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Heiner Carows zeitungebundenes Erzählprinzip und seine Realisierung im Nachkriegsfilm "Die Russen kommen"

Title: Heiner Carows zeitungebundenes Erzählprinzip und seine Realisierung im Nachkriegsfilm "Die Russen kommen"

Bachelor Thesis , 2014 , 56 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Ingeborg Morawetz (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Heiner Carows Schwarz-Weiß-Film „Die Russen kommen“ lässt sich beinahe nur noch thematisch als ein Film der Nachkriegszeit betrachten. In seinem Entstehungsjahr 1968 war die Welle der Filme mit explizit antifaschistischer Thematik bereits abgeebbt.
Die DDR, die sich in ihren Gründungsjahren als Gegenmodell zu einem faschistischen Staat gesehen hatte, setzte nun auch durch politische Weisung auf Filme, die einen sozialistischen Helden gegenüber einem einsichtigen Übeltäter oder einem engagierten Regimegegner favorisierten. Filme, die den nationalsozialistischen Faschismus durch die Darstellung von Einzelschicksalen - auch in Übertragung auf andere Epochen - verurteilten, waren für Meinungsbildung und Propaganda in der DDR nur noch wenig relevant. Wenn sie gezeigt wurden, sollten sie jedoch immer in Ausrichtung auf die Gegenwart der DDR verstanden werden können.
Als Carow durch eine Kurzgeschichte von Egon Richter zu „Die Russen kommen“ inspiriert wurde, waren seit dem Kriegsende bereits 23 Jahre vergangen. Im Gegensatz zu dem zur gleichen Zeit gedrehten Werk „Ich war neunzehn“ von Konrad Wolf wurde die Aufführung von Carows Film verboten. Die dafür genannten Gründe waren pragmatischer Natur, wirken aber heute beinahe zu einfach, um plausibel zu sein. Die Geschichte, die Carow erzählt, und die Art und Weise, auf die er sie erzählt, irritierten und irritieren. Die schließlich genehmigte Schnittfassung „Karriere“ von 1971 hat nur noch wenig mit dem Ausgangsthema gemein. Erstmals gezeigt wurde „Die Russen kommen“ schließlich 1987 nach einer Arbeitskopie aus dem Fundus von Evelyn Carow.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Russen kommen

2.1. Analyse der filmischen Gestaltung: Stilistik, Ästhetik und Intertextualität

2.2. Der Film und seine literarische Grundlage „Die Anzeige“

2.3. „Die Russen kommen“ als die „zweite Seite der Medaille“ zu „Ich war neunzehn“ von Konrad Wolf

2.4. Das Verbot von „Die Russen kommen“ und die Aufführung als „Karriere“

2.5. Heiner Carows zeitungebundenes Erzählprinzip der Ideale in Kollision mit dem antifaschistischen Film - „Die Russen kommen“ im schematischen Vergleich mit anderen Filmen Carows

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das filmische Schaffen von Heiner Carow, insbesondere seinen Film „Die Russen kommen“, und analysiert, wie dieser durch formale Gestaltung und intertextuelle Bezüge ein kritisches Geschichtsmodell manifestiert, das im Widerspruch zur offiziellen DDR-Ideologie stand.

  • Filmische Analyse von „Die Russen kommen“ (Stilistik, Ästhetik, Intertextualität)
  • Vergleich der literarischen Vorlage „Die Anzeige“ mit der filmischen Adaption
  • Gegenüberstellung mit Konrad Wolfs „Ich war neunzehn“
  • Untersuchung des Filmverbots und der späteren Neufassung „Karriere“
  • Erarbeitung eines schematischen Erzählprinzips für Heiner Carows Filme

Auszug aus dem Buch

2.1. Analyse der filmischen Gestaltung: Stilistik, Ästhetik und Intertextualität

„Die Russen kommen“ wurde durchgängig in schwarz-weiß gedreht, wie es bis zu diesem Jahr bei der DEFA üblich war. Die Qualität der heute erhältlichen Kopien ist nicht optimal – das liegt an der Vergangenheit des Films. Da zwischen dem Produktions- und dem Aufführungsjahr fast zwei Jahrzehnte vergingen, sind Flimmern, Unschärfe und Überbelichtung der Aufbewahrung des eigentlich verbotenen Materials zuzuschreiben. Das lässt sich gut im Vergleich mit den in „Karriere“ wiederverwendeten Szenen des Films erkennen, die von viel besserer Qualität sind.

„Die Russen kommen“ dauert 86 Minuten und elf Sekunden. Er vereint mehrere Schauplätze in sich. Die größte Rolle spielen das Haus von Christines Eltern, der Strand und der als Gefängnis genutzte Keller. Weitere Orte sind ein Wald, ein altes hallenartiges Gebäude, zwei Festsäle, ein Kino, eine Hausruine, die Wohnung von Günters Familie, Felder, Wiesen, das Büro eines russischen Offiziers und einige Wege und Plätze. Fiktive, also von Günter geträumte oder fantasierte Schauplätze, sind ein Bahngleis, der Horizont einer hügeligen Landschaft, erneut der Strand, ein Kloster oder eine Kirche und ein nicht definierter hoch gelegener Ort, der auch ein Flugzeug sein könnte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der Filmproduktion 1968 und formuliert die Forschungsfrage zur Wirkung filmischer Mittel sowie zum Umgang mit literarischen Vorlagen in Carows Werk.

