Wie wichtig sind Weblogs für die Modebranche geworden?

Ermittlung anhand einer Befragung


Akademische Arbeit, 2012
44 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Weblogs
2.1 Definition von Weblogs und ihre Bedeutung in der Modebranche

3. Empirischer Teil
3.1 Forschungsstand
3.2 Forschungsleitende Frage und theoretische Vorüberlegungen
3.3 Darstellung der Methodenauswahl: Experteninterviews
3.4 Entwicklung des Interviewleitfadens
3.5 Rahmenbedingungen der Experteninterviews
3.6 Auswertung

4. Forschungsergebnisse
4.1 Darstellung der Forschungsergebnisse
4.2 Interpretation
4.3 Zusammenfassung der Forschungsergebnisse
4.4 Abschließender Interviewbericht

5. Fazit und Ausblick

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur

1. Einleitung

„In Skandinavien, Südeuropa und den USA haben Mode-Blogger den Stellenwert von Journalisten“, heißt es in einem kürzlich erschienenen Artikel des Handelsblatt zur Bedeutung von Mode-Bloggern (vgl. Baumbach 2011, 1). In wenigen Sätzen ist davon die Rede, dass Modeinteressierte zunehmend weniger zu Modemagazinen greifen und Journalisten renommierter Medien der Zugang zu Fashionshows durch Blogger erschwert wird. (vgl. Baumbach 2011, 1f.)

Wovon hier die Rede ist, ist der Wandel in der Modeberichterstattung und die Entwicklung im Journalismus allgemein, die durch das Aufkommen des Web2.0 hervorgerufen wurde. Diese Thematik stellt den Forschungsgegenstand dieser wissenschaftlichen Arbeit dar und wird im Folgenden näher erläutert.

Journalistische Angebote existieren bereits seit Mitte der 90er Jahre im Netz und entwickelten sich fortan zu einer neuen Ausprägung des Journalismus. (vgl. Neuberger, Quandt 2010, 60) Das Web2.0, das so genannte Mitmachnetz, von dem offiziell seit dem Jahr 2004 die Rede ist, (vgl.O'Reilly 2005, 1) stellt den Journalismus jedoch vor einen Wandel. Die neuen partizipierenden Möglichkeiten stellen für Journalisten eine Herausforderung dar und bedeuten einen Wandel für den Journalismus allgemein. Durch die horizontale Diversifikation entwickelte sich das Berufsbild des Online Journalisten, der in Hinblick auf die neuen Anforderungen im Internet spezialisiert ist.

„Die Digitalisierung und der Ausbau des schnellen Datentransfers bewegen viel im Journalismus: neue Gestaltungsmöglichkeiten der recherchierten Inhalte, neue Erzähl- und Darstellungsformen, neue Wege der Kommunikation mit den Lesern, weltweite Abrufbarkeit der Angebote, immer neue technische Übertragungs-, Kommunikations- und Produktionswege.“, erklärt Matzen (2010, 7) in ihrem Ratgeber für Onlinejournalisten und ist sich sicher, „Fast alle Journalisten werden im Internetzeitalter ihre Arbeitsweise ändern müssen. Nur wenige in diesem Beruf werden in Zukunft nur noch für Zeitungen, Magazine, Fernsehen oder Radio arbeiten.“.

Ein bedeutsamer Grund für diese Entwicklung sind die Eigenschaften des Web2.0. Über verschiedene Plattformen können Internetnutzer Inhalte selbst produzieren, publizieren und kommentieren. Dabei können sie sich durch Verlinkungen vernetzen und ihre Inhalte somit an eine breite Öffentlichkeit weltweit richten.

