Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der regionalen Betrachtung von Kooperationen von Ganztagsschulen mit Sportvereinen im Land Brandenburg, für das es bisher nur wenig belastbare Forschungsergebnisse gibt. Als Grundlage dienen drei empirische Untersuchungen der Universität Potsdam, die im Zeitraum von 2009 bis 2010 im Auftrag des Landessportbundes Brandenburg durchgeführt wurden. Als Forschungsmethode wurde die standardisierte Befragung von Ganztagschulen (2009) und Sportvereinen (2010, 2011) gewählt. Diese Befragungen sollen einen Überblick darüber geben, wie der Forderung nach Kooperation von Ganztagsschulen und Sportvereinen in Brandenburg nachgekommen wird und wie die bestehenden Kooperationen zu bewerten sind. Von Interesse ist dabei, ob dominante Kooperationsstrukturen auszumachen sind und was sie so attraktiv für die Kooperationspartner macht. Gibt es erfolgsversprechende Strukturen oder gar Best-Practice-Modelle? Um positive Entwicklungsfaktoren auszumachen, ist es notwendig eine Operationalisierung der Kooperationsqualität vorzunehmen und im Gegenzug Kooperationen behindernde Faktoren aufzudecken. Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Aspekt ist die besondere demografische Entwicklung des Landes Brandenburg, welche gerade die Schulen und Sportvereine vor große Herausforderungen stellt. Eine wichtige Frage kann daher lauten, ob es zwischen ländlichen und städtisch-verdichteten Räumen messbare Unterschiede in der Kooperationshäufigkeit und Qualität der Zusammenarbeit gibt. Als Ergebnis dieser Arbeit sollen Ganztagsschulen und Sportvereinen konkrete Handlungsempfehlungen zur Verfügung gestellt werden, mit denen das eigene Entwicklungspotenzial identifiziert und gezielt ausgeschöpft werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rolle von Sportvereinen in der ganztägigen Bildung
3. Kooperationsakteure im Überblick
3.1 Ganztagsschulen als Kooperationspartner für Sportvereine
3.1.1 Motive von Ganztagsschulen zur Kooperation mit Sportvereinen
3.1.2 Situation der Ganztagsschulen in Brandenburg
3.1.3 Modelle für die Kooperationen von Ganztagsschulen und Sportvereinen
3.2 Sportvereine als außerschulische Kooperationspartner
3.2.1 Vorbehalte der Sportvereine gegenüber Ganztagsschulen
3.2.1 Motive der Sportvereine für eine Kooperation
3.2.2 Situation der Sportvereine im Land Brandenburg
4. Studien zur Untersuchung der Kooperationssituation im Land Brandenburg
4.1 Befragung von Ganztagsschulen (2009)
4.2 Erste Befragung von Sportvereinen (2010)
4.3 Zweite Befragung von Sportvereinen (2011)
4.3.1 Fragestellungen
4.3.2 Methodisches Vorgehen
4.3.3 Stichprobe und Rücklauf
5. Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.1 Umfang der Kooperationen im Land Brandenburg
5.2 Inhalt und Struktur der Kooperationen
5.3 Personaleinsatz in der Kooperation
5.4 Erfolgsfaktoren, Probleme und Hindernisse
6. Bewertung der Kooperationen im Land Brandenburg
6.1 Kooperationsqualität und Gelingensbedingungen
6.2 Regionale Disparitäten
7. Handlungsempfehlungen für die Kooperationsakteure
7.1 Professionalisierung der Sportvereine
7.2 Modelprojekt im ländlichen Raum
8. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Kooperationsbeziehungen zwischen Ganztagsschulen und Sportvereinen im Land Brandenburg empirisch zu analysieren, um bestehende Strukturen sowie Erfolgsfaktoren und Hindernisse für eine gelingende Zusammenarbeit zu identifizieren.
- Analyse des Kooperationsumfangs und der strukturellen Bedingungen in Brandenburg.
- Untersuchung der Motive von Schulen und Vereinen für eine Zusammenarbeit.
- Bewertung der Kooperationsqualität anhand eines multiprofessionellen Modells.
- Identifikation von regionalen Disparitäten im ländlichen Raum.
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen und eines Modellprojekts zur Professionalisierung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Ganztagsschulen als Kooperationspartner für Sportvereine
Viele Vorurteile über die Ganztagsschule resultieren aus der Unkenntnis über die Definition und die Eigenschaften der selbigen. Der Begriff suggeriert, dass sich der Schultag der Ganztagsschule über den ganzen Tag erstreckt. Doch diese erste Vermutung trifft nicht zu. Der Umfang der (Fach-)Unterrichtsstunden unterscheidet sich nicht von dem an Halbtagsschulen. Es wird jedoch zusätzlicher Raum geschaffen für außerunterrichtliche Aktivitäten, wie z.B. Arbeitsgemeinschaften, Projekte, Ausflüge, und nicht zuletzt, für Bewegungs-, Spiel und Sportangebote.
