Natürliche Logik. Zum Konzept und zur Konzeption der Heidebilder Annette von Droste-Hülshoffs


Hausarbeit, 2012
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung der Heidebilder

3 Einzelanalysen
3.1 „Die Lerche“ – neue Ouvertüre?
3.2 „Die Steppe“ – ein alter Prolog?

4. Die Gedichte im Vergleich

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Heidebilder gehören heute zu den bekanntesten und populärsten lyrischen Werken Annette von Droste-Hülshoffs. Sie gelten in der Forschung bemerkenswert kongruent „als ein Höhepunkt der Drosteschen Dichtung“[1]. Schon früh verhalfen sie ihr in einer Periode der höchsten Kreativität zu lang ersehnter Aufmerksamkeit auf dem Weg zur Akzeptanz als Schriftstellerin. Somit existiert schon eine natürliche Relevanz sich den Heidebildern als Thematik gezielter zu widmen.

Als historischer Kontext bildet der Zeitraum von 1815 – 1848 eine kohärente Einheit im Zeichen der Restauration und dem damit verbundenen unversöhnlichen Kampf zweier sich ausschließender Gedankensysteme.[2] Auch wenn die Droste sich selbst als unpolitisch verstand, kollidiert sie alleine schon durch ihre Herkunft mit dem aktuellen Zeitgeschehen ihrer Gegenwart.[3] Als Mitglied eines westfälischen Adelsgeschlechtes musste ihr bewusst sein, dass sie in einer vom Verfall bedrohten Übergangsepoche lebte.[4] Dieser historische Bezugsrahmen bildet eine mögliche Folie, vor der ihre Gedichte zu lesen sind. Dennoch sollte dieses Kriterium nicht alleinig bei der Interpretation herangezogen werden. So wusste auch die Droste bereits: „Es ist immer sehr gut eine Sache von mehreren Seiten zu betrachten“[5]. Vielmehr ist der Blick darüber hinaus auch auf ihren poetischen Ästhetizismus und das poetologisches Verständnis ihrer Dichtung zu richten, das immer wieder auch aus ihren Briefen deutlich hervortritt. Korrekturen, Verschiebungen in den Abteilungen und penible Anpassungen, vor allem auch die gezielte und mehrfach veränderte Wortwahl, sind durchaus keine Seltenheit. Vor diesem Hintergrund fällt es nur schwerlich zu glauben, dass mögliche Organisationsprinzipien einzig „heuristischen Zwecken“[6], dienten. Hingegen liegt die These nahe, dass die Abteilung der Heidebilder einem bewussten Konzept der Autorin unterliegt und somit einer gezielten Konzeption folgt, die eine innere Logik aufweist.

In der Vergangenheit wurden bereits zahlreiche Untersuchungen ihrer Naturlyrik, vor allem zu den Heidebildern, durchgeführt. So ist bereits vielfach der Versuch unternommen worden, die Dichtung Annette von Droste-Hülshoffs in enge Kategorien zu zwängen, die ihr nie gänzlich gerecht werden können. Im Fokus dieser Arbeit steht die anzunehmende und wahrscheinliche innere konzeptionelle Logik der Abteilung Heidebilder des zweiten Gedichtbandes Annette von Droste-Hülshoffs. Insbesondere werden die Forschungsbeiträge von Clemens Heselhaus und Günter Niggl anhand des heutigen Forschungsstandes einer kritischen Revision unterzogen. Dazu eignen sich in besonderem Maße die beiden, um die Exposition konkurrierenden, Gedichte Die Steppe sowie Die Lerche, die in dieser Arbeit vergleichend untersucht werden, um übergreifende gemeinsame und unterschiedliche Strukturen in den Gedichten und der Abteilung darzulegen. Des Weiteren verfolgt diese Arbeit das Bestreben Ansätze des strukturellen Konzeptes ihres lyrischen Werkes aufzuzeigen.

