber die Wertpapiere nicht bis zum Fälligkeitsdatum halten müssen.[5]

Im Vergleich zum Bankkredit werden Anleihen meistens ohne Besicherung und Covenants[6] emittiert, jedoch besteht die Verpflichtung der Erstellung eines Wertpapierprospektes.[7] Der Gläubiger erhält ein Forderungsrecht, wird aber nicht mit Mitbestimmungsrechten ausgestattet.[8]

2 Mittelstandsbörsen

Bisher war die Eignung von Unternehmensanleihen als Finanzierungsalternative durch die hohen institutionellen Anforderungen und Kosten nur für große mittelständische Unternehmen und Konzerne gegeben. Hinzu kam, dass die Finanz- und Kapitalmärkte teilweise eine entsprechende Bonität, hohe Transparenz und gewisse Emissionsvolumina voraussetzten. Auch stand die Relation von Ertrag und Aufwand nicht in ökonomischer Relation zum Emissionsvolumen.[9] Um den Marktzugang auch Unternehmen mit kleinerem Finanzierungsbedarf zu ermöglichen, haben 2010 einige Börsen neue Segmente geschaffen, welche die Emission und den Handel von Anleihen mit kleineren Volumina ab einer Untergrenze von 10-25 Millionen Euro ermöglichen.[10]

Die Zulassungs- und Folgeverpflichtungen, sowie die Transparenzstandards, wurden mittelstandsgerecht ausgestaltet und eingeschränkt, u.a. wird in der Regel auf die Erstellung eines Jahresabschlusses nach IFRS verzichtet. Zuletzt hat die Akzeptanz und Nachfrage nach dem „Instrument Unternehmensanleihe“ im Mittelstand deutlich zugenommen. Dies belegt auch eine von der Börse Stuttgart beauftragte Studie. 83 Prozent der Teilnehmer glauben, dass die Attraktivität von Unternehmensanleihen zukünftig zunehmen wird. 44 Prozent der Teilnehmer schließt dabei eine Emission einer Anleihe in den nächsten drei Jahren nicht aus. Das angestrebte Finanzierungsvolumen liegt bei den Unternehmen zwischen 25 bis 50 Millionen Euro.[11] Nachfolgend werden die Entstehung der Mittelstandsbörsen und ihre Handelssegmente kurz erläutert. Des Weiteren wird die Kapitalmarktfähigkeit des Mittelstandes betrachtet, sowie das aktuelle Portfolio der platzierten Anleihen interpretiert.

2.1 Entstehung

Als europaweiter Vorreiter gilt die Börse Stuttgart, welche im Mai 2010 das Segment BondM ins Leben gerufen hat. Die Börsen Frankfurt (Entry Standard), München (m:access), Düsseldorf (der mittelstandsmarkt) und Hamburg/Hannover (Mittelstandsbörse Deutschland) folgten mit weiteren Segmenten. Zielgruppe dieser Segmente sind Emittenten des gehobenen Mittelstandes, die eine Emission zwischen 10 und 150 Millionen Euro anstreben. Hierbei können die Unternehmen die Anleihen in Form einer Fremd- oder Eigenemission ausgeben, jedoch muss in jedem Fall ein bei den jeweiligen Börsen registrierter Emissionsexperte konsultiert werden, der die Emission begleitet. Durch die Etablierung eines eigenen Marktsegments mit speziellen Qualitätskriterien innerhalb des Freiverkehrs erschließen die Börsen für mittelständische Unternehmen neue Finanzierungsmittel und Finanzierungspartner (Investoren), insbesondere Vermögensverwalter, Family Offices, Versorgungswerke oder Privatpersonen. Die nachfolgende Tabelle bieten eine Übersicht über die wesentlichen Mittelstandsbörsen, deren Gründungszeitpunkte und zugelassene Produkte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Wesentliche Mittelstandsbörsen

[Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Achleitner et al. (2011), S. 55]

2.2 Kapitalmarktfähigkeit und platzierte Anleihen

Derzeit gibt es in Theorie und Praxis kein einheitliches Verständnis, woran die Kapitalmarktfähigkeit festzumachen ist. Kaserer bezeichnet im Rahmen einer Studie der Deutsche Börse Group ein Unternehmen als kapitalmarktfähig, „wenn es – sofern es willens ist – in der Lage wäre, Finanzmittel am Kapitalmarkt durch die Ausgabe von Eigen- oder Fremdkapitaltiteln zu nicht prohibitiven Konditionen zu beschaffen“.[12] Achleitner et al. setzt sich ausführlich mit dem Begriff „Kapitalmarktfähigkeit“ auseinander. Dabei basieren die dargelegten Überlegungen auf Experteninterviews.

