Mitarbeiterführung. Werte und Führung im Wandel der Zeit


Studienarbeit, 2005
50 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Werte
2.1. Wertebegriff
2.2. Soziologischer Wertebegriff
2.3. Ökonomischer Wertebegriff
2.4. Grundwerte

3. Menschenbilder in der Zeit von 1820 bis
3.1. Marxismus (Karl Marx)
3.2. Bürokratie (Max Weber)
3.3. Taylorismus (Frederick Winslow Taylor)
3.4. Wirtschaftswunder (Ludwig Erhard)

4. Gründe für den Wertewandel
4.1. Technologisierung
4.2. Globalisierung
4.3. Individualisierung

5. Mitarbeiterführung und Werte im Unternehmen
5.1. Führungskräfte
5.1.1. Rolle der Führungskräfte
5.1.2. Werte der Führungskräfte
5.2. Mitarbeiter
5.2.1. Rolle der Mitarbeiter
5.2.2. Werte der Mitarbeiter
5.3. Wertewandel in ausgewählten Bereichen
5.3.1. Führungsstil
5.3.2. Interne Kommunikation
5.3.3. Lohnmodell
5.3.4. Arbeitsmoral

6. Fazit

A. Anhang
A.1. Fragebogen
A.2. Auszug aus einer Arbeitsanweisung für Mitarbeiter des Unternhemens Ferro- viasped GmbH Frankfurt/Main
A.3. Beurteilungsbogen für Auszubildende des Unternehmens Kühne & Nagel GmbH & Co.KG

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

1. Bedürfnispyramide nach Maslow (Quelle: vgl. Knoblauch und Marquardt, 2003, S. 27)

2. Menschenbild (Quelle: vgl. Pircher-Friedrich, 2005, S. 78)

3. Der Kondratieff-Zyklus (Quelle: vgl. Pircher-Friedrich, 2005, S. 34)

4. Nachhaltiger Erfolg durch Vertrauen (Quelle: vgl. Pircher-Friedrich, 2005, S. 58)

5. Interne Kommunikation

6. Grundelemente der betrieblichen Entgeltdifferenzierung (Quelle: vgl. Stein- mann und Schreyögg, 2002, S. 731)

7. Bedingungen des Verhaltens (Quelle: vgl. von Rosenstiel u. a., 1987, S. 39)

Tabellenverzeichnis

1. Traditionelle und moderne Werte

2. Führungskompetenzen (Quelle: vgl. Jäger, 2004, S. 57)

3. Arbeitsmotive und Anreize (Quelle: vgl. North, 2002, S. 158)

1. Einleitung

Der Tarifstreit an den Universitätskliniken in Baden-Württemberg fand nach zwei Wochen ein Ende. Grund für den Arbeitskampf waren die neu vereinbarten Tarif- und Arbeitsbedin- gungen. Die Arbeitgeber der Unikliniken Tübingen, Heidelberg, Ulm und Freiburg sahen ein einheitliches Arbeitszeitmodell von 39 Stunden pro Woche und gekürzte Sonderleistungen bezüglich des Weihnachts- und Urlaubsgeldes für alle Krankenhausangestellten, mit Ausnah- me der Ärzte, als durchführbar an. Die Beschäftigten der Unikliniken und die Gewerkschaft Verdi sahen darin eine Entscheidung zu Ungunsten der Angestellten. So veranlassten 25 000 Beschäftigte eine Arbeitsniederlegung mit weitläufigen Auswirkungen. Der Klinikbetrieb fiel gänzlich aus, sodass nur noch Notfälle behandelt wurden. Die Unikliniken erlitten in dieser Zeit einen Einahmeausfall von mehreren Millionen Euro. Nach zweitägigen Verhandlungen gelang den Unterhändlern der Arbeitgeber und der Gewerkschaft Verdi eine Einigung. Ein abgestuftes Arbeitszeitmodell wurde vereinbart, und das Entgelt, die Einmahlzahlungen und die Sonderleistungen arbeitnehmerfreundlicher gestaltet.