2. Entstehung der Heidebilder

Die Abteilung der Heidebilder entstand zwischen Oktober 1841 bis Juli 1842 und bildet den Kern ihrer Naturlyrik.[7] Bereits am 18. Dezember 1841 fasste die Droste den Plan eine zweite Gedichtausgabe zu veröffentlichen.[8] Darüber hinaus stand die Bezeichnung der enthaltenen Abteilung noch vor der Niederschrift des ersten Gedichtes fest.[9] Aus diesen Fakten lässt sich mit hinreichender Gewissheit die Erkenntnis herleiten, dass die Dichterin schon jetzt die Absicht hegen musste, zusammenhängende Gedichte zu konzipieren. Diese Tatsache steht in deutlichem Kontrast zur These Niggls, der weder eine Idee, noch einen Plan hinter den Heidebildern vermutete, sondern sie erst nachträglich motiviert sieht.[10] Ein weiteres Indiz für eine planmäßige Konzeption ist in einem erhaltenen Brief der Droste an Levin Schücking zu finden, in dem am 17. Januar 1844 erwähnt wird, dass sie die naturlyrische Abteilung der Heidebilder in einem Anlauf verfasste.[11] Inspiriert wurde sie sicherlich auch durch den Trend ihrer Zeit, was einige Jahre zuvor bereits Beiträge zum Malerischen und romantischen Westphalen förderte, die zumindest als Motivquelle der späteren Heidebilder dienen sollten.[12] Auch wenn sich die Neigung der Droste zur Natur im Besonderen auf ihre westfälische Herkunft[13] zurückführen lässt, wo sie in ihrer Kindheit aufgrund ihres ländlichen Lebens schon früh eine tiefe Bindung zur Natur entwickelte[14], bedurfte es später dennoch zunächst einer Anregung Schückings, um mit der Produktion der Naturdichtungen in Meersburg am Bodensee, fern ihrer provinziellen Heimat, zu beginnen.[15] In diesem Zusammenhang kann Natur bei Annette von Droste-Hülshoff aufgefasst werden, als „die Gesamtheit dessen, was nicht vom Menschen geschaffen wurde, sondern unabhängig von ihm in der Welt existiert.“[16] Das Gegenstück zur Natur in diesem Sinne, stellt die menschliche Kultur dar.[17] Ihre Naturlyrik beschreibt demnach verallgemeinert das Verhältnis zwischen Natur und den Menschen. Bei der folgenden Betrachtung der Lyrik Annette von Droste-Hülshoffs bleibt dieses Spannungsverhältnis stets im Hintergrund gegenwärtig. Die Autorin verschreibt sich der naturgetreuen Darstellung des Menschen und seiner Umwelt[18] und stellt damit eine verbindliche Forderung an ihre Lyrik, deren Erfüllung (im Rahmen der beiden Gedichte) es zu prüfen gilt. Ferner gibt eine Einordnung der Gedichte in die übergeordnete Gruppe der Heidebilder einen äußeren Rahmen vor, in welchem diese jeweils besondere Stellungen beziehen, die nach der Einzelanalyse gesondert in einem Vergleich betrachtet werden müssen.

Im weiteren Verlauf wird bewusst weitestgehend auf die in Kontroverse geratenen Begriffe des ‚Zyklus‘ oder der ‚Sequenz‘ zugunsten des neutraleren Drostschen Ausdrucks ‚Abteilung‘ verzichtet, da diese Unterscheidungen lediglich auf der Präferenz einer differenzierten Akzentuierung verschiedener, sich nicht ausschließender, Deutungshorizonte beruhen. Bei dieser unvoreingenommenen Betrachtung soll jedoch daher zunächst keinem der beiden Begriffe Vorzug gewährt werden.

3 Einzelanalysen

Sowohl Die Lerche, als auch Die Steppe entstanden innerhalb eines kurzen Zeitfensters zwischen Februar und März 1842.[19] Keineswegs ist diese chronologische Faktizität jedoch ausschlaggebend für die spätere, mehrfach modifizierte, Anordnung der Heidebilder, wie das zwischen dem 30. September 1841 und Anfang Februar 1842 entstandene Gedicht Der Knabe im Moor (somit älteste Werk der Abteilung) und dessen nachträgliche Anfügung im Jahre 1844 ans Ende der Gruppe belegt.[20] Weitere Anhaltspunkte hierfür liefert der Handschriftenbefund, der eine Reihenfolge offenbart, die sich zum Teil deutlich von der finalen Reihung in der Cotta’schen Ausgabe unterscheidet.[21] So gilt es in der neueren Forschung als erwiesen, dass Die Lerche als erstes Heidebild erdacht wurde, unmittelbar gefolgt vom Gedicht Der Weiher. Wenig später erst entstand Die Steppe. Somit verliert die Argumentationsbasis Niggls vor diesem Hintergrund an Beständigkeit, stützt er sich in seinen Ausführungen auf einen Irrtum von Clemens Heselhaus, der die Lerche als letztes Heidebild annahm.[22] In Folge dessen müssen die Untersuchungen neu bewertet werden.