Neben dem quantitativen Kriterium der Unternehmensgröße, welches von den Experten in großer Übereinstimmung getroffen wird, spielen auch qualitative Kriterien eine entscheidende Rolle. Hierzu gehören insbesondere die interne Organisation, das Reporting, sowie Transparenz und Kommunikation des Unternehmens.[13] Im Rahmen einer Studie des Deutschen Aktieninstitutes e.V. wurden mittelständische Unternehmen einer Potenzialanalyse unterzogen und hinsichtlich ihrer Kapitalmarktfähigkeit untersucht. Dabei wurden im Rahmen einer Potenzialanalyse 10.000 Unternehmen in Deutschland im weiteren Sinne als kapitalmarktfähig identifiziert, davon rund 7000 für den Entry Standard[14]. Neben der Unternehmensgröße waren ein Firmensitz in Deutschland und kein anderes Unternehmen als Mehrheitseigentümer[15] Parameter der Clusterung. Charakteristisch für die identifizierten Unternehmen war, dass der durchschnittliche Umsatz und die Bilanzsumme bei etwas über 100 Millionen Euro Umsatz lag. Der Median[16] des Umsatzes (der Bilanzsumme) lag bei circa 25 Millionen (15 Millionen) Euro. Im Durchschnitt erwirtschafteten potenzielle Unternehmen eine Gesamtkapitalrendite von circa acht Prozent und weisen eine Eigenkapitalquote von rund 30 Prozent auf. Die Medianwerte sind ähnlich und lagen bei sechs bzw. 28 Prozent. Die Verteilung potenziell kapitalmarktfähiger Unternehmen über die verschiedenen Branchen zeigt nachfolgende Tabelle aus der Studie „Kapitalmarktorientierung und Finanzierung mittelständischer Unternehmen“, erhoben durch Kaserer im Rahmen einer Studie der Deutsche Börse Group[17]:

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Abb. 1: Verteilung potenziell kapitalmarktfähiger Unternehmen

[Quelle: Deutsche Börse Group (2011), S. 27]

Wie aus Abbildung 1 ersichtlich sind die meisten potenziellen Unternehmen dem Handel zuzuordnen, gefolgt vom produzierenden Gewerbe. Die geringste Zahl findet sich in der Chemie- und Pharma-Branche. Auch aus Sicht der Unternehmen gewinnt der Kapitalmarkt, hinsichtlich Zugang und Bedingungen, zunehmend an Attraktivität. Gemäß einer Studie der Deloitte & Touche GmbH (Deloitte) Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in 2011 halten 56 Prozent der Befragten mittelständischen Unternehmen den Kapitalmarkt bereits heute schon für attraktiv. 71 Prozent gehen davon aus, dass die Attraktivität zukünftig weiter steigen wird, davon gehen 52 Prozent davon aus, dass dies auch für das eigene Unternehmen zutrifft. Dies gilt insbesondere für Unternehmen mit mehr als 250 Millionen Euro Umsatz, die zukünftig mehrheitlich für die Fremdkapitalbeschaffung im Kapitalmarkt eine Alternative sehen.[18]

Seit Öffnung der neuen Segmente konnten mittelständische Unternehmen bislang Anleihen im Gesamtvolumen von 2,4 Milliarden Euro im Entry Standard platzieren.[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*5 Unternehmen verzichteten auf ein Rating ** Unternehmen mit mehrfach Platzierung wurden nur einmal berücksichtigt

Tab. 2: Zusammenfassung bisher platzierter Mittelstandsanleihen

[Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Bondguide (2011), S. 3 f.]