„Partizipativen Journalismus“ nennt man die Art der Meinungsäußerung zu journalistischen Themen, die auf Web2.0 Plattformen stattfindet (vgl. Neuberger, Quandt 2010, 70). Dabei stellen Weblogs eine dieser Darstellungsformen dar und gelten als eine beliebte Art der Meinungsäußerung im Netz (vgl. Möller 2005, 115). Zerfaß und Boelter (2005, 16) warnten bereits im Jahr 2005 davor „Weblogs sind Chance und Bedrohung für Organisationen, neue Wege für Botschaften, Herde für Krisen, Ort für Diskurse und Demokratie, Wissenswerkzeuge und Magazine.“. Seither machen sich die Chancen und Risiken für den Journalismus, hervorgerufen durch Weblogs, zunehmend bemerkbar. Einige renommierte Medien, wie beispielweise das ZDF, die Zeit oder das Handelsblatt, integrieren die Alternative Art der Berichterstattung in ihr Angebot. Die neue Darstellungsform solcher Medien erlaubt einen engen Austausch mit den Rezipienten und wird nach den gleichen journalistischen Kriterien geführt wie andere Medienprodukte. (vgl. Zerfaß, Boelter 2005, 26) Weiterhin ist von Weblogs als Recherchetool die Rede (vgl. Zerfaß, Boelter 2005, 58), denn in der Vielzahl der Angebote existieren ernst zu nehmende Blogs, wie beispielsweise der Bildblog (bildblog.de), der mit einer kritischen Berichterstattung über das größte deutsche Boulevardblatt (vgl. Zerfaß, Boelter 2005, 26) mit dem Grimme Preis ausgezeichnet wurde (vgl. Berendt, Schlegel, Koch 2008, 72).

Obgleich fortwährend eine Diskussion über Bloginhalte und ihren journalistischen Charakter herrscht. (vgl. Mast 2008. 617) Durch die leichte Zugänglichkeit zu Inhalten verschwimmen die Grenzen zwischen qualitativem Journalismus, subkutanen Inhalten und schnell produziertem Content, der von jedem Internetuser produziert und publiziert werden kann. Eine daraus entstehende Problematik stellt die große Anzahl an privaten Weblogs von Einzelpersonen dar. (vgl. Zerfaß, Boelter 2005, 23 ff.) Hier geben die Inhalte oftmals keine Informationen darüber, ob es sich bei den Autoren um Journalisten oder qualifizierte Laien handelt. Hinzu existieren keine journalistischen Standards. Besonders häufig tritt die Auseinandersetzung über Blogger und ihre Berichterstattung in Bezug auf die Modebranche in Erscheinung. So genannte Modeblogs genießen teilweise eine besonders hohe Popularität bei Modeinteressierten und erreichen mit ihren Publikationen enorm hohe Frequentierungen (vgl. Swanson, Everett 2008, 297). Die Problematik, die sich daraus ergibt, schildert der Tagesspiegel bereits im Jahr 2010 in einem Artikel. Modeblogger haben einen bedeutenden Einfluss auf ihre Leser und sind erheblich günstiger als Modemagazine. Durch hohe Klickzahlen werden auch Modeblogs von Laien als Werbeplattformen für Unternehmen interessant. Daraus resultierend geht das Anzeigenaufkommen bei renommierten Modemagazinen wie der Vogue zurück und Umsatzeinbußen sind das Endprodukt. (vgl. Moll 2010, 1 f.) Während die Modemagazine mit Umsatzeinbußen und rückgängigen Leserzahlen kämpfen, haben sich internationale Modeblogger bei Fashion Shows bereits die Plätze in der ersten Reihe, neben renommierten Moderedakteurinnen wie Anna Wintour, der Chefredakteurin der amerikanischen Vogue, erkämpft. (vgl. Moll 2010, 1) Der Spiegel erläutert das Phänomen in einem Artikel so: „Bereits wenige Stunden nach einer Modenschau stehen die Bilder der neuesten Kollektionen, aber auch der Gäste, im Netz, werden diskutiert, bewertet. Mode-Blogger sind schneller als konventionelle Magazine, unabhängig von Anzeigenkunden. Das Internet bietet ihnen die Möglichkeit, Trends zu entdecken und sie sofort an eine riesige internationale Zielgruppe zu verbreiten.“, vgl. Krahe 2009, 1.

