Beratung in der Erwachsenenbildung. Formen - Anwendungsbereiche - Verlauf


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Beratung – weshalb?

2. Formen von Beratung
2.1 Gliederung nach Bezugsobjekt
2.2 Abgrenzung der Kategorie
2.3 Gliederung nach Verlauf und Ziel
2.4 Gliederung nach Kontext
2.5 Gliederung nach Orientierungsziel
2.6 Beratung als Form des Unterrichtens

3. Anwendungsbereiche von Beratung in der Weiterbildung

4. Verlauf einer Beratung

Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Beratung in der Weiterbildung.

Bildungsberatung bzw. Weiterbildungsberatung existiert neben vielen anderen Beratungsfeldern wie Steuer- und Verkaufsberatung, Angebote für Lebensberatung, Organisationsberatung, Freizeitberatung, Schulberatung, Führungsberatung und Erziehungsberatung. „Es scheint, als wären nicht nur alle Menschen, Dyaden, Gruppen und Organisationen beratungsbedürftig, sondern auch die gesamte Gesellschaft.“[1]

Ebenso vielgestaltig wie die einzelnen Beratungsfelder ist das Feld der Bildungs-beratung selbst. Das zeigt sich unter anderem in den verschiedenen Bezeichnungen von Beratern wie Bildungsreferenten, Weiterbildungslehrer, Dozenten, Trainer, Erwachsenenpädagogen, Kursleiter usw.[2]

Im Zentrum dieser Arbeit steht die Frage nach der Einheitlichkeit und Strukturiertheit des vielgestaltigen Tätigkeitsfeldes Beratung. Unter welchen Gesichtspunkten lassen sich Beratung, deren Formen, Anwendungsbereiche und Verlauf fassen? Gibt es eine generelle und allgemeingültige Gliederung des Feldes? Lässt sich ein typischer Beratungsverlauf mit einzelnen Sequenzen ausmachen, der als Mustervorlage und Hilfe für die Praxis gelten kann?

Das erste Kapitel widmet sich der im Laufe der Zeit veränderten Relevanz von Beratung, der Notwendigkeit von Beratung.

Ausführlich geht das zweite Kapitel auf die Systematisierung und Gliederung der Formen von Beratung ein. Es führt einige mögliche Ansätze zur Strukturierung des Tätigkeitsfeldes auf und möchte zeigen, inwieweit die Herangehensweise die Art der Strukturierung beeinflusst.

Die Arbeit schließt mit der Frage nach dem Verlauf eines Beratungsprozesses und bespricht, ob es für den Verlauf typische festlegbare Phasen und Schritte gibt.

1. Beratung – weshalb?

Beratung stellt neben Planen und Lehren eine Grundform pädagogischen Handelns dar. Sie ist professionsimmanent.[3]

Eine allgemeingültige Definition von Beratung sowie eine Übereinkunft darüber, wie Beratungsverläufe generell aussehen, gibt es nicht. Es lassen sich aber zentrale Elemente einer Beratung ausmachen: Beratung kann als eine freiwillige, zeitlich befristete soziale Interaktion zwischen mindestens zwei Personen verstanden werden. „Im Mittelpunkt der Interaktion steht eine zu treffende Entscheidung oder ein zu lösendes Problem.“[4] Dabei sind die Möglichkeiten der Lösungsansätze auszuloten und zu testen, bis die beste Lösung gefunden ist. Beratung ist ein Begleitungsangebot, das sich auf alle Lebensfelder und –probleme sowie Altersgruppen beziehen kann.

Anhand der Form von Lernberatung dokumentiert Angela Springer das diffuse Verständnis und die heterogenen Vorstellungen von Beratung in der Praxis. Durch die Ambivalenz an steigendem Bedarf von Beratung und der Vernachlässigung empirischer Forschung und Theorie ist eine deutliche konzeptionelle Unklarheit sowie eine Diskrepanz zwischen Programmatik und Umsetzung offensichtlich.[5]

Während Beratung ursprünglich als eine Änderung des Zustands aus der Hilfsbedürftigkeit galt, wird sie heute als lebensbegleitend für Orientierungs- und Entscheidungsprozesse gesehen. Durch die Komplexität des Lebensumfeldes ist es kaum noch möglich aufgrund der Klärung eigener Interessenlagen, emotionaler Dispositionen und fachlicher Voraussetzungen mit sich selbst zu Rate zu gehen und sich seinen Rat zu erarbeiten.[6] Sich beraten lassen ist aus verschiedenen Notwendigkeiten heraus zum Selbstverständnis geworden. Hier nennt Rosemarie Klein[7] folgende Hauptfaktoren, die aus einem gesellschaftlichen Strukturwandel resultieren:

- die zunehmende Komplexität des Lebens
- die Möglichkeit, die eigene Lebensbiografie gestalten zu können und zu müssen
- die Dynamik wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen bei einer zunehmenden Individualisierung
- die Orientierung an gesellschaftlich verbindlichen Normen
- der Wandel zur Wissensgesellschaft

Durch den tiefgreifenden gesellschaftlichen Strukturwandel ist lebenslanges Lernen und Weiterbildung nicht mehr wegzudenken. „Um angemessen auf diesen Wandel reagieren und sich sowohl in der Privatsphäre, auf dem Arbeitsmarkt als auch als aktives Mitglied der Gesellschaft entfalten zu können, ist es erforderlich, im Laufe des Lebens immer wieder erweiterte, zum Teil auch neue Qualifikationen bzw. Kompetenzen zu erwerben, d. h., lebenslanges Lernen ist zum selbstverständlichen Bestandteil der Biographien geworden.“[8] Dabei ist es für die Betroffenen schwierig aus der Vielzahl der Weiterbildungsangebote das für sie passende zu finden und zu wählen. Auch gewinnen neue Lernarrangements, die mehr Eigenverantwortung und selbstgesteuertes Lernen verlangen, immer mehr an Bedeutung. Wiederkehrende Lernprozesse für die Ausgestaltung und Überarbeitung von Lebensläufen sind nicht mehr nur für das einzelne Individuum relevant, sondern ebenso Institutionen müssen sich in immer schnelleren Zyklen dem Wandel anpassen: „Dabei treten zunehmend organisationsbezogene gegenüber personenbezogenen Formen in den Vordergrund.“[9]

2. Formen von Beratung

Für Beratung lassen sich unterschiedliche Strukturierungen und Einteilungen vornehmen. Je nach der Art der gewählten Kriterien und Merkmale kann dies zum Beispiel in Bezug auf das Objekt, auf den Beratungskontext bzw. Art oder Typ der Beratung, in Abgrenzung zu anderen Kategorien oder nach Anwendungsbereichen geschehen.[10]

2.1 Gliederung nach Bezugsobjekt

Nach dem Bezugsobjekt lassen sich zwei große Kategorien unterscheiden, nämlich personenbezogene und organisationsbezogene Beratung. In der Erwachsenenbildung wird bis heute in diese Kategorien unterschieden.[11] Wiltrud Gieseke rät zwar nicht von dieser systematischen Unterscheidung ab, möchte sie jedoch offen halten für neue Akzentsetzungen, da „Umbrüche in den institutionellen Entwicklungen und die Schaffung von neuen Lernkulturen und neuen Lernarrangements“[12] dies verlangen. Personenbezogene Beratung lässt sich unterteilen in Weiterbildungsberatung, Beratung für Kompetenzentwicklung und Lernberatung. Dabei meint Lernberatung in erster Linie Beratung während einer Lernsituation und stellt somit eine integrale Form alltäglichen pädagogischen Handelns dar. In der Praxis der Weiterbildungs-einrichtungen wird der Begriff aber auch oft für Beratungssituationen unmittelbar vor einer Weiterbildung verwendet.[13] Organisationsbezogene Beratung gliedert sich nach Art der Einrichtung in Qualifizierungsberatung für Betriebe und Organisationsberatung für Weiterbildungseinrichtungen.

