Gedenkstätten als außerschulische Lernorte


Hausarbeit, 2014

11 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gedenkstätte als Gedenkort
1.1) Erinnern und Gedenken
1.2) Gedenkstättentypen

2.) Gedenkstätte als außerschulischer Lernort
2.1) Bildungswert einer Gedenkstätte
2.2) Anschaulichkeit und Authentizität

3.) Nationalsozialismus im Unterricht

4.) Kompetenzen in der Geschichtsdidaktik

5.) Gedenkstätte ,,Deutscher Widerstand“
5.1) geschichtlicher Hintergrund
5.2) pädagogisches Konzept

6.) Einbettung eines Gedenkstättenbesuches in den Lehrplan
6.1) Lehrplan der neunten. Klasse einer Mittelschule Bayerns
6.2.) Reaktion der Schüler auf Gedenkstättenbesuche

7. Die Aktualität zum Geschehen erwecken?

Literaturverzeichnis

Die Vermittlung der NS-Zeit – Sind Gedenkstättenbesuche mit Schülern wichtig?

Gedenkstätten gelten als Orte des historischen Lernens, der kollektiven Erinnerung und werden jährlich von Schulklassen besucht. Diese Orte sind eingebettet in einen größeren geschichtlichen Zusammenhang und betreffen die Menschen von heute. Denn die Depotzeit des Nationalsozialismus dient heute in Gedenkstätten zum Gedenken an die Opfer von Krieg und der Teilung Deutschlands. Dabei stellen sich einige Fragen zur Gedenkstätte als außerschulischer Lernort.

Wie kann man Schülern historisches Wissen und emotionale Betroffenheit vermitteln? Wieviel Erinnerung braucht der Mensch und wozu ist Erinnern und Gedenken wichtig? Wann führt Erinnern und Gedenken zum Lernen? Wie werden Orte ehemaliger Folter- und Vernichtungsstätten von Menschen, die an die Verbrechen des Nationalsozialismus gemahnen, mit Lehren und Lernen in Verbindung gebracht?

Um das Beantworten dieser Fragen zu erleichtern, wird im Laufe dieser Seminararbeit die Gedenkstätte allgemein zunächst als Ort des Gedenkens charakterisiert und anschließend werden verschiedene Typen von Gedenkstätten genannt. In einem nächsten Schritt wird die Gedenkstätte als außerschulischer Lernort gekennzeichnet und näher beschrieben. Dabei wird auf die Frage eingegangen, warum heute Gedenkstätten als Lernorte gelten. Außerdem möchte ich eigene Überlegungen anführen, warum es wichtig ist, den Nationalsozialismus im Unterricht durchzuführen. Dazu knüpfe ich an den Kompetenzen der Geschichtsdidaktik an, definiere diese und schaffe einen Bezug zu Gedenkstättenbesuchen. Da die Gedenkstätte ,,Deutscher Widerstand“ ein breites Spektrum an didaktischen Konzepten, d.h. Seminare sowie Ausstellungen mit sich bringt, ist das Anführen dieser Gedenkstätte als Beispiel für einen möglichen Gedenkstättenbesuch nicht verkehrt. Als vorletzten Schritt möchte ich den Lehrplan der 9.Klasse einer Mittelschule Bayerns heranziehen1, um zu sehen, ob und in welchem Maß die NS-Zeit angeführt und gelehrt werden soll. Und ob somit ein Gedenkstättenbesuch geeignet wäre, oder nicht. Letztlich stellt sich die Frage, wie Schüler auf Gedenkstättenbesuche reagieren. Im Laufe dieser Hausarbeit möchte ich diese Gesichtspunkte u.a. mit der Hilfe des Werkes ,,Historisches Wissen über die nationalsozialistische Konzentrationslager bei deutschen Jugendlichen“2 bearbeiten und versuchen, eine Antwort auf meine am Anfang gestellten Fragen zu finden.