Was Modemagazine von dieser Entwicklung halten wird in einem Artikel der Zeit mit der Überschrift „Vogue war gestern“ laut. Anna Wintour setzte das Wort Blog, laut der Zeit, auf den Index ihrer Redaktion. (vgl. Kolbe 2008, 1f.) Doch nicht alle Modemagazine verwehren sich der neuen Entwicklung. Die deutsche Ausgabe der Vogue integrierte einen eigenen Blog in ihre Onlinepräsenz (vogue.de/mode/stilblog) und die renommierte Modejournalistin der New York Times, Cathy Horyn, publizierte kurzerhand ihren eigenen Modeblog „On the Runway“ (vgl. Kolbe 2008, 1f.). In der TextilWirtschaft Ausgabe Nr. 18_6.Mai 2010 (vgl. Nguyen 2010, 38), der Fachzeitschrift für die Modeindustrie, heißt es, „Fashion-Blogs haben sich längst etabliert. Was sie über Mode und Trends schreiben, lesen Millionen weltweit.“. Das Resultat ist die Attraktivität der Modeblogger, die sie für Modeunternehmen darstellen. Als Werbebotschafter werden sie mit Produkten ausgestattet, zu Veranstaltungen eingeladen und für Werbebanner oder Produktreviews bezahlt. Eine weitere Art der Unternehmen, mit dem Phänomen Modeblog umzugehen, ist einen eigenen Blog zu publizieren. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist das Hamburger Versandhaus Otto, das seit dem Jahr 2008 zwei Bloggerinnen für den hauseigenen Modeblog „Two for Fashion“ (twoforfashion.otto.de) beschäftigt. (vgl. Nguyen 2010, 38) Das Interesse von Unternehmen an Modeblogs wächst stetig. So ließ das spanische Modeunternehmen Bershka kürzlich fünf internationale Modeblogger ein T-Shirt designen und verkaufte die Blogger Collection“ regulär in den Geschäften (vgl. http://beesandballons.blogspot.com/2011/08/bershka-in-deutschland-bloggers.html, Abrufdatum: 06.01.2012, 16:37 Uhr). Die schwedische Modebloggerin Elin Kling designte eine eigene Kollektion für die Modekette H&M (vgl. http://www.glamour.de/mode/mode- news/h-m-elin-kling-fuer-h-m, Abrufdatum 06.01.2012, 16:45 Uhr) und gründete im vergangenen Jahr ihr eigenes Modelabel namens „Nowhere“ (shop-nowhere.com). Eine der jüngsten und außerdem bekanntesten Bloggerinnen Tavi Gevinson begann ihren Blog Stylerookie (thestylerookie.com) im Alter von elf Jahren und ist seither regelmäßiger Gast auf internationalen Fashionshows, gilt als Inspiration für namhafte Designer und modelte für eine Ausgabe der französischen Vogue. (vgl. http://www.npr.org/2011/10/01/140963969/style-rookie-tavi-gevinson-plays-not-my-job, Abrufdatum 06.01.2012, 16:59 Uhr).

In Deutschland ist die sogenannte Modeblogosphäre nach Berichten des Handelsblattes weniger stark entwickelt, ein Grund dafür seien die großen Qualitätsunterschiede zwischen den Bloggern. In anderen Ländern seien Modeblogger zu vergleichen mit Modejournalisten heißt es, in einem Artikel des Handelsblattes, was das anfänglich genannte Zitat untermauert. (vgl. Baumbach 2011, 1) Diese Behauptung stellt den Modejournalismus vor eine ähnliche Konfrontation, entsprechend der Diskussion um den Beruf des Modejournalisten. Trotz langjähriger Tradition der Modeberichterstattung und der Mode, als kulturellem Gut, steht der Modejournalismus häufig in der Kritik. Aufgrund einer hohen Anzahl an Anzeigen und einer engen Bindung zu Anzeigenkunden, wird die Unabhängigkeit der Magazine in Frage gestellt. Durch die vorherrschende Bildlastigkeit werden ebenso die journalistischen Inhalte hinterfragt und kritisiert. (vgl. Dernbach 2010, 182) Die Wissenschaft hat sich bislang kaum mit dem Thema des Modejournalismus beschäftigt, insofern ist unergründet, ob die Kritik berechtigt oder der journalistische Bereich der Mode unterschätzt wird. Matthiesen erklärt „Die Journalistik im deutschsprachigen Raum hat den Modejournalismus bislang nicht behandelt. Reus, der die Mode durchaus für einen kulturjournalistisch relevanten Bereich hält, kann in seiner ausführlichen Bibliographie keine einzige dezidiert journalismustheoretische Untersuchung zum Themenbereich Mode anführen“, (2000, 113).

Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Modeblogs und dem Vergleich etwaiger mit Modejournalisten, stellt sich die Frage, welche Relevanz Modeblogs für den Modejournalismus darstellen. Diese Fragestellung bildet den zentralen Untersuchungsgegenstand dieser empirischen Untersuchung. Es ist unklar wie Modejournalisten mit dem Phänomen Modeblog umgehen und welche Bedeutung sie der Art der Berichterstattung schenken. Weiterhin ist zu klären, inwieweit der Modejournalismus mit dem herkömmlichen Journalismus verwandt ist und ob Unterschiede in den journalistischen Arbeitsweisen existieren. Darüber hinaus soll die journalistische Modeberichterstattung näher durchleuchtet und nach ihrer Methodik untersucht werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Auseinandersetzung darüber, welche Informationsquellen im Modejournalismus genutzt werden und ob das Web2.0 in den Arbeitsprozess integriert ist. Aufgrund der hohen Bedeutung, die den Modeblogs durch die Gesellschaft geschenkt wird, ist fraglich, ob Modejournalisten Modeblogs als Informationsquelle nutzen.

Weiterhin werden Weblogs, als Internetplattform des Web2.0 näher definiert und auf ihre Relevanz im Themenbereich der Mode untersucht. Nach abschließender Betrachtung des Forschungsstandes wird eine Erhebung in Form von Experteninterviews angewendet, um stichhaltige Informationen zu der Forschungsfrage nach der Relevanz von Modeblogs und der Arbeitsweise im Modejournalismus zu erhalten und die Hypothesen zu beantworten. In einer Auswertung der erhobenen Materialien soll abschließend die Forschungsfrage beantwortet werden.

2. Weblogs

Im vorliegenden Kapitel wird das Medium Weblog definiert. Es werden weiterhin die Funktion und Bedeutung von Weblogs allgemein erläutert. Anschließend wird die besondere Relevanz von Modeblogs präzisiert.

2.1 Definition von Weblogs und ihre Bedeutung in der Modebranche

Weblogs sind Onlinetagebücher von Personen, die auf ihrer eigenen Plattform Einträge über beliebige Themen publizieren. Sie bieten eine Präsenz für Einträge im Text-, Bild- und Videoformat. Die chronologische Anordnung der Beiträge, der neueste steht oben und die älteren kann man durch zurückblättern ansehen, ist ausschlaggebend für die Begrifflichkeit des Weblogs. Der Begriff ist zusammengesetzt aus der Abkürzung für das Internet, Web, und dem englischen Wort Log, das so viel heißen kann wie Logbuch oder Fahrtenbuch. (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 20 f) Es wurde erstmalig im Jahr 1997 von dem Amerikaner Jon Barger verwandt, als er sein Netztagebuch als Weblog benannte. Der Begriff Blog fungiert weiterhin als Kurzform des Weblogs (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 20). Blogs sind ein Teil des Web2.0, des so genannten Mitmachnetzes und füllen das Internet mit dem sogenannten user-generated-content. (vgl. Holzinger; Sturmer 2010, 62) User- generated-content sind Inhalte, die von jedem Internetnutzer produziert und an eine breite Öffentlichkeit verbreitet werden können. Mit dieser Funktion ermöglichen Blogs für jeden Blogger die aktive Teilhabe an der öffentlichen Meinungsbildung. Die Leser können die Beiträge kommentieren, und weiter verlinken. (vgl. Matzen 2010, 107 f.) Weblogs stellen durch ihre freie Verfügbarkeit die beliebteste Art der Meinungsäußerung im Netz dar (vgl. Möller 2005, 115). Die Autoren von Blogs, die so genannten Blogger, bewegen sich in ihrer Gesamtheit in der Blogosphäre. (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 20)