Dieses Beispiel zeigt, dass Mitarbeiter und Führungskräfte unterschiedliche Perspektiven auf das Wertesystem und die gelebten Werte im Unternehmen haben. Daraus ergibt sich ein Kon- flikt, der zu einer Vielfalt von Ansichten über den Wert des Zusammenarbeitens führt.

Diese Arbeit soll einen Einblick in die Entwicklung der Werte in der Mitarbeiterführung im Wandel der Zeit geben, die Gründe des Wertewandels aufzeigen und die Standpunkte von Mitarbeitern und Führungskräften beschreiben.

Einleitend wird der Wertebegriff erklärt und auf die Vielzahl seiner Definitionen eingegangen. Werte werden zunächst in Verbindung mit der Gesellschaft erklärt, die den Rahmen der soziologischen Werte bildet. Der ökonomische Wert hingegen spricht die Bedeutung im volkswirtschaftlichem Sinne an. Ausserdem existieren Grundwerte, wie Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit und freie Meinungsäußerung.

Hiervon ausgehend werden im zweiten Kapitel die Menschenbilder von 1820 bis 1960 analy- siert. Marx und Engels hatten sich das Ziel gesetzt, eine klassenlose Gesellschaft durchzuset- zen, die keine Hilfe des Staates benötigt und den Kapitalismus beseitigt. Demgegenüber war der Menschen in der Bürokratie abhängig von der Führungskraft. Für den Ingenieur Taylor existierten zwei Klassen, die führenden Angestellten und die einfachen Artbeiter. Ludwig Er- hard hatte durch die soziale Gerechtigkeit dem Individuum materiellen Wohlstand verliehen.

Im dritten Teil der Arbeit werden die Gründe für den Wertewandel behandelt. Gerade die Ent- wicklung der Technologie hat diesen Wandel herbeigeführt. Ähnlich der Technologisierung ist dafür die Globalisierung verantwortlich. Als dritte Gegebenheit für den Wertewandel wird die Individualisierung angeführt. Der Mensch besitzt neue Maßstäbe, die alte Werte mit neuen Werten ergänzen.

Das vierte Kapitel stellt die Mitarbeiterführung und die Werte im Unternehmen dar. Zu Be- ginn wird die Rolle der Führungskraft beleuchtet, welche Schwierigkeiten bei der Rollenaus- führung entstehen und welche Führungsansätze das Rollenschema aufbrechen können. Weiter werden die Werte der Führungskräfte dargelegt. Dabei werden die einzelnen Aufgaben, Kom- petenzen und Eigenschaften, die eine Führungskraft haben muss, beschrieben. Anschließend wird die Rolle des Mitarbeiters im Arbeitsverhältnis angesprochen. Es wird gezeigt, dass sich im Unternehmen eine Bewegung hin zum Mitarbeiter als „Mitdenker“ und „Mitbestimmer“ in Entscheidungen vollziehen muss. Hierbei sind die Werte der Mitarbeiter, wie Selbstent- faltungssinn und Eigenverantwortung zu nennen. Schließlich wird der Wertewandel in aus- gewählten Bereichen erörtert. Dabei werden die verschiedenen Führungsstile beleuchtet, die interne Kommunikation dargestellt, die Veränderungen im Lohnmodell hervorgehoben und die Arbeitsmoral der Mitarbeiter analysiert.

In der Schlussbetrachtung wird die erfolgte inhaltliche Darstellung reflektiert und bewertet. Es wird deutlich, dass der Mitarbeiter für das Unternehmen der wichtigste Erfolgsfaktor ist. Daraus wird abgeleitet, dass ein wertefundiertes Handeln, ausgerichtet auf den Mitarbeiter, notwendig für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens ist.

Die Studienarbeit beschäftigt sich nicht mit dem Wertewandel in Bereichen wie Schule und Bildung, Politik und Religion.

