In der integrationsbezogenen Diskussion gilt das Wohnviertel als ein wichtiger Ort der Eingliederung von Migranen¹ in die Aufnahmegesellschaft. Die Wohnverhältnisse beeinflussen die Lebenschancen und das Wohlbefinden der Menschen. Zudem wird der Zusammensetzung der Bevölkerung in Wohngebieten eine große Bedeutung beigemessen, da sich hier Gelegenheiten für soziale Kontakte zwischen Migranten und Einheimischen bieten (vgl. Friedrich 2008, S.13).
Doch immer wieder stellt man fest, dass die meisten Viertel nicht von Migranten und Einheimischen durchmischt sind, sondern es spezielle Wohnviertel gibt, in denen fast ausschließlich nur Bürger mit Migrationshintergrund wohnen.
In folgender Arbeit sollen die Ursachen von ethnischer Segregation herausgearbeitet werden. Grenzen sich die Migranten aus bestimmten Gründen gewollt von den Einheimischen ab oder lässt ihnen Politik oder Wirtschaft des Landes keine andere Wahl? Ist also das segregierte Wohnen eine freiwillige Entscheidung im Sinne Mobilisierung ethnischer Ressourcen und der Vermeidung von Wertkonflikten oder ist die Wohnortentscheidung eher eine erzwungene Folge der Marktlage der Bewohner (vgl. Teltemann/Dabrowski/Windzio 2013, S.31)?
Die Ethnizität als Selbst-und/oder Fremdzuschreibung ist somit von zentraler Bedeutung, weil das Ergebnis dieser Zuschreibung die sozio-ökonomische Situation und die Integration von Migranten mitbestimmt (vgl. Filsinger 2010, S.15).
Im zweiten Teil der Arbeit sollen die Folgen, sowohl für die Aufnahmegesellschaft, als auch für die Migranten selbst, der ethnischen Segregation herausgearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1. Integration
2.2. Segregation
2.3. Ethnizität
3. Ursachen der ethnischen Segregation
3.1. „Fremdsegregation“
3.2. „Selbstsegregation“
4. Segregationseffekte
4.1. Negative Effekte der Segregation- Kontakthypothese
4.2. Positive Effekte der Segregation- Konflikthypothese
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der ethnischen Segregation in städtischen Wohngebieten. Ziel ist es, zu ergründen, ob segregiertes Wohnen als freiwillige Abgrenzung der Migranten oder als erzwungene Ausgrenzung durch politische und wirtschaftliche Faktoren der Aufnahmegesellschaft zu bewerten ist.
- Grundlagen der Begriffe Integration, Segregation und Ethnizität
- Differenzierung zwischen „Fremdsegregation“ und „Selbstsegregation“
- Analyse der ökonomischen und sozialen Ursachen für die Entstehung ethnischer Quartiere
- Gegenüberstellung der Kontakthypothese und der Konflikthypothese im Kontext von Segregationseffekten
- Diskussion über Möglichkeiten zur interkulturellen Öffnung und gelingenden Integration
Auszug aus dem Buch
3.1. „Fremdsegregation“
Da Ausländer überdurchschnittlich von Sozialhilfe betroffen sind und nur unterdurchschnittliche Arbeitseinkommen erzielen, sind die Räume sozialer Problemlagen mehr oder weniger identisch mit den Orten, an denen Ausländer einen überdurchschnittlichen Anteil an der Wohnbevölkerung stellen. Da sie wenig Einkommen haben, können sie oftmals nur Wohnungen aus den unteren Wohnungssegmenten nachfragen (vgl. Bremer 200, S. 190).
Die Konzentration von Migranten in ethnischen Vierteln kommt also nur zustande, weil „reichere Menschen dort gar nicht sein wollen“. Oftmals haben die Migranten nicht die Auswahlmöglichkeit ihren Wohnort selbst zu bestimmen, da sie sich teure Mieten nicht leisten können. Diejenigen die es sich doch leisten können, wandern ab. Daraus wächst dann das Gefühl der Parallelwelten „weil alle anderen abgewandert sind, und nur mehr diese Personen dort übrig bleiben“ (vgl. Rehberger 2009, S.55).