2.2 Abgrenzung der Kategorie

In Abgrenzung zu anderen Kategorien, nämlich zur Therapie, unterscheidet sich Beratung nach Schwarzer und Buchwald in dem Sinne, dass Beratung von gesunden Adressaten ausgeht, die lediglich ein momentan aufgetretenes Problem nicht lösen können.[14] Beratung will Hilfe zur Selbsthilfe sein, indem die Bewältigungsressourcen der Person aufgebaut werden und mit denen Probleme und Krisen eigenständig gemeistert werden können. Auf unterschiedlichen Wegen werden gemeinsam mit dem Ratsuchenden Lösungsmöglichkeiten erschlossen. So wird Beratung als ein „prinzipiell ergebnisoffener Prozess verstanden, der vom Ratsuchenden auf je eigene Weise genutzt wird.“[15]

2.3 Gliederung nach Verlauf und Ziel

Richtet sich der Focus der Beratung auf den Verlauf oder das Ziel, so lässt sich nach prozessorientierter und zielorientierter Beratung differenzieren. Prozessorientierte Beratung ist eine längerfristige Begleitung von Lern-, Entwicklungs- und Veränderungsprozessen, wobei die ursprüngliche Zielsetzung selbst oft eine Veränderung erfährt. Bei der zielorientierten Beratung handelt es sich um eine bedarfsorientierte, kurzfristige Art der Beratung. Die Übergänge sind dabei jedoch fließend und so kann aus einer zunächst zielorientierten Beratung eine längerfristige, prozessorientierte Beratung hervorgehen, genauso wie im Rahmen von längerfristigen Beratungsprozessen Sequenzen von Coaching notwendig werden können.[16]

2.4 Gliederung nach Kontext

Ausgehend vom Beratungskontext lassen sich Beratungstypen festlegen: „Für eine Differenzierung verschiedener Beratungsanliegen und –bedarfe kann auf den induktiv entwickelten Ansatz von Gieseke (2000) zurückgegriffen werden.“[17] Wiltrud Gieseke unterscheidet drei Typen: die informative Beratung, die situative Beratung und die biographieorientierte Beratung.[18]

Während sich die informative Beratung am unkompliziertesten darstellt, da der Ratsuchende seine Weiterbildungsinteressen benennen kann und vor Beratungs-verlauf emotionale, kognitive und motivationale Fragen für sich geklärt hat, geht es bei der situativen Beratung darum, anhand der Situationsbeschreibung erst einmal abzuklären, ob und inwieweit sich die Situation des Ratsuchenden aufgrund von Weiterbildung verändern kann. Bei der biographieorientierten Beratung müssen Widersprüche und Krisensituationen ausgelotet, Lebensprobleme, Lebenseinschnitte, Lebensperspektiven einbezogen werden - mit Abgrenzung zur Therapie oder Verweisung an andere Instanzen. Der Ratsuchende kann keine eindeutigen Fragen und Suchrichtungen formulieren.[19]

[...]


[1] Schwarzer, Christine / Buchwald, Petra: Beratung, Supervision und Coaching. In: Fuhr, Thomas / Gonon, Philipp / Hof, Christiane (Hrsg.): Erwachsenenbildung – Weiterbildung. Handbuch Erziehungswissenschaft 4. Paderborn / München / Wien / Zürich: Ferdinand Schöningh 2011, S. 399.

[2] Vgl. Wittpoth, Jürgen: Einführung in die Erwachsenenbildung. Opladen / Toronto: Verlag Barbara Budrich, 4., überarbeitete Auflage 2013, S. 179.

[3] Vgl. Klein, Rosemarie: Beratung. In: Arnold, Rolf / Nolda, Sigrid / Nuissl, Ekkehard (Hrsg.): Wörterbuch Erwachsenenbildung. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, 2., überarbeitete Auflage 2010, S. 34-35. Jürgen Wittpoth nennt nur Planen und Lehren als hauptsächliche und übergeordnete Aufgaben im Tätigkeitsfeld Erwachsenenbildung, wobei den Hauptberuflichen im Weiterbildungsbereich vor allem die Leitung der Einrichtungen sowie die Programmplanung und Programmbetreuung zukommt. Beratung integriert Wittpoth anscheinend in die Tätigkeitsbereiche Planen und Lehren. Vgl. Wittpoth 2013, S. 179ff.

[4] Klein in Arnold 2010, S. 34.

[5] Vgl. Springer, Angela: Das unbekannte Original. Lernberatung als empirische Realität. In: Klingovsky, Ulla / Kossak, Peter / Wrana, Daniel (Hrsg.): Die Sorge um das Lernen. Festschrift für Hermann J. Forneck. Bern: hep verlag ag 2010, S. 122f.

[6] Vgl. Gieseke, Wiltrud: Beratung in der Weiterbildung – Ausdifferenzierung der Beratungsbedarfe. In: Nuissl, Ekkehard / Schiersmann, Christiane / Siebert, Horst (Hrsg.): Report. Literatur- und Forschungsreport Weiterbildung. Bielefeld: Bertelsmann Verlag GmbH Co. KG, Nr. 46, Dezember 2000, S. 10.