In einem ersten Gedichtverzeichnis V1 wird Die Lerche trotz ihres chronologisch gesehen früheren Entstehungsdatums an zweiter Position aufgeführt, unmittelbar hinter dem später Die Steppe genannten Gedicht.[23] Daraus, und aus den weiteren Modifikationen in der Abfolge, lässt sich erschließen, dass die Entstehungsreihenfolge nicht maßgeblich für eine Anordnung war, sondern der Abteilung anderweitige Ordnungsprinzipien zu Grunde liegen müssen.[24] Bereits im zweiten Verzeichnis V2, sowie in allen künftigen Verzeichnissen, eröffnet Die Lerche die Abteilung der Heidebilder. Daraus ergibt sich die Überlegung, ob und inwiefern dieses Gedicht womöglich besser als Die Steppe der einführenden Funktion gerecht wird und als Eingangsgedicht Berechtigung findet. Ebenso bleibt die Frage präsent, warum schlussendlich Die Lerche präferiert wurde, was in der Folge zu einer Verschiebung innerhalb der Gruppe führte. Zudem stellt sich die Frage, welche neue Funktion Die Steppe in der Abteilung erhält.

3.1 „Die Lerche“ – neue Ouvertüre?

Eingangs begrüßt das lyrische Ich des Gedichtes einen unbekannten Adressaten mit einer Suggestivfrage, dessen Ton durch die Anrede in der zweiten Person Singular sehr persönlich wirkt. Der Adressat scheint vertraut und wird gleich zu Beginn auf die Probe gestellt, bei der dieser seine Wahrnehmung unter Beweis stellen muss oder zumindest gezwungen wird seine auditive Rezeption der Außenwelt zu reflektieren, da das lyrische Ich glaubt einen „gespornten Wächter“ (V. 1) der Nacht zu hören und sich beim Adressaten rückversichern will. Schon früh taucht in dieser Form eine erste Wahrnehmungsproblematik im Gedicht auf. Bemerkenswert ist hier sogleich die Wortwahl, die sich in ihrer Doppeldeutigkeit nicht nur zweier unterschiedlicher Paradigmen bedient, sondern für Leser der heutigen wie damaligen Zeit ungewöhnlich wirken musste, da Annette von Droste-Hülshoff unmittelbar von botanischer Fachsprache Gebrauch macht. Die Droste verwendet hier obendrein zwei Begriffe kontrastiver Themenwelten und lässt Natur wie Mensch bereits im ersten Vers auf syntagmatischer Ebene nebeneinander konkurrieren und beispielhaft durch die Verwendung von Adjektiven wie metaphorische Einheiten verschmelzen. Das Gedicht ist insgesamt stark geprägt von der Gegenüberstellung dieser auf den ersten Blick schier unvereinbaren Themenwelten. Immer wieder werden Begriffe der menschlichen Lebenswelt, darunter: Wächter, Herold, Mandat, Bote, Fürstin, Kämm’rer, Königin, Knappe, Prinz oder vom Menschen geschaffene Dinge und Orte, wie: Saal, Bad, Hallen, Tor als auch beispielsweise ein Teppich im unmittelbaren Kontext der Natur eingesetzt.

Dieser Eröffnung folgt zunächst jedoch eine Art Natureingang, in welchem das lyrische Ich die Umgebung anfangs skizzenhaft beschreibt. Die Nacht geht vorüber und wird durch eine für die Droste typische semantisierte Präfixbildung von der einsetzenden Dämmerung und aufgehenden Sonne abgelöst, sie „verzittert“ (V. 2). Eine weitere Wahrnehmungsproblematik offenbart das lyrische Ich, dessen Vorhaben die Umwelt zu beschreiben, zunächst durch dessen eigene visuelle Rezeption zu scheitern droht, denn offenkundig „sieht [man] es nicht genau“ (V. 5), was in der Umgebung passiert. Dem Wahrheitsgehalt der Aussagen des lyrischen Ichs muss Skepsis entgegen gebracht werden, handelt es sich hier nicht um ein allwissendes Ich, so dass es beim Vertrauen auf dessen eigene – offenkundig unvollständige – Wahrnehmung einem Trugschluss unterliegen könnte. In dem Gedicht lassen sich zahlreiche Verweise auf etwaige Sinneswahrnehmungen ausmachen. Die landschaftliche Deskription des lyrischen Ichs bereichert die Droste durch Verwendung anschaulicher Farbsymbolik und bedient hierdurch einen weiteren Sinn des Adressaten. Durch den Einsatz vieler Verben, die im weitesten Verständnis eine Bewegung darstellen, entsteht eine belebende Dynamik. So ist ein zucken (V. 7), streifen (V. 9), schütteln (V. 10), wirbeln (V. 15) und schießen (V. 16) zu beobachten, die dafür sorgen, dass die Dynamik, einhergehend mit einem, in den Kadenzen unregelmäßig alternierenden, 5-hebigen jambischen Metrum, gestützt wird.