Wie aus Tabelle 2 zu entnehmen, konnte von den 48 mittelständischen Unternehmen mit einem Zielvolumen von rund 2,6 Milliarden Euro (durchschnittliches Emissionsvolumen pro Anleihe 48,1 Millionen Euro) nur knapp die Mehrheit ihr ursprünglich geplantes Zielvolumen platzieren. Von den elf durchgeführten Eigenemissionen konnten sechs vollplatziert werden. Der durchschnittliche Kupon der durchgeführten Emissionen lag bei 7,4 Prozent. Durchschnittlich lagen die Ratings im BBB- Bereich, wobei überwiegend der Emittent und nicht die Emission (Anleihe)[20] geratet wurde. Von den insgesamt 40 durchgeführten Ratings wurden 35 von der Creditreform Rating AG abgewickelt. Der Median der Anleihenrendite lag bei 8,5 Prozent. Maßgebend für eine erfolgreiche Anleihenemission waren, nach der Deloitte-Studie, eine überzeugende „Story“ des Unternehmens, ein bekannter Markenname, zukunftsträchtige Branche, Höhe des Kupons und transparente Mittelverwendung.[21]

3 Emission von Mittelstandsanleihen

Unter der Emission von Anleihen versteht man die Ausgabe von Wertpapieren, in diesem Fall von Anleihen mittelständischer Unternehmen. Dabei streben die Unternehmen, durch eine Emission nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche GmbH, als Kernmotive vor allem eine Diversifikation der Kapitalgeberbasis und mehr Flexibilität in der Kapitalverwendung an. Als Nebenmotive gelten u.a geringere Kreditsicherheitsklauseln, Reduzierung der Stellung dinglicher Sicherheiten und Steigerung des Bekanntheitsgrads bei Kapitalgebern.[22] Dabei lassen sich verschiedene Formen der Emissionen und Emissionsverfahren unterscheiden, welche rechtlichen Rahmenbedingun-gen unterliegen, und Pflichten nach sich ziehen, die es zu beachten gilt, und nachfolgend dargestellt werden.

3.1 Rechtliche Grundlagen und Anleihebedingungen

Die Emission von Inhaberschuldverschreibungen durch ein Unternehmen stellt gemäß Kreditwesengesetz § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 KWG kein Einlagengeschäft dar, und bedarf daher keiner Bankerlaubnis.

Damit ist diese Finanzierungsform die einzige Finanzierungsform mit den Unternehmen, die über keine Bankerlaubnis verfügen, Fremdkapital am Kapitalmarkt aufnehmen können. Dabei kann entweder das Unternehmen selbst oder eine für diesen Zweck gegründete Zweckgesellschaft, die Inhaberschuldverschreibung emittieren. Bei den an den genannten Mittelstandbörsen emittierten Unternehmensanleihen trat bisher stets die Gruppenobergesellschaft als Emittent auf. Würde die Emission über eine Zweckgesellschaft erfolgen, sollte eine werthaltige Gruppengesellschaft die Rückzahlung der Inhaberschuldverschreibungen und der Zinszahlungen garantieren. Ohne Ausstattung einer entsprechenden Garantie würde eine über eine Zweckgesellschaft strukturierte Unternehmensanleihe kaum platzierbar sein. Als Garantieart kommen üblicherweise sogenannte selbständige Garantien oder Bürgschaften in Betracht. Zudem sollten bei der Strukturierung steuerliche Regelungen, wie u.a. die Zinsschranke, nicht außer Acht gelassen werden, da bei bestimmten Konstellationen durch die Wahl vorteilhafter Strukturierungen die volle Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungszinsen erreicht werden kann.[23]

