Im Mittelpunkt der im Rahmen des Leistungskurses Latein vorgelegten Facharbeit steht die Übersetzung der deutsch-tschechischen Aussöhnungserklärung, die die Außenminister der beiden Länder am 20. Dezember 1996 unterzeichneten, um nach jahrenlanger Orientierungslosigkeit in den beiderseitigen Beziehungen ein Zeichen der Freundschaft zu setzen.
Der Autor stellt anhand eines aktuellen Vertragstextes in eindrucksvoller Weise die Eignung des Lateinischen als juristische Sprache auch in heutiger Zeit sowie das Fortleben des ciceronianischen Stils dar. Neben der Übersetzung selbst finden sich stilistische Erläuterungen anhand ausgewählter Beispiele aus dem Text. Die Arbeit, für die der Autor mit einer Ehrenurkunde der Stiftung „Antike und Europa“ ausgezeichnet wurde, endet mit einem Schlussplädoyer für die Verwendung des Lateinischen als europäische Vertragssprache.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Translatio foederis amicitiae
3. Verwendete Termini
4. Interpretation: Der Vertragstext und die klassische Rhetorik
4.1 Cicero als Vorbild für das Humanistenlatein
4.2 Zur Übersetzung des Textes
4.3 Plädoyer für das Lateinische als Vertragssprache innerhalb Europas
5. Deutsch-Tschechische Erklärung über die gegenseitigen Beziehungen
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht die Eignung der lateinischen Sprache als moderne Vertragssprache durch die Übersetzung der deutsch-tschechischen „Aussöhnungserklärung“ von 1996 in das Lateinische. Dabei wird analysiert, ob das klassische Latein komplexe moderne Sachverhalte präzise ausdrücken kann und welchen rhetorischen Anforderungen ein solcher Vertragstext unterliegt.
- Übersetzung eines aktuellen politischen Vertragstextes ins klassische Latein
- Anwendung ciceronianischer Stilmittel und Rhetorik auf moderne Rechtstexte
- Analyse der sprachlichen Präzision und Eignung des Lateinischen für die europäische Diplomatie
- Vergleich zwischen der deutschen Syntax und lateinischen Ausdrucksformen (z.B. Accusativus cum infinitivo)
- Diskussion über eine universale Verständigungssprache in einem vereinten Europa
Auszug aus dem Buch
4.2 Zur Übersetzung des Textes
Schon beim Lesen des ersten Abschnittes fällt auf, dass der Text sehr gut strukturiert ist. Genauer betrachtet erkennt man, dass der eigentliche Hauptsatz ein sehr kurzer ist, der durch in Gedankenstriche eingeschobene Erläuterungen zu einer langen Periode wird und somit einen ganzen Abschnitt füllt. Diese Konstruktion mit den Schlüsselwörtern ‘eingedenk’, ‘in Würdigung’, ‘in der Überzeugung’, ‘im Bewusstsein’, ‘im Bekenntnis’ ist geradezu dafür prädestiniert, ins Lateinische übersetzt zu werden. Somit entschied ich mich für den nach ciceronianischem Vorbild gebildeten Parallelismus, indem ich jeweils vom Subjekt abhängige Partizipien mit et zu diesem langen und komplexen Satz verbunden habe. Dadurch, dass von den mit diesen gebildeten Konstruktionen noch weitere Nebensätze abhängig sind, wirkt der Satz komplex, und es bietet sich als exemplarisches Beispiel für diesen kunstvollen ersten Einleitungssatz ein Satzbild an:
Anhand dieses Satzbildes ist es auch am eindrucksvollsten möglich, auf die Notwendigkeit von Umformungen, Abänderungen etc. einzugehen. Zunächst, um noch einmal auf die einleitenden Schlüsselwörter zurückzukommen, fällt auf, dass diese im Deutschen mit Substantiven gebildet sind, wohingegen ich für das Lateinische Partizipien gewählt habe. Ein grundlegender Unterschied, der sich auch durch den Rest der Arbeit zieht, ist also der in der lateinischen Sprache bevorzugte Verbalstil. Die Wiedergabe durch Substantive würde für den Römer seltsam und wohl nicht leicht verständlich klingen. Um einen solchen Satz also lateinisch umzuformen, bedarf es eines genauen Bedeutungsstudiums, d.h. man muss sich überlegen, was eine Wendung eigentlich ausdrücken soll, um diese dann entsprechend übersetzen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor erläutert die Beweggründe für seine Arbeit und die Zielsetzung, die deutsch-tschechische Aussöhnungserklärung ins Lateinische zu übersetzen, um die juristische Eignung und Präzision der Sprache zu belegen.
