Der "Nachtrag zu Bougainvilles Reise", den Diderot bereits 1771 in einer ersten Version fertig gestellt hatte, ist ein philosophischer Dialog über die Gesellschaft im Allgemeinen und das Verhältnis der Geschlechter im Speziellen. Hierzu werden die Gepflogenheiten in der französischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und die einer utopischen auf Tahiti gegenübergestellt. Auch in der vorliegenden Arbeit soll dies geschehen. Zuerst wird dazu der Inhalt des Textes wiedergegeben, bevor die beiden Modelle einzeln untersucht und dann gegenübergestellt werden können. Die Frage, die es in dieser Arbeit zu beantworten gilt, ist die, ob Diderot in seiner Utopie wirklich die Verhältnisse der beiden Geschlechter zueinander revolutioniert oder nicht. Welche konkreten Veränderungen sind für die Frauen in seiner tahitischen Gesellschaft zu erkennen und wie müssen diese bewertet werden?
Inhaltsverzeichnis
Denis Diderot
Die Modelle
Inhalt des Textes
Der Entwurf der Tahitier
Das System in Frankreich
Gegenüberstellung der Modelle
Tahiti als traumhafte Insel des Glücks
Ein Paradies für beide Geschlechter?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Diderots „Nachtrag zur Reise Bougainvilles“, um zu analysieren, ob die darin dargestellte Utopie auf Tahiti tatsächlich eine Revolution der Geschlechterverhältnisse im Vergleich zur französischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts darstellt oder ob sie lediglich traditionelle patriarchalische Strukturen reproduziert.
- Analyse der gesellschaftlichen Gepflogenheiten in Frankreich des 18. Jahrhunderts
- Untersuchung des utopischen Gesellschaftsmodells auf Tahiti
- Vergleich der Rollenbilder von Mann und Frau in beiden Modellen
- Kritische Bewertung der Bedeutung von Ehe, Sexualität und Vaterschaft
Auszug aus dem Buch
Der Entwurf der Tahitier
Das Leben eines jungen Tahitiers beginnt im Kreise seines gesamten Volkes. Eine Familie besteht nach ihrer festen Vorstellung aus den Menschen, die gemeinsam in einer Hütte leben. Das Neugeborene wächst im Normalfall bei mindestens einem seiner Elternteile auf.
Die tahitischen Junge tragen ab einem bestimmten Alter eine lange Tunika und darüber um die Lenden eine kleine Kette. Die Mädchen tragen einen weißen Schleier. Diese symbolische Kleidung zeigt den anderen an, dass sie noch nicht geschlechtsreif sondern Kinder sind. Während ihrer Kindheit ist es „eine Sünde“, den Schleier oder die Kette abzulegen. Erst die Eltern und die anderen Stammesangehörigen entscheiden darüber, wann es zu einem Initiationsritus kommt.
Der Junge muss, um in die Gesellschaft eingeführt zu werden, zwei bis drei Jahre über die Pubertät hinaus sein. Seine Kraft und Zeichen der Männlichkeit, also Bart- und Schamhaarwuchs und die Ejakulation während des Schlafes, sind voll entwickelt. Als Referenzwert wird das Alter von 22 Jahren genannt. Der Samen wird von den anderen Stammesangehörigen geprüft, denn seine Eigenschaften müssen sie zufriedenstellen. Erfüllt ein junger Mann all diese Anforderungen, dann entscheidet sein Vater, die Kette zu lösen. Außerdem wird dem Jungen der Nagel des rechten Mittelfingers beschnitten.
Ein Mädchen, das in die sexuell aktive Gesellschaft eintreten will, muss körperlich und geistig reif sein. Außerdem ist wichtig, dass es Lust auf Geschlechtsverkehr hat. Sie sollte „Begehren empfinden, einflößen und mit Nutzen befriedigen“. Einem Mädchen, das also seine sexuelle Reife erreicht hat, wird der weiße Schleier abgenommen. Es hat nun das Recht, sich vor den anderen mit freiem Gesicht und entblößten Brüsten zu zeigen. Mit ihrem freiherzigen Auftreten darf sie Männer verführen.
Zusammenfassung der Kapitel
Denis Diderot: Biografischer Abriss zu Diderot sowie eine Einführung in die Entstehungsgeschichte und den philosophischen Charakter seines Werks.
Die Modelle: Einleitende Betrachtung der Fiktionalität des Textes, gefolgt von einer detaillierten Inhaltswiedergabe der einzelnen Teile des Werks, einer Beschreibung des tahitischen Entwurfs und der sozialen Realität im Frankreich des 18. Jahrhunderts.
Tahiti als traumhafte Insel des Glücks: Untersuchung der zeitgenössischen Wahrnehmung Tahitis als utopischer Garten Eden und Analyse der darin enthaltenen, oft übersehenen kritischen Aspekte.
Ein Paradies für beide Geschlechter?: Synthese der Untersuchungsergebnisse und abschließende Bewertung, ob Diderots Entwurf als Befreiung für Frauen oder als Fortführung patriarchaler Hierarchien zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Denis Diderot, Nachtrag zur Reise Bougainvilles, Aufklärung, Tahiti, Gesellschaftsmodell, Geschlechterverhältnis, Utopie, Sexualität, Ehe, Vaterschaft, Frauenemanzipation, 18. Jahrhundert, soziale Normen, patriarchale Strukturen, Sexualmoral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Diderots „Nachtrag zur Reise Bougainvilles“ im Hinblick auf die Darstellung der Geschlechterverhältnisse und deren emanzipatorisches Potenzial.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören der Vergleich zwischen der utopischen Gesellschaft auf Tahiti und dem historischen Frankreich, Sexualmoral, Eheverständnis und die Rolle der Frau.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob Diderot in seiner Utopie die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern tatsächlich revolutioniert oder ob er traditionelle Machtstrukturen beibehält.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, indem sie die in der Literatur beschriebenen Verhältnisse in Tahiti und im Frankreich des 18. Jahrhunderts inhaltlich gegenüberstellt und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Inhaltswiedergabe, die detaillierte Darstellung beider Gesellschaftsmodelle sowie deren vergleichende Analyse unter Berücksichtigung historischer und sozialer Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Aufklärung, Geschlechterrollen, Utopie, Sexualität und Gesellschaftskritik charakterisiert.
Welche Bedeutung misst die tahitische Gesellschaft der Fruchtbarkeit bei?
Die Fruchtbarkeit ist das höchste Gut auf Tahiti; sie wird höher bewertet als die Schönheit, da sie als essenziell für den Wohlstand und die Versorgung der Gemeinschaft gilt.
Wie unterscheidet sich die Ehe auf Tahiti vom französischen Verständnis?
Während die Ehe in Frankreich eine lebenslange, oft besitzorientierte Bindung darstellt, basiert die tahitische Ehe auf freiem Zusammenleben auf Zeit ohne den Zwang von Besitzansprüchen.
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- Dorothee Salewski (Author), 2012, Revolution der Geschlechterverhältnisse? Diderots "Nachtrag zur Reise Bougainvilles", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295608