Die meisten haben sicher schon das eine oder andere über das "Opus Dei" gehört. Aber was entspricht davon wirklich der Wahrheit? Schließlich ist uns allen vermutlich bewusst, dass das „Werk“, wie es von seinen Mitgliedern genannt wird, oft als sagenumwobener Geheimbund dargestellt wird. Worum handelt es sich beim "Opus Dei" also eigentlich? Ist es eine Sekte? Existieren für die zahlreichen Mythen und Legenden über das „Werk“ (historische) Belege? Was kann man sich unter dem Begriff „Personalprälatur“, der Rechtsform des "Opus
Dei", vorstellen? Wie wird man Mitglied und ist es möglich, das „Werk“ jemals wieder zu verlassen? Wo findet man das "Opus Dei" und was macht das Leben der Mitglieder aus? Welche Konsequenzen ergeben sich aus der vom Gründer entworfenen Kurzformel „Heilige deine Arbeit. Heilige dich in deiner Arbeit.
Heilige andere durch deine Arbeit.“ für den Alltag der Anhänger
des "Opus Dei"? Was hat es mit dem Symbol des „Werks“, bestehend aus einem Kreuz in einem Kreis, auf sich?
All diese Fragen stellt man sich, wenn das
Gespräch auf das "Opus Dei" fällt, doch meist sind die Darstellungen der Personalprälatur in der Öffentlichkeit so legendenlastig oder aber so kritisch und von Vorwürfen determiniert, dass ein auf Tatsachen beruhendes Urteil schwer
fällt.
In meiner Ausarbeitung unternehme ich einen ersten Schritt, das "Opus Dei" nicht nur nach seinem von der Öffentlichkeit
gestalteten Bild zu beurteilen. Stattdessen habe ich es mir zum Ziel gesetzt, vielschichtige Ansichten zu studieren, um am Ende zu einem Urteil zu gelangen, das auf belastbaren Recherchen beruht. Hierfür befasse ich mich mit der Gründung des "Opus Dei" und in diesem Zusammenhang mit seinem Gründer,
Josemaria Escriva.
Des Weiteren werde ich die Organisationsstruktur des
„Werks“ sowie die Rechtsform der „Personalprälatur“ beleuchten und mich mit dem „Lebensplan“ beziehungsweise den „Normen“ der Mitglieder des "Opus Dei" befassen.
Im Anschluss daran widme ich mich der Mitgliedschaft in der
Personalprälatur. Hierbei gehe ich einerseits auf die Aufnahme als Mitglied in die Prälatur sowie die unterschiedlichen Kategorien einer Mitgliedschaft im "Opus Dei", andererseits jedoch auch auf den Austritt aus der Personalprälatur ein. Zudem gilt es im weiteren Verlauf der Arbeit die Ideen, die hinter dem "Opus Dei" stehen, zu beleuchten und auf seine weltweite Verbreitung einzugehen. Auch die Rolle des "Opus Dei" während des Zweiten Vatikanischen Konzils .
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gründung
3. Struktur
3.1. Organisationsstruktur
3.2. „Lebensplan“/“Normen“
3.3. Mitgliedschaft
3.3.1. Aufnahme von Mitgliedern
3.3.2. Arten der Mitgliedschaft
3.3.3. Der Weg aus dem Opus Dei
4. Ideen
5. Verbreitung
6. Rolle im Bezug auf das Zweite Vatikanische Konzil
7. Abgrenzung zur katholischen Kirche
8. Mythen
9. Darstellung in der Öffentlichkeit
10. Kritik
11. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Opus Dei jenseits der öffentlichen Mythenbildung auf Basis sachlicher Recherchen zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie die Organisation strukturell und spirituell aufgebaut ist, welchen Stellenwert die Mitgliedschaft einnimmt und wie kritische Aspekte sowie die Rolle des Werks innerhalb der katholischen Kirche und der Öffentlichkeit zu bewerten sind.
- Gründungsgeschichte und spirituelle Kerngedanken (z.B. Gotteskindschaft).
- Organisationsstruktur und kirchenrechtlicher Status als Personalprälatur.
- Aufnahmeprozess und verschiedene Kategorien der Mitgliedschaft.
- Kritische Analyse von Mythen, Geheimhaltungsvorwürfen und Reformpotenzialen.
Auszug aus dem Buch
Die Rechtsform der „Personalprälatur“
Die ersten zwei Jahrzehnte seines Bestehens über stellte das Opus Dei eine von der Orthodoxie akzeptierte und zugleich ungewöhnliche kirchliche Abteilung dar. Die Außergewöhnlichkeit des „Werkes“ bestand hauptsächlich in der Überzeugung Escrivas, Priester und Laien würden dieselbe Berufung teilen und seien dementsprechend in ihrer geistlichen Arbeit gleichgestellt. Das Zweite Vatikanische Konzil brachte in den 1960er Jahren jedoch den Beschluss hervor, die Rolle der Laien stärken und den Missionsauftrag an die Erfordernisse einer modernen Welt anpassen zu wollen. Man entwickelte folglich die Rechtsform der „Personalprälatur“. Das Opus Dei wurde im Jahre 1982 durch Johannes Paul II. zur ersten (und bislang einzigen) Personalprälatur erhoben. Zuvor durchlief das „Werk“ die Rechtsformen „Pia Unio“, „Priestergesellschaft“ und „Säkularinstitut“, bis es letztlich dann zur Personalprälatur ernannt wurde.