2. Die Russen kommen: Dieses Kapitel fasst die komplexe Handlung des Films zusammen, die den Weg des Jugendlichen Günter vom Hitlerjungen zum traumatisierten Mörder nachzeichnet.

2.1. Analyse der filmischen Gestaltung: Stilistik, Ästhetik und Intertextualität: Der Abschnitt untersucht die filmische Form, Kameraeinstellungen und die Funktion von Musik sowie Sprache für die vermittelte Botschaft.

2.2. Der Film und seine literarische Grundlage „Die Anzeige“: Hier wird der Vergleich zur Kurzgeschichte von Egon Richter gezogen, um Unterschiede in der Erzählperspektive und der Konzentration auf eine Einzelperson statt einer Gruppe herauszuarbeiten.

2.3. „Die Russen kommen“ als die „zweite Seite der Medaille“ zu „Ich war neunzehn“ von Konrad Wolf: Die Gegenüberstellung analysiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Dramaturgie und Geschichtsverständnis der beiden zeitgenössischen Filme.

2.4. Das Verbot von „Die Russen kommen“ und die Aufführung als „Karriere“: Das Kapitel erläutert die ideologischen Gründe für das Filmverbot und wie die Neufassung „Karriere“ versuchte, durch eine Rahmenhandlung die inhaltliche Brisanz zu entschärfen.

2.5. Heiner Carows zeitungebundenes Erzählprinzip der Ideale in Kollision mit dem antifaschistischen Film - „Die Russen kommen“ im schematischen Vergleich mit anderen Filmen Carows: Es wird ein allgemeines Erzählschema für Carows Filme entwickelt und an Beispielen wie „Paul und Paula“ und „Coming Out“ überprüft.

3. Fazit: Das Fazit resümiert, dass der Film eine pessimistische Sicht auf die Geschichte und das Scheitern von Idealisten vermittelt, was im Widerspruch zum teleologischen Geschichtsbild der DDR stand.

Schlüsselwörter

Heiner Carow, DEFA, DDR-Film, Antifaschismus, Ideologie, Geschichtsmodell, Filmanalyse, Egon Richter, Konrad Wolf, Nachkriegszeit, Traumatisierung, Individuum, Idealismus, Filmverbot, Erzählprinzip.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den DEFA-Film „Die Russen kommen“ von Heiner Carow im Kontext seiner Produktionsbedingungen, seiner formalen Gestaltung und im Vergleich zu anderen Werken der Zeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind der Umgang mit dem Nationalsozialismus und der deutschen Vergangenheit, die Rolle des Idealismus in verschiedenen politischen Systemen sowie die filmische Vermittlung von Geschichte durch komplexe Gestaltungsmittel.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die filmischen Mittel zu analysieren, die das Verbot des Films provozierten, und aufzuzeigen, welches in der DDR unerwünschte Geschichtsmodell Carow in seinem Film manifestierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche Analyse, die Methoden der Filmanalyse (Kamera, Schnitt, Ton) mit einem vergleichenden literaturwissenschaftlichen Ansatz zur Vorlagenanalyse und historischen Einordnung kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die filmische Stilistik, vergleicht den Film mit der literarischen Vorlage „Die Anzeige“, stellt ihn Konrad Wolfs „Ich war neunzehn“ gegenüber, untersucht das Filmverbot und entwickelt ein übergreifendes Erzählschema für Carows Schaffen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben den Namen Heiner Carow und Egon Richter sind Begriffe wie DDR-Film, Antifaschismus, Ideologie, Traumatische Wiederholung und Geschichtsmodell zentral.

Warum wurde „Die Russen kommen“ verboten?

Der Film wurde aufgrund seiner psychologischen Ausleuchtung des Faschismus, der Verwendung der englischen Sprache und der Negation eines zielgerichteten, „positiven“ Geschichtsverlaufs verboten, was der offiziellen SED-Linie widersprach.

Inwiefern unterscheidet sich die Schnittfassung „Karriere“ vom Original?

„Karriere“ bettet die Szenen aus dem Originalfilm in eine neue Gegenwartshandlung ein, die durch einen erwachsenen Protagonisten einen anderen, pragmatischeren Rahmen schafft, um die ursprüngliche inhaltliche Radikalität zu mildern.

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Details

Title
Heiner Carows zeitungebundenes Erzählprinzip und seine Realisierung im Nachkriegsfilm "Die Russen kommen"
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Deutsche Literatur)
Grade
1,7
Author
Ingeborg Morawetz (Author)
Publication Year
2014
Pages
56
Catalog Number
V295127
ISBN (eBook)
9783656934592
ISBN (Book)
9783656934608
Language
German
Tags
heiner carows erzählprinzip realisierung nachkriegsfilm russen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ingeborg Morawetz (Author), 2014, Heiner Carows zeitungebundenes Erzählprinzip und seine Realisierung im Nachkriegsfilm "Die Russen kommen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295127
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