Bereits in der ersten Strophe hat die Lerche des gleichnamigen Gedichtes ihren Auftritt und begleitet den restlichen Verlauf. Motivgeschichtlich betrachtet, orientiert sich die Droste eines bereits vielfach, wenn auch weniger in deutscher Lyrik, verwendeten Motives, das hier, wie auch bereits im 18. Jahrhundert, die typische tradierte Funktion des Morgenvogels inne hat.[25] Es mag durchaus reizvoll wirken, dieses Motiv der Lerche mit dem später entstandenen und ebenfalls von ihr verfassten Gedicht Die todte Lerche zu vergleichen, in der sie sich selbst die Rolle der Lerche zuschreibt,[26] was wiederrum unter Umständen Rückschlüsse erlaubt, ob sie auch bereits früher in den Heidebildern selbige Rolle einnimmt. Dies kann und soll jedoch hier nicht weiter thematisiert werden. Textimmanent betrachtet wird in diesem Gedicht die Lerche als „des Tages Herold“

(V. 11) vorgestellt, der im Mittelalter eine Art Boten- und Diplomatenfunktion bekleidete und viele Privilegien besaß.[27] An zahlreichen Stellen, wie auch dieser, wird deutlich, dass dem Gedicht eine „Projektion der menschlichen Ordnung auf die Natur“[28] zugrunde liegt. Die Bildlichkeit des Gedichtes ist geprägt von Allegorien, die allesamt Gegenstände der Natur auf die menschliche Lebenswelt referenzieren. Wie Günter Häntzschel in seinen Untersuchungen zeigte, bildet die Allegorie in der Dichtung der Droste ein durchaus typisches Stilmittel.[29] Die Landschaft wird durch die Personifikation belebt und zum Abbild einer tradierten Gesellschaftsordnung.[30] Nur so kann in der zweiten Strophe eine wörtliche Rede, mit durchaus appellativ anmutenden Charakter, der Lerche folgen. So dient sie als Vermittler zwischen Sonne, die als unerreichbare Fürstin dargestellt wird, und dem Volk, das zunächst in dieser zweiten Strophe durch die Pflanzenwelt beschrieben wird. So bereiten sich Masliebchen, Wasserlilie, Zitterhalm, Weide wie Genzian auf das Eintreffen der Fürstin und somit das Aufsteigen der Sonne, vor. Die auferlegten Charakterzüge, welche das Volk scheu, ängstlich und unentschlossen darstellen, zeigen einen deutlichen Unterschied in der Rangfolge auf, die lediglich durch die Projektion motiviert sein kann. Abgrenzend dazu wird abstufend in den nächsten Strophen die Hierarchie Top-down modelliert, bis hin zu den Ameisen, die nichts zu bieten hätten, was der Fürstin Gnaden entlocken könnte (vgl. V. 76).

Die Lerche leitet die vom Umfang deutlich unausgeglichen aufgebauten Strophen ineinander über. So fungiert sie zwischenzeitlich auch als eine Art Dirigent, der den Höhepunkt des Stückes ankündigt, in welchem sich zwei Begabungen der Droste vereinen: Ihre detailreiche Beschreibungsfertigkeit von Naturräumen und ihr musikalisches Talent.[31] Daher verwundert die gehäufte Verwendung musikalischer Fachsprache in der fünften Strophe kaum, wo sowohl Diskant, als auch Tenor, die höchsten Frauen- und Männerstimmen, „tausendstimmig“ (V. 61), wie nur einer Fürstin würdig, huldigen. Selbiger Spannungsverlauf findet sich auch im Metrum wieder, was sich in dieser Strophe durch besonders viele aufeinanderfolgende Senkungspralle auszeichnet.