1. Gedenkstätte als Gedenkort

Das grundsätzliche Anliegen der Gedenkstätten ist es, Gedenken und Erinnern an die Verbrechen und deren Opfer bei den Besuchern hervorzurufen. Denn Gedenkstätten zeigen in erster Linie die Verbundenheit den Opfern des Nationalsozialismus3 gegenüber. „Als Opfer werden hier Menschen verstanden, die sich bewusst in den Kampf gegen das Regime gestellt haben und Menschen, die aus rassischen und sozialen Gründen verfolgt und vernichtet wurden4.“

1.1) Erinnern und Gedenken

Der Mensch und sein Bild haben sich u.a. seit der Vernichtung der Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland erheblich verändert. Wie konnte der Mensch so gewalttätig sein, zerstören, quälen und vernichten? 5 Genau das versuchen wir aus der Vergangenheit zu verstehen und zu lernen. Denn Hass, Terror und Vernichtung haben das Menschenbild zur damaligen Zeit beeinflusst. Durch das Erinnern an die Vergangenheit und die Tat der Nationalsozialisten stärken wir heute unsere Identität und Ideologie mit Abstand zum Bösen. Erinnern und Gedenken schaffen eine Dynamik zum bloßen Rückblick der Vergangenheit. Denn der Mensch verinnerlicht das Geschehen und versucht, eine Verbindung zu seiner eigenen Lebenserfahrung zu finden. Glück, Unglück, Hoffnung, Sehnsucht und Schuld sind nur ein paar Beispiele dafür, dass Gedenken und Erinnern zur Dankbarkeit und zum Sammeln von Erfahrung zur Gestaltung der eigenen Zukunft und der folgenden Generation führen kann.

1.2) Gedenkstättentypen

Um einen allgemeinen Überblick über Gedenkstätten als Erinnerungsort zu schaffen, möchte ich in diesem Abschnitt verschiedene Typen der Gedenkstätten nennen. Wie schon erwähnt, kann man Gedenkstätten nach vielen diversen Merkmalen unterscheiden. Diese unterteilen sich in: Entstehungsdatum, Präsentationsformen oder auch die Nutzung ab der Nachkriegszeit. Michael Zimmermann untergliedert die in der Bundesrepublik bestehenden Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in neun Typen6:

- Stätten des Gestapo- und Justizterrors;
- Orte des deutschen politischen Widerstandes;
- Konzentrationslager mit Internierung politischer Gegner nach 1933;
- Konzentrationslager, die ab 1937/1938 Lager für hunderttausende Häftlinge aus verschiedenen Ländern dienten;
- KZ-Außenlager und sonstige Zwangsarbeitslager;
- Friedhöfe (besonders für sowjetische Kriegsgefangene);
- „Arbeitserziehungslager“, die zur terroristischen Disziplinierung von meist ausländischen Arbeitern dienten oder auch als „Jugendschutzlager“ deutscher Jugendlicher dienten;
- Stätten der „Euthanasie“;
- Zentren „vormals jüdischen Lebens“. (vgl. Barlog-Scholz 1994: S.80-82)

Doch wie können diese Gedenkstättentypen als außerschulische Lernorte fungieren? Dies möchte ich im folgenden Schritt analysieren.

2.) Gedenkstätte als außerschulischer Lernort

Als Lernort versteht man, vor allem das Bemühen der Gedenkstätten um die Dokumentation und Erforschung der Ereignisse am jeweiligen Ort, sowie deren Aufklärung. Die Besucherzahlen der Gedenkstätten stieg seit Mitte der siebziger Jahre auf jährlich 900.000. Wobei die Zahl der deutschen Schulklassen und Jugendgruppen überproportional gewachsen ist. (vgl.: Distel, Barbara 1989: S.145 ff.)7 Doch weshalb gelten Gedenkstätten heute als außerschulische Lernorte? Was sind die Vorteile für Schulklassenbesuche?

