Durch die Globalisierung scheint die Welt immer kleiner zu werden. In den letzten Jahrzehnten fand eine immense globale Vernetzung statt, welche auch das Geschichtsbild prägt. Eine Trennung Europas von der restlichen Welt, welche in der Geschichtsschreibung lange Zeit vorgenommen wurde, ist nun undenkbar. Europas Einfluss, global betrachtet, ist in den letzten Jahrhunderten zurück gegangen, ebenso wie die geschichtliche Definition des Begriffes der „Welt“. Ein Bezug auf die „außereuropäische Welt“ ist heutzutage, im Zeitalter der Globalisierung, unvermeidbar bei der Analyse der europäischen Geschichte. Demzufolge ist auch eine Neuorientierung des Geschichtsunterrichts von Nöten. Die Globalgeschichte soll in der Geschichtsdidaktik größere Beachtung bekommen und das europäisch geprägte Geschichtsbild auflockern und ausbauen. Bei diesem Prozess entstehen Fragen nach den notwendigen Kompetenzen und Perspektiven für ein global orientiertes Geschichtsbewusstsein. Auch ist es wichtig die Lebenswelt der Lernenden mit einzuschließen und nach Möglichkeit im Geschichtsunterricht historische Ereignisse mit einer glokalen Perspektive zu betrachten. Doch welches historische Wissen sollen die Lernenden heute im Geschichtsunterricht erwerben und welche thematischen Zugänge gibt es hinsichtlich der Folgen der Globalisierung? Diese und ähnlich Fragen werden in den folgenden Kapiteln diskutiert und analysiert.
Zu Beginn wird auf die Deutschen Schulen im Ausland eingegangen, welche einen wichtigen Teil zur Globalisierung und zur interkulturellen Sensibilisierung beitragen. Im Anschluss daran folgt eine Analyse des Begriffes global history und deren Einfluss auf die deutsche Geschichtsdidaktik. Durch die Erläuterung des Geschichtsunterrichts an den deutschen Auslandsschulen und in den staatlichen Schulen in England und in Japan wird ein Einblick im Hinblick auf die Anwendung der global history in den jeweiligen Ländern gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutsche Schulen weltweit
a. Historische Entwicklung der Deutschen Schule im Ausland
b. Normative Übersicht von deutschen Schultypen im Ausland
c. Interkulturalität an Deutschen Schulen im Ausland
3. Global history und Weltgeschichte
a. Die geschichtswissenschaftlichen Entwicklungen hin zur Globalgeschichte
b. Global history in der deutschen Geschichtsdidaktik und die Anwendung im Schulunterricht
4. Einblicke in den internationalen Geschichtsunterricht
a. Geschichtsunterricht an Deutschen Schulen im Ausland
b. Geschichtsunterricht in England
c. Geschichtsunterricht in Japan
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Umsetzung einer globalgeschichtlichen Perspektive im Geschichtsunterricht. Dabei wird analysiert, wie historische Ereignisse über den nationalen Kontext hinaus betrachtet werden können, um Schülern ein zeitgemäßes, interkulturelles Verständnis in einer global vernetzten Welt zu vermitteln.
- Historische Entwicklung und Charakterisierung deutscher Auslandsschulen
- Differenzierung zwischen Weltgeschichte, World History und Global History
- Didaktische Ansätze zur Integration globaler Perspektiven im Schulunterricht
- Internationaler Vergleich der Geschichtslehrpläne (Deutschland, England, Japan)
- Reflexion über Herausforderungen bei der Vermittlung historischer Kompetenzen
Auszug aus dem Buch
a. Historische Entwicklung der Deutschen Schule im Ausland
Die erste Quelle zur Schulgründung Deutscher im Ausland verweist auf die Domschule in Reval, Estland, im Jahr 1348. Im 16. Jahrhundert und im 17. Jahrhundert entstanden mehrere evangelische Schulen in Stockholm, Kopenhagen, Moskau und St. Petersburg in welchen in deutscher Sprache unterrichtet wurde. Der regelrechte „Boom“ der deutschen Schulen im Ausland fand im 19. Jahrhundert statt. Aufgrund von Hungersnöten, Arbeitslosigkeit und politischen Verfolgungen zog es viele Menschen, auch aus dem deutschsprachigen Raum, in die „Neue Welt“ nach Amerika. Viele der noch heute bestehenden Schulen in Lateinamerika haben daher ihre Wurzeln im europäischen Raum. Die Auswanderergruppen blieben vorerst unter sich und gründeten auch eigene Schulen. Diese Schulgründungen führten jedoch zu Integrationsproblemen, da man sich von der ortsansässigen Bevölkerung abgrenzte.
