Der Vater, der zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert - diese Vorstellung erscheint einigen Soziologen offenbar so abwegig, dass sie bei ihren Studien nicht einmal danach fragen.
Beginnen werde ich mit Begriffserklärungen der Worte „Geschlechterrollen“ und „Wohlfahrtsstaat“ nach Gosta Esping-Andersen, da diese im weiteren Verlauf der Arbeit wichtige Rollen spielen werden. Als nächstes möchte ich zum einen auf die historische Entwicklung der Institution Familie in Deutschland, vor allem in Bezug auf die Arbeitsteilung im Haushalt, zu sprechen kommen. Hier werde ich beginnen mit der bäuerlichen Familie des 18. und 19. Jahrhunderts und enden mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Lebenswelt Familie in der BRD und DDR. Zum anderen werde ich einige Theorien erläutern, die genau diesen Wandel erklären wollen. In Punkt 4 geht es dann um die Familie in der modernen Gesellschaft und ihre jetzige Form bzw. jetzigen Formen. Der erste Unterpunkt (4.1) behandelt ausgewählte Modelle zur Einteilung der Stärke der männlichen Ernährer-Rolle und in diesem Zusammenhang auch der Unabhängigkeit und Individualität der dazugehörigen Frauen, in Bezug auf die idealtypischen Wohlfahrtsstaaten nach Esping-Andersen. Punkt 4.2 beschäftigt sich konkret mit der häuslichen Aufgabenteilung der heutigen Zeit in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
1.EINLEITUNG
2. BEGRIFFSERKLÄRUNGEN
2.1 GESCHLECHTERROLLEN
2.2 WOHLFAHRTSSTAATEN NACH ESPING-ANDERSEN
3. DIE INSTITUTION FAMILIE IN BEZUG AUF ARBEITSTEILUNG IM HAUSHALT
3.1 ENTWICKLUNG IM HISTORISCHEN KONTEXT
3.2 THEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE
4. FAMILIEN IN MODERNEN GESELLSCHAFTEN
4.1 TYPISIERUNG VON WOHLFAHRTSSTAATEN ANHAND DER STÄRKE DES ERNÄHRER-MODELLS
4.2 HEUTIGE ARBEITSTEILUNG IM HAUSHALT
5. FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung innerhalb der Familie und geht der Frage nach, ob der traditionelle „Geschlechtervertrag“ in der Moderne tatsächlich aufgekündigt wird und sich ein Wandel vom männlichen Ernährer zum Hausmann vollzieht.
- Historische Entwicklung der Familienstrukturen und Arbeitsteilung
- Theoretische Grundlagen zur Haushaltsökonomie und zu Geschlechterrollen
- Analyse moderner Familientypen und Wohlfahrtsstaatsmodelle
- Empirischer Vergleich der häuslichen Arbeitsteilung in Deutschland
Auszug aus dem Buch
3.2 Theoretische Erklärungsansätze
Um zu erklären, warum die Aufteilung der Haushaltsaufgaben in vielen Familien gleich aussieht und man daher von einer „Normalfamilie“ sprechen kann, gibt es verschiedene Theorien und Thesen. Ich möchte hier näher auf ökonomische – und Rollentheorien eingehen.
„Allen ökonomischen Theorien liegt die Annahme zugrunde, dass Individuen mit ihrem Handeln versuchen, Nutzen zu maximieren und Kosten zu minimieren […].“ (Reichard 2007, S.64) Dieses Denken stammt von Ingenieur und Soziologe James S. Coleman (1926-1995) und unterliegt dem Prinzip von Rational Choice. Dahinter steckt, dass der Akteur, aus einer Auswahl von Handlungen, die Handlung vollführt, bei der der Nutzen und die Wahrscheinlichkeit des gewünschten Ergebnisses am größten ist. „Ein Ansatz, der dies berücksichtigt, ist die sog. „Neue Haushaltsökonomie“ nach Gary S. Becker, bei der die Nutzenmaximierung nach dem Prinzip der rationalen Wahl […] auf der Haushaltsebene stattfindet. Dafür wird angenommen, dass alle Ressourcen sowie der gesamte Konsum der einzelnen Haushaltsmitglieder gepoolt werden: Das Haushaltseinkommen ist die Summe der individuellen Einkommen, die Zeitallokation der Haushaltsmitglieder auf Erwerbstätigkeit und andere Zeit wird so vorgenommen, dass insgesamt die beste Kombination aus eingesetzter Zeit und verfügbarem Einkommen entsteht (vgl. Bignebat 2003). Maximaler Nutzen, so postuliert die Theorie, entsteht dabei durch Spezialisierung der Partner – eines Partners auf außerhäusliche Erwerbstätigkeit, des anderen Partners auf Haushalt und Kindererziehung.“ (Richard 2007, S. 67) Diese Theorie geht also davon aus, dass die Familie den meisten Nutzen davon hat, wenn die Elternteile die Aufgaben gesondert ausführen. Im Fall der oben genannten „Normalfamilie“ also, dass der Vater erwerbstätig ist und die Frau den Haushalt führt und das Kind oder die Kinder betreut. Dies „liegt laut Becker daran, dass Männer schon früh im Lebenslauf mehr in ihre Ausbildung investiert haben als Frauen, ein Effekt auch der traditionellen Arbeitsteilung der Elterngeneration. Gleichzeitig sind ihm zufolge auch biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau dafür verantwortlich, dass Frauen einen komparativen Vorteil zur Ausübung von Haushalt und Kindererziehung haben.“ (Reichard 2007, S.68)
Zusammenfassung der Kapitel
1.EINLEITUNG: Hinführung zur Thematik des Geschlechtervertrags und Erläuterung des Aufbaus sowie der Zielsetzung der Arbeit.