So malerisch das lyrische Ich das Bühnenbild auch bislang zeichnete, umso pauschaler erfolgte zuvor die Verortung des Schauspiels. In der ersten Strophe wurde die Kulisse lediglich in einer braunen Heide (vgl. V 9) angesiedelt, was nun erst weitergehend konkretisiert wird. Die Farbe der Heide wechselt ins Grüne (vgl. V. 62). Wir befinden uns im Münsterland (vgl. V.58), das zugleich auch Heimat Annette von Droste-Hülshoffs ist und hier in seiner Beschreibung einen prächtigen Eindruck hinterlässt. Da das Gedicht in Meersburg entstanden ist, können die Beschreibungen einzig ihren Erinnerungen entspringen oder sind im Umkehrschluss fiktiver Natur. Dennoch sind sie bis ins mikroskopische Detail gestaltet. Selbst das leiseste Geräusch (V. 14), ein noch so kleines Tier, wie die Ameise (V. 75) oder gar jede einzelne Wimper (V. 23) wird wahrgenommen und wiedergegeben. Es scheint fast als würde die Heide durch ein Objektiv betrachtet, dessen Brennweite sich schrittweise verändert und die gesamte Umgebung für das menschliche Auge immer greifbarer werden lässt. Stilistisch setzt sie dies durch eine aufzählartige Konkretion um, so als würde die Geschwindigkeit der Eindrücke in Wahrnehmungskorrekturen festgehalten: „Knappen drängen, streifen“ (V. 72) oder „Es steigt, es flattert“ (V. 82). Gegen Ende bricht die Wahrnehmung mit einem Gedankenstrich abrupt ab: Auf einmal ist alles „verschwommen“ (V. 82) und eine weitere Wahrnehmungsproblematik deutet sich an. Das hektische Tempo der vorangehenden vier Kreuzreime wird durch eine neue Strophe mit lediglich zwei Versen schlagartig in einem Paarreim unterbrochen und sowohl visuelle, wie akustische Rezeptionen verschwinden gleichsam mit einem Wechsel des Tempus in die Vergangenheit. Die letzte Beobachtung des lyrischen Ichs ist ein aufziehendes Unwetter, was zum Verstummen der Lerche führt. Das vorher lebhafte und aufwendig inszenierte Bild wird hier in äußerster Kürze aufgelöst. Es verliert die Bindung und zurück bleibt Skepsis gegenüber dem Realitätsgehalt der vorangegangenen Wahrnehmungen.

[...]


[1] Sengle, Friedrich: Biedermeierzeit. Deutsche Literatur im Spannungsfeld zwischen Restauration und Revolution 1815 – 1848. Bd. 3. Die Dichter. Stuttgart: Metzler 1980. S. 613.

[2] Vgl. Schneider, Ronald: Annette von Droste-Hülshoff. 2. vollst. neu bearb. Aufl. Stuttgart, Weimar: Metzler 1995. S. 14f.

[3] Vgl. Maurer, Doris: Annette von Droste-Hülshoff. Ein Leben zwischen Auflehnung und Gehorsam/Biographie. Bonn: Keil 1982. S. 94.

[4] Vgl. Gössmann, Wilhelm: Heine und die Droste. Eine literarische Zeitgenossenschaft. Düsseldorf: Grupello 1996. S. 45.

[5] Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe. Werke, Briefwechsel. Hrsg. von Winfried Woesler. Bd. I, 2. Gedichte zu Lebzeiten. Dokumentation. Erster Teil. Bearbeitet von Winfried Theiss. Tübingen: Niemeyer 1997. S. 482. (fortan: HKA Bd. I, 2)

[6] Heselhaus, Herrad: „Hier möcht‘ ich Haidebilder schreiben“. Annette von Droste-Hülshoffs Poetisierung der Naturgeschichte. In: Dialoge mit der Droste. Hrsg. von Ernst Ribbat. Paderborn u.a.: Schöningh 1998. S. 197.

[7] Vgl. Schneider 1995: S. 134.

[8] Vgl. HKA Bd. I, 2: S. 434.

[9] Vgl. HKA Bd. I, 2: S. 702.

