Reduktion von Vorurteilen durch strukturierte Interventionsmaßnahmen im schulischen Kontext

Möglichkeiten und Grenzen der Kontakthypothese


Hausarbeit, 2013
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Entstehung von Vorurteilen
2.1 Begriffserklärung Vorurteil und Stereotyp
2.2 Was verursacht Vorurteile?
2.3 Vorurteile und institutionelle Diskriminierung an Schulen

3. Reduktion von Vorurteilen
3.1. Die Kontakthypothese
3.2 Das Ferienlagerexperiment von Sherif
3.3 Die Jigsaw Methode

4. Möglichkeiten und Grenzen der Theorie

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Um Frieden mit einem Feind zu schließen, musst Du mit dem Feind zusammenarbeiten - dann wird er zu Deinem Partner."

Nelson Mandela

Stereotype und Vorurteile sind alltägliche Phänomene, die sowohl negativ als auch positiv sein können und den Menschen helfen, ihre Strukturen zu ordnen. Häufig treten diese Einstellungen gegenüber stigmatisierten Per- sonen auf und führen zu Diskriminierungen, Interessenkonflikte oder Kon- kurrenzbeziehungen - auch in der Schule. Gegenstand dieser Hausarbeit ist die die Auseinandersetzung mit der Entstehung von Vorurteilen und eine mögliche Reduzierung.

Oft hört man Aussagen von Menschen wie „alle Türken sind faul, außer Murat“ oder auch „alle Schwarzen stinken, nur James nicht“. In diesem Fall greift die Kontakthypothese. Denn der Grund warum im Einzelfall anders beurteilt wird, ist der direkte Kontakt zu der jeweiligen Person und, dass sich das Vorurteil nicht bestätigt hat. In dieser Arbeit wird also der Frage nachgegangen wie man die Theorie der Kontakthypothese in die Schule übertragen kann, um dort gegebenenfalls einen vorurteilsfreien Raum zu schaffen.

Im ersten Teil der Hausarbeit wird zunächst die Entstehung der Vorurteile betrachtet und inwiefern Vorurteile und Diskriminierung an Schulen vor- handen sind. Daraufhin folgt die theoretische Auseinandersetzung mit der Kontakthypothese, die der Verbesserung von Intergruppenbeziehungen dienen soll. Es werden die Ergebnisse des Experiments von Sherif be- schrieben, die basierend auf der Kontakthypothese angewandt wurde und verdeutlicht, dass der Kontakt zwischen Eigen- und Fremdgruppe zum Ab- bau von Vorurteilen führen kann. Um einen direkten Bezug zur Institution Schule herzustellen wird die Jigsaw Methode erklärt, die eine spezielle Interventionsmöglichkeit zur Reduktion von Vorurteilen im schulischen Kontext darstellen kann. Im Fokus der Ausarbeitung steht eine kritische Betrachtung dieser genannten Theorien. Dazu gehört auch, sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Theorie auseinanderzusetzen.

2. Entstehung von Vorurteilen

Wie gelangen die Menschen zu Vorurteilen? Ist es ein natürlicher Prozess, oder werden sie erlernt? Um dies herauszufinden werden in dieser Haus- arbeit zunächst einmal die Begriffe Stereotyp und Vorurteile erklärt sowie die jeweiligen Ursachen beschrieben. Auch die Schule ist nicht befreit von Vorurteilen. Ob eine Diskriminierung an Schulen statt findet und eine ent- sprechende Intervention notwenig ist, wird in den folgenden Kapiteln erör- tert. Dabei spielt auch die institutionelle Diskriminierung eine wesentliche Rolle.