Anleihebedingungen sind Allgemeine Geschäftsbedingungen. Für die Ausgestaltung dieser gilt daher grundsätzlich Vertragsfreiheit.[24] Überraschende Klauseln, und dem Anleger unangemessene benachteiligende Regelungen, sind rechtlich nicht zulässig und unwirksam. Die Unternehmensanleihe ist durch den Emittenten nach einer festen Mindestlaufzeit, gegebenenfalls gegen Zahlung eines erhöhten Rückzahlungsbetrages, jederzeit kündbar und ermöglicht Emittenten, bei sinkenden Zinsen, eventuell zu günstigen Konditionen zu refinanzieren.[25] Wird die Mittelstandsanleihe über eine Börse angeboten, hat der Emittent ein Wertpapierprospekt zu erstellen. Das gilt auch, wenn die Anleihe zum Handel an einem organisierten Markt zugelassen werden soll. Die Prüfungshandlungen können dabei vom Emittenten definiert werden, da bei Anleihen, die nur im Freiverkehr gehandelt werden, grundsätzlich keine haftungskritischen Erklärungen gegenüber Banken abzugeben sind.

Hierbei kann geboten sein, relevante Bereiche einer gezielten Due Diligence zu unterziehen.

Die wichtigsten Prospektinhalte gemäß EU-Verordnung Nr. 809/2004 vom 29.04.2004 (Prospektverordnung) sind:

- Kerndaten des Unternehmens und der Anleihe
- Risiken
- Jahres- und Konzernabschlüsse der letzten zwei Geschäftsjahre
- Haupttätigkeitsbereich und wichtigste Märkte
- Angaben zu Gesellschaftern
- Getätigte und beschlossene Investitionen/Finanzierung
- Wesentliche Verträge
- Rating (optional)
- Interessenkonflikte[26]

Vor Veröffentlichung muss der Prospekt von der BaFin gebilligt werden. Die BaFin prüft dabei nur die formale Erfüllung, nicht die qualitative Erfüllung. Das Billigungsverfahren dauert in der Regel rund vier Wochen.[27]

Neben der Verpflichtung eines Wertpapierprospektes besteht eine regelmäßige Einbeziehungsfolgeverpflichtung der Unternehmen gegenüber der Börse. Die Pflichten stellen sich auszugsweise wie folgt dar:

- Veröffentlichung von Jahres- und Konzernabschlüssen sowie Halbjahresberichten
- Unverzügliche Veröffentlichung von Corporate News
- Veröffentlichung von Rating und Folgeratings
- Veröffentlichung eines Finanzkalenders
- Veröffentlichung eines Factsheets inklusive jährlicher Aktualisierung[28]

Des Weiteren sind die Vorschriften des Insiderrechts nach §§ 12-14 WpHG[29] auch für zum Handel im Freiverkehr einbezogene Inhaberschuldverschreibungen anwendbar.

3.2 Emissionsverfahren

Bei der Emission von Anleihen ist zwischen einer sogenannten Fremdemission und einer Selbst- bzw. Eigenemission zu unterscheiden.

In der Praxis ist die Fremdemission vorherrschend. Bei dieser Emissionsart übernimmt beispielweise ein Bankenkonsortium (Bookrunner), unter der Leitung eines Konsortialführers, die Emission. Dies kann in Form eines Platzierungs- oder eines Übernahmekonsortiums erfolgen. Im Rahmen einer Platzierung durch ein Platzierungskonsortium tritt dieses als Kommissionär auf und handelt im eigenen Namen auf fremde Rechnung des Emittenten. Dadurch trägt der Emittent das Emissionsrisiko, d.h. die aus einer nicht vollständigen Platzierung entstehenden Probleme. Im Falle der Platzierung durch ein Übernahmekonsortium erwirbt dieses das gesamte Emissionsvolumen und trägt die gesamten Risiken, die mit der Emission verbunden sind.[30]

Bei der Selbstemission übernimmt der Emittent die Platzierung seiner Anleihe selbst. Dies erfordert gute Beziehungen zum bzw. bereits eine gute Reputation am Kapitalmarkt, sowie ein gut ausgebautes Vertriebssystem[31] und Public-Relations[32] (PR). Gegenüber der Fremdemission beziffert Schneck die Kostenvorteile auf ca. 2,5 Prozent des Emissionserlöses, dementgegen steht ein erhöhtes Risiko der Unterbringung der Anleihe am Kapitalmarkt für die Unternehmen, da diesen häufig die geeigneten Distributionskanäle und Investorennetzwerke fehlen.[33]