[7] Vgl. Klein in Arnold 2010, S. 34.

[8] Schiersmann, Christiane: Beratung in der Weiterbildung – neue Herausforderungen und Aufgaben. In: Report, Nr. 46, Dezember 2000, S. 18.

[9] Nolda, Sigrid: Einführung in die Theorie der Erwachsenenbildung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2., durchgesehene Auflage 2012, S. 118.

[10] Eine Gliederung nach Anwendungsbereichen führt das zweite Kapitel nicht gesondert auf, da die Anwendungsbereiche im dritten Kapitel dieser Arbeit ausführlich besprochen werden.

[11] Vgl. Klein in Arnold 2010, S. 34.

[12] Vgl. Gieseke in Forschungsreport, S. 11. Gieseke unterscheidet in ihrem Aufsatz fünf Anwendungsbereiche von Beratungskonstrukten. Siehe Kapitel drei, S. 10 dieser Arbeit.

[13] Vgl. Schiersmann, Christiane / Remmele, Heide: Beratungsfelder in der Weiterbildung. Eine empirische Bestandsaufnahme. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH 2004, S. 11. Relativ weit gefasst ist das Verständnis von Lernberatung bei Matthias Rohs und Bernd Käpplinger. Sie geben an, dass es kein universelles Begriffsverständnis, sondern eine Vielzahl von Facetten um einen Kern von Leitprinzipien gibt. Lernberatung bewegt sich bei ihnen zum Beispiel zwischen Berufsberatung, individueller Beratung zum Lernprozess, institutioneller Beratung zur Gestaltung lernförderlicher Rahmenbedingungen, punktueller Unterstützung zur Erreichung von Abschlüssen, Lernberatung bei Lernproblemen von Einzelpersonen. Vgl. Rohs, Matthias / Käpplinger, Bernd: Lernberatung – ein Omnibusbegriff auf Erfolgstour. In: Rohs, Matthias / Käpplinger, Bernd (Hrsg.): Lernberatung in der beruflich-betrieblichen Weiterbildung. Konzepte und Praxisbeispiele für die Umsetzung. Münster / New York / München / Berlin: Waxmann Verlag GmbH 2004, S. 20f.

[14] Vgl. Schwarzer / Buchwald in: Fuhr / Gonon / Hof 2011, S. 415.

[15] Zeuner, Christine: Supportstrukturen für die Weiterbildung: Das Handlungsfeld Beratung aus Akteurssicht. In: Arnold, Rolf / Gieseke, Wiltrud / Zeuner, Christine (Hrsg.): Bildungsberatung im Dialog. Band 1: Theorie –Empirie – Reflexion. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH 2009, S. 27.

[16] Vgl. ebd., S. 418. Coaching ist zielorientiert, bedarfsorientiert und kurzzeitig konzipiert. Führungskräfte, Experten und Mitarbeiter werden beim Erreichen von Zielen im beruflichen Bereich beraten. Prozessbezogenes Beratungsarrangement ist beispielsweise die Supervision, die darauf ausgerichtet ist, dem Einzelnen oder der Arbeitsgruppe eine Reflektion und Verbesserung der beruflichen Handlungskompetenz zu ermöglichen. Vgl. ebd., S. 416.

[17] Schröder, Frank / Schlögl, Peter: Weiterbildungsberatung. Qualität definieren, gestalten, reflektieren. Bielefeld: Bertelsmann Verlag GmbH Co. KG 2014, S. 18.

[18] Vgl. Gieseke 2000 in Forschungsreport, S. 15f.

[19] Vgl. ebd., S. 15f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Beratung in der Erwachsenenbildung. Formen - Anwendungsbereiche - Verlauf
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Erziehungswissenschaft / Weiterbildung)
Veranstaltung
Seminar: Erwachsenenbildung als Beruf
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V295010
ISBN (eBook)
9783656927617
ISBN (Buch)
9783656927624
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beratung, erwachsenenbildung, formen, anwendungsbereiche, verlauf
Arbeit zitieren
MA Angela Exel (Autor:in), 2014, Beratung in der Erwachsenenbildung. Formen - Anwendungsbereiche - Verlauf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295010

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