In der Entwicklung der Weblogs ist zu beobachten, dass sie zunächst seit dem Jahr 2002 eine größere Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten erreichten (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 21). In Deutschland führten renommierte Medien wie die Öffentlich-Rechtlichen Medienanstalten Blogs als alternative Berichterstattung zu spezifischen Themen ein und unterstützen somit das Ansehen von Weblogs bei den Nutzern. Seit dem Jahr 2004 erlangte die Darstellungsform dadurch auch in Deutschland eine höhere Aufmerksamkeit. (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 21) Ein Durchbruch für die Akzeptanz von Weblogs war die erstmalige Verleihung des Grimme Preises im Jahr 2005 an einen Blog. In der Kategorie Online Medien wurde neben dem Bürgerjournalismus Portal Wikipedia, der Bildblog (bildblog.de) mit einem Preis ausgezeichnet (vgl. Berendt; Schlegel; Koch 2008, 72).

Renommierte Medien wie Tageszeitungen und Hörfunk setzen journalistische Weblogs zur Erweiterung ihrer Berichterstattung im Internet ein. Solche journalistischen Angebote

werden nach ähnlichen journalistischen Kriterien betrieben wie herkömmliche Medien, da sie meist von Journalisten geschrieben und als Ergänzung zu einem Massenmedium geführt werden. (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 27) Weitere Blogbetreiber können Non-Governmental- Organisations wie zum Beispiel Initiativen, Vereine und politische Aktivisten sein. Diese nutzen die Funktion von Weblogs meist dazu, eine Öffentlichkeit zu bilden und diese zu aktivieren, beziehungsweise zu ihrer Meinungsbildung zu mobilisieren. (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 28) Auch Unternehmen und Parteien nutzen Weblogs für ihre unternehmerischen Zwecke. Hierbei können Weblogs mehr Transparenz und einen Einblick in die Arbeit von Unternehmen, Institutionen und Parteien geben. (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 29) Weiterhin wenden Personen des öffentlichen Interesses Weblogs zur Darstellung der eigenen Person und dem Dialog mit Fans an. Durch den Austausch mit den Rezipienten durch Kommentar- und Verlinkungsfunktionen kann ein Blogautor eine besonders enge Bindung zu seinen Lesern aufbauen. (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 30)

Heute existieren verschiedene Arten von Weblogs, private Blogs spielen jedoch nach wie vor die größte Rolle in der Blogosphäre. Der Onlinedienstleister Technorati hat in einer Studie ermittelt, dass es sich bezogen auf die gesamte Blogosphäre im Jahr 2011, bei 60 % der Blogs um private Publikationen handelt. (vgl. http://technorati.com/blogging/article/state-of-the-blogosphere-2011-introduction/, Abrufdatum: 09.01.2012, 16:39 Uhr)

Diese Blogs werden von Privatpersonen geführt und sind in aller Regel durch Suchmaschinen für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Themen variieren von privaten Belangen bis hin zu verschiedenen Fachgebieten wie Technik, Wirtschaft, Mode und weiteren. Ursprünglich war das bloggen eine Ausdrucksform privater Einzelpersonen, inzwischen zählen Blogs jedoch als ein Medium, dass auch von unternehmerischer Seite eingesetzt wird (vgl. Matzen 2010, 107). Durch die leichte Verbreitung und die Masse an Inhalten sind auch private Blogs für Unternehmen relevant. (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 23 ff.)

Ursprünglich galten Blogs nicht als journalistische Darstellungsform (vgl. Matzen 2010, 107). Mit ihrer Berichterstattung erfüllen jedoch einige nicht journalistische Weblogs ähnliche Kriterien wie klassische journalistische Angebote (vgl. Mast 2008, 617). Aufgrund dessen tritt vermehrt die Frage auf, ob Blogs journalistisch sind. (vgl. Möller 2005, 132) Journalisten sind für Massenmedien tätig und würde man Weblogs als Massenmedien betrachten, käme die Frage auf, ob die Blogautoren als Journalisten zu bezeichnen seien (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 53). Diese Frage stellt sich ebenso Claudia Mast (2008, 617) die davon ausgeht, dass Weblogs durch ihre Wirkung und Funktion den klassischen Journalismus ersetzen könnten (vgl. Mast 2008, 617). Hierbei handelt es sich weniger um die journalistischen Blogs, die Medienanstalten als Ergänzung zu ihrem Medienprodukt anbieten wie die Tagesschau oder das Handelsblatt (vgl. Matzen 2010, 108), sondern viel mehr um Angebote, die aus dem so genannten Bürgerjournalismus (vgl. Mast 2008, 615) entstanden und bei denen nicht zu erkennen ist, ob die Autoren Journalisten sind oder nicht.