In Deutschland erfüllen bisher die wenigsten mittelständischen Unternehmen die Mindestanforderungen zur Kapitalmarkteignung. Neben den Mindestanforderungen sind ursächlich die mit einer Kapitalmarkttransaktion einhergehenden Kosten. Neben den direkten finanziellen Aufwendungen entstehen zusätzlich dauerhaft Kosten durch den zeitlichen und personellen Aufwand. Nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die verschiedenen Kostenarten einer Kapitalmarkttransaktion.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Kostenarten eine Kapitalmarkttransaktion

[Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Achleitner et al. (2011), S. 120]

Zur Herstellung der Kapitalmarktfähigkeit, siehe Tabelle 3, muss ein kapitalmarktgerechter Organisationsaufbau sichergestellt werden. Darüber hinaus sind Gebühren an die beteiligten Kapitalmarktpartner und das Instrument selbst zu entrichten. Die Erfüllung der Folge-pflichten, wie u.a. die Publizitätspflicht oder Investor Relations (IR)[34], sind mit fortlaufendem Personalaufwand, und damit fortlaufenden Personalkosten, sowie Anpassung der Organisationsstrukturen verbunden. Die durchschnittlichen Platzierungskosten liegen bei rund 5 Prozent des Emissionsvolumens.[35] Die indikativen Kosten einer Anleihe stellen sich nach Angaben von Finance-Research wie folgt dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Tab. 4: Übersicht indikativer Kosten einer Anleihe

[Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an FINANCE (2011), S.12]

Die Kosten für ein Rating sind von Agentur zu Agentur verschieden und liegen je nach Anbieter und Qualität bei mindestens 25.000 Euro. Die Kosten für die Prospekterstellung liegen zwischen 50.000 bis zu 80.000 Euro. Die Börsengebühren schwanken je nach Börse. Für das Emissionmarketing sollten Kosten zwischen 20.000 bis 30.000 Euro eingeplant werden. Um eine Anleihe an der Börse zu platzieren, ist die Einbindung von verschiedenen Partnern in den Finanzierungsprozess zweckmäßig. In der Regel handelt es sich dabei um externe Partner wie Banken (Privatplatzierungen), Finanzberatungen (Corporate-Finance-Berater), Rechtsanwälte, Wirtschaftprüfer, Ratingagenturen, Kommunikationsagenten und Börsen. Die verschiedenen Partner können dabei zu verschiedenen Zeitpunkten eine entscheidende Rolle spielen.[36]

Die Börsen sind, im Hinblick auf die Informationssuche im Vorfeld der Kapitalmarkt-finanzierung wichtige Ansprechpartner, jedoch darf die Börse im Transaktions-prozess nicht beratend tätig sein und muss sich neutral gegenüber den Unternehmen verhalten. Die meisten Börsen kooperieren mit externen Experten, die als Zwischenstelle zwischen Börse und Unternehmen fungieren, wie z.B. Deutsche Börse Listing Partner, oder der an der Börse Stuttgart sogenannte BondM-Coach. Der als Zwischenstelle zugelassene Kreis divergiert von Börse zu Börse.[37]

Dem Corporate-Finance-Berater kann im Transaktionsprozess eine besondere Bedeutung zukommen, da dieser in der Regel über ein Investorennetzwerk verfügt.[38] Sie haben die Aufgabe, den Ablauf einer Transaktion zu strukturieren, als auch die Koordination mit anderen involvierten Partnern zu übernehmen. Dadurch besteht die Möglichkeit, im Rahmen eines sogenannten „Pre-Sounding“, vorab ein Feedback über die Platzierungsmöglichkeiten und ein indikatives Pricing von Investorenseite einzuholen, bevor weitere und aufwendigere Schritte eingeleitet werden. Corporate-Finance-Beratungen sind für Unternehmen geeignet, die eine enge Begleitung bei der Platzierung wünschen und innerhalb des Unternehmens über geringe Kapitalmarkterfahrung verfügen, oder unzureichend personelle Ressourcen vorhalten, um selbst einen solchen Prozess intensiv zu steuern.[39]

[...]