2.1. Begriffserklärung Stereotyp und Vorurteil

Stereotyp setzt sich aus den griechischen Wörtern stereos (starr, hart) und typos (Entwurf, feste Norm) zusammen. Die Entstehung von Stereotypen erfolgt durch die soziale Kategorisierung von Menschen, die anhand von Merkmalskategorien (Nationalität, Alter, Geschlecht) oder soziale Kategorien, Personen in verschiedene Gruppen zuordnet. Durch die Kategorisierung entstehen Wahrnehmungs,- und Urteilsprozesse, bei denen festzustellen ist, dass stereotype Annahmen über Fremdgruppen in der Regel negativer ausfallen als über die Eigengruppe. Sind die Stereotype gebildet, beeinflussen sie die Informationsverarbeitung und die daraus entstandene Schlussfolgerung. (vgl. Petersen/Six 2008, S. 22)

Vorurteile sind Urteile über Menschen, die verallgemeinernd, voreilig, und klischeehaft sind. Sie beinhalten meist eine negative Bewertung und sind nur schwer zu modifizieren. (vgl. Güttler 2000, S. 108) Allport definiert Vorurteile als eine ablehnende Haltung gegenüber Personen, weil sie Eigenschaften aufweisen, die einer bestimmten Gruppe zugeschrieben werden. (vgl. Allport 1971, S. 21)

2.2. Was verursacht Vorurteile?

Vorurteile werden bereits in frühen Jahren während der Sozialisation gebildet. Dies kann bewusst durch absichtliche Vermittlung von bestimmten Einstellungen geschehen sowie unbewusst aufgrund von Beobachtungen und Imitationen zurückgeführt werden. (vgl. Büss 2002, S. 18) Zudem setzt der Prozess der sozialen Kategorisierung schon früh ein. Der Gebrauch von Kategorien wird als kognitive Notwendigkeit betrachtet, um die Komplexität der Welt zu verarbeiten. (vgl. Büss 2002, S. 19) Menschen neigen dazu, Kategorien der Norm entsprechend zu bilden.

Stereotypisierung geht über die bloße Kategorisierung hinaus. Ein Stereo- typ ist eine Generalisierung einer Gruppe von Menschen, bei der man der gesamten Gruppe identische Eigenschaften zuschreibt, ohne auf Un- gleichheiten zu achten. (vgl. Aronson 2008, S. 486) Gordon Allport be- schrieb die Stereotypisierung als „das Gesetz der geringsten Anstren- gung.“ (Aronson 2008, S. 425) Wir reagieren nicht auf jeden Reiz der uns neu ist, sondern verlassen uns auf unsere Wahrnehmung, die uns auf ähn- liche Reize in der Vergangenheit hinweist und so eine bestimmte Reaktion auslöst. Es wird bei der Aktivierung von Stereotypen zwischen automati- schen und kontrollierten Prozessen unterschieden. Bei der automatischen Verarbeitung von Stereotypen hat man keine Kontrolle über die Wahrneh- mungsprozesse. Sie werden automatisch durch bestimmte Bedingungen ausgelöst. Man kann dies aber mit einer kontrollierten Verarbeitung unter- drücken, in dem man sie sich bewusst macht. (vgl. Aronson 2008, S. 487)

Bei der Erlernung von Vorurteilen bei Kindern spricht Allport von zwei Stu- fen: das vorverallgemeinernde Lernen und die Stufe der totalen Ableh- nung. In der ersten Phase identifiziert sich das Kind zunächst mit nahe stehenden Bezugspersonen und ist bemüht diese nicht zu verärgern. Sie haben noch keine Angst vor fremden Personen, entwickeln aber bereits Interesse für andere Ethnien und können Merkmalsunterschiede (z.B. Hautfarbe) erfassen.