Grundsätzlich wächst die Bedeutung von Weblogs bei Internetnutzern. Die „Blogstudie 2007“, erhoben von der Universität Leipzig, zum Thema „Informationssuche im Internet - Blogs als neues Recherchetool“ hat ergeben, dass rund 79,8 % der täglichen Internetnutzer Blogs kennen und auch nutzen. Dabei sind 45,2 % der Blognutzer lediglich Rezipienten und 34,6 % bloggen selbst. Als Grund für den Konsum von Weblogs gaben 66,7 % an, dass sie etwas lesen wollen, das sie in anderen Medien nicht erfahren. Wenn es um die Bedeutsamkeit von Bloginhalten geht, wurde festgestellt, dass sich 51 % der Blognutzer an den Inhalten privater Blogs orientieren. (vgl. Universität Leipzig 2007) Dieses Resultat könnte ein Indikator dafür sein, dass einige Weblogs eine besonders hohe Frequentierung genießen (vgl. Möller 2005, 132) und sich dadurch in einem Bereich bewegen, in dem die Wirkung einer privaten Publikation kaum von der eines Massenmediums unterschieden werden kann. Durch die hohe Resonanz einzelner Publikationen und der verschwimmenden Grenzen zwischen privaten und journalistischen Inhalten, nehmen Weblogs vor allem eine besondere Bedeutung für Unternehmen ein. Die enge Bindung und Möglichkeit zur persönlichen Ansprache der Leser und Kunden ist in keinem anderen Medium so gegeben.

Eine Möglichkeit für Unternehmen sind so genannte Corporate Blogs. (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 118) Corporate Blogs sind für unterschiedliche Branchen relevant und verkörpern unter anderem für die Modebranche eine gewichtige Rolle. Grund dafür ist aus unternehmerischer Sicht die hohe Popularität, die insbesondere Konsumgüter wie Kleidung durch vermehrtes Auftauchen, Anzeigen und Rezensieren im Internet gewinnen können. (vgl. Ahrens; Dressler 2011, 151) Durch das thematisieren von bestimmten Konsumgütern in einer persönlichen Ansprache, wie der in einem Blog, kann bei dem Leser der Wunsch nach diesem Konsumgut geweckt werden. (vgl. Ahrens; Dressler 2011, 151)

Eine Studie der Dr. Schengber & Friends GmbH zum Thema „Social Media Einfluss auf das Kaufverhalten“ hat bei der Befragung von 1.299 14 bis 60 jährigen ergeben, dass für rund 50 % der 14 bis 29 jährigen Social Media eine Wichtigkeit bei Kaufentscheidungen darstellen. 11 % nutzen Blogs zur Bewertung von Konsumgütern und 25 % informieren sich vor einem Kauf von Kleidung im Internet. (vgl. Schengber & Friends GmbH 2011)

Social Media wie Weblogs haben demnach einen Einfluss auf das Konsumverhalten ihrer Rezipienten und werden aufgrund dessen von Modeunternehmen in den Marketing Mix integriert. Beispiele für Modeunternehmen, die Corporate Blogs in ihrem Marketing einsetzen, sind unter anderem das Otto Versandhaus (twoforfashion.otto.de), die deutschen Modeketten New Yorker (whatstrend.com) und Hallhuber (styleblog.hallhuber.de), derOnlineshop Conley's (blog.conleys.de) oder das spanische Modeunternehmen Mango (shop.mango.com/DE/mango/blog).

Corporate Fashion Blogs nehmen jedoch im Vergleich zu privaten Modeblogs gegenwärtig eine kleine Rolle ein. Laut einer aktuellen Statistik stellen allgemein Corporate Blogs mit 8 % einen geringeren Anteil als die 60 % privaten Blogger der gesamten Blogosphäre dar (vgl. http://technorati.com/blogging/article/state-of-the-blogosphere-2011-introduction/, Abrufdatum: 09.01.2012, 18:07 Uhr).

