Vor allem in den Sozialwissenschaften reichen quantitative Erhebungsinstrumente heutzutage oft nicht mehr aus, um die gewünschten Hintergrundinformationen und Zusammenhänge in einem Forschungsfeld in ihrer Tiefe aufzuzeigen und daraus Ergebnisse und Konsequenzen abzuleiten. Daher hat vor allem die qualitative Datenerhebung an Bedeutung gewonnen.
Ein Instrument der qualitativen Forschung ist das Leitfadeninterview. In der vorliegenden Ausarbeitung gibt die Autorin einen strukturierten Überblick über diese Form des nicht-standardisierten Experteninterviews. Inhaltliche Schwerpunkte sind dabei Definition, Erstellung und Einsatz sowie diverse Auswertungsmethoden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführender Überblick
2.1 Definition des Leitfadeninterviews
2.2 Merkmale des Leitfadeninterviews
2.3 Ziel des Leitfadeninterviews
3. Konstruktion und Durchführung eines Leitfadeninterviews
3.1 Die Kunst des Fragens
3.2 Erstellen eines Leitfadens
3.3 Auswahl von geeigneten Interviewpartnern einer bestimmten Zielgruppe
3.4 Direktgespräch versus Schriftlicher Fragebogen
3.5 Möglichkeiten der Gesprächsaufzeichnung
3.6 Die praktische Durchführung eines Interviews
4. Die Auswertung eines Leitfadeninterviews
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Leitfadeninterview als zentrales Instrument der qualitativen Sozialforschung theoretisch fundiert darzustellen, seine methodische Konstruktion zu erläutern und den Prozess von der Vorbereitung über die Durchführung bis zur Auswertung zu systematisieren.
- Definition und wissenschaftliche Verortung des Leitfadeninterviews
- Methodik der Leitfadenkonstruktion und Fragetechniken
- Kriterien für die Auswahl von Interviewpartnern
- Vergleich von Interviewformen (Face-to-Face vs. schriftlich/telefonisch)
- Strategien zur qualitativen Datenauswertung
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Kunst des Fragens
Simpel betrachtet ist der Interviewleitfaden nur ein Blatt Papier gefüllt mit Fragen, die im Gesprächsverlauf gestellt und beantwortet werden sollen, ein Gerüst als Hilfsmittel zur Durchführung. Zur Erstellung ist jedoch wichtig, dass der Interviewführer sich seines Erkenntnisinteresses bewusst ist, was voraussetzt, dass er einige Vorüberlegungen zur Konstruktion seines Leitfadens angestellt hat. Je nach Art und Weise der Frage kann der Interviewpartner durch sie in seiner Antwort beeinflusst werden, was möglicherweise zu einer Verzerrung oder Verfälschung des Ergebnisses führen kann. Daher ist es wichtig, sich über die verschiedenen Typisierungen von Fragen im Klaren zu sein.
Bei der Typisierung nach dem Inhalt der Frage werden zwei Fragen unterschieden: Faktfragen und Meinungsfragen. Faktfragen richten sich auf prinzipiell nachprüfbare Tatsachen. Meinungsfragen sollen Einstellungen des Interviewten, seine Bewertung von Personen, Situationen, Prozessen usw. ermitteln, in dem sie eine subjektive Stellungnahme verlangen. Ist der Gegenstand zentraler Punkt der Frage, muss zwischen realitätsbezogener oder hypothetischer Frage unterschieden werden. Hypothetische Fragen beziehen sich auf einen angenommen Sachverhalt und verlangen eine Meinung oder Prognose vom Interviewpartner, die Antwort ist also subjektiv und spekulativ und somit das Gegenteil der realitätsbezogenen Frage.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung begründet die zunehmende Bedeutung qualitativer Erhebungsmethoden in den Sozialwissenschaften gegenüber quantitativen Instrumenten zur Erschließung komplexer Forschungsfelder.
2. Einführender Überblick: Dieses Kapitel definiert das Leitfadeninterview als nichtstandardisierte Form des Experteninterviews und arbeitet dessen Merkmale sowie das übergeordnete Ziel der Informationsgewinnung heraus.
3. Konstruktion und Durchführung eines Leitfadeninterviews: Dieser zentrale Abschnitt beleuchtet detailliert die Fragetechniken, die Erstellung des Leitfadens, Auswahlkriterien für Informanten, verschiedene Interviewmodi sowie die praktische Durchführung unter Berücksichtigung der Rollen von Interviewer und Befragtem.
4. Die Auswertung eines Leitfadeninterviews: Das Kapitel beschreibt den Prozess der Aufbereitung erhobener Daten durch Transkription, Anonymisierung und die anschließende qualitative Inhaltsanalyse.
5. Fazit: Das Fazit resümiert das Leitfadeninterview als unverzichtbares, wenn auch aufwendiges Instrument der qualitativen Forschung, das durch technische Unterstützung heute effizienter nutzbar ist.
Schlüsselwörter
Leitfadeninterview, Qualitative Sozialforschung, Experteninterview, Experten, Leitfadenkonstruktion, Fragetechnik, Interviewführung, Qualitative Inhaltsanalyse, Datenerhebung, Forschungsmethodik, Wissenschaftliche Interviews, Transkription, Datenauswertung, Nichtstandardisierte Befragung, Forschungsdesign
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Leitfadeninterview als ein wichtiges Instrument der qualitativen Forschung und liefert einen Leitfaden für dessen Anwendung in sozialwissenschaftlichen Untersuchungen.
Was sind die zentralen Themenfelder des Leitfadeninterviews?
Zu den Kernbereichen gehören die theoretische Fundierung, die praktische Konstruktion des Leitfadens, die Durchführung unter Berücksichtigung von Fragestilen sowie die anschließende Datenauswertung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, eine systematische Anleitung zur Definition, Erstellung, Durchführung und Auswertung von Leitfadeninterviews zu bieten, um das Erkenntnisinteresse in empirischen Untersuchungen zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit fokussiert?
Der Fokus liegt auf der qualitativen Datenerhebung mittels nichtstandardisierter Experteninterviews, die eine Rekonstruktion von Sachverhalten ermöglichen.
Was wird im Hauptteil des Buches detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Kunst der Fragestellung, die strategische Erstellung eines Leitfadens, die Auswahl geeigneter Interviewpartner sowie technische und kommunikative Aspekte der Interviewführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Leitfadeninterview, Qualitative Sozialforschung, Experteninterview, Fragetechnik und Inhaltsanalyse charakterisiert.
Warum ist die Wahl der ersten Frage (Anwärmfrage) so entscheidend?
Die Anwärmfrage dient dazu, Spannungen zu lösen, dem Befragten Sicherheit zu geben und ihm ein angenehmes Einstiegsfeld zu bieten, um die Offenheit für den weiteren Verlauf zu erhöhen.
Welche Rolle spielt die Neutralität bei der Gestaltung der Fragen?
Neutralität ist essenziell, um Verzerrungen durch Suggestivfragen zu vermeiden und sicherzustellen, dass die Antworten tatsächlich die subjektive Meinung des Interviewpartners widerspiegeln und nicht auf gesellschaftlich erwünschtes Verhalten ausgerichtet sind.
- Citar trabajo
- Ann-Kathrin Seeboth (Autor), 2011, Das Leitfadeninterview. Erstellung, Einsatz und Auswertung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295097