2. Werte

Um ein Verständnis für die Thematik der Studienarbeit zu bekommen, ist es notwendig, hier den Wertebegriff im Allgemeinen, in Bezug auf die Gesellschaft und die Ökonomie, sowie die Grundwerte zu erläutern.

Aufgrund der enormen Differenzierung der Begriffsauffassung gibt es in der Literatur bislang noch keine allgemein gültige Definition des Begriffs oder einer disziplinübergreifenden Wer- tetheorie. Daher sind hier einige Ansätze aufgezeigt, die als Grundlage für eine eigens erstellte Definition dienen.

2.1. Wertebegriff

Der Begriff Wert wird im Duden erklärt als: “Beziehung, die zwischen einer Sache und einem übergeordneten Maßstab durch den Menschen gefühlt oder gedacht wird, wodurch die Sache den Charakter des Guten und Wertvollen erhält (o.V., 1995).“

Woanders heißt es: „Werte“ stellen eine „Beziehung her zwischen den psychologischen Objekt (Wertgegenstand) und dem Subjekt (der wertenden Person)“ (Thierfelder, 2001, S. 113). Das bedeutet, dass die Menschen nicht von ihren inneren Vorstellungen zu trennen sind.

Werte sind nach einer weiteren Definition, alles das, was unser Leben bereichert, in materieller, sozialer, geistiger, ästhetischer oder religiöser Hinsicht (Berkel, 1997, zitiert nach Thierfelder, 2001).

Hofstede bemerkt, dass Werte auch Gefühle sind, die mit einer Orientierung zum Plus- oder Minuspol hin gedeutet werden (Hofstede, 1997, zitiert nach Thierfelder, 2001). So können die Eigenschaften gut bis böse, schmutzig bis sauber, aber auch hässlich und schön, unnatürlich und natürlich, anormal bis normal, sowie paradox und logisch, aber auch irrational bis rational ein Ausdruck der Neigung sein, bestimmte Umstände den anderen vorzuziehen (Lobkowicz, 1997, zitiert nach Thierfelder, 2001).

Werte geben die Gründe dafür an, warum Personen, Sachen oder Zustände etwa als „ange- nehm, schön, edel“ positiv geschätzt oder als negativ „Unwert“ bewertet werden (Thierfelder, 2001, S. 113).

Werte sind von jedem Menschen persönlich ausgebildete Verhaltensrichtlinien und Zielvorstellungen, die sich auf inneres Verhalten beziehen und durch persönliche Überzeugung aufrecht erhalten werden (Hillmann, 1986).

In der Motivationspsychologie, die hier die kompetente Disziplin für Werte darstellt, ist der Begriff explizit definiert:

„Bei den Werten geht es darum, was psychologisch das Erleben und Verhalten steuert, also um „Motivatoren“, das heißt wissenschaftlich gesprochen, um ein interaktionales Konstrukt der Werthaftigkeit oder Valenz1 von Dingen oder Personen, das sich aus der Interaktion (...) von Personen, die Ziele haben, mit Umwelten, die diese Ziele sind oder zu ihnen führen, konstituiert.“ (Stiksrud, 1997, zitiert nach Thierfelder, 2001)

Werte sind auch Leitbegriffe, da sie als Regeln zur Orientierung für das Leben der Menschen und ihr Zusammenleben Gültigkeit besitzen. Sie sind Handlungsziele, die angenommen werden wollen und die das Verhalten bestimmen (Krauß, 2003).

Ferner sind Werte keine äußerlichen und objektiven Eigenschaften und Attribute von Menschen oder Sachen, weder im physischem noch im charakterlichem Sinne, obschon diese als Ergebnis einer selektiven Auswahl als der eigentliche „Wert“ bezeichnet wird (Stiksrud, 1997 zitiert nach Thierfelder, 2001).