Bereits im Jahr 2006 existierten weltweit zwei Millionen Blogs mit dem Themenschwerpunkt Mode und Shopping (vgl. Swanson; Everett 2010, 298). Auch die von Einzelpersonen betriebenen Modeblogs sind für Unternehmen interessant, da sie teilweise durch eine enorm hohe Frequentierung eine Werbeplattform im Internet darstellen können (vgl. Swanson; Everett 2010, 297). Ein erfolgreiches Beispiel hierfür ist der deutsche Modeblog Les Mads (lesmads.de). Augenscheinlich bietet der Blog eine unabhängige Modeberichterstattung zweier junger Frauen. Inzwischen gehört Les Mads jedoch zu dem Burda Verlag und stellt somit ein eigenständiges Verlagsprodukt aus dem Hause Burda dar. (vgl. Ahrens; Dressler 2011, 151) Mit knapp 700.000 Visits im Monat (vgl. http://www.lesmads.de/impressum.html, Abrufdatum: 09.01.2012, 18:09 Uhr) ist Les Mads damit nicht nur der erfolgreichste deutsche Modeblog, er überragt damit auch die Verlagsschwester und die deutsche Onlineausgabe der Elle, die mit knapp 500.000 Seitenaufrufen im Monat (vgl. http://www.tomorrow-focus- media.de/online/portfolio/info/elle-online/, Abrufdatum: 09.01.2012, 18:00 Uhr) weniger Aufmerksamkeit erreicht. Die Elle ist ein renommiertes Modemagazin aus dem Verlagshaus Burda, dass mit einer Entstehungsgeschichte aus dem Jahr 1945 auf eine lange Vergangenheit und eine erhebliche Relevanz für die deutsche Modegeschichte zurück blickt. (vgl. Völkel 2006, 127)

Les Mads wurde aufgrund der Popularität im Jahr 2010 mit dem Lead Award, einer Auszeichnung für wichtige Print- und Onlinemedien, in der Kategorie „Weblog des Jahres“ prämiert. (vgl. Binar; Mossina 2011, 89) Die Gründerinnen des Blogs Julia Knolle und Jessica Weiß begannen mit ihrem Blogprojekt im Jahr 2007 ursprünglich als private Webseite und besaßen im Vorfeld keinerlei journalistischen Hintergrund, wie sie in ihrem ersten eigenen Buch „Modestrecke unterwegs mit Les Mads“ (2011, 1 ff.) erklären. Wenn ein Blog eine höhere Frequentierung als ein journalistisches Medium aufweist, und demnach Merkmale, die für ein Massenmedium charakteristisch sind erfüllt, stellt sich die Frage, ob ein Blog ein massenmedial und journalistisch sein kann. Die Auseinandersetzung über den journalistischen Charakter von Weblogs, (vgl. Zerfaß; Boelter 2005, 56) ähnelt der Auseinandersetzung über die journalistische Arbeit der Modeberichterstattung (vgl. Dernbach 2010, 182). Insofern ist fragwürdig, inwiefern Blogs insbesondere für Modejournalisten von Bedeutung sind. Swanson und Everett (2008, 297) widmen dem „Blog Writing“ sogar ein eigenes Kapitel und erklären, dass Modeblogger teilweise den gleichen Zugang zu Fashion Shows und Modeinformationen haben wie Modejournalisten. Sie informieren ihre Leser demnach über die gleichen aktuellen Themen wie renommierte Modeberichterstattungen mit einem Unterschied, sie sind in der Regel unabhängig und genießen demnach eine größere schöpferische Freiheit. (vgl. Swanson; Everett 2008, 298) Die Inhalte in Modeblogs sind sehr stark meinungsbezogen, werden regelmäßig aktualisiert und geben dem Leser das Gefühl dabei zu sein. (vgl. Swanson; Everett 2008, 297) Das könnten einige der Gründe sein, warum Modeblogs sich einer großen Beliebtheit bei utzern, als auch ihren Lesern erfreuen. Eine genaue Anzahl von allen existierenden Modeblogs ist nicht zu ermitteln. Der amerikanische Onlinedienstleister Technorati (technorati.com) veröffentlicht seit dem Jahr 2004 regelmäßige Statistiken über die weltweite Blogosphäre. Im Jahr 2008 veröffentlichte Technorati Informationen darüber, dass seit dem Jahr 2002 rund 133 Millionen Weblogs weltweit von Technorati verzeichnet worden sind. (vgl. http://technorati.com/blogging/article/state-of-the-blogosphere- introduction/, Abrufdatum: 09.01.2012, 18:20 Uhr) Weiterhin wurde im Jahr 2010 ermittelt, dass 29 % der Weblogs aus Europa stammen. (vgl. http://technorati.com/blogging/article/state-of-the-blogosphere-2010-introduction/, 09.01.2012, 18:20 Uhr) Aktuell verzeichnet Technorati darüber hinaus, dass das Stichwort „Fashion“ eines der 30 meist verwendeten Blogstichworte im Jahr 2011 sei. (vgl. http://technorati.com/blogging/article/state-of-the-blogosphere-2011-part3/, 09.01.2012, 18:20 Uhr) Diese Ergebnisse geben Aufschluss darüber, dass die Zahl der existierenden Modeblogs heute größer sein kann, als die im Jahr 2006 ermittelte Anzahl von zwei Millionen weltweit (vgl. Swanson; Everett 2010, 298). Die Akzeptanz von Modeblogs wächst zunehmend. Dernbach (2010, 184) spricht davon, dass usergenerierte Plattformen in der Modewelt weltweit boomen. Als Resultat teilen sich Modejournalisten die ersten Reihen bei Modeschauen mit internationalen Bloggern, welche aufgrund ihres Blogs Zugang zu diversen Fashion Veranstaltungen erhalten (vgl. McAssey; Buckley 2011, 173).