Man kann jedoch feststellen, dass ethnische Segregation oftmals Folge von Diskriminierung ist. Bewohner von Belegerechtswohnungen sind diejenigen, denen nur unterdurchschnittlich finanzielle Mittel zur Verfügung stehen und die auf dem privaten Wohnungsmarkt keine Chance haben (vgl. Bremer 2000, S.191). Jedoch scheint es Deutschen mit vergleichbarem Einkommen häufiger als Migranten zu gelingen, sich auf dem privaten Wohnungsmarkt mit Wohnraum zu versorgen (vgl. Bremer 2000, S.192).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Wohnens von Migranten ein und formuliert die Leitfrage nach den Ursachen der ethnischen Segregation.
2. Begriffsbestimmungen: Hier werden die zentralen Begriffe Integration, Segregation und Ethnizität wissenschaftlich definiert und in Unterkapiteln theoretisch fundiert.
3. Ursachen der ethnischen Segregation: Dieses Kapitel unterteilt die Entstehungsursachen in Fremdsegregation durch systemische Faktoren und Selbstsegregation durch individuelle Präferenzen.
4. Segregationseffekte: Das Kapitel analysiert die Vor- und Nachteile von Segregation anhand der Kontakthypothese und der Konflikthypothese.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet Segregation primär als Ergebnis einer strukturellen Ausgrenzung, die einen Teufelskreis darstellt.
Schlüsselwörter
Ethnische Segregation, Integration, Fremdsegregation, Selbstsegregation, Aufnahmegesellschaft, Ethnische Kolonie, Parallelgesellschaft, Kontakthypothese, Konflikthypothese, Wohnungsmarkt, Diskriminierung, Soziale Netzwerke, Interkulturelle Öffnung, Sozialintegration, Migrationshintergrund.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethnischen Segregation in städtischen Wohnvierteln und untersucht, ob diese auf eine bewusste Entscheidung der Migranten oder auf externe, restriktive Bedingungen zurückzuführen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die sozioökonomischen Rahmenbedingungen des Wohnungsmarktes, die Rolle von Diskriminierung sowie die stabilisierende, aber potenziell ausgrenzende Funktion ethnischer Gemeinschaften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, die Mechanismen hinter der Entstehung von ethnischen Wohnvierteln zu verstehen und zu bewerten, ob es sich um eine Form der Ausgrenzung oder einer freiwilligen Abgrenzung handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer Konzepte und aktueller Forschungsberichte zur Stadtsoziologie und Migrationsforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, eine Analyse der Ursachen (unterteilt in Fremd- und Selbstsegregation) sowie eine differenzierte Betrachtung der sozialen und ökonomischen Folgen von Segregation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie ethnische Segregation, Diskriminierung, Integrationspolitik und ethnische Kolonie definieren.
Warum ist der Begriff der "Parallelgesellschaft" laut Autor so strittig?
Der Begriff ist strittig, da die Kriterien für eine Parallelgesellschaft – wie die vollständige Verdoppelung mehrheitsgesellschaftlicher Institutionen – in der Realität in Deutschland nach Ansicht der zitierten Experten kaum existieren.
Welche Rolle spielt der Wohnstandort für die Integration?
Der Wohnstandort fungiert als entscheidender Faktor für Bildungschancen und Arbeitsmarktchancen; eine räumliche Isolation kann den Erwerb der Sprache und die soziale Teilhabe an der Mehrheitsgesellschaft signifikant behindern.
- Arbeit zitieren
- Amelie Backes (Autor:in), 2014, Ethnische Segregation. Ausgrenzung oder Abgrenzung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294769