Knoblauch bezeichnet Werte als „Softfacts“ die zu „Hardfacts“ erhoben werden müssen, da sie, im Gegesatz zu früher, in der modernen Arbeitswelt eine größere Rolle spielen (Knoblauch und Marquardt, 2003, S. 221). Zu diesen Werten zählt er vorrangig Freundschaft, Kollegialität und Verlässlichkeit, Loyalität, Achtung, Toleranz, Geduld, Mitmenschlichkeit, Mut und Demut, Lernbereitschaft, Neugier und Dialog.

Für diese Studienarbeit ist der Begriff Wert wie folgt definiert. Werte werden bei jedem Men- schen individuell erzeugt und sind größtenteils ein subjektives Empfinden. Daher sind Werte abhängig von der Erfahrung der empfindenden Person, der Bedeutsamkeit der Sache und der Geltung für sich selbst. Bedürfnisse, Einstellungen und Auffassungen sind eine moralische Haltung eines Menschen gegenüber seiner Umwelt. Ferner sind Werte Entscheidungsfakto- ren für das menschliche Verhalten. Sie entscheiden letztendlich, was Menschen motiviert und was sie bevorzugen. Daher ist es interessant zu erfahren, welche Bedeutung Werte in unserem Alltag haben.

Darüber hinaus werden Handlungen der Menschen nicht nur aus nur einem Wert begründet, sondern setzen sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Für eine Situation können mehre- re Werte gleichzeitig gelten und einen Wertepluralismus entstehen lassen (Giordano und Patry, 2005, S. 135).

2.2. Soziologischer Wertebegriff

Laut Hillmann wird ein kultureller Wert folgendermaßen definiert:

„Ein kultureller Wert ist ein sozial sanktionierter, kulturell typisierter und psychisch internalisierter Standard selektiver Orientierung für Richtung, Intensität, Ziel und Mittel des Verhaltens von Angehörigen des betreffenden soziokulturellen Bereiches. Sein objektives Kriterium ist Bedeutsamkeit im kulturellen Wertsystem, sein subjektives Kriterium ist Bedeutung in der individuellen Persönlichkeitsstruktur.“ (Hillmann, 1986, S. 23)

Den Rahmen und die Grundlage der soziologischen Werte bildet die Gesellschaft. Jede Ge- sellschaft hat ihre Kultur und somit kulturabhängige Werte geschaffen. Dabei werden einige Werte als erstrebenswert vorgeschrieben und andere Werte ignoriert oder abgelehnt. Im Kern existieren in jeder Gesellschaft Werte und Idealmodelle, die allgemein als obligatorisch ange- sehen werden (Hillmann, 1986, S. 26). Gruppen und Gemeinschaften beinhalten ihre Tradi- tionen, Sitten und Bräuche, sowie ihre Moralvorstellungen und Normen. Dabei ist die Moral ethischen und emotionalen Ursprungs, während die Sitte auf Gewohnheiten und Konventio- nen beruht, die als verbindliche Verhaltensformen gelten. In der Gesellschaft kommt zum Ausdruck, welche Werte eine fundamentale Bedeutung und einen tatsächlichen Sinn besitzen. Soziokulturelle Werte sorgen für einen Zusammenhalt und organisieren das tägliche Leben in der Gesellschaft (Thierfelder, 2001, S. 135).

Hierbei stellt Thierse fest, dass Werte keine Messlatte sind, die an das Handeln der Menschen angelegt werden dürfen. Sie sind die „Währung“, mit der Verständigung innerhalb von oder zwischen Gesellschaften gelingt (Thierse, 2005).

2.3. Ökonomischer Wertebegriff

Der Wert im volkswirtschaftlichen Sinne misst die Bedeutung, die der Mensch einem Gut im Hinblick auf die Bedürfnisbefriedigung zuweist (Thierse, 2005). Die ökonomische Bedeutung unterscheidet in diesem Zusammenhang objektive von subjektiven Werten. Subjektive Werte sind die Wichtigkeit und der Nutzen von Gütern, Waren und Dienstleistungen für den Kon- sumenten. Objektive Werte sind Kosten und der durch die Güterknappheit bemessene Wert (Thierse, 2005, S. 47).