2. BEGRIFFSERKLÄRUNGEN: Definition der zentralen Konzepte „Geschlechterrollen“ und „Wohlfahrtsstaaten“ unter Einbezug von Esping-Andersen.
3. DIE INSTITUTION FAMILIE IN BEZUG AUF ARBEITSTEILUNG IM HAUSHALT: Historischer Abriss der Familienentwicklung und Vorstellung ökonomischer sowie rollentheoretischer Erklärungsansätze für die Arbeitsteilung.
4. FAMILIEN IN MODERNEN GESELLSCHAFTEN: Analyse der Typisierung von Wohlfahrtsstaaten im Kontext des Ernährer-Modells sowie Untersuchung der aktuellen häuslichen Arbeitsteilung.
5. FAZIT UND AUSBLICK: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage unter Berücksichtigung neuer Entwicklungen wie dem Zuverdiener-Modell.
Schlüsselwörter
Geschlechterrollen, Ernährer-Modell, Wohlfahrtsstaat, Gosta Esping-Andersen, Haushaltsökonomie, Rational Choice, Familie, Arbeitsteilung, Geschlechtervertrag, Adult Worker Model, Hausmann, Emanzipation, Vereinbarkeit, Sozialisation, Kleinfamilie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung innerhalb der Familie und der Frage, wie sich traditionelle Rollenmuster in modernen Gesellschaften verändern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung der Familie, theoretische Konzepte zur Aufgabenteilung (ökonomisch und rollentheoretisch), Wohlfahrtsstaatsmodelle sowie aktuelle demografische und gesellschaftliche Trends.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob sich das traditionelle Leitbild des männlichen Ernährers auflöst und ob eine tatsächliche Wandlung hin zu einer egalitären häuslichen Arbeitsteilung stattfindet.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen und ökonomischen Modellen sowie auf die Auswertung existierender Erhebungen und Statistiken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die theoretische Fundierung durch ökonomische und Rollentheorien sowie eine moderne Untersuchung von Wohlfahrtsstaatstypen und der Realität der aktuellen häuslichen Aufgabenteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere das Ernährer-Modell, Geschlechterrollen, der Wohlfahrtsstaat sowie das Konzept des Adult Worker Models.
Wie unterscheidet Esping-Andersen Wohlfahrtsstaaten?
Er unterscheidet drei Grundtypen (liberal, konservativ, sozialdemokratisch) basierend auf dem Grad der De-Kommodifizierung und der De-Stratifizierung.
Welche Rolle spielt die Industrialisierung für das Ernährer-Modell?
Die Industrialisierung festigte die Trennung von häuslicher Arbeit und Erwerbsarbeit, wobei das Modell des männlichen Ernährers als Norm für die "Normalfamilie" etabliert wurde.
Hat sich die Belastung durch Hausarbeit für Frauen wesentlich verringert?
Obwohl Frauen ihre Zeit für Haus- und Familienarbeit leicht reduziert haben, liegt ihre zeitliche Belastung im Vergleich zu Männern nach wie vor deutlich höher.
- Citation du texte
- Linda Klein (Auteur), 2014, Kündigung des Geschlechtervertrags. Die Rolle zwischen Ernährer und Familienvater, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295504