Das Buch beschäftigt sich mit dem Anti-Amerikanismus der Westdeutschen in den 70ern. Der Autor definiert den Begriff bzw. grenzt bereits vorhandene ein. Darauf folgend durchleuchtet er den politischen Hintergrund dieses Jahrzehnts, subsumiert im Weiteren die Amerikabilder der Westdeutschen zu jener Zeit. Melf geht hierzu insbesondere auf die RAF ein und legitimiert seine Feststellungen durch vielfältigste Literaturangaben.
Lesen Sie aus der Einleitung:
‚Deutscher Anti-Amerikanismus heute und früher’ ist der Titel eines Beitrages von Günter Moltmann, ehemaliger Geschichtsprofessor, der bei dem Begriff auch eher an Vorurteile, nationalistische Klischees, undifferenzierte Pauschaläußerungen und extreme Verdammungen denkt, anstatt sachlicher Differenzen oder rationaler, kritischer Auseinandersetzungen. Mitte der Siebziger stellt er Anti-Amerikanismus „in vehementer Form in anarchistischen Kreisen und politisch links orientierten Schüler- und Studentengruppen, in subtiler Weise in den Massenmedien und in der westdeutschen Publizistik, in recht vager, unartikulierter Art in weiteren Kreisen der Bevölkerung“ fest. Als Beispiele nennt er Bombenanschläge auf Gebäude der amerikanischen Stationierungstruppen und Amerika-Häuser über Parolen, Spruchbänder und Plakate, über tendenziöse Nachrichtenkommentare und einseitiges Schrifttum zu amerikakritischen Ergebnissen von Meinungsumfragen. Tatsächlich beging die Rote Armee Fraktion am 11. Mai 1972 einen Bombenanschlag auf eine US-Kaserne in Frankfurt a. M., brachte dadurch einen Menschen um und verletzte dreizehn. Ein zweites Attentat auf Einrichtungen amerikanischer Streitkräfte in der BRD folgte am 24. Mai 1972 in Heidelberg, wo drei GIs sterben mussten und fünf verletzt wurden. Was wollte sie damit erreichen? Eine Änderung des Systems, denn wie Moltmann resümiert, ist Anti- Amerikanismus von ideologischen Ressentiments getragen, die das eigene Ideen- und Wertsystem als höherwertiger ansehen. So verwundert es nicht, dass das deutsche Amerikabild in den Siebzigern von Schlagwörtern wie ausbeuterischer Yankee, Plutokrat, hemdsärmeliger Egozentriker und Kapitalist geprägt war.
Kann Moltmann zugestimmt werden, der die Bombenanschläge der RAF gegen amerikanische Einrichtungen in der BRD als westdeutschen Anti-Amerikanismus bezeichnet?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung:
Bombenanschläge als Ausdruck westdeutschen Anti-Amerikanismus? 3
Hauptteil:
Definition des Begriffs Anti-Amerikanismus 4
Politischer Hintergrund der Siebziger 6
Das Amerikabild der Westdeutschen in den Siebzigern 10
RAF und der Anti-Amerikanismus 16
Resümee 17
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den westdeutschen Anti-Amerikanismus in den 1970er Jahren und prüft, inwieweit die Bombenanschläge der Roten Armee Fraktion (RAF) gegen amerikanische Einrichtungen als Ausdruck dieses Phänomens zu bewerten sind.
- Definition und historische Einordnung des Begriffs Anti-Amerikanismus
- Politischer Kontext der 1970er Jahre (Vietnamkrieg, Watergate-Affäre)
- Wahrnehmung der USA im westdeutschen Amerikabild dieser Dekade
- Analyse der Radikalisierung und ihrer Bezugnahme auf anti-amerikanische Narrative
Auszug aus dem Buch
Definition des Begriffs Anti-Amerikanismus
Die Diskussion um den Irakkrieg entzweite die deutsche von der US-Regierung. Viele Bundesbürger waren gegen den amerikanischen Alleingang und äußerten sich kritisch gegenüber der Politik Washingtons. Ist das nun schon als anti-amerikanische Einstellung anzusehen? Ablehnung, Kritik oder Anderswertung einzelner begründeter Sachverhalte kann und darf nach der Definition des Psychologen Rudolf Sponsel jedoch nicht als Anti-Amerikanismus bezeichnet werden, sondern erst wenn Begründungen ausbleiben, unzulässige Verallgemeinerungen erfolgen oder positive Erscheinungen geleugnet werden.