In diesem Zusammenhang soll der Geldwert erwähnt werden, der zumeist den Nennwert oder den Nominalwert2 darstellt. Das Geld hat eine hohe Bedeutung in der Wirtschaft, da sich über dieses Zahlungsmittel der Waren-Geldhandel ausdrückt. Gerade in Unternehmen ist das Geld der Maßstab für den Gewinn (Thierfelder, 2001, S. 5).

2.4. Grundwerte

Thierse definiert als Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität3 (Thierse, 2005). Darüber hinaus sind Grundwerte fest im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert. Zu den fundamentalen Werten der Menschheit zählen die Grundrechte Schutz der Menschenwürde (Artikel 1), Freiheit der Person (Artikel 2), Gleichheit vor dem Gesetz (Artikel 3), Recht der freien Meinungsäußerung und Informationsfreiheit (Artikel 5) zu den fundamentalen Werten der Menschheit (o.V., 1996). Auch wenn Werte einen subjektiven Charakter besitzen, ist hier das Grundrecht ein gutes Beispiel für die Allgemeingültgikeit von Werten und der darüber geschlossenen Übereinstimmung. So gibt es in der Gesellschaft einen Grundkonsens über das, was als gut, richtig oder nicht aktzeptabel gilt (Krauß, 2003, S. 13).

Ferner gehören zu den Grundwerten der Menschheit die Menschenrechte, soziale Gerechtig- keit, Chancengleichheit und Friede. In der modernen Welt hat sich als weiterer Grundwert der Wohlstand etabliert. Im Alltag lebt und erlebt der Mensch bewusst oder unbewusst die allgemeinen Werte wie Treue, Vertrauen und Humanität, Freundschaft und Ehrlichkeit sowie Zuverlässigkeit, Anstand, Fleiß und Pünktlichkeit. Dem modernen Mensch ist die Beachtung

seiner Person und seiner Existenz als autonomer Mensch mit freiem Willen in der Gesellschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 1: Bedürfnispyramide nach Maslow (Quelle: vgl. Knoblauch und Marquardt, 2003, S. 27)

Nach seiner Theorie werden erst die untersten Bedürfnisse gedeckt, bevor der Mensch sich dem nächstdringlichen Bedürfnis der nächsthöheren Stufe zuwendet (Knoblauch und Marquardt, 2003). Es folgen soziale und individualistische Ziele bis zum Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und Freiheit, welche die Spitze der Bedürfnispyramide darstellt und die Entfaltung und Entwicklung der Persönlichkeit bedeutet. Auch wenn sich an den Grundbedürfnissen nichts verändert hat, so hat in den höheren Stufen eine Verschiebung der Wertepriorität stattgefunden (Pircher-Friedrich, 2005).

3. Menschenbilder in der Zeit von 1820 bis 1960

Werte standen schon immer eng mit dem Menschen, seiner Umwelt und seinen Menschenbildern zusammen. Menschenbilder sind Konstruktionen oder Konstrukte, die von Laien und Wissenschaftlern als Teil ihres Weltbildes implizit oder explizit entworfen werden, um eine Gesamtorientierung des Urteilens und Handels zu ermöglichen (o.V., 1995).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 2: Menschenbild (Quelle: vgl. Pircher-Friedrich, 2005, S. 78)

Folglich werden Menschenbilder weder einfach vorgefunden noch existieren sie unabhängig vom Menschen, sie werden je nach Bedarfslage, Zielsetzung und weltanschaulicher Orientie- rung konstruiert (Pircher-Friedrich, 2005, S. 63). Wie die Abbildung 2 zeigt, steht an erster Stelle das Welt-, Menschen- und Selbstbild einer Person. Darauf aufbauend entscheidet das Beobachten und Wahrnehmen das Denken des Menschen und prägt sein Verhalten und Han- deln in der Umwelt. In diesem Zusammenhang ist ein geschichtlicher Rückblick nötig.