Escriva soll laut Whitehouse immer sehr erpicht darauf gewesen sein, die Umsetzung des kanonischen Rechts bis ins Detail sicherzustellen sowie das Opus Dei zu schützen und „das Undefinierbare zu definieren“. Die Prälatur wäre ohne eine kirchenrechtlich abgesegnete Struktur nämlich nicht in der Lage gewesen, in der gewünschten Form zu operieren, also einerseits mit Laien und andererseits mit Frauen als Mitgliedern. Aus diesem Grund sei es für das Opus Dei von erheblicher Bedeutung, den Status einer Personalprälatur zu tragen. Würde es sich beim Opus Dei nämlich nicht um eine Personalprälatur handeln, liefe das „Werk“ immerzu Gefahr, in andere Bereiche des kanonischen Rechts abzugleiten. So wären Laien ausgeschlossen, wenn es sich beim Opus Dei um einen „religiösen Orden“ handeln würde und bei einer „Laienorganisation“ wären die Priester als Mitglieder außer Reichweite. Zusätzlich gäbe es keinen Rahmen für die Ablegung des Keuschheitsgelübdes. Der Begriff „Personal“ soll in der Rechtsform der „Personalprälatur“ darauf hinweisen, dass sich die Institution nicht über ein Territorium definiert, sondern ortsgebunden ist und sich damit beispielswiese von Diözesen unterscheidet. (vgl. Whitehouse 2007: 38f)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Problemstellung und methodischer Ansatz der Arbeit zur neutralen Untersuchung des Opus Dei.
2. Gründung: Lebensweg von Josemaria Escriva und Entstehung des Opus Dei in Spanien.
3. Struktur: Detaillierte Betrachtung der Organisationsformen, des Lebensplans und der verschiedenen Stufen der Mitgliedschaft.
4. Ideen: Erläuterung zentraler Konzepte wie der Heiligung der Arbeit und der Gotteskindschaft.
5. Verbreitung: Analyse der geographischen Ausbreitung und der Entwicklung in verschiedenen Ländern.
6. Rolle im Bezug auf das Zweite Vatikanische Konzil: Untersuchung des Verhältnisses von Escriva zum Konzil und den Reformpäpsten.
7. Abgrenzung zur katholischen Kirche: Einordnung des Opus Dei als Teil der Kirche und Diskussion um Vorwürfe einer "Kirche in der Kirche".
8. Mythen: Entkräftung populärer Legenden, exemplarisch dargestellt anhand des Romans "Sakrileg".
9. Darstellung in der Öffentlichkeit: Zusammenfassung der divergenten Wahrnehmungen durch Literatur und Medien.
10. Kritik: Auseinandersetzung mit Vorwürfen wie Geheimhaltung, Sektiererei und Fanatismus.
11. Fazit: Persönliche Reflektion der Autorin über die Schwierigkeit einer neutralen Beurteilung und Ausblick auf notwendige Reformschritte.
Schlüsselwörter
Opus Dei, Josemaria Escriva, Personalprälatur, Heiligkeit, Lebensplan, Laienspiritualität, Mitgliedschaft, Numerarier, Supernumerarier, körperliche Abtötung, Zweites Vatikanisches Konzil, Geheimhaltung, Sakrileg, Gotteskindschaft, Kirche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Opus Dei kritisch und differenziert, um ein sachliches Bild über die Organisationsstruktur, die Spiritualität und das öffentliche Image dieser Personalprälatur zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gründungsgeschichte, den täglichen "Normen" des Lebensplans, der Struktur der Mitgliedschaft und den kritischen Debatten rund um das Opus Dei.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Vorurteile und Mythen durch eine fundierte Auseinandersetzung mit Primärquellen und fachspezifischer Literatur zu hinterfragen und ein neutraleres Verständnis für die Organisation zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine Literaturstudie, die verschiedene Perspektiven – von internen Dokumenten über Werke von Kritikern bis hin zu neutraleren wissenschaftlichen Analysen – gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Struktur, die spirituellen Leitideen, die weltweite Verbreitung, das Verhältnis zur katholischen Kirche sowie eine Analyse der kritischen Aspekte und Mythenbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Personalprälatur, Heiligung der Arbeit, Opus Dei, Josemaria Escriva und die kritische Auseinandersetzung mit dem "Werk".
Wie unterscheidet sich die Mitgliedschaft im Opus Dei von einem religiösen Orden?
Die Mitglieder der Prälatur legen keine Ordensgelübde (Armut, Keuschheit, Gehorsam) im klassischen Sinne ab und bleiben weiterhin in ihren jeweiligen Diözesen beheimatet, was den weltlichen Charakter betont.
Warum wird dem Opus Dei oft "Geheimhaltung" vorgeworfen?
Der Vorwurf resultiert aus der Diskretion der Mitglieder bezüglich ihrer Zugehörigkeit sowie dem internen Charakter spezifischer Dokumente, was Außenstehende oft als Mangel an Transparenz interpretieren.
Wie bewertet die Autorin die Reformfähigkeit des Opus Dei?
Die Autorin sieht eine Notwendigkeit zur vermehrten Transparenz und zum kritischen Dialog mit der Öffentlichkeit, stellt jedoch fest, dass die institutionelle Selbsteinschätzung des Opus Dei wenig Spielraum für strukturelle Reformen bietet.
- Citation du texte
- Viktoria Mey (Auteur), 2015, "Opus Dei". Zwischen Mythos und Realität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295772