In meiner Seminararbeit möchte ich auf die Frage eingehen, weshalb John Locke in seinem Toleranzgrundsatz in „Ein Brief über Toleranz“ den Atheismus ausnimmt.
Dazu möchte ich vorerst die damalige Situation zwischen der Kirche und dem Staat erläutern. Um Locke Gedankengang zu verdeutlichen, behandle ich ein zweites Werk von ihm die „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ um anschließend zu meinem Fazit zu kommen.
Der Toleranzbegriff ist heute wieder aktueller denn je.
Waren es damals die Ungläubigen, die Ketzer welche einem Sorge bereiteten, so sind es jetzt radikale Glaubensbekenner wie Islamisten. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie weit darf man für seinen Glauben gehen, welche Grenzen dürfen nicht, oder gar nie, überschritten werden.
Als Antwort auf die radikalislamistische Formierung, vereinen sich immer mehr Menschen zu Gegenbewegungen, wie zum Beispiel PEGIDA.
Toleranz ist ein wichtiges Gut in der heutigen multikulturellen Gesellschaft geworden.
Doch was heute unter Toleranz verstanden wird, dass man umgänglich und weltoffen ist, hatte zu früheren Zeiten eine andere Bedeutung. Man darf nicht vergessen, dass die Interpretation von Begriffen stark mit der Entwicklungsgeschichte zusammenhängt.
Doch warum Bedarf es überhaupt der Toleranz.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Toleranzbegriff im Wandel
3. Kirche und Staat bei John Locke
4. Die Atheistenausnahme und der Naturzustand
5. Zusammenfassende Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Seminararbeit untersucht die philosophische Begründung John Lockes, warum er den Atheismus sowie das Katholikentum in seinem Toleranzkonzept aus „Ein Brief über Toleranz“ explizit ausschließt und bezieht dies auf sein Modell des Naturzustands.
- Verhältnis von Kirche und Staat im 17. Jahrhundert
- Analyse des Toleranzbegriffs bei John Locke
- Die Rolle des Naturgesetzes und der Vernunft
- Diskussion der „Atheistenausnahme“ im Kontext der Sicherheit
- Vergleich des Naturzustandsmodells mit John Rawls
Auszug aus dem Buch
Die Atheistenausnahme
Anders verhält es sich jedoch bei dem Atheismus, wo wir zum Thema meiner Seminararbeit kommen. Denn bei den Atheisten und Katholiken (im engeren Sinne die Papisten) zieht Locke eine Grenze.
"Letztlich sind diejenigen ganz und gar nicht zu dulden, die die Existenz Gottes leugnen. Versprechen, Verträge und Eide, die das Band der menschlichen Gesellschaft sind, können keine Geltung für einen Atheisten haben. Gott auch nur in Gedanken wegnehmen, heißt alles auflösen. Auch abgesehen davon können die, die durch ihren Atheismus alle Religion untergraben und zerstören, sich nicht auf eine Religion berufen, auf die hin sie das Vorrecht der Toleranz fordern könnten." (Brief, S. 94ff)
Locke lehnt ohne Zweifel die Toleranz gegenüber dieser Menschengruppe ausnahmslos ab. Es stellt sich einem die Frage, weshalb er so energisch um die Freiheit des Glaubens und des Individuums kämpfte um dann plötzlich eine Grenze zu ziehen.
Was im ersten Moment sehr unschlüssig erscheint, ja schon fast willkürlich, wird klarer, wenn man ein anderes Werk von Locke heranzieht, „Zwei Abhandlungen über die Regierung“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung formuliert die zentrale Fragestellung, warum Locke Atheisten von seinem Toleranzkonzept ausschließt, und skizziert den Aufbau der Untersuchung unter Einbeziehung seiner politischen Schriften.
2. Toleranzbegriff im Wandel: Das Kapitel kontrastiert den historischen Toleranzbegriff zur Zeit Lockes mit modernen Herausforderungen in einer multikulturellen Gesellschaft.
3. Kirche und Staat bei John Locke: Hier wird die konzeptionelle Trennung von staatlicher Gewalt und kirchlicher Überzeugungsarbeit erläutert, die auf der Unmöglichkeit beruht, Seelenheil durch Zwang zu erreichen.
4. Die Atheistenausnahme und der Naturzustand: Dieses Kapitel verknüpft Lockes Theorie des Naturzustands und des natürlichen Gesetzes mit seiner expliziten Ablehnung der Toleranz gegenüber Atheisten und Katholiken aufgrund ihrer vermeintlichen Vertrauensunwürdigkeit.
5. Zusammenfassende Reflexion: Der Autor schließt mit einer kritischen Würdigung von Lockes Position und ordnet dessen Aussagen in den historischen Kontext seiner Zeit ein.
Schlüsselwörter
John Locke, Toleranz, Atheistenausnahme, Naturzustand, Naturgesetz, Kirche und Staat, Glaubensfreiheit, Zwei Abhandlungen über die Regierung, Ein Brief über Toleranz, Vernunft, Gesellschaftsvertrag, Papisten, Religionsfreiheit, Politische Philosophie, Säkularisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Argumentation John Lockes in „Ein Brief über Toleranz“, speziell den Grund für seinen Ausschluss von Atheisten und Katholiken vom Toleranzprinzip.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Trennung von Kirche und Staat, das Konzept der individuellen Gewissensfreiheit und die Bedingungen für soziale Stabilität durch das natürliche Gesetz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erklären, warum Locke einerseits leidenschaftlich für Toleranz eintritt, andererseits aber eine radikale Grenze bei bestimmten Glaubensrichtungen zieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die vergleichende Analyse von Primärtexten, insbesondere den Abgleich zwischen Lockes „Brief über Toleranz“ und „Zwei Abhandlungen über die Regierung“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird das Modell des Naturzustands und die Rolle der Vernunft analysiert, um die logische Konsequenz von Lockes Ausgrenzung bestimmter Gruppen darzulegen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Toleranz, Naturgesetz, Atheismus, Locke, Glaubensfreiheit und politische Ordnung sind die tragenden Begriffe.
Warum hält Locke den Atheismus für eine Gefahr für die Gesellschaft?
Da Atheisten die Existenz Gottes leugnen, erkennt Locke bei ihnen keine Basis für Eide oder Verträge an, was das gesellschaftliche Fundament ihrer Ansicht nach gefährdet.
Welche Rolle spielt der Papst in Lockes Argumentation gegenüber Katholiken?
Locke betrachtet Katholiken als problematisch, da sie den Papst als oberste Instanz ansehen, was aus seiner Sicht die Loyalität zum Staat untergräbt.
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- Anonym (Author), 2015, John Locke und die "Atheistenausnahme", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294883