3.1. Marxismus (Karl Marx)

Marxismus ist eine Sammelbezeichnung für die Lehren von Karl Marx und Friedrich Engels, die im Kern eine Wirtschafts- und Gesellschaftstheorie darstellt. Die Theorie besagt, dass eine ökonomische Basis den sozialen, rechtlichen, politischen und geistigen Lebensprozess bedingt (Meister, 2005).

Das Werk „Das Kapital“ von Marx und Engels aus dem Jahre 1820 bezieht sich im dritten Band „Die Klassen“ auf die Klassentheorie in der kapitalistischen Gesellschaft (Mauke, 1970, S. 7f.). Hierbei geht es auch auf das Menschenbild ein, das in drei wesentliche Elemente aufzeigt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Marx geht es nicht um die individuelle Existenz des Menschlichen, sondern um sein gesell- schaftliches und materielles Sein. Die Theorie des Marxismus sagt aus, dass das kulturelle und geistige Sein einer Gesellschaft von ihren wirtschaftlichen Grundlagen und Arbeitsweisen bestimmt wird. Nach Marx und Engels ist die Geschichte bisheriger Gesellschaften die Ge- schichte von Klassenkämpfen (Mauke, 1970). Ein Klassenkampf entsteht, durch welchen die herrschende Klasse überworfen wird, und letztlich eine neue Gesellschaft entsteht. In dieser bildet sich wieder eine herrschende Klasse, was erneut zum Klassenkampf führt. Der Kapita- lismus als Wirtschafts- und Herrschaftssystem wird nach Marx und Engels untergehen, wenn er durch die unterdrückte Klasse, das Proletariat, überworfen wird. Die Folge von Klassen- kämpfen stellt zunächst den Sozialismus „Diktatur des Proletariats“ und weiter den Kommu- nismus her. Der nächste Schritt ist die klassenlose Gesellschaft und diese mündet letztendlich in die Abschaffung des Staates. (Mauke, 1970).

Das Kapital spaltet die Gesellschaft in Klassen. Die Klassenstruktur ist identisch mit dem System der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit. Marxs Ansatz wirft auf, dass das Eigentum als allgemeines Gut gilt, aber das Eigentumsverhältnis nie ausgeglichen ist und dadurch eine Klassengliederung vorgibt (Mauke, 1970, S. 26). Nach seiner Auffassung ist es möglich, das Kapital gerecht und gleichmäßig an alle Bürger aufzuteilen, sodass niemand benachteiligt und bevorzugt wird. Aber diese Idealvorstellung einer klassenlosen Gesellschaft ist nicht umzusetzen, da die Menschen von Grund auf egoistisch sind, erfolgsorientiert handeln und so der Kapitalismus in unserer Gesellschaft nicht wegzudenken ist.

Marx Lehre von Klassenherrschaft, Klassenkampf und Revolution ist nicht nur in der Geschichte der Arbeiterbewegung tragend geworden. Soziale Bewegungen und Parteien haben sich auf die Ziele des Marxismus berufen und tun dies noch immer, wie zum Beispiel der Kommunismus und die Sozialdemokratie (Meister, 2005).

3.2. Bürokratie (Max Weber)

Die Bürokratie, nach dem Soziologen Max Weber, wird im Duden als ein System der Verwal- tung beschrieben (o.V., 1995). Webers Auffassung nach zeichnet sich der Vorgesetzte durch eine rationale Kompetenz aus, wodurch die traditionellen und emotionalen Stärken in den Hintergrund gestellt werden. Das hat den Vorteil, dass die Mitarbeiter keine Bevorzugung oder Benachteiligung erfahren. Es wird eine rein unpersönliche Entscheidungen getroffen. Weber schuf den Begriff der „Stelle“, die in sich die Aufgabe, die Qualifikationen und das fes- te Gehalt vereint. Der Mitarbeiter soll auf diese „Stelle“ passen und zuverlässig die Aufgaben erledigen.

