Wenn man heute über die Finanzierung von Entwicklungspolitik spricht, ist der zentrale Begriff ODA. Doch was steckt überhaupt hinter diesen drei Buchstaben und wieso steht diese Kennzahl in letzter Zeit so in der Kritik? Ist es überhaupt noch zeitgemäß Entwicklungspolitik, die sich längst vom Gießkannenprinzip losgesagt hat am Wasserstand derselben zu bemessen?
In der Fachliteratur häufen sich die Vorschläge zur Reform der ODA. Dabei geht es vor allem um die Frage wie breit die ODA sein sollen, d.h. welche Ausgaben dazugezählt werden sollen und welche nicht. Während NRO dabei traditionell eher für strenge Kriterien plädieren, gibt es von offizieller Seite eher den Wunsch das Aggregat zu erweitern. So oder so wird man sich fragen müssen, warum man es seit den 70er Jahren nicht geschafft hat das selbst gesteckte Ziel ,0,7% des BNE für ODA
aufzuwenden, nicht erreicht hat. Nachdem ich kurz die Geschichte sowie einige Daten zur ODA vorgestellt habe, werde ich mich kritisch mit einigen Ausgaben auseinandersetzen, die bisher als ODA zählen. Anschließend werde ich auch eine mögliche Erweiterung bzw. Anpassung des ODA-Begriffs diskutieren. Im Schlussteil werde ich dann abwägen ob eine Reform der ODA überhaupt noch Sinn macht oder ob man eher einen radikalen Schlussstrich unter diese Ära der
Entwicklungszusammenarbeit ziehen sollte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Geschichte
technische Zusammenarbeit
weitere Massnahmen, die in der Kritik stehen
Kredite
Reformvorschläge
Qualitätsstandards
persönliche Meinung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Relevanz und Glaubwürdigkeit der "Official Development Assistance" (ODA) als Kennzahl in der internationalen Entwicklungspolitik. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die gängige ODA-Berechnungsmethode noch zeitgemäß ist, inwiefern sie durch verschiedene Ausgabenkategorien verzerrt wird und ob grundlegende Reformen oder ein neues Aggregat für eine effektivere Entwicklungsfinanzierung notwendig sind.
- Historische Entwicklung und Definition der ODA
- Kritische Analyse der Anrechnung von technischer Zusammenarbeit und Krediten
- Diskussion über "Phantom Aid" und problematische Anrechnungspraxen
- Vergleich verschiedener Reformkonzepte und -modelle (z.B. CPA, EFFD)
- Qualitätsstandards in der Entwicklungszusammenarbeit (QuODA)
Auszug aus dem Buch
Technische Zusammenarbeit
Ein Hauptkritikpunkt des ActionAid Berichts war schon 2005 dass die technische Zusammenarbeit zu teuer und ineffektiv sei. In ihrem Folgebericht "Real Aid 2" wird diese Kritik noch konkreter.
1993 kritisierte z.B. der damalige Vizepräsident der Weltbank, Edward Jaycox, technische Zusammenarbeit als “a systematic destructive force that is undermining the development of capacity.” (zitiert nach Greenhill 2010: S. 26). Neben der bereits erwähnten Kritik an hohen Kosten und niedriger Effektivität schwingt hier noch mehr mit. Entgegen des eigentlichen Ziels von Entwicklungshilfe, nämlich der Hilfe zur Selbsthilfe, u.a. gerade durch capacity building, werde hier neue Abhängigkeit geschaffen.
Es sei, so Greenhill in seinem Bericht Real Aid 2 für ActionAid, besonders auffällig, dass sich die Entwicklungszusammenarbeit in vielen Bereichen von alten Paradigmen gelöst habe, die technische Zusammenarbeit in diesen Entwicklungen aber hinterherhänge (vgl. Greenhill 2010: S.26). Insbesondere das Motiv des "Ownership" , also das Prinzip, dass die Empfängerländer ihre Entwicklung selbst steuern und akzentuieren (vgl. Paris Declaration in OECD IV: S.3), scheint durch technische Zusammenarbeit in ihrer jetzigen Form unterminiert zu werden. Greenhill geht sogar noch einen Schritt weiter und postuliert, dass die technische Zusammenarbeit, insbesondere das Entsenden eigener Experten in die Empfängerländer, von den Geberländern dazu missbraucht wird den zuvor verlorenen Einfluss wieder zu gewinnen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in den ODA-Begriff, dessen Kritik und die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Reformdiskussion.