In der zweiten Stufe werden die Eintellungen der Eltern übernommen. Die Kinder reagieren mit „totaler Ablehnung“ sofern die Eltern eine negative Einstellung gegenüber einer Gruppe haben. Nach Beendigung der beiden Phasen kommt die Stufe der Differenzierung, in dem Vorurteile relativiert werden können. (vgl. Avci-Werning 2004, S. 47)

Im Kapitel 3 dieser Hausarbeit wird die Kontakthypothese beschrieben, die möglicherweise zur Reduktion von Vorurteilen führen kann. Vorab lässt sich bereits sagen, dass nur bestimmte Kontakte dieses Ziel erreichen können. Das Verstärken oder Reduzieren von Vorurteilen ist kontextge- bunden und situationsabhängig. Wenn Bedingungen gegeben sind, wie z.B. ungleicher Status, konfligierende Interessen und Werte, werden die Vorurteile gegenüber der Fremdgruppe durch den Kontakt intensiviert und es kommt zu einer Steigerung der negativen Einstellung. (vgl. Brüss 2002, S. 23)

2.3 Vorurteile und institutionelle Diskriminierung an Schulen

Konflikte zwischen Schülern aufgrund kultureller Unterschieden und Andersartigkeit sind an deutschen Schulen an der Tagesordnung. Allerdings sind es auch Lehrer, die Kinder diskriminieren. Die Aufgabe der Pädagogen ist es hingegen, Konflikte zu bearbeiten und den Abbau von Vorurteilen zu fördern. (vgl. Avci-Werning 2004. S. 14)

Im schulischen Kontext spiegeln sich die Vorurteile der Gesellschaft wie- der. Daher ist eine Auseinandersetzung mit Vorurteilen seitens der Lehrkräfte und der Schule notwendig und unterliegt dem gesetzlich festgelegten Bildungsauftrag von Schule:

„ Die Achtung der Würde des Menschen und die Wahrung der Grundrechte sind Verfassungsnormen, die in den Schulgesetzen der Länder konkreti siert sind. Der dort formulierte Bildungsauftrag geht davon aus, dass alle Menschen gleichwertig und dass ihre Wertvorstellungen und kulturellen Orientierungen zu achten sind. “ (Lüdekke 2007, S. 10)

Die Schule setzt sich zum Ziel, Vorurteilsbildungen entgegenzuwirken und Einstellungen zu fördern, die an Grundsätzen wie der Demokratie, der Völ- kerverständigung, der Freiheit und Verantwortung orientiert sind. Die Institution Schule ist jedoch ein sehr komplexes Gebilde aus diversen Personengruppen (Lehrer, Eltern, Sozialpädagogen usw.) die den Schul- prozess durch verschiedene kulturelle, soziale, politische und persönliche Einstellungen beeinflussen. (vgl. Avci-Werning 2004, S. 44) Folglich lässt sich nicht ausschließen, dass trotz der auferlegten Ziele, die Schule auch als Institution diskriminieren kann. Die Schule ist ein Ort, an dem eine gerechte Beurteilung von Leistungen erwartet wird, jedoch pro- duziert sie Bildungsbenachteiligung selbst: Durch eine Ungleichverteilung von Bildungsabschlüssen und einer frühen Selektion nach der Grundschu- le. (Gomolla 2009, S.7) Die institutionelle Diskriminierung bezieht sich auf Benachteiligungen durch Programme, Routinen und Institutionsstrukturen, die zu einer Trennung der Schüler anhand von gruppenspezifischen Merkmalen führen kann. Die institutionelle Benachteiligung ist häufig bei Schülern mit Migrationshintergrund zu beobachten. Da die Schule eine äußerst wichtige Sozialisationsfunktion darstellt, ist es von großer Bedeu- tung, dass die Schüler dort Gerechtigkeit, Solidarität und Chancengleich- heit vorgelebt bekommen. (vgl. Beelmann / Jonas 2009, S. 342)

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Details

Titel
Reduktion von Vorurteilen durch strukturierte Interventionsmaßnahmen im schulischen Kontext
Untertitel
Möglichkeiten und Grenzen der Kontakthypothese
Hochschule
FernUniversität Hagen
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V294983
ISBN (eBook)
9783656927815
ISBN (Buch)
9783656927822
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
reduktion, vorurteilen, interventionsmaßnahmen, kontext, möglichkeiten, grenzen, kontakthypothese
Arbeit zitieren
Rebecca Winkler (Autor), 2013, Reduktion von Vorurteilen durch strukturierte Interventionsmaßnahmen im schulischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294983

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