Der Vertreter der Bürokratie zeigt in seinem Ansatz, weshalb der normale Arbeiter die „legiti- me Herrschaft“ oder auch die „Autorität“ akzeptiert. Im Grunde ist der Mensch interessenge- leitet. Ideelle und materielle Interessen spielen für ihn eine große Rolle. Webers Auffassung nach haben die Menschen ein hohes Einkommen als Ziel. Daher gehorchen sie der „Herr- schaft“, um ihre materiellen Wünsche, die auch Karriere und ausreichende Altersvorsorge mit einschließen, zu sichern. Als nicht-materielles Ziel kommt die „soziale Schätzung“ hinzu. Da die Arbeiter die Rangordnung im Unternehmen anerkennend akzeptieren, ist Gehorsam nicht nur Pflicht, sondern ein Gebot. Weber beschreibt dieses Verhalten als zweck- und wertratio- nales Handeln (Bea und Göbel, 2002, S. 47).

Menschliches Handeln ist aber auch affektisch, tradtitions- und gewohnheitsbestimmt. We- ber schreibt den Arbeitern eine hohe Arbeitswilligkeit zu (Bea und Göbel, 2002). Angestellte und Arbeiter führen sorgsam und mit Freude die aufgetragenen Aufgaben und Anweisungen der Vorgesetzten aus. Dabei haben Traditionen, Normen und Regeln im Unternehmen für alle einen hohen Stellenwert. Er stellt fest, dass Unternehmen und Regionen, in denen christliche Einstellungen und Werte gelebt werden, wirtschaftlich erfolgreicher sind (Pircher-Friedrich, 2005, S. 56). Weber entwickelt das Bild eines Arbeiters, dem traditionelle Werte wichtig sind und Freiheit mit Orientierungslosigkeit verbindet, sodass er den Wunsch hat, geleitet zu wer- den und sich unterordnen zu können.

Dieser Ansatz berücksichtigt nicht die situationsgebundenen Begebenheiten im Unternehmen und die individuellen Wünsche der Angestellten. Besonderer Fleiß und Engagement werden nicht anerkannt und ausgezeichnet, was zur Folge hat, dass die innere Motivation der Arbeiter nur Teils oder nicht stimuliert wird.

3.3. Taylorismus (Frederick Winslow Taylor)

Das Ziel des Ingenieurs Taylor war es, die nationale Leistungsfähigkeit zu steigern, vorhandene Ressourcen bestens auszunutzen, die sozialen Probleme zu lösen und Wohlstand für alle zu erreichen (Bea und Göbel, 2002, S. 56). Daher versuchte er, von einer rein rationellen und mechanistischen Sichtweise, Betriebsabläufe neu zu strukturieren. Die folgenden Grundprinzipien prägen das sogenannte Scientific Management4.

- präzise Anleitungen
- hohe Arbeitsteilung
- Geld als Motivationsfaktor

Eine genaue Anleitung ermöglicht eine effektivere Kontrolle. Durch zahlreiche Statistiken, Dokumentationen und Listen ist der Betrieb stark formalisiert, sodass die ganze Kommuni- kation schriftlich abläuft (Bea und Göbel, 2002, S. 58).

[...]


1 In diesem Zusammenhang wird vom Aufforderungscharakter gesprochen, den Objekte der Wahrnehmung be- sitzen.

2 Beide Ausdrücke geben an, welchen gesetzlichen Wert ein Zahlungsmittels hat.

3 Zusammengehörigkeitsgefühl, Gemeinsinn

4 Optimierung des Management, der Arbeit und des Unternehmens durch rein wissenschaftliche Herangehens- weise

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Mitarbeiterführung. Werte und Führung im Wandel der Zeit
Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart  (Informationswirtschaft)
Veranstaltung
Informationswirtschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
50
Katalognummer
V295208
ISBN (eBook)
9783656930129
ISBN (Buch)
9783656930136
Dateigröße
745 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mitarbeiterführung, werte, führung, wandel, zeit
Arbeit zitieren
Cristina Cusin-Busch (Autor), 2005, Mitarbeiterführung. Werte und Führung im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295208

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