Modeblogs stellen weiterhin eine neue Perspektive für Modeschaffende dar. Wie bereits erwähnt, bedienen sich auch Modejournalisten der Darstellungsform des Blogs. Cathy Horyn von „The New York Times“ bloggt regelmäßig über Ereignisse der Modewelt und Lesley Jane Seymour, Redakteurin des Magazins „Marie Claire“, versorgt die Leser per Blogeintrag über die neuesten Informationen der Fashionshows. (vgl. Swanson, Everett 2008, 297 f.) Die Modeindustrie kann sich darüber hinaus auf unterschiedlichen Blogs direkt über die Trendentwicklungen und Geschmäcker ihrer potentiellen Kunden informieren. (vgl. McAssey; Buckley 2011, 173) McAssey und Buckley (2011, 173) betiteln Modeblogs bereits als ergiebige Recherchequelle für Modedesigner und Stylisten. Swanson und Everett (2008, 297) erwähnen wiederum, dass Modeblogs die persönlichen Interessen des Autors widerspiegeln, jedoch nicht als journalistische Quelle bestimmt sind. Zerfaß und Boelter (2005, 56) sprechen jedoch von Weblogs als ergänzendes Recherchewerkzeug für Journalisten. Die „Blogstudie 2007“ hat darüber hinaus festgestellt, dass 10,2 % der Befragten Internetnutzer Blogs mit Journalismus in Verbindung setzen und 9,6 % als Funktion der Informationsquelle betrachten. (vgl. Universität Leipzig 2007) Insgesamt betrachtet stellt sich aufgrund der verschiedenen theoretischen Erkenntnisse die Frage, ob Modejournalisten Modeblogs als Recherchequelle nutzen und inwieweit diese deshalb für die Modeberichterstattung relevant werden.

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Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Wie wichtig sind Weblogs für die Modebranche geworden?
Untertitel
Ermittlung anhand einer Befragung
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
44
Katalognummer
V295200
ISBN (eBook)
9783656928805
ISBN (Buch)
9783668138988
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modeblog, Mode, Blog, Modebranche, Modejournalismus, Weblog
Arbeit zitieren
Anne-Kathrin Strauss (Autor), 2012, Wie wichtig sind Weblogs für die Modebranche geworden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295200

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