Es gibt im bundesdeutschen Vergleich, eine Vielzahl verschiedener Formen und Ausprägungen der Ganztagsschulen. Als grundlegendes Kriterium für jede Ganztagsschule legte die Kultusministerkonferenz (2012) den folgenden Standard fest: Eine Ganztagsschule muss „an mindestens drei Tagen in der Woche ein ganztätiges Angebot (…) [bereitstellen], das täglich mindestens sieben Zeitstunden umfasst“. Darüber hinaus muss für die am Ganztag teilnehmenden Schülern ein Mittagessen bereitgestellt werden. Ein weiteres wichtiges Kriterium für eine Ganztagsschule ist die konzeptionelle Verknüpfung des Ganztagsangebots mit dem Unterricht. Wie bereits erwähnt, stellen wir trotz dieser einheitlichen Definition des höchsten Bildungsrates in Deutschland in der Praxis äußerst unterschiedliche Umsetzungsformen der Ganztagsschule fest. Appel und Rutz (2009) führen weitere Eigenschaften auf, die allen Ganztagsschulen gemein sind: So findet bei gleichzeitiger Ermöglichung alternativer Unterrichtsformen eine Verteilung der Aktivitäten auf den Vor- und Nachmittag statt. Dadurch kann der Schultag rhythmisiert und abwechslungsreich gestaltet werden. Der Unterricht kann in Projekten und fächerübergreifend stattfinden. Auch für das Erledigen der Hausaufgaben bietet die Ganztagsschule Platz. Ein weiterer Kernpunkt ist darüber hinaus die Einbindung außerschulischer Experten, um einen möglichst abwechslungsreichen Schultag zu ermöglichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Entwicklung der Ganztagsschule und begründet die Notwendigkeit der Kooperation mit Sportvereinen als wesentlichen Bestandteil ganzheitlichen Lernens.
2. Die Rolle von Sportvereinen in der ganztägigen Bildung: Das Kapitel erörtert die veränderte Rolle von Sportvereinen, die sich vom reinen Freizeitangebot hin zum aktiven Bildungspartner in einem ganztägigen Schulkonzept entwickeln müssen.
3. Kooperationsakteure im Überblick: Hier werden die Beweggründe, Vorurteile und Möglichkeiten von Ganztagsschulen und Sportvereinen bei der Gestaltung von Kooperationsbeziehungen einander gegenübergestellt.
4. Studien zur Untersuchung der Kooperationssituation im Land Brandenburg: Es werden drei empirische Studien vorgestellt, die als Grundlage für die Analyse der brandenburgischen Kooperationslandschaft dienen.
5. Darstellung der Untersuchungsergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die erhobenen Daten zu Umfang, Struktur, Personaleinsatz sowie Erfolgsfaktoren und Hindernissen der Kooperationen in Brandenburg.
6. Bewertung der Kooperationen im Land Brandenburg: Basierend auf den Untersuchungsergebnissen erfolgt eine qualitative Bewertung der Kooperationsqualität sowie eine Analyse regionaler Unterschiede.
7. Handlungsempfehlungen für die Kooperationsakteure: Abschließend werden konkrete Strategien zur Professionalisierung der Sportvereine sowie ein Modellprojekt für den ländlichen Raum vorgeschlagen.
8. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und betont das enorme Entwicklungspotenzial durch eine intensivere und konzeptionell verzahnte Zusammenarbeit.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Sportverein, Kooperation, Brandenburg, Bildungslandschaft, Bewegungsförderung, Schulsport, Vereinsentwicklung, Professionalisierung, multiprofessionelle Zusammenarbeit, Kooperationsqualität, Ehrenamt, Modellprojekt, ländlicher Raum, außerschulische Partner.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kooperation zwischen Ganztagsschulen und Sportvereinen im Land Brandenburg, insbesondere mit der Frage, wie diese Zusammenarbeit in der Praxis gestaltet ist und wie sie nachhaltig professionalisiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Ganztagsschullandschaft in Brandenburg, die Rolle von Sportvereinen als Bildungspartner, die Analyse empirischer Daten zur Kooperationshäufigkeit und -qualität sowie die Einflüsse von regionalen demografischen Bedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis über die Praxis der Zusammenarbeit zu gewinnen, bestehende Probleme zu identifizieren und Handlungsempfehlungen sowie ein Modellprojekt zu entwickeln, um das pädagogische Potenzial der Kooperationen besser auszuschöpfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Synopse und Auswertung von drei empirischen Untersuchungen, die als standardisierte Befragungen von Ganztagsschulen und Sportvereinen in verschiedenen Brandenburger Regionen durchgeführt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen zu Kooperationsmodellen, die Aufarbeitung der empirischen Daten zu Umfang, Inhalt und Struktur der Zusammenarbeit sowie die Bewertung dieser Kooperationen anhand eines speziellen Qualitätsmodells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Ganztagsschule, Sportverein, Kooperation, Brandenburg, Kooperationsqualität, Professionalisierung und multiprofessionelle Zusammenarbeit.
Was macht die Situation im ländlichen Raum besonders?
Der ländliche Raum in Brandenburg ist durch demografischen Wandel und sinkende Schülerzahlen geprägt, was die Infrastruktur für Sportvereine erschwert und erfordert, dass Schulen und Vereine als "soziale Anker" enger zusammenarbeiten.
Warum wird ein "additives Kooperationsmodell" kritisiert?
Das additive Modell wird oft kritisiert, weil es sich lediglich um ein "Nebeneinander" von Schule und Verein handelt, ohne eine konzeptionelle oder pädagogische Verzahnung, wodurch das Potenzial für ganzheitliche Bildung ungenutzt bleibt.
Welche Rolle spielt die Qualifikation der Übungsleiter?
Die Qualifikation ist entscheidend für die Angebotsqualität. Die Arbeit betont, dass neben fachsportlichen Kompetenzen zunehmend pädagogische Kenntnisse gefordert sind, weshalb neue Lizenzstufen wie "Sport im Ganztag" von großer Bedeutung sind.
Wie könnten die Kooperationen konkret verbessert werden?
Verbesserungen könnten durch eine stärkere finanzielle Honorierung der Kooperationsleistungen durch die Schulen, eine regelmäßige gemeinsame Evaluation und die Bildung lokaler Verbünde erreicht werden, um Ressourcen besser zu bündeln.
- Arbeit zitieren
- Florian Lau (Autor:in), 2013, Kooperationen zwischen Ganztagsschulen und Sportvereinen im Land Brandenburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294768