[10] Vgl. Niggl, Günter: Die Heidebilder der Droste als Gedichtzyklus. In: Zeitbilder. Studien und Vorträge zur deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Günter Niggl. Würzburg: Königshausen Neumann 2005. S. 49.

[11] Vgl. HKA Bd. I, 2: S. 70.

[12] Vgl. HKA Bd. I, 2: S. 695.

[13] Vgl. Gössmann, Wilhelm: Die Modernität der Droste. Leseerwartungen. In: ››Zu früh, zu früh geboren‹‹. Die Modernität der Annette von Droste-Hülshoff. Hrsg. von Monika Salmen und Winfried Woesler. Düsseldorf: Grupello 2008. S. 12.

[14] Vgl. Hartsen, Maria Jacoba: Die Natur im Leben und in den Werken der Annette Freiin von Droste-Hülshoff. Amsterdam: 1936. S. 8.

[15] Vgl. Heselhaus, Clemens: Annette von Droste-Hülshoff. Werk und Leben. Düsseldorf: August Bagel 1971. S. 224.

[16] Kittstein, Ulrich: Deutsche Naturlyrik. Ihre Geschichte in Einzelanalysen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2009. S. 9.

[17] Vgl. Ebd.

[18] Vgl. Schneider, Ronald: Realismus und Restauration. Untersuchungen zu Poetik und epischem Werk der Annette von Droste-Hülshoff. Kronberg/Ts: Scriptor 1976 (= Hochschulschriften; Literaturwissenschaft 11). S. 44.

[19] Vgl. HKA Bd. I, 2: S. 702.

[20] Vgl. Ebd.: S. 703.

[21] Vgl. Ebd.: S. 704.

[22] Vgl. Niggl 2005: S. 49f und Heselhaus 1971: S. 235.

[23] Vgl. HKA Bd. I, 2: S. 525.

[24] Vgl. Ebd.: S. 705.

[25] Vgl. Doebele-Flügel, Verena: Die Lerche. Motivgeschichtliche Untersuchung zur deutschen Literatur, insbesondere zur deutschen Lyrik. Berlin, New York: de Gruyter 1977 (= Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völ-ker: N. F.; 68 ~ 192). S. 117.

[26] Vgl. Liebrand, Claudia: Kreative Refakturen. Annette von Droste-Hülshoffs Texte. Freiburg i. Br. u.a.: Rombach 2008 (= Rombach Wissenschaften: Reihe Litterae; 165). S. 55.

[27] Vgl. Scheibelreiter, Georg: Heraldik. München: Oldenbourg 2006 (= Oldenbourg Historische Hilfswissenschaften). S. 128f.

[28] Vgl. Pomp, Sandra. Thorsten Zumloh: Die Konkretion im Abstrakten. Annette von Droste-Hülshoffs Haidebilder. In: Naturlyrik. Über Zyklen und Sequenzen im Werk von Annet-te von Droste-Hülshoff, Uhland, Lenau und Heine. Hrsg. von Gert Vonhoff. Frankfurt am Main: Lang 1998 (= Historisch-kritische Arbeiten zur deutschen Literatur; Bd. 23). S. 96.

[29] Vgl. Häntzschel, Günter: Tradition und Originalität. Allegorische Darstellung im Werk An-nette von Droste-Hülshoffs. Stuttgart u.a.: Kohlhammer 1968 (= Studien zur Poetik und Geschichte der Literatur; Band 9). S. 149.

[30] Vgl. Schneider 1976: S. 21.

[31] Vgl. Salmen, Monika: Das Autorbewußtsein Annette von Droste-Hülshoffs. Eine Voraussetzung für Verständnis und Vermittlung ihres literarischen Werks. Frankfurt am Main u.a.: Lang 1985 (= Europäische Hochschulschriften: Reihe 1. Deutsche Sprache und Literatur. Band 847). S. 15.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Natürliche Logik. Zum Konzept und zur Konzeption der Heidebilder Annette von Droste-Hülshoffs
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Die Lyrik Annette von Droste-Hülshoffs
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V295007
ISBN (eBook)
9783656927754
ISBN (Buch)
9783656927761
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
natürliche, logik, konzept, konzeption, heidebilder, annette, droste-hülshoffs
Arbeit zitieren
Manuel Oellers (Autor), 2012, Natürliche Logik. Zum Konzept und zur Konzeption der Heidebilder Annette von Droste-Hülshoffs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295007

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