Die Auswanderer verließen ihr Land größtenteils aufgrund äußerer Faktoren, wie Hungersnöte, Kriege oder politische Verfolgungen und nicht, weil sie von sich aus in einem fremden Land einen Neuanfang wagen wollten. Daher versuchten sie in gleicher Weise zu Leben, wie sie es von der alten Heimat gewohnt waren. Es wurden eigene Kolonien gegründet, in welchen die Herkunftssprache und deren Kultur praktiziert wurden. Man versorgte sich selbst und gründete eigene Schulen, welche den nicht-deutschen Kindern kaum offen standen, da die Unterrichtssprache deutsch war. Auch die konfessionelle Bindung an einen fremden Glauben erschwerte ein Zusammenleben mit der ortsansässigen Bevölkerung, denn der Großteil der Auswanderer war protestantisch. Demnach herrschte eine Integrationshemmung durch die Sprache, als auch durch die Religion.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung begründet die Notwendigkeit einer Neuorientierung des Geschichtsunterrichts aufgrund der voranschreitenden Globalisierung.
2. Deutsche Schulen weltweit: Das Kapitel beleuchtet die historische Genese, die verschiedenen Schultypen sowie den interkulturellen Charakter der deutschen Bildungseinrichtungen im Ausland.
3. Global history und Weltgeschichte: Hier werden die begrifflichen Unterschiede und die wissenschaftliche Entwicklung hin zu globalgeschichtlichen Ansätzen sowie deren didaktische Anwendung diskutiert.
4. Einblicke in den internationalen Geschichtsunterricht: Dieser Abschnitt bietet eine vergleichende Analyse des Geschichtsunterrichts in deutschen Auslandsschulen, England und Japan hinsichtlich ihrer nationalen versus globalen Ausrichtung.
5. Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Schwierigkeiten einer vergleichenden Betrachtung zusammen und plädiert für den weiteren Ausbau transkultureller Perspektiven in der Lehrerausbildung und im Unterricht.
Schlüsselwörter
Global History, Weltgeschichte, Geschichtsdidaktik, Deutsche Auslandsschulen, Interkulturalität, Nationalgeschichte, Schulunterricht, Globalisierung, Historische Kompetenz, Bildungsstandard, Transnationale Perspektiven, Lehrplan, Identität, Weltbild, Migrationsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie der Geschichtsunterricht auf die Anforderungen einer globalisierten Welt reagieren kann, indem er sich von rein nationalen Sichtweisen löst und globale Zusammenhänge stärker integriert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Rolle deutscher Auslandsschulen, die fachwissenschaftliche Debatte um Global History sowie die Implementierung dieser Ansätze in den Lehrplänen verschiedener Länder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Schüler durch eine globalgeschichtliche Perspektive ein tieferes Verständnis für die komplexe, vernetzte Welt entwickeln können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse geschichtsdidaktischer Fachliteratur sowie einer vergleichenden Betrachtung internationaler Schulsysteme und deren Lehrplänen.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Auslandsschulen, eine theoretische Definition von Global History sowie einen Ländervergleich zwischen Deutschland, England und Japan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Global History, Geschichtsdidaktik, Interkulturalität, transnationale Perspektiven und historische Kompetenz.
Wie unterscheidet sich der Geschichtsunterricht in Japan von dem in Europa?
Japan trennt im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern explizit zwischen einem Fach für japanische Geschichte und einem eigenständigen Fach für Weltgeschichte.
Warum ist die Umsetzung von Global History an Schulen schwierig?
Die Umsetzung scheitert häufig am Mangel an geeignetem Unterrichtsmaterial und an engen, oft national geprägten Vorgaben durch Zentralabiture und starre Lehrpläne.
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- Kathrin Schwendner (Author), 2015, Deutsche Schulen weltweit. Geschichtsunterricht im internationalen Vergleich hinsichtlich der global history, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295016