2.1) Bildungswert einer Gedenkstätte

Als sehr großer Vorteil gilt der Bildungswert einer Gedenkstätte, denn der Ort vermittelt immens an Wissen, sowie einen verbleibenden Eindruck bei Schülern aufgrund ihrer Anschaulichkeit. Sie hat abgrenzenden Charakter zur schulischen Bildungsvermittlung: ,,In ihnen wird eine Lernsituation eröffnet, die sie nicht- wie in der Schule- mit den Abbildungen, sondern mit den Gegenständen, den >steinernen Zeugen<, konfrontiert, die jedoch dazu beitragen sollen, daß (sic) Schüler über die bloße Anschauung hinaus Begriffe, Zusammenhänge und Strukturen möglichst selbstständig ermitteln.“(Rathenow/Weber 1995: S.13). Dieses Zitat zeigt, dass nicht der Ort allein als erzieherisch wirksam gilt, sondern dass viel mehr die pädagogische Arbeit in den Vordergrund tritt.

2.2) Anschaulichkeit und Authentizität

Viele der Gedenkstätten bieten den Besuchern sehr viel an authentischer Anschaulichkeit durch die dort noch erhaltenen Überreste. Als Überreste gelten nicht nur erhalten gebliebene Lageranlagen, sondern auch viele Gegenstände der dort ermordeten Menschen jener Zeit, wie zum Beispiel ihre Kleidungsstücke, Briefe, Zeichnungen, Koffer, Fotos und vieles mehr. Durch die Anschaulichkeit wird den Schülern, die eine Gedenkstätte besuchen, das Ausmaß des Verbrechens deutlich. Dadurch, dass Vieles nicht mehr erhalten werden konnte, müssen die Schüler ein Geschichtsbewusstsein aufbauen, indem sie selber in Gedanken rekonstruieren, wie es wohl in den Gedenkstätten zur damaligen Zeit ausgesehen haben konnte. Jedoch das Nachempfinden der Realität der ehemaligen Häftlinge ist für Schüler nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Aber dazu schildere ich im späteren Abschnitt zur Rekonstruktionskompetenz mehr.

[...]


1 Hier wird der Lehrplan jedoch nicht vollständig analysiert, sondern lediglich geguckt, ob meiner Meinung nach ein Gedenkstättenbesuch in diesem Jahrgang geeignet wäre. Also erfolgt nur ein grober Blick auf den Lehrplan und den Schulbuch.

2 Barlog-Scholz, Renata: Historisches Wissen über die nationalsozialistischen Konzentrationslager bei deutschen Jugendlichen. Empirische Grundlagen einer Gedenkstättenpädagogik. Frankfurt am Main u.a. 1994.

3 Dazu zählen u.a. Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, und andere politische Gegner.

4 Lutz, Thomas: Gedenkstätten für die Opfer des NS-Regimes. Landmarken gegen die Wende-Geschichtsschreibung. In: Normalität oder Normalisierung? Geschichtswerkstätten und Faschismusanalyse, Westfälisches Dampfboot.1987, Hgg. Schmidt, Dorothea und Gestenberger Heide, S.14

5 Vgl. dazu Nickolai u.a, Erinnern: S. 17f.

6 vgl. Barlog-Scholz, Wissen, S.80-82.

7 Distel, Barbara: Gedenkstättenarbeit. Lernen für die Zukunft, In: Rathanow, Hanns-Fred und Weber, Norbert H. (Hgg.): Erziehung nach Auschwitz, Pfaffenweiler 1989, S. 145- 154.

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Details

Titel
Gedenkstätten als außerschulische Lernorte
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V295737
ISBN (eBook)
9783656945734
ISBN (Buch)
9783656945741
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gedenkstätten, lernorte
Arbeit zitieren
Merve Kosmaz (Autor), 2014, Gedenkstätten als außerschulische Lernorte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295737

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