2. Translatio foederis amicitiae: Dieses Kapitel präsentiert den vollständigen lateinischen Text der übersetzten deutsch-tschechischen Erklärung unter Berücksichtigung rhetorischer Strukturvorgaben.
3. Verwendete Termini: Hier erfolgt eine chronologische Gegenüberstellung moderner politischer Begriffe mit ihren lateinischen Entsprechungen, um die Ausdrucksstärke des klassischen Wortschatzes zu demonstrieren.
4. Interpretation: Der Vertragstext und die klassische Rhetorik: Dieser Hauptteil analysiert die stilistischen Mittel Ciceros, die methodische Vorgehensweise bei der Übersetzung und argumentiert für die Vorteile des Lateinischen als europäische Vertragssprache.
5. Deutsch-Tschechische Erklärung über die gegenseitigen Beziehungen: Dieser Abschnitt enthält das deutsche Originaldokument als Grundlage für die zuvor durchgeführte sprachliche Analyse und Übersetzung.
Schlüsselwörter
Latein, Vertragssprache, Aussöhnungserklärung, Cicero, Rhetorik, Humanistenlatein, Übersetzung, Syntax, Europäische Union, Diplomatie, Facharbeit, Sprachentwicklung, Politik, Rechtswesen, Klassisches Latein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Einsatzmöglichkeiten des klassischen Latein als präzise Sprache für moderne, komplexe politische Vertragstexte anhand der deutsch-tschechischen Aussöhnungserklärung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind klassische Rhetorik, lateinische Fachsprache (Humanistenlatein), moderne europäische Diplomatie und die Frage nach einer einheitlichen Verständigungssprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu belegen, dass das Lateinische durch seine strukturelle Klarheit und Präzision hervorragend dazu geeignet ist, moderne Rechtstexte eindeutig zu formulieren, ohne auf neulateinische Wortneuschöpfungen angewiesen zu sein.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die vergleichende Sprachanalyse, die philologische Interpretation antiker rhetorischer Prinzipien (Ciceros Stil) sowie die angewandte Übersetzungspraxis im Kontext moderner diplomatischer Dokumente.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Anwendung des ciceronianischen Periodenbaus, der Transformation von Substantivstil in Verbalstil und der Diskussion über die Bedeutung einer universellen Rechtssprache in der EU.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Latein als Vertragssprache, Cicero, diplomatische Präzision und rhetorische Struktur charakterisiert.
Warum wurde ausgerechnet die deutsch-tschechische Erklärung gewählt?
Die Erklärung von 1996 ist ein komplexes, hochsensibles politisches Dokument, das sich aufgrund seiner formalen Struktur und der hohen Präzisionsanforderungen an die Begrifflichkeiten besonders für eine lateinische Übersetzung eignet.
Wie geht der Autor mit modernen Begriffen wie "Nationalsozialismus" um?
Der Autor entscheidet sich für eine pragmatische Lösung, indem er auf existierende Begriffe oder klare lateinische Umschreibungen zurückgreift, anstatt sich in zu komplizierten und missverständlichen Formulierungen zu verlieren.
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- Matthias Geipel (Author), 1997, Latein als Vertragssprache innerhalb Europas. Übersetzung des deutsch-tschechischen Aussöhnungsvertrages, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295148