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Ein zweideutiges Gottesurteil: Heinrich von Kleist 'Der Zweikampf'

Title: Ein zweideutiges Gottesurteil: Heinrich von Kleist 'Der Zweikampf'

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 13 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Daniel Schneider (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Der Zweikampf [...] hat viele treffliche Züge, aber der sonderbare Prozeß, der uns wieder hier vorgeführt wird, und der sich nur durch eine Art von Wunder entwickelt und aufklärt, interessirt uns nicht so, daß wir oft und gern zu dieser Erzählung zurückkehren sollten.“ Ludwig Tiecks kurze Bemerkung aus dem Jahre 1826 in der Einleitung zur ersten Gesamtausgabe der Werke Kleists zum Werk Der Zweikampf verdeutlicht beispielhaft die geringe Wertschätzung, die die Werke Heinrich von Kleists anfänglich erlangten. Erst seit Beginn des zwanzigsten Jahrhundert sollte Kleist, dem nun erst der Rang eines Klassikers zuerkannt wurde, für sein dichterisches Schaffen die ihm gebührende Aufmerksamkeit finden und „zu den großen deutschen Dichtern“ gezählt werden.

Die meiner neu konzipierten Arbeit zugrundeliegende Novelle Der Zweikampf war eins der letzten Werke Kleists und erschien 1811 kurz vor seinem Selbstmord in dem zweiten Band Erzählungen, der ursprünglich zusammen mit dem ersten Band den Titel Moralische Erzählungen tragen sollte. Die Gemeinsamkeit der Erzählungen auch mit denen des ersten Bandes liegt dabei in der Thematik, in dem Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit. Angeregt durch die Diskussionen im Seminar werden so auch bei meinen Ausführungen die Thematik der Wahrheitsfindung mittels des titelgebenden Zweikampfes sowie dessen Auslegung als Gottesurteil im Vordergrund stehen. Des Weiteren habe ich mich bemüht, der Kritik an meiner Erstfassung sowohl inhaltlich als auch konzeptionell gerecht zu werden. Der einleitend zu berücksichtigende Themenkomplex Ehre im Duell soll nun ebenfalls die Beziehung zwischen einem Zweikampf des 14. Jahrhunderts und einem Duell im 18. Jahrhundert explizit beleuchten. Erst danach werde ich mich dem zweideutigen Gottesurteil detailliert widmen. Grundlage hierfür wird neben den Gesprächen Friedrichs im Gefängnis mit seiner Mutter sowie mit Littegarde auch der Schluss des Textes sein, wo der Kaiser die Statuten des Gottesgerichts ändert. Die Arbeit findet ihren Anschluss in einem Resümee, das ein Gesamturteil beinhalten wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gottesurteil in Der Zweikampf

2. 1 Ehre im Duell

2. 1. 1 Beziehung Zweikampf / Duell

2. 2 Deutung des Gottesurteils

2. 2. 1 Friedrich und Helena

2. 2. 2 Friedrich und Littegarde

2. 3 Relativierung des Gottesurteils

3. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Heinrich von Kleists Novelle „Der Zweikampf“ hinsichtlich der Thematik der Wahrheitsfindung durch göttliche Schiedsurteile und analysiert, wie die Protagonisten mit der Divergenz zwischen dem Ergebnis des Zweikampfes und dem eigenen Bewusstsein umgehen.

  • Die Funktion und Interpretation des Gottesurteils im 14. Jahrhundert.
  • Die Rolle der „Ehre“ als zentrales Motiv im Kontext von Zweikampf und Duell.
  • Die Verschränkung von mittelalterlichem Ordal und modernen Duellkonzepten.
  • Die kritische Reflexion des Erzählers gegenüber göttlicher Vorherbestimmung und Autoritätshörigkeit.

Auszug aus dem Buch

Friedrich und Helena

Im Streitgespräch zwischen dem Kämmerer Friedrich und seiner Mutter, in dem beide versuchen, das Ergebnis des Duells zu deuten, sind die Rollen klar verteilt.

Helena bedient sich aus damaliger Sicht des gesunden Menschenverstandes und akzeptiert, wie gegen Ende des 14. Jahrhunderts üblich, das durch das Ergebnis des Zweikampfs gefällte Gottesurteil als Entscheidungsmittel. Ihr Zorn richtet sich gegen Littegarde, die „gleich einer Unschuldigen“ den göttlichen Schiedsspruch aufgerufen hat und damit ihren Sohn mit „ins Verderben“ gestürzt hat. Sowohl Friedrich als auch die wegen des „sündhaft angerufenen göttlichen Schiedsurtheils“ mitschuldige Littegarde sehen dem „schmählichen Tod der Flammen“ entgegen.