Auf seiner Homepage kommentiert Sponsel mehrere Autoren, die den Begriff in ihren Schriften ganz unterschiedlich verwenden. Für Gesine Schwan etwa kommt Anti-Amerikanismus einer diffamierenden Einstellung gleich. Emil-Peter Müller schreibt: „Zugegebenermaßen gibt es zwischen Anti-Amerikanismus und sachlicher Amerika-Kritik fließende Übergänge.“ Tatsächlich gibt es keine eindeutige Regelung, wie Antiamerikanismus von herkömmlicher Kritik abzugrenzen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik durch den Beitrag von Günter Moltmann und die konkrete Fragestellung zu den Bombenanschlägen der RAF.
Definition des Begriffs Anti-Amerikanismus: Differenzierung zwischen sachlicher Kritik und ideologisch motiviertem Anti-Amerikanismus sowie Auseinandersetzung mit verschiedenen Definitionsansätzen.
Politischer Hintergrund der Siebziger: Analyse der politischen Rahmenbedingungen wie der Nixon-Doktrin, des Vietnamkriegs und der Watergate-Affäre, die das bilaterale Verhältnis belasteten.
Das Amerikabild der Westdeutschen in den Siebzigern: Untersuchung der medialen Darstellung und der psychologischen Verankerung der US-Wahrnehmung in Westdeutschland.
RAF und der Anti-Amerikanismus: Darstellung der ideologischen Motive der RAF, die den US-Imperialismus zum Ziel ihrer Anschläge machten.
Resümee: Zusammenfassende Bewertung, ob die Anschläge der RAF als spezifisch westdeutscher Anti-Amerikanismus zu klassifizieren sind.
Schlüsselwörter
Anti-Amerikanismus, Westdeutschland, 1970er Jahre, Rote Armee Fraktion, RAF, Vietnamkrieg, Watergate-Affäre, Amerikanisierung, Politischer Protest, Anti-Imperialismus, Amerikabild, Ideologie, Außenpolitik, Studentenbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Ausprägung und Hintergründe des westdeutschen Anti-Amerikanismus während der 1970er Jahre.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Begriffsdefinition von Anti-Amerikanismus, der politische Kontext der 70er Jahre sowie das Amerikabild und die terroristischen Aktivitäten der RAF.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist zu klären, ob die Angriffe der RAF auf US-Einrichtungen als Ausdruck eines westdeutschen Anti-Amerikanismus begriffen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse genutzt?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, um politische Ereignisse und zeitgenössische Amerikabilder in den historischen Kontext der 1970er Jahre einzuordnen.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine historische Aufarbeitung der politischen Krisen der Ära Nixon und eine Untersuchung der medialen sowie literarischen Wahrnehmung Amerikas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören Anti-Amerikanismus, RAF, Vietnamkrieg, Watergate und Politischer Protest.
Welche Rolle spielt der Vietnamkrieg für das damalige Amerikabild?
Der Vietnamkrieg wird als ein zentraler Auslöser für eine kritische Haltung gegenüber der US-Außenpolitik und für die Erosion des Bildes Amerikas als „Land der Träume“ identifiziert.
Wie beeinflusste die Watergate-Affäre die Wahrnehmung der USA?
Die Affäre erschütterte das Vertrauen in die amerikanische Demokratie und verstärkte die in Westdeutschland aufkommende Kritik an der politischen Moral der USA.
- Citation du texte
- Franz Melf (Auteur), 2004, Westdeutscher Anti-Amerikanismus in den siebziger Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29490