Es gibt unzählige Beispielländer, in denen der Berufsstand der Pflege hoch angesehen ist, eine angemessene Bezahlung erhält und die gesellschaftliche Anerkennung eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Obwohl die Pflege in Deutschland ihren Ursprung hatte, konnte sie sich in vielen anderen Ländern wesentlich schneller entwickeln und auf gesellschaftlicher Ebene besser etablieren. Wie die Vergangenheit verdeutlicht, war es mitunter das christliche Leitbild, das die Pflege zu einem Beruf der Selbstlosigkeit werden ließ. Diese Ansichten haben sich bis heute nicht bedeutend verändert. So sind die Selbstlosigkeit, die besondere Tugendhaftigkeit und eine charismatische Persönlichkeit als Voraussetzungen für den Pflegeberuf zu sehen. Vor allem durch die Rolle der Berufsverbände und der Kirche, die von der einstigen Ansicht der Pflege als „Liebestätigkeit“ nicht abwichen, konnte sich diese Vorstellung von Pflege über viele Jahre hinweg halten. Hinzu kommt, dass der Berufsstand der Pflege aus der Ärzteschaft heraus entstand.
Durch die Professionalisierung und Akademisierung der Pflege wurde ein Wandel des Berufsbildes eingeleitet. So hat sich die Pflege in Deutschland bereits durch Fachweiterbildungen, entsprechende Spezialisierungen sowie die Etablierung von Studiengängen seit dieser Zeit deutlich weiterentwickelt. Mittlerweile gehören zum pflegerischen Berufsbild die „Handlungsfelder ... der präventiven, rehabilitativen und kurativen Patientenzentrierung auf der Mikro-, Meso- und Makroebene der Gesellschaft und das Management des Berufes sowie Forschung und Lehre in der Pflege“ (Neumann 2009: 10). Diese Evolution der Pflege trägt entscheidend dazu bei, dass sich hinsichtlich der Wahrnehmung der Pflegetätigkeit diese vom „Dienen“ zur „modernen Dienstleistung“ verändern konnte.
Inhalt
1 Einleitung
2 Weitere Entwicklung des Pflegeberufes
2.1 Änderung des Rollenbildes der Pflegekraft
2.2 Änderung des Rollenbildes der Führungskraft in der Pflege
2.3 Der moderne Führungsstil
3 Politische Rahmenbedingungen
3.1 Zusammenschlüsse der Berufsverbände
3.2 Einführung einer Pflegekammer
3.3 Aufgaben einer Pflegekammer
4 Möglichkeiten der Arbeitgeber zur Attraktivitätssteigerung
5 Verantwortung der Arbeitgeber
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Situation des Pflegeberufes in Deutschland vor dem Hintergrund notwendiger Professionalisierungsschritte. Ziel ist es, die strukturellen Defizite im Vergleich zu anderen Ländern aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie durch eine Modernisierung des Rollenbildes, eine verbesserte politische Rahmung sowie eine gezielte Attraktivitätssteigerung seitens der Arbeitgeber die Zukunft der Pflege nachhaltig gesichert werden kann.
- Professionalisierung und Akademisierung der Pflege in Deutschland
- Transformation des Rollenbildes von der "helfenden Tätigkeit" hin zur eigenständigen Profession
- Die Rolle politischer Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit von Pflegekammern
- Strategien zur Attraktivitätssteigerung durch Arbeitgeber
Auszug aus dem Buch
2.1 Änderung des Rollenbildes der Pflegekraft
Pflegekräfte werden in der deutschen Gesellschaft eher als eine Form der „Schwester Stefanie“ mit Helfer-Komplex und Mitleids-Syndrom gesehen, als eine professionell wirkende Pflegekraft mit dreijähriger Ausbildung. Darüber hinaus wird häufig ausgeblendet, dass es sich bei der Pflege um „einen professionellen Dienstleistungsberuf mit einer theoretischen und wissenschaftsbasierten Grundlage [handelt und] .. [dieser dazu beiträgt, in Deutschland] eine qualitativ hohe Gesundheits- und Pflegeversorgung .. [sicherzustellen]“ (Hasseler, Meyer 2006: 53). Hasseler und Meyer schreiben weiter, dass die Pflege nicht ernst genommen wird, insbesondere in den Bereichen Prävention und Public Health sei sie noch ausbaufähig (2006: 52). So sollte sich Pflege in jedem Fall mit den „Konzepten und Theorien der Gesundheits- und Sozialwissenschaften“ auseinandersetzen und „... die Erkenntnisse aus Gesundheitsforschung wie die personalen, sozialen und strukturellen Determinanten von Gesundheit oder das Salutogenese-Konzept ... für pflegerisches präventives Handeln zugrunde .. legen“ (Hasseler, Meyer 2006: 52).
