Soziale Entwicklung in Brasilien


Seminararbeit, 2004
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

A) Einleitung

B) Hauptteil
I. Vorstellung HDI
II. Vergleich der Werte von 1995 und 2003 mit Unterteilung des HDI in
a) Lebenserwartung
b) Einkommen pro Kopf
c) Bildung
III. Synthese

C) Ausblick

Literaturverzeichnis

Thema: Soziale Entwicklung in Brasilien unter Cardoso am Beispiel des HDI (Human Development Index)

A) Einleitung

Fernando Henrique Cardoso (FHC) gelang als Finanzminister, was zwei vorangegangene Regierungen vergeblich versucht hatten, nämlich erfolgreich ein nachhaltig wirksames wirtschaftliches Stabilisierungs- und Sanierungsprogramm zu implementieren, dh. nach einem Jahrzehnt geringer Expansion und jährlicher Preissteigerungen von über 1000% die Inflation entscheidend zu senken und für wirtschaftliches Wachstum zu sorgen. Die wichtigsten Bestandteile seines Programms waren die Einführung einer neuen, flexibel mit dem US-Dollar verbundenen Währung (Real), drastische Einsparungen im öffentlichen Haushalt, die Privatisierung von Staatsbetrieben, die Öffnung des Marktes für ausländische Anbieter (mit dem Ziel, Inlandspreise zu senken und den Wettbewerb zu fördern) und eine allgemeine wirtschaftliche Deregulierung. Bei den Wahlen von 1994 erhielt Cardoso für diese Politik die breite Unterstützung besonders der unteren Teile der Einkommenspyramide, die am stärksten die sozialen Kosten der Inflation zu tragen gehabt hatten und die nun wieder eine gewisse Kaufkraft entwickelten. Nach der Ernennung zum Präsidenten setzte Cardoso seine Reformpolitik fort, die neben weitreichender Liberalisierung und Deregulierung auch eine soziale Komponente umfasste.[1]

Cardoso versprach vor seiner Wahl zum Präsidenten, er würde eine Verbesserung der Lebensbedingungen herbeischaffen können und gewann damit gegen seinen damaligen Konkurrenten und jetzigen Amtsnachfolger Lula. Hat sich in Brasilien während der Amtszeit Cardosos die Lebensqualität gesteigert oder nicht?

B) Hauptteil

I. Vorstellung HDI

Es ist relativ schwer, die Lebensqualität eines Landes mit der eines anderen zu vergleichen. Welche Faktoren bestimmen eigentlich die Qualität des Lebens? Und wie sollen sie gemessen und damit statistisch erfassbar gemacht werden? Die Vereinten Nationen haben 1990 im Rahmen ihres Entwicklungsprogramms UNDP (United Nations Development Programmes) einen Index konstruiert, der die menschliche Entwicklung anhand von Lebenserwartung, Einkommen und Bildung misst. Der sogenannte Human Development Index (HDI) ermöglicht es, international Vergleiche des Entwicklungsstandes anzustellen. Wenn auch Probleme bestehen, an zuverlässiges Datenmaterial zu kommen, so ist es doch immerhin eine Darstellungsweise, die zeigt, in welchem Bereich relativ der grösste Handlungsbedarf besteht, die Entwicklung voranzutreiben.[2]

II. Vergleich der HDI-Werte von 1995 und 2001

Um beurteilen zu können, wie sich die Lebensverhältnisse in Brasilien durch die Präsidentschaft von Cardoso verändert haben, nehme ich die HDI-Werte von 1995 und 2001, die jeweils zwei Jahre später im HDR (Human Development Report), dem Bericht der menschlichen Entwicklung, veröffentlicht werden. Herausgegeben wird dieser Zahlenkatalog von den Vereinten Nationen, bzw. der UNDP, in Zusammenarbeit mit den Nationalregierungen in Form ihrer Statistikämter. Für das Jahr 1995 wurde ein HDI-Wert von 0,738 errechnet, dem 0,777 in 2001 gegenübersteht.[3] Um kein Pauschalurteil vorwegzunehmen wollen wir den HDI genauer betrachten und sehen, wie er zusammengesetzt ist. Der Index der menschlichen Entwicklung (HDI) wird als einfaches arithmetisches Mittel von drei verschiedenen Einzelindexes ermittelt: HDIi = (LIndexi + EIndexi + BIPIndex i) / 3

Bestehend aus den Indexes der Lebenserwartung, der Bildung und des an der Kaufkraft gemessenen BIPs pro Kopf handelt es sich beim HDI um einen Mischindex, der die soziale und die wirtschaftliche Entwicklung darstellen soll.

a) Die Lebenserwartung (life expectancy at birth) ist eine Schätzung, wie viele Jahre ein Neugeborenes im Durchschnitt leben wird. Erfahrungswerte der Sterblichkeit jeden Alters werden hierzu übertragen. Verbessert sich etwa die Kindersterblichkeit, so steigt demnach auch die Lebenserwartung. Die Zahl beinhaltet die gesamte Bevölkerung. Unterscheidet man nach Geschlechtern, so ist fast durchgängig festzustellen, dass Frauen eine weit höhere Lebensdauer haben als Männer. Die Differenz beträgt etwa 5 Jahre. In meiner Arbeit will ich die Gesamtzahl vergleichen. Die Lebenserwartung ist auch eine Maßzahl, die Aufschlüsse über die allgemeine Lebensqualität gibt. Sie kann darüber hinaus anzeigen, wie hoch der mögliche “Return on Investment in Human Capital”[4] ist, ein Begriff aus der Finanzwelt für die Einberechnung der menschlichen Lebenszeit in bestimmte Rechnungen. So ist es etwa für die Kalkulationen der Lebensversicherungen von grossem Belang, welchen Wert sie hier ansetzen sollen. Doch kommen verschiedene Quellen zu unterschiedlichen Schätzungen. Das UNDP misst für 2001 in Brasilien eine Lebenserwartung von 67,8 Jahren.[5] Die Weltbank stellt 1994 eine durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt von 67 Jahren fest.[6] In 1996 unterscheidet sie zwischen den Geschlechtern und gibt für Männer 63, für Frauen 71 Jahre an.[7] Im Weltentwicklungsbericht 2003 veröffentlicht sie einen gemeinsamen Durchschnittswert von 68 Jahren in 2000.[8] Laut Angaben der CIA liegt sie 2003 schon bei 71,13 Jahre und rangiert damit bei deren internationalen Ranking an 111. Stelle.[9]

Den Index der Lebenserwartung errechnet das UNDP nach einem simplen Verfahren:

LIndexi = (Li - LMin) / (LMax - LMin) = (67,8 - 34,5) / (81,3 – 34,5) = 0,71

Der Index der Lebenserwartung des Landes i (LIndexi ) ergibt sich als Verhältnis der Zahl der Jahre, um die die Lebenserwartung des betrachteten Landes (für Brasilien gilt: Li = 67,8) die geringste Lebenserwartung aller Länder (LMin = 34,5) übertrifft, und der Zahl der Jahre, die günstigsten Falls erreicht werden können (LMax = 81,3), abzüglich wiederum der geringsten Lebenserwartung. Der höchste erreichte Wert ist mit 81,3 Jahren Japan und für das Bürgerkriegsland Ruanda gilt eine durchschnittliche Lebenserwartung von 34,5.[10]

[...]


[1] http://www.dse.de/zeitschr/ez1000-8.htm [28.Oktober 2003].

[2] WIKIPEDIA. Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Human_Development_Index [4. November 2003].

[3] UNDP: Human Development Report 2003, Nachhaltige Entwicklung in einer dynamischen Welt (Bonn: UNO-Verlag, 2003) 238.

[4] http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/docs/notesanddefs.html#2102 [28. Oktober 2003].

[5] UNDP: Human Development Report 2003, 238.

[6] WELTBANK: Weltentwicklungsbericht 1996. Vom Plan zum Markt (Bonn: UNO-Verlag, 1996) 223.

[7] WELTBANK: Weltentwicklungsbericht 1998/99. Entwicklung durch Wissen (Frankfurt am Main: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1999) 236.

[8] WELTBANK: Weltentwicklungsbericht 2003. Nachhaltige Entwicklung in einer dynamischen Welt (Bonn: UNO-Verlag, 2003) 286.

[9] http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/br.html [28.Oktober 2003].

[10] http://www.sai.uni-heidelberg.de/abt/intwep/iwp4/hdi.htm [4.November 2003].

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Soziale Entwicklung in Brasilien
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V29491
ISBN (eBook)
9783638309844
ISBN (Buch)
9783638817899
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Entwicklung, Brasilien
Arbeit zitieren
Franz Melf (Autor), 2004, Soziale Entwicklung in Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29491

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