[1] vgl. Perridon/Steiner (2007), S. 386 f.

[2] vgl. Schiffel (2009), S. 17 f.

[3] vgl. May (2008), S. 349 - 378/ Lüpken (2003)

[4] vgl. Spreman/Gantenbein (2007) i.V. mit Waschbuch/Staub/Karmann (2010), S. 24 f .

[5] vgl. Schiffel (2009), S. 9

[6] Covenants sind Klauseln oder (Neben-) Abreden in Kreditverträgen/Anleihebedingungen

[7] vgl. Achleitner/ Kaserer/ Günther/ Volk (2011), S. 77

[8] vgl. Übelhör/Warns (2004), S. 114, i.V. Schiffel (2009), S. 8

[9] vgl. Achleitner/ Kaserer/ Günther/ Volk (2011), S. 58 - 65

[10] vgl. Finance (2011), S. 10

[11] vgl. Börse Stuttgart (2011) S. 25 f.

[12] vgl. Kaserer (2011), S. 24

[13] vgl. Achleitner/ Kaserer/ Günther/ Volk (2011), S. 58 - 60

[14] Entry Standard wird das Einstiegssegment der Deutschen Börse Frankfurt mit einge-

schränkter Transparenz und vereinfachtem Zugang, etc. bezeichnet

[15] d.h. ein Eigentümer hält mehr als 50 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals

[16] Medianwert ist ein Merkmalswert, der die kleineren 50 Prozent von den größeren 50 Pro zent der Werte trennt. Vorteil des Median ist, dass er gegen Verzerrungen unanfälliger ist, vgl. Raab/Unger/Unger (2009), S. 205

[17] vgl. Deutsche Börse Group (2011), S. 27

[18] vgl. Deloitte (2011), S. 12

[19] eine Übersicht der aktuell notierten Mittelstandsanleihen findet sich in Bondguide (2011), S. 3 f.

[20] auf die Differenzierung Emittentenrating und Emissionsrating wird im Kapitel 5 explizit eingegangen

[21] vgl. Deloitte (2011), S. 8

[22] vgl. Deloitte (2011), S. 7

[23] vgl. Becker/Paudtke (2011), S. 64 f.

[24] vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2012a)

[25] vgl. Becker/Paudtke (2011), S. 65

[26] vgl. Schwartzkopff/Freyling (2011), S. 66 f.

[27] vgl. BaFin (2012)

[28] vgl. Börse Stuttgart (2012) in Anlehnung an Becker/Paudtke (2011), S. 65

[29] Das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) reguliert in Deutschland den Wertpapierhandel und dient der Kontrolle von Dienstleistungsunternehmen, die Wertpapiere handeln, sowie Finanztermingeschäften. Zudem dient es zum Schutz des Kunden.

[30] vgl. Schneck (2004), S. 150

[31] vgl. Adrian(2000), S. 265

[32] Public Relations bezeichnet die Öffentlichkeitsarbeit

[33] vgl. Schneck (2004), S. 150

[34] Investor Relations bezeichnet die Kontaktpflege zu Investoren, Analysten und Finanz- medien

[35] vgl. FINANCE (2011), S. 12

[36] vgl. Achleitner/ Kaserer/ Günther/ Volk (2011), S. 140

[37] vgl. Achleitner/ Kaserer/ Günther/ Volk (2011), S. 146

[38] vgl. FINANCE (2011), S. 12

[39] vgl. Achleitner/ Kaserer/ Günther/ Volk (2011), S. 143 f.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Anleihen als Finanzierungsoption für den Mittelstand?
Autor
Jahr
2012
Seiten
36
Katalognummer
V294742
ISBN (eBook)
9783656924968
ISBN (Buch)
9783656925019
Dateigröße
937 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anleihen, finanzierungsoption, mittelstand
Arbeit zitieren
MBA, CRA (univ.) Joerg F. Walbaum (Autor:in), 2012, Anleihen als Finanzierungsoption für den Mittelstand?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294742

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