Des Weiteren müssen Spezialisierungen erfolgen, die über entsprechende Fort- und Weiterbildungen angeboten werden, da die Herausforderungen im beruflichen Alltag der Pflegenden enorm angestiegen sind. Darüber hinaus sind die Pflegenden jedoch ebenso in der Pflicht, derartige Angebote in Anspruch zu nehmen und nicht in einen Zustand der Resignation zu verfallen (vgl. Hasseler, Meyer 2006: 52). Neben dem derzeit bestehenden Fort- und Weiterbildungsangebot sollten zukünftig ebenso innovative Pflegeberufe entwickelt werden, die in neuen Arbeitsnischen angesiedelt sind und bspw. über „Master-Programme mit .. Abschl[ü]ss[en] [wie] Public Health Nurse, Family Health Nurse o. Ä.“ erlangt werden können (Hasseler, Meyer 2006: 52).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Pflege in Deutschland, die stark durch das christliche Leitbild und eine Abhängigkeit von der Ärzteschaft geprägt war, und fordert einen Wandel zur modernen Dienstleistung.
2 Weitere Entwicklung des Pflegeberufes: Dieses Kapitel analysiert die Notwendigkeit, Pflege als eigenständige Profession mit autonomer Berufsethik zu etablieren und die Ausbildung an Komplexität statt an Lebensphasen auszurichten.
2.1 Änderung des Rollenbildes der Pflegekraft: Hier wird die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Wahrnehmung und dem professionellen Selbstverständnis aufgezeigt und die Bedeutung von Spezialisierungen sowie wissenschaftlicher Fundierung betont.
2.2 Änderung des Rollenbildes der Führungskraft in der Pflege: Das Kapitel beschreibt den Paradigmenwechsel, den Führungskräfte vollziehen müssen, um von einer reaktiven Verwaltung hin zu einem fördernden, partnerschaftlichen Management zu gelangen.
2.3 Der moderne Führungsstil: Es werden die zentralen Anforderungen an zeitgemäße Führung in der Pflege definiert, insbesondere die Abkehr von autoritären Strukturen hin zu einer Führung auf Augenhöhe.
3 Politische Rahmenbedingungen: Dieser Abschnitt unterstreicht die Verantwortung der Politik, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Pflege bei ihrem Wandlungsprozess materiell und immateriell zu unterstützen.
3.1 Zusammenschlüsse der Berufsverbände: Es wird die historische und aktuelle Bedeutung von Berufsverbänden sowie deren Vernetzung auf nationaler und internationaler Ebene als Basis für politische Einflussnahme diskutiert.
3.2 Einführung einer Pflegekammer: Dieses Kapitel erörtert die Gründe für die verzögerte Einführung von Pflegekammern in Deutschland im internationalen Vergleich und die Notwendigkeit einer eigenen Selbstverwaltung.
3.3 Aufgaben einer Pflegekammer: Es werden die hoheitlichen Aufgaben aufgelistet, die eine Pflegekammer übernehmen könnte, um die Qualitätssicherung und die berufspolitische Vertretung professionell zu gewährleisten.
4 Möglichkeiten der Arbeitgeber zur Attraktivitätssteigerung: Hier werden konkrete Maßnahmen zur Stärkung der institutionellen Pflege und zur Verbesserung des Arbeitgeberimages für potenzielle Fachkräfte aufgezeigt.
5 Verantwortung der Arbeitgeber: Das abschließende Kapitel verdeutlicht die ökonomische und strategische Notwendigkeit für Arbeitgeber, attraktive Anreizsysteme zu schaffen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Schlüsselwörter
Pflege, Pflegeberuf, Professionalisierung, Pflegekammer, Führungskräfte, Personalmanagement, Attraktivität, Gesundheitspolitik, Berufsethik, Pflegemanagement, demographischer Wandel, Fachkräftemangel, Selbstverwaltung, Rollenbild, Gesundheitsförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die notwendige Transformation des Pflegeberufes in Deutschland von einer oft unterschätzten Dienstleistung hin zu einer eigenständigen und professionellen Disziplin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Wandel des Rollenbildes der Pflegenden und Führungskräfte, den politischen Rahmenbedingungen für eine eigene Berufsvertretung sowie den Möglichkeiten der Arbeitgeber zur Attraktivitätssteigerung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine professionalisierte Pflege, eine aktive Selbstverwaltung (Pflegekammern) und bessere Arbeitsbedingungen die Attraktivität des Berufes nachhaltig gesteigert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, um den gegenwärtigen Status quo mit internationalen Entwicklungen zu vergleichen und darauf aufbauend Handlungsbedarfe abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Weiterentwicklung des Pflegeberufes, die Analyse politischer Rahmenbedingungen sowie konkrete Strategien für Arbeitgeber im Bereich Personalmarketing.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Professionalisierung, Pflegekammer, Führung, Selbstverwaltung und Attraktivitätssteigerung.
Warum wird im Buch ein Vergleich zu anderen Ländern gezogen?
Der Vergleich dient dazu, das deutsche System zu spiegeln und aufzuzeigen, dass andere Nationen, die bereits Pflegekammern und eine stärkere Professionalisierung etabliert haben, bessere Bedingungen für die Pflegenden schaffen konnten.
Warum wird das Thema "Führungsstil" so betont?
Ein moderner Führungsstil gilt als Schlüssel, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen und die Motivation der Mitarbeitenden durch partnerschaftliches Handeln statt "Gehorsam" zu fördern.
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- Annemarie Fajardo (Autor), 2013, Die Zukunft der Pflege in Deutschland. Entwicklung des Pflegeberufes und politische Rahmenbedingungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295268