Geschichte: Darstellung der historischen Entstehung des 0,7%-Ziels und der offiziellen Definition der ODA durch die OECD/DAC.
technische Zusammenarbeit: Kritische Untersuchung der ineffektiven und teilweise abhängigkeitsfördernden Praxis der technischen Zusammenarbeit.
weitere Massnahmen, die in der Kritik stehen: Analyse der problematischen Anrechnung von flüchtlingsbezogenen Kosten, Verwaltungskosten und militärischen Friedensmissionen.
Kredite: Erörterung der anachronistischen Berechnungsmethoden bei zinsverbilligten Krediten und dem fehlenden Ausfallrisiko.
Reformvorschläge: Vorstellung der verschiedenen Ansätze zur Strengerfassung, Erweiterung oder Neukonzeption der ODA-Kriterien.
Qualitätsstandards: Präsentation des QuODA-Index als Instrument zur Messung und Verbesserung der Qualität von Entwicklungshilfe.
persönliche Meinung: Abschließende Reflektion über die Machtverhältnisse im aktuellen System und Plädoyer für ein progressives, zentralisiertes Vergabemodell.
Schlüsselwörter
Official Development Assistance, ODA, OECD, DAC, Entwicklungspolitik, Reform, 0,7%-Ziel, Technische Zusammenarbeit, Phantom Aid, Kredite, Capacity Building, Paris Declaration, QuODA, Geberländer, Empfängerländer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Kennzahl "Official Development Assistance" (ODA), deren historischer Bedeutung und der aktuellen Kritik an ihrer Berechnungsmethode im Kontext einer modernen Entwicklungspolitik.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Die Arbeit analysiert die Ineffizienz bestimmter Anrechnungspraxen wie technische Zusammenarbeit, Kredite und flüchtlingsbezogene Kosten, sowie verschiedene Reformvorschläge zur Neugestaltung der Entwicklungsfinanzierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die aktuelle ODA-Berechnung den komplexen Herausforderungen der heutigen Welt nicht mehr gerecht wird und eine Reform oder Anpassung der Indikatoren dringend notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der Berichte von NGOs, OECD-Daten und fachwissenschaftliche Studien zu Reformansätzen kritisch ausgewertet und gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine kritische Hinterfragung einzelner ODA-Bestandteile (wie technische Hilfe und Kredite) und eine Diskussion über Lösungsmodelle wie das EFFD-Modell oder den QuODA-Index.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind ODA, Phantom Aid, Konzessionalität, Geber-Empfänger-Beziehung, Schuldenerlass und der Post-2015-Prozess.
Warum wird technische Zusammenarbeit in der Arbeit kritisiert?
Sie wird kritisiert, da sie oft ineffektiv und überteuert ist, inländische Interessen des Geberlandes stützt und durch das Entsenden eigener Experten lokale Entwicklungsprozesse („Ownership“) eher unterminiert als stärkt.
Welche Rolle spielen Kredite bei der ODA-Berechnung?
Kredite werden als ODA angerechnet, obwohl die aktuelle Berechnungsmethode (Konzessionalität und feste Zinssätze) anachronistisch ist und Geberländern teilweise sogar Gewinne ermöglicht, während das Ausfallrisiko unzureichend berücksichtigt wird.
Wie bewertet der Autor die Rolle des 0,7%-Ziels?
Der Autor sieht das Ziel kritisch: Während es einerseits als wichtiges Symbol dienen kann, verschleiert es andererseits die Arroganz des globalen Nordens und dient oft als rein plakative Kennzahl, die strukturelle Ungleichheiten nicht bekämpft.
- Citation du texte
- Jan Schmutzler (Auteur), 2015, ODA Quo Vadis. Official Development Assistance unter Veränderungsdruck, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295758