Dagegen tritt Friedrich „als ,thörichter Mensch’, als unbeirrt und entschlossen glaubender Tor, der sich nicht um die ,willkürlichen Gesetze der Menschen’ kümmern muß“, auf. Trotz des Kampfesverlaufs und der offenkundigen Niederlage hat sich an seinem Verhalten zu Littegarde nichts verändert. Friedrich ist eher bereit an dem Gottesurteil zu zweifeln als an der Glaubwürdigkeit Littegardes. Er sieht den Ausgang des Duells vielmehr als einen „geheimnisvollen Spruch“ Gottes an, den es kein noch so weiser Sterbliche wagen darf auszulegen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Kleists Novelle „Der Zweikampf“ ein, beleuchtet deren späte Anerkennung als Werk eines Klassikers und skizziert den Fokus auf die Wahrheitsfindung und das Gottesurteil.

2. Gottesurteil in Der Zweikampf: Dieses Kapitel erläutert das zentrale Motiv des Zweikampfes als Instrument zur Wahrheitsfindung und stellt die Bedeutung der Ehre für die Protagonisten heraus.

2. 1 Ehre im Duell: Hier wird die existenzielle Bedeutung der Ehre im Kontext des Zweikampfes thematisiert und deren gesellschaftliche Funktion als Anerkennungsritual erläutert.

2. 1. 1 Beziehung Zweikampf / Duell: Dieser Abschnitt untersucht den Anachronismus zwischen der mittelalterlichen Datierung der Handlung und den Duellkonzepten des 18. und 19. Jahrhunderts.

2. 2 Deutung des Gottesurteils: Es wird analysiert, wie die verschiedenen Protagonisten das unklare Ergebnis des Duells interpretieren und warum sie sich jeweils im Recht sehen.

2. 2. 1 Friedrich und Helena: Die Untersuchung des Gesprächs zwischen Friedrich und seiner Mutter offenbart den Konflikt zwischen traditionellem Gottesglauben und Friedrichs subjektivem Festhalten an der Wahrheit.

2. 2. 2 Friedrich und Littegarde: Dieses Kapitel behandelt die erste Begegnung der beiden nach dem Duell, die sich zu einer kommunikativen Auseinandersetzung über die Rechtmäßigkeit des göttlichen Urteils entwickelt.

2. 3 Relativierung des Gottesurteils: Abschließend wird aufgezeigt, wie der Kaiser durch eine geänderte Klausel die metaphysische Garantie des Gottesurteils einschränkt und der Erzähler die Autoritätshörigkeit kritisiert.

3. Resümee: Die Zusammenfassung betont, dass der Ausgang der Erzählung nicht auf einem göttlichen Urteil basiert, sondern durch menschliche Zufälle bestimmt wird, womit die Kritik an der göttlichen Vorherbestimmung unterstrichen wird.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Der Zweikampf, Gottesurteil, Ehre, Duell, Wahrheitsfindung, Gerechtigkeit, Littegarde, Friedrich von Trota, Rechtsprechung, Interpretation, Literaturanalyse, Novelle, Mittelalter, Determinismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Heinrich von Kleists Novelle „Der Zweikampf“ und die darin dargestellte Problematik der Wahrheitsfindung durch göttliche Vorsehung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Begriffe Ehre, die Auslegung von Gottesurteilen und der Konflikt zwischen individueller Überzeugung und gesellschaftlichen bzw. religiösen Normen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den zweideutigen Ausgang des titelgebenden Zweikampfes zu untersuchen und aufzuzeigen, wie Kleist das mittelalterliche Gottesurteil durch moderne Interpretationen und Zufälle relativiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die durch den Einbezug von Sekundärliteratur und zeitgenössischen Diskursen die Bedeutung und Struktur der Novelle erarbeitet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Ehre, der Interpretation des Gottesurteils durch die Hauptfiguren und der inhaltlichen Relativierung dieses Urteils durch den Kaiser und den Erzähler.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kleist, Gottesurteil, Ehre, Wahrheit und Individualität charakterisieren.

Wie bewertet der Autor den „wunderbaren“ Prozess im Werk?

Der Autor schließt sich nicht der zeitgenössischen Kritik an, die den Prozess als unrealistisch bezeichnete, sondern sieht ihn als konsequentes und passendes Moment zur Entlarvung der menschlichen Anmaßung bei der Auslegung göttlicher Zeichen.

Warum ist die Rolle der Figur Friedrich von Trota so wichtig?

Friedrich verkörpert als Gegenpart zu den normorientierten Figuren ein unerschütterliches, intuitives Wahrheitsgefühl, das den Glauben an ein starres Gottesurteil in Frage stellt.

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Details

Title
Ein zweideutiges Gottesurteil: Heinrich von Kleist 'Der Zweikampf'
College
Ruhr-University of Bochum
Course
HS Männerehre, Frauenehre: Duellgeschichten
Grade
2,0
Author
Daniel Schneider (Author)
Publication Year
2003
Pages
13
Catalog Number
V29497
ISBN (eBook)
9783638309905
Language
German
Tags
Gottesurteil Heinrich Kleist Zweikampf Männerehre Frauenehre Duellgeschichten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Schneider (Author), 2003, Ein zweideutiges Gottesurteil: Heinrich von Kleist